Mit ‘Klimawandel’ getaggte Beiträge

Frühlingstamariske (Tamarix parviflora)

Frühlingstamariske (Tamarix parviflora)

Angesichts des erschreckenden Rückgangs der Insekten in Deutschland, mahnt der Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V., Bäume als einen Hauptträger der biologischen Vielfalt stärker in den Fokus zu nehmen: Baumpflanzungen in sehr großem Umfang seien notwendig.

Das alarmierende Insektensterben sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass insbesondere in der industriellen Agrarlandschaft Bäume zu Mangelware würden, erklärt der Hauptgeschäftsführer des BdB, Markus Guhl: „Feldraine und Gehölzstreifen in Form von Hecken verschwinden zunehmend. Grund sind meistens die immer größer werdenden Landmaschinen, die am besten auf ‚hindernisfreien‘ großen Feldern eingesetzt werden.

Zu allem Überfluss gehe es nun auch vielen Alleen an den Kragen, so Guhl weiter: „Die Straßenverkehrsverwaltungen sehen Bäume ausschließlich als Hindernisse, die bei Unfällen Autofahrer gefährden. Mit dieser Begründung werden ganze Alleen abgeholzt. Das Resultat ist, dass auch die letzten biologischen Brücken, das heißt Baumreihen, aus unseren Landschaften verschwinden. Deswegen muss sich niemand über das Insektensterben wundern.

Guhl schlägt ein massives Anpflanzprogramm an Landstraßen, aber auch an Feldern vor: „Bäume bieten vielfältigen Insekten Lebensraum. Und dort, wo Bäume stehen, können auch unter ihren Kronen Blühstreifen existieren, die dann keinem Pflug zum Opfer fallen.“

Aber auch in den Städten sieht Guhl Handlungsbedarf. „Wir dürfen uns nichts vormachen. In den letzten Jahren sind durch die innerstädtische Verdichtung immer mehr Naturflächen verloren gegangen. Das muss jetzt dazu führen, dass wenigstens die vielen fehlenden Bäume an Straßen und Parks zügig ersetzt werden. Aus Sicht der biologischen Vielfalt sind dabei möglichst große Bäume die erste Wahl„, so der BdB-Hauptgeschäftsführer.

Der BdB fordert daher, die Schaffung eines Förderprogramms für Städte, Länder und Kommunen, so dass zügig Gelder für die Anpflanzung und die Pflege neuer Bäume vorhanden sind. „Das Insektensterben muss schnellstmöglich gestoppt werden. Das sollte der öffentlichen Hand einige Millionen Euro wert sein. Denn die Folgen eines weitergehenden Insektensterbens werden wesentlich gravierender für unsere Umwelt sein. Umweltschutz gibt es nicht zum Nulltarif. Das gehört auch zur Wahrheit„, fasst Guhl die Situation zusammen.Lgog

Quelle: Pressemitteilung des Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V.

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Der Klimawandel ist Realität. Weltweit wird es Auswirkungen auf Natur- und Umwelt geben – auch im Bezirk Kalk.

Darum hatte ich zur 39. Sitzung unter TOP 9.2.5 der Kalker BV gefragt, ob die Bezirksvertreter Informationen zum Stadtklimaprojekt „Klimawandelgerechte Metropole Köln“ erhalten werden. (140320-Klimawandel im Stadtbezirk Kalk) Schließlich hatte ich bei dessen Vorstellung am 09.10.2013 keinen einzigen Kalker Bezirksvertreter gesehen und bei von mir erhobenen Forderungen daraus bereits ungläubige Blicke und Widerspruch in der BV geerntet.

Das positivste an der Antwort der Verwaltung ist, dass diese innerhalb einer Woche vorlag und inhaltlich vernünftig war. (Beantwortung 1043-2014)
Leider aber auch unbefriedigend, denn laut Verwaltung kann die Durchführung von Infoveranstaltungen zu den Grundsatzfragen des Klimawandels auf bezirklicher Ebene aus Kapazitätsgründen nicht erfolgen. Welche Gebiete klimatisch besonders belastet sind, ist auf bezirklicher Ebene eine Aufgabe für die zukünftige Arbeit. Auswertungen auf bezirklicher Ebene zu Starkregenereignissen sind im Projekt bisher nicht erstellt worden, sondern sind erst ein Baustein der zukünftigen Arbeit. Maßnahmen zur gesundheitlichen Vorsorge auf bezirklicher Ebene ist eine Aufgabe für die zukünftige Arbeit.

