Archiv für die Kategorie ‘Tierschutz’

Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta)

Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) bei der Kopulation

Eine weit verbreitete Fehleinschätzung ist es, dass am derzeit festgestellten drastischen Insektenrückgang auch die Klimaerwärmung mit schuld sein könnte. Es ist schon lange bekannt und nachgewiesen, dass diese eher zu einer Vermehrung der Insektenanzahl führte. Wärmeliebende Insekten sind in mediterraneren Klimaten, und natürlich den Tropen, schon immer zahlreicher als in mehr nördlichen Breiten.  

Es ist oft nicht einfach, die direkten Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Artenzusammensetzung einer bestimmten Insektengruppe (zum Beispiel der Wildbienen) in einem Lebensraum zu erforschen – denn das Klima wirkt sich nicht nur mit Temperatur sondern auch über den damit verbundenen Wasserhaushalt auf den Lebensraum direkt aus, vor allem auf die Nahrungspflanzen der Insekten, die zum Beispiel mit Dürre zu kämpfen haben. Botanische Gärten stellen daher so etwas wie künstliche, „optimierte“ aber langzeitig stabile Lebensräume für blütenbesuchende Insekten dar, denn dort blühen jedes Jahr die gleichen Pflanzenarten, auch bei längerer Trockenheit, da künstlich bewässert wird. Lediglich die Temperatur ändert sich auch für die Pflanzen und Insekten dort mit der Klimaerwärmung. Der Artenreichtum des Botanischen Gartens München – an heimischen Wildpflanzen wie auch Zier- und Nutzpflanzen – seine geschützte Lage und die Nichtanwendung von chemischem Pflanzenschutz sind seit der Eröffnung des Gartens 1914 unverändert geblieben. Eine erste Inventarisierung der Wildbienenfauna des Botanischen Garten München fand in den Jahren 1997-1999 statt – nun wurden fast 20 Jahre später die dort vorkommenden Wildbienenarten erneut dokumentiert. Doktorandin Michaela Hofmann von der LMU München hat zusammen mit Dr. Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) von 2015 bis 2017 jeweils von Frühjahr bis Herbst auf regelmäßigen Kontrollgängen durch den Botanischen Garten alle gefundenen Bienen dokumentiert – bei größeren Arten war das teilweise schon anhand von guten Makrofotos möglich, bei vielen kleinen und schwierig zu bestimmenden Wildbienenarten war eine genaue Bestimmung nur durch DNA-Abgleich mit dem Barcoding-Projekt Fauna Bavarica der Zoologischen Staatssammlung (SNSB-ZSM) möglich. Nun wurden die Ergebnisse dieser Wildbienen-Erfassung zusammen mit der LMU-Wissenschaftlerin und Leiterin des Botanischen Gartens, Prof. Susanne Renner in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Oecologia veröffentlicht.

Die Ergebnisse sind überraschend deutlich: wurden 1997-1999 noch 79 Wildbienenarten im Botanischen Garten nachgewiesen, konnten 20 Jahre später 106 Arten gefunden werden. Im gesamten Stadtgebiet München sind seit 1990 192 Bienenarten von Insektenkundlern gefunden worden, das heißt nur 55% aller Münchner Bienenarten kommen auch im Botanischen Garten mit seinem reichhaltigen Angebot an Nahrung und Nistplätzen vor. Eine Untersuchung der Temperaturpräferenzen der neu gefundenen und der nicht mehr gefundenen Arten ergab: von den 1997-1999 nachgewiesenen 79 Arten wurden 62 von 2015 bis 2017 wiedergefunden (einige davon sind heute sehr viel häufiger), aber 15 wärmeliebende Wildbienenarten wurden erstmals gefunden. Drei Wildbienenarten, die eher kühlere Lebensräume (wie Wälder) bevorzugen, wurden nicht wiedergefunden. Zwischen 1997 und 2017 hat sich die durchschnittliche Temperatur während der Vegetationszeit in München um 0.5 °C erhöht, während die Winter immer kürzer wurden. Unter den zwischen 2015 und 2017 neu im Botanischen Garten ‚angekommenen‘ Bienen sind entsprechend mehrere Arten, die bis vor ca. 20 Jahren nur von den Wärmeinseln Deutschlands bekannt waren. Dazu gehört zum Beispiel die große und auffällige Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea), die Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae), die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) und die Natternkopf-Mauerbiene (Hoplitis adunca). Keinerlei Zusammenhang konnte dagegen gefunden werden zwischen Verschwinden oder Neufund und dem Rote-Liste-Status oder den Nahrungspräferenzen der Arten (ob sie z.B. auf bestimmte Blüten spezialisiert sind oder nicht) – lediglich die Wärmepräferenzen der Bienenarten waren signifikant für ihr Vorkommen.