Das Angebot der Verwaltung, Fragen, die sich aus der Lektüre des LANUV-Fachberichtes ergeben, selbstverständlich schriftlich zu beantworten, sollten dann die neuen Bezirksvertreter*innen in Kalk auch möglichst nutzen.

Klimawandelgerechte Metropole Köln LANUV-Abschlussbericht
LANUV-Fachbericht als PDF (18 MB)

Wie viel Platz räumen große Tageszeitungen dem Thema Klimawandel ein? Ein Team um den Soziologen Andreas Schmidt von der Universität Hamburg, KlimaCampus, hat die Berichterstattung in 27 Staaten ausgewertet. Die Studie zeigt: In allen Ländern hat die Medienaufmerksamkeit seit 1996 deutlich zugenommen. Besonders hoch ist sie, wo die Wirtschaft stark auf fossilen Energieträgern wie Öl oder Kohle basiert und sich die Länder gleichzeitig im Rahmen des Kyoto-Protokolls verpflichtet haben, CO2-Emissionen zu reduzieren.

Bisher gab es kaum Studien, die mehr als drei Länder verglichen und Entwicklungs- oder Schwellenländer mit einbezogen. Die neue Analyse, die jetzt im Fachjournal „Global Environmental Change“ veröffentlicht wurde, umfasst sowohl Industrie- als auch Entwicklungsländer über den Zeitraum von 1996 bis 2010. Pro Land haben die Forscher ein bis zwei so genannte Qualitätszeitungen mit nationaler Bedeutung und hoher Reichweite untersucht und monatlich den Anteil der Klimabeiträge an der gesamten Berichterstattung der jeweiligen Zeitung ermittelt.
Vergleich_Medienaufmerksamkeit_Grafik_Seite_1
Während des Untersuchungszeitraums handelten in Deutschland durchschnittlich 0,41 Prozent aller Zeitungsartikel vom Klimawandel. Im internationalen Vergleich nimmt Deutschland damit einen Platz im hinteren Drittel ein. Beim Spitzenreiter Australien erhielt das Thema mehr als dreimal so viel Raum (1,42 Prozent). In der Gruppe der elf Industrieländer lagen nur Russland und Spanien hinter Deutschland. Insgesamt zollten die Medien in 17 Ländern (acht Industrie- und neun Entwicklungsländer) dem Klimawandel mehr Aufmerksamkeit als in Deutschland.

Mit diesem Ergebnis hatten wir nicht gerechnet“, sagt Schmidt. Doch während in Deutschland bereits seit den 1980er Jahren ein breiter Konsens herrsche, in der internationalen Klimapolitik eine Vorreiterrolle zu übernehmen, gäbe es in Australien aufgrund starker Lobbygruppen mit unterschiedlichen Interessen eine viel intensivere Debatte. Die australische Wirtschaft basiert stärker auf fossilen Energieträgern als Deutschland und steht bei der Umsetzung der Kyoto-Ziele deshalb vor größeren Herausforderungen.

Länder, die besonders viele Treibhausgase produzieren und unter dem Druck stehen, Lebensstil und Wirtschaft zu verändern, diskutieren sehr viel über Klimawandel und politische Lösungen“, so Schmidt. Dieser Zusammenhang zwischen Handlungsdruck und Medienaufmerksamkeit wird am Beispiel Australien besonders deutlich. „Hier spielt wohl auch eine Rolle, dass eine starke Umweltbewegung extreme Wetterereignisse wie Dürren und Hochwasser thematisiert.“ Die Analyse zeigt also, dass der Umfang der Artikel gesellschaftliche und politische Diskussionen zum Klimawandel widerspiegelt. „Im Falle Australiens hat die breite gesellschaftliche Debatte letztlich zu ambitionierten Klimazielen geführt. Eine hohe Medienaufmerksamkeit kann also auch Impulse für die Klimapolitik setzen.“

Vergleich_Medienaufmerksamkeit_Grafik_Seite_2Außerdem zeigt die Studie: In besonders klimagefährdeten Ländern unterscheidet sich der Anteil der klimabezogenen Artikel kaum vom Durchschnitt aller Länder. Unterschiede zeigen sich aber zwischen den Ländern, die im Rahmen des Kyoto-Protokolls keine Verpflichtungen übernommen haben – und die generell weniger über das Thema Klimawandel berichten. Innerhalb dieser Gruppe ist die Medienaufmerksamkeit deutlich höher, wenn signifikante Auswirkungen für das jeweilige Land erwartet werden. Die Beiträge handeln in diesen Ländern hauptsächlich von den Folgen des Klimawandels und den Anpassungsmaßnahmen. „Wirtschaftliche Interessenkonflikte auf nationaler Ebene bestehen hier kaum, da diese Länder keine Verantwortung übernommen haben, Ziele eines internationalen Klimaabkommens zu verwirklichen. Daher gibt es auch weniger Diskussionsbedarf“, so Schmidt.

 

 

Niveau der Medienaufmerksamkeit im Ländervergleich
Tabelle zum Download
Grafik zum Download 
Der Artikel ist abrufbar unter: DOI: 10.1016/j.gloenvcha.2013.07.020
Andreas Schmidt, Ana Ivanova, Mike S. Schäfer: Media Attention for Climate
Change Around the World: A Comparative Analysis of Newspaper Coverage in
27 Countries, in Global Environmental Change.

Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW e.V. hat einen umfangreichen Fragenkatalog an die Direktkanidat_innen geschickt. Ich habe soeben die Zeit gefunden, um zu antworten und möchte diese Antworten allen anderen nicht vorenthalten.

Wenn Interessenverbände fragen und Politiker antworten, dann sollten schon alle sehen, was da kommuniziert wird. Also viel Vergnügen bei der Lektüre der angehängten PDF-Datei.

 

Die Zahl der Presseartikel zum Thema „Klimawandel“ hat sich seit 1996 weltweit auf das vier- bis achtfache erhöht. Wie eine Studie des KlimaCampus der Universität Hamburg jetzt zeigt, hat sich das Medieninteresse europäischer und nordamerikanischer Länder dabei besonders ähnlich entwickelt. Andere Staaten aus Asien, Afrika, Südamerika oder Arabien weisen kaum länderübergreifende Übereinstimmungen auf.
 

Die Präsenz des Themas Klimawandel stieg in den vergangenen 15 Jahren in allen 23 untersuchten Ländern um den Faktor vier bis acht an. Dies zeigen Ergebnisse von Mike S. Schäfer, Ana Ivanova und Andreas Schmidt, Kommunikationswissenschaftler vom KlimaCampus der Universität Hamburg. Für die jetzt in der Fachzeitschrift „Studies in Communication/Media“ veröffentlichte Arbeit wurden mehr als 80.000 Zeitungsartikel analysiert. „Das Thema gewinnt in allen Ländern stark an Bedeutung – doch manche Länder sind sich ähnlicher“, so Schäfers Fazit.

Erstmals untersuchten die Forscher dabei einen Mix von Ländern aus allen Kontinenten, der auch viele nicht-englischsprachige Medien umfasste. Bewusst wurden sowohl „Verursacher“ des Klimawandels wie die USA, Australien oder Frankreich, als auch potenziell eher „betroffene“ Länder wie Namibia, Indonesien oder Mexiko mit einbezogen. Vergleichbare Arbeiten beschränkten sich bisher vor allem auf die westliche und englischsprachige Presse.

Das Team wertete für die Studie Zeitungsartikel von 1996 bis 2010 aus. Für jedes Land wählten die Forscher ein nationales Leitmedium, das täglich und überregional erscheint und spezielle Qualitätsstandards erfüllt. Ermittelt wurde, wie viel Prozent aller veröffentlichten Artikel sich jeweils auf das Thema Klimawandel bezogen.

Ergebnis: Besonders in europäischen und nordamerikanischen Ländern sind ähnliche Aufmerksamkeitsmuster zu finden. „Ereignisse der internationalen Klimapolitik scheinen hier die Taktgeber zu sein“, sagt Schäfer. Die Medien orientieren sich offenbar eher an gesellschaftlichen Anlässen wie Klimakonferenzen oder den Sachstandsberichten des Weltklimarats IPCC.

Anders der Rest der Welt: Betrachtet man die Presse global, zeigen sich weit geringere Übereinstimmungen. In Teilgruppen wie der asiatischen Öffentlichkeit mit Brunei, Indonesien, Thailand, Malaysia, Singapur, China, Indien, Jemen und Jordanien fanden die Forscher kaum Ähnlichkeiten. Selbst dicht beieinander liegende Staaten mit ökonomisch ähnlicher Entwicklung für sich genommen, wie die Tigerstaaten in Fernost, weisen keine ausgeprägten Korrelationen auf.