Mehr zu den Wildbienen des Botanischen Gartens München erfahren sie auch unter http://www.botmuc.de/de/bienen/. Dort finden Sie auch Informationen zum Wildbienen-Markierungsprojekt (mehr dazu auch unter http://www.snsb.mwn.de/index.php/de/aktuelles/507-muenchen-sucht-nummerierte-wil…), das auch im Frühjahr 2018 im Botanischen Garten München wieder durchgeführt wird.

Originalveröffentlichung:
M. M. Hofmann, A. Fleischmann, S. S. Renner (2018) Changes in the bee fauna of a German botanical garden between 1997and 2017, attributable to climate warming, not other parameters. Oecologia, online article: https://doi.org/10.1007/s00442-018-4110-x

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Frühlingstamariske (Tamarix parviflora)

Frühlingstamariske (Tamarix parviflora)

Angesichts des erschreckenden Rückgangs der Insekten in Deutschland, mahnt der Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V., Bäume als einen Hauptträger der biologischen Vielfalt stärker in den Fokus zu nehmen: Baumpflanzungen in sehr großem Umfang seien notwendig.

Das alarmierende Insektensterben sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass insbesondere in der industriellen Agrarlandschaft Bäume zu Mangelware würden, erklärt der Hauptgeschäftsführer des BdB, Markus Guhl: „Feldraine und Gehölzstreifen in Form von Hecken verschwinden zunehmend. Grund sind meistens die immer größer werdenden Landmaschinen, die am besten auf ‚hindernisfreien‘ großen Feldern eingesetzt werden.

Zu allem Überfluss gehe es nun auch vielen Alleen an den Kragen, so Guhl weiter: „Die Straßenverkehrsverwaltungen sehen Bäume ausschließlich als Hindernisse, die bei Unfällen Autofahrer gefährden. Mit dieser Begründung werden ganze Alleen abgeholzt. Das Resultat ist, dass auch die letzten biologischen Brücken, das heißt Baumreihen, aus unseren Landschaften verschwinden. Deswegen muss sich niemand über das Insektensterben wundern.

Guhl schlägt ein massives Anpflanzprogramm an Landstraßen, aber auch an Feldern vor: „Bäume bieten vielfältigen Insekten Lebensraum. Und dort, wo Bäume stehen, können auch unter ihren Kronen Blühstreifen existieren, die dann keinem Pflug zum Opfer fallen.“

Aber auch in den Städten sieht Guhl Handlungsbedarf. „Wir dürfen uns nichts vormachen. In den letzten Jahren sind durch die innerstädtische Verdichtung immer mehr Naturflächen verloren gegangen. Das muss jetzt dazu führen, dass wenigstens die vielen fehlenden Bäume an Straßen und Parks zügig ersetzt werden. Aus Sicht der biologischen Vielfalt sind dabei möglichst große Bäume die erste Wahl„, so der BdB-Hauptgeschäftsführer.

Der BdB fordert daher, die Schaffung eines Förderprogramms für Städte, Länder und Kommunen, so dass zügig Gelder für die Anpflanzung und die Pflege neuer Bäume vorhanden sind. „Das Insektensterben muss schnellstmöglich gestoppt werden. Das sollte der öffentlichen Hand einige Millionen Euro wert sein. Denn die Folgen eines weitergehenden Insektensterbens werden wesentlich gravierender für unsere Umwelt sein. Umweltschutz gibt es nicht zum Nulltarif. Das gehört auch zur Wahrheit„, fasst Guhl die Situation zusammen.Lgog

Quelle: Pressemitteilung des Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V.

Ökologisch bewusstes Handeln ist zum Schlagwort der Gegenwart geworden. Aber über ein Schlagwort hinaus, kommt es selten. Das kann umweltbewusste Engagierte, wie mich, manches mal fast zur Verzweiflung und an den Rand der Aufgabe bringen.

Es sind aber nicht nur technologische Änderungen erforderlich, um den „ökologischen Kollaps“ noch zu verhindern, sondern auch Veränderungen im menschlichen (Konsum-)Verhalten. Dazu müssten wir uns aber der menschlichen Grenzen bewusst werden, Umweltbedrohungen überhaupt wahrzunehmen und richtig zu beurteilen. Durch ein ökologisches Selbstwahrnehmungstraining beispielsweise könnten wir Bewertungskompetenz entwickeln, uns emotional stabilisieren sowie sensibilisieren und so mit der ökologischen Bedrohung nicht nur leben lernen, sondern uns ihr auch entgegenstellen.