Die Medien dieser Staaten agieren demnach individueller und orientieren sich weniger an ihren Nachbarn oder an vermeintlich globalen Klimaanlässen. Das Interesse scheint eher von nationalen oder regionalen Auswirkungen des Klimawandels geprägt zu sein, von denen viele Entwicklungs- und Schwellenländer besonders stark betroffen sind. Den Gründen für solche länderspezifischen Aufmerksamkeitsmuster sind Schäfer und seine Kollegen in einer nächsten Forschungsarbeit auf der Spur.

Mehr Informationen über Daten und Methoden (PDF)

http://www.klimacampus.de/

Berlin – Ein schneller Atomausstieg ist in Deutschland ohne Einbußen der Versorgungssicherheit oder ernste Nachteile für die Stromverbraucher möglich. Das ergibt sich aus einem heute präsentierten Gutachten, das unter der Federführung von Prof. Dr. Olav Hohmeyer an der Universität Flensburg erarbeitet wurde. Nach den Ergebnissen des Gutachtens – Titel: „Atomausstieg 2015 und regionale Versorgungssicherheit“ – ist der Abschied von der kommerziellen Nutzung der Atomenergie technisch und volkswirtschaftlich schon bis 2015 machbar.

Die DUH hält einen schnellen Atomausstieg auch verfassungsrechtlich für zulässig. „Wir empfehlen eine Regelung auf der Grundlage von Kalenderjahren statt Reststrommengen“, so Bundesgeschäftsführer Rainer Baake. Nach dem DUH-Vorschlag würde als letztes Atomkraftwerk der Reaktor Neckarwestheim 2 am 15. April 2017 endgültig stillgelegt.

Hohmeyer und Baake äußerten sich am Tag vor der für Donnerstag anberaumten Expertenanhörung der „Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung“ der Bundesregierung unter Leitung des früheren Bundesumweltministers Klaus Töpfer.

Das Gutachten der Universität Flensburg widerlegt auf Grundlage einer Analyse der regionalen Verteilung der abzuschaltenden Atomkraftwerke, der zu erwartenden höchsten Stromnachfrage des Jahres („Jahreshöchstlast“) und der bestehenden Stromtransportmöglichkeiten zwischen benachbarten Netzregionen die in den vergangenen Wochen von interessierter Seite geäußerte Erwartung, bei einem schnellen Atomausstieg werde es insbesondere in den Stromverbrauchzentren Süddeutschlands zu Engpässen und Netzzusammenbrüchen kommen. „Die Analyse zeigt eindeutig, dass für einen Atomausstieg bis Ende 2015 kein Netzausbau erforderlich ist“, sagte Olav Hohmeyer, der auch Mitglied des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU) der Bundesregierung und Co-Autor eines kürzlich von dem Gremium veröffentlichten umfangreichen Gutachtens zur Vollversorgung Deutschlands mit Strom aus Erneuerbaren Energien bis 2050 ist.

Die gegenwärtige Diskussion über einen möglichst zügigen Um- und Ausbau der Stromnetze sei dennoch „absolut notwendig, um den Übergang in das regenerative Zeitalter bis 2050 oder sogar schon bis 2030 zu schaffen, aber unwesentlich für einen schnellen Atomausstieg“, erklärte Hohmeyer.

Die andauernde Katastrophe von Fukushima habe entscheidende Teile jener politischen und wirtschaftlichen Kräfte in der Gesellschaft umgestimmt, „die das Restrisiko zuvor fälschlich als hypothetische Größe missverstanden haben“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake. Da der Super-GAU auch in Deutschland jederzeit passieren könne, sei „jedes Jahr, das die Atomkraftwerke früher abgeschaltet werden, ein konkreter Gewinn an Sicherheit. Jetzt ist die Zeit reif für einen klaren Schnitt und eine Beschleunigung des Atomausstiegs.“

Dazu schlägt die DUH vor, in einer Novelle des Atomgesetzes die bisherige Festlegung der Reaktorlaufzeiten auf Basis von Reststrommengen, die noch erzeugt werden dürfen, aufzugeben und stattdessen die Laufzeiten aller 17 Atomkraftwerke einheitlich auf 28 Kalenderjahre seit der Aufnahme des kommerziellen Betriebs zu begrenzen. (Die daraus resultierenden Abschalttermine ergeben sich aus der Anlage.) Baake erläuterte, dass sich die Investitionen in die Anlagen spätestens nach 28 Jahren amortisiert und einen im Rechtssinne „angemessenen Gewinn“ abgeworfen hätten. Entschädigungsforderungen der Betreiber wären unbegründet. Um kein unnötiges Risiko bei einer zu erwartenden Klage der Betreiber vor dem Bundesverfassungsgericht einzugehen, empfiehlt die DUH dennoch, eine Entschädigungsklausel für noch nicht amortisierte Sicherheitsinvestitionen in die Reaktoren seit dem „Atomkonsens“ von 2001 ins Gesetz aufzunehmen.

Ergebnis des DUH-Vorschlags wäre, dass keines der im Rahmen des Moratoriumsbeschlusses der schwarz-gelben Bundesregierung abgeschalteten Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen könnte. Ebenfalls noch in diesem Jahr müsste das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld stillgelegt werden und im kommenden Jahr der ohnehin seit bald vier Jahren fast ununterbrochen abgeschaltete Pannenmeiler Krümmel sowie das AKW Gundremmingen. Als letzter Reaktor würde im April 2017 Neckarwestheim 2 stillgelegt, der 1989 als letzter Meiler der alten Bundesrepublik den kommerziellen Betrieb aufnahm. Baake: „Unser Vorschlag reflektiert die von der Bundeskanzlerin betonte neue Gesamtlage nach Fukushima, er ist einfach, rechtssicher umsetzbar und, wie das Hohmeyer-Gutachten nachweist, technisch und volkswirtschaftlich tragfähig“. Die Möglichkeit, Strommengen zu übertragen und durch eine „politische Fahrweise“ Reaktoren über Wahltermine zu retten, würde bei dieser Regelung entfallen.

Laut dem Gutachten der Universität Flensburg müssten zur bundesweiten Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit lediglich genehmigte und schon im Bau befindliche Gas- und Kohlekraftwerke fertig gestellt werden. Der CO2-Ausstoß aus der Stromerzeugung sei durch den europäischen Emissionshandel nach oben begrenzt und könne sich europaweit nicht erhöhen. Er würde in Deutschland zunächst für wenige Jahre leicht ansteigen, aber dann im neuen energiepolitischen Rahmen wegen des beschleunigten Zubaus Erneuerbarer Energiekapazitäten steiler absinken. Per Saldo ergäbe sich eine niedrigere Belastung der Atmosphäre mit Treibhausgasen aus Deutschland als nach den aktuellen Planungen.

Hohmeyer zeigte anhand von Börsendaten, dass sich ein Strompreisanstieg nach der Abschaltung von sechs Atomkraftwerken infolge der Reaktorkatastrophe von Fukushima nicht nachweisen lasse. Ebenso wenig sei der zwischenzeitlich beobachtete Import von Strom aus Tschechien und Frankreich auf Strommangel in Deutschland zurückzuführen, sondern auf vorübergehend günstigere Stromhandelspreise in diesen Ländern. Der Stromaustausch mit anderen Ländern bewege sich im seit Jahren beobachteten Rahmen. „Ein schneller Atomausstieg wird weder die Strompreise explodieren lassen, noch die nationalen Klimaziele dauerhaft belasten oder dazu führen, dass irgendwo in Deutschland die Lichter ausgehen“, fasste Hohmeyer die Ergebnisse der Untersuchungen zusammen.

Anlagen:

DUH-Gesetzesvorschlag für einen schnelleren Atomausstieg

Gutachten „Atomausstieg 2015 und regionale Versorgungssicherheit“ der Universität Flensburg

Brüssel/Leipzig. Die Anpassung an den Klimawandel steht in den Staaten der Europäischen Union erst am Anfang und weist noch erheblichen Entwicklungsbedarf auf. So fehlen zum Beispiel Aussagen zu Kosten und Nutzen der Anpassung. Auch eine koordinierte europaweite Forschungsstrategie sei noch nicht zu erkennen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die im Juni in Brüssel vom PEER-Verbund vorgestellt wurde. In PEER (Partnership for European Environmental Research) arbeiten sechs Umweltforschungszentren aus den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Finnland und Deutschland sowie die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission zusammen.