Ich kämpfe jetzt schon seit rund 30 Jahren mit meinen bescheidenen Mitteln und oft vergeblich gegen die offensichtliche Ignoranz gegenüber unserer Umwelt. Dennoch mache ich weiter, denn während meines Studiums durfte ich einiges dazu lernen, zum Beispiel über unsere Grenzen und Möglichkeiten, überhaupt ökologisch bewusst zu handeln.

„Die Bedrohung durch Zerstörung unserer Lebensbedingungen hat sich weiter zugespitzt. Rein technologische Rettungsversuche erweisen sich als verkürzt. Eine effektive Bewältigung setzt die Veränderung unserer ökologischen Denk- und Verhaltensweisen voraus. Denn die wirkliche Katastrophe geschieht nicht draußen in der Erdatmosphäre, in den Gewässern und im Boden. Die wahre Katastrophe sind wir Menschen selbst. Die zentralen Fragen zur Umweltproblematik richten sich an die Psychologie: Weshalb zerstören wir fortwährend und gegen alles bessere Wissen unsere Lebensgrundlag

en und letztlich uns selbst, obwohl wir doch alle gerne und gut (über-)leben wollen? Was hindert uns an der erforderlichen Verhaltensänderung? Warum fühlen wir uns nicht betroffen, obwohl wir es doch sind? Erst die Analyse dieser katastrophalen psychologischen Mechanismen liefert Handlungsansätze für alle, die ökologische Probleme lösen wollen.“ (Autorenreferat zu Umweltkatastrophe Mensch; Sigrun Preuss)

Dieses umweltpsychologische (eines der ersten auf dem deutschen Markt) und höchst aufschlußreiche Werk kann den vielen im Umweltschutz tätigen oder daran interessierten Menschen die Augen öffnen, warum denn vieles nicht gelingen will und warum so viel Engagement anscheinend für den Arsch ist.

Da haben wir dann die Verbindung zu Jennifer Lopez  und Kim Kardashian. 😉

Welt am Arsch

Der NABU hat die aktuelle Öko-Bilanz der deutschen Nachhaltigkeitsziele als alarmierend bezeichnet. Verantwortlich für den Stillstand bei wichtigen Umweltzielen sei neben fehlendem politischen Willen auch die schleppende Umsetzung bestehender Regelungen. Außer beim Klimaschutz und den erneuerbaren Energien weist die nationale Nachhaltigkeitsstrategie starke Defizite bei den Gradmessern für Artenvielfalt, Mobilität, Ressourcenschonung und Ökolandbau auf. Das bestätigt auch der aktuelle Bericht des Statistischen Bundesamtes zur Umsetzung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie.

Wenn die Politik es ernst meint, muss sie hier erheblich nachbessern. Es ist nicht immer erforderlich, neue Gesetze und Maßnahmen auf den Weg zu bringen, vielmehr müssen bestehende in Bund und Ländern konsequent umgesetzt werden. Alle Bundesländer sollten ihre Nachhaltigkeitsziele auf die bundesweite Strategie abstimmen„, forderte NABU-Präsident Tschimpke anlässlich der NABU-Bundesvertreterversammlung im baden-württembergischen Rust. So liege der fortschreitende Verlust von Arten und ihren Lebensräumen in Deutschland neben einer verfehlten Landnutzungspolitik, insbesondere im Agrarbereich, vor allem an der unzureichenden Umsetzung der beiden EU-Naturschutzrichtlinien (Vogelschutzrichtlinie 1979 und Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie 1992), die das Fundament und den Rechtsrahmen für den Naturschutz in mittlerweile 28 Staaten bilden.

 „Die Rückkehr von Seeadler, Kranich, Biber und Wolf zeigt den Erfolg eines nachhaltigen Naturschutzes. Wo Schutz, Management und Finanzierung ernst genommen werden, entwickeln sich wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen„, so Tschimpke. Der NABU fordert daher eine deutliche Aufstockung von personellen und finanziellen Ressourcen in der Naturschutzverwaltung auf allen Ebenen, von den Unteren Naturschutzbehörden bis zur Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission. Nur so können die Naturschutzrichtlinien angemessen umgesetzt werden. Bund und Länder müssten außerdem mehr für die Durchsetzung von Schutzvorschriften und wo nötig für Verfolgung und Bestrafung von Verstößen, wie zum Beispiel illegaler Greifvogelverfolgung, tun. Der angelaufene Fitness Check der EU-Naturschutzrichtlinien müsse für eine Umsetzungsoffensive genutzt werden, damit das Artensterben bis 2020 wirklich wie international vereinbart gestoppt werden kann.