Die nationalen Anpassungsstrategien verschiedener EU-Mitgliedsstaaten an den Klimawandel sind erstmals miteinander verglichen worden. Dabei fanden die Wissenschaftler einige gemeinsame Stärken und Schwächen. So werden der systematische bereichsübergreifende Ansatz sowie die Einbeziehung der Betroffenen als positiv, fehlende Bekenntnisse zur weiteren Umsetzung und Bereitstellung der nötigen Ressourcen dagegen als überwiegend negativ bewertet. Sieben EU-Staaten verfügen über eine solche Anpassungsstrategie und in sieben Staaten wird diese zurzeit offiziell erarbeitet. Für die Studie wurden die Anpassungsstrategien von Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Spanien untersucht.

Lange haben sich die Bemühungen allein auf die Vermeidung des Klimawandels konzentriert. Mit dem Wissen um die Folgen ist in den letzten Jahren auch das Bewusstsein gewachsen, dass parallel zur Vermeidung eine Anpassung an den Klimawandel erfolgen muss. (siehe auch: Klimawandel in Köln) Die Herausforderung dabei ist jedoch, dass es kein einheitliches, klares Ziel wie beim Klimaschutz gibt. Stattdessen handelt es sich um eine Vielzahl von Problemen in unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft mit unterschiedlichen Zuständigkeiten, und es bestehen noch hohe Unsicherheiten darüber, wie gravierend sich der Klimawandel vor Ort auswirken wird. Um dieser Herausforderung zu begegnen, haben viele Länder in den letzten Jahren Anpassungsstrategien entwickelt. Anhand dieser Strategien sollen in den nächsten Jahren konkrete Umsetzungspläne und Anpassungsmaßnahmen entwickelt werden.

In Deutschland sind vom Klimawandel unter anderem die Bereiche Gesundheit, Hochwasserschutz, Wasserversorgung sowie die Land- und Forstwirtschaft betroffen. Die Klimaszenarien rechnen beispielsweise damit, dass sich die Anzahl der Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad deutlich erhöhen wird, was besonders Gesundheitsrisiken für ältere Menschen bedeutet. So werden sich Stadtplaner und Architekten darauf einstellen müssen, Schatten und Kühlung künftig stärker zu berücksichtigen. (siehe auch: In Köln wird’s heiß) Ein zentraler Punkt wird der Faktor Wasser sein, da die Niederschläge im Sommer voraussichtlich zurückgehen werden, das Hochwasserrisiko im Winterhalbjahr jedoch steigen wird. Die deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel wurde vom Bundeskabinett im Dezember 2008 verabschiedet und wird von den Autoren der Studie als vergleichsweise gründlich und konkret in der weiteren Planung gelobt.

Eine interministerielle Arbeitsgruppe soll einen ersten Entwurf für ein Aktionsprogramm bereits im April 2011 vorlegen.

Vorreiter in Europa sei in vieler Hinsicht Großbritannien, das durch sein engagiertes „Climate Impact Programme“ bereits vielfältige Forschungen durchgeführt und konkrete Anpassungsempfehlungen für die betroffenen Regionen und Unternehmen entwickelt hat.

Für den wichtigen Bereich der Klimafolgen- und Anpassungsforschung kommt die Studie insgesamt zu dem Ergebnis, dass es erheblich an nationaler und europaweiter Koordinierung mangelt. Gäbe es eine inhaltliche Strategie und würde diese durch dafür zuständige Institutionen umgesetzt, dann könnten Doppelungen vermieden und Forschungsgelder effektiver eingesetzt werden.

Weiteren Handlungsbedarf sieht Dr. Moritz Reese vom UFZ, Mitautor der Studie, unter anderem bei der langfristigen politischen und rechtlichen Planung in den verschiedenen vom Klimawandel betroffenen Bereichen. So müssten nunmehr auch sektorale Anpassungsstrategien in den wichtigsten betroffenen Politikfeldern entwickelt werden und dafür gesorgt werden, dass die Erfordernisse der Klimaanpassung z.B. in der Raumplanung, der kommunalen Entwicklungs- und Bebauungsplanung, der wasserwirtschaftlichen Planung und den Infrastrukturplanungen besser verankert werden. Entscheidend für das Gelingen des Anpassungsprozesses sei auch eine klares Konzept zur kontinuierlichen Fortentwicklung und Erfolgskontrolle der Anpassungsstrategien und Anpassungsmaßnahmen. „Wir brauchen dazu vor allen Dingen aussagekräftige Indikatoren und ein integriertes belastbares Monitoring. Dazu finden sich jedoch in den Anpassungsstrategien kaum konkrete Planungen„, betont Reese. Überwiegend bleibt noch völlig offen, wie und wann eine Überprüfung stattfinden soll.