Der NABU fordert eine hochwertige Kreislaufwirtschaft.

Jährlich fallen über 250 Millionen Tonnen Abfälle in Deutschland an. Um die Entnahme von Rohstoffen aus der Natur zu reduzieren und damit die biologische Vielfalt und das Klima zu schützen, müssen Produkte länger genutzt oder repariert und Abfälle zu neuen Materialien aufbereitet werden. Die Kreislaufwirtschaft, in der einmal von der Gesellschaft verwendete Dinge – im Gegensatz zur Verbrennung und Deponierung – weiter genutzt werden, müsse als wesentlicher Teil der Ressourcenschonung begriffen werden. Notwendige aktuelle Gesetzgebungsverfahren, wie das Elektrogerätegesetz, die Gewerbeabfallverordnung, das Wertstoffgesetz und eine Regelung zum Sperrmüll lassen entweder genau dieses Motiv vermissen oder werden seit Jahren verzögert.

Verzicht auf Autobahnbauten

Darüber hinaus fordert der NABU den Verzicht auf neue umweltzerstörende und teure Autobahnen und Bundesstraßen. „Gerade Neubauten haben einen hohen Flächenverbrauch und eine erhebliche Zerschneidungswirkung für Biotope. Der Ausbau des deutschen Fernstraßennetzes muss, mit Ausnahme von wenigen Ortsumgehungen, als abgeschlossen gelten. Aus dem neuen Bundesverkehrswegeplan sollten daher alle Planungen für neue Bundesfernstraßen gestrichen werden„, so Tschimpke. Der Fokus müsse auf einer soliden Finanzierung der bestehenden Infrastruktur liegen: durch Ausweitung der Lkw-Maut auf alle Lkw ab einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen und auf alle Straßen.

Die vielfach als Lösung der Finanzierungsprobleme angepriesene „public private partnership“ sei eher ein Modell zur Verteuerung von Bauprojekten und belaste zukünftige Haushalte. Die Schaffung und Erhaltung der Verkehrsinfrastruktur müsse eine wesentliche Aufgabe der öffentlichen Hand und daher auch in ihrer Finanzverantwortung bleiben!

 

 


Mehr Infos

http://www.nabu.de/themen/konsumressourcenmuell/

http://www.nabu.de/themen/naturschutz/

http://www.nabu.de/themen/verkehr/verkehrspolitikprojekte/

Zehntausend Einweg-Plastiktüten gehen in Deutschland pro Minute über die Ladentheke.

Das macht 5,3 Milliarden Stück pro Jahr! Aneinander gereiht würde ein Tütenband unseren Planeten 39 Mal umwickeln. Mit ihrer Kampagne „Einwegplastik kommt nicht in die Tüte“ appelliert die DUH an jedermann, umweltfreundliche Mehrweg-Tragetaschen zu verwenden. Der Handel soll nach DUH-Meinung freiwillig auf Einweg-Plastiktüten verzichten. Von der neuen Bundesregierung fordert die DUH eine Abgabe in Höhe von 22 Cent auf jede Einwegtüte.

MW-Plastiktüten_Plakat_KundenDruckA4Sie können den politischen Druck verstärken, indem sie hierzu eine Petition gegen Tütenflut unterzeichnen. Die DUH wird die Petition Mitte 2014 der Bundesregierung überreichen.

Die Einführung einer Abgabe auf Einwegtüten ist in Deutschland problemlos umsetzbar und wird von EU-Umweltkommissar Janez Potocnik ausdrücklich unterstützt.

Potocnik will Einwegplastiktüten EU-weit durch die Nutzung marktwirtschaftlicher Instrumente, wie Abgabe oder Steuern reduzieren. Wie erfolgreich die Einführung einer Abgabe sein kann, zeigt das Beispiel Irland: Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von 328 Plastiktüten sank dort auf 18 Tüten. Die Produktion von Plastiktüten verschlingt in Deutschland mehr als 100.000 Tonnen Kunststoff pro Jahr.

Nur wenige Tüten werden recycelt, viele dagegen über mit dem Hausmüll weggeworfen und verbrannt oder – noch schlimmer – achtlos in der Natur geschmissen. Der Schaden für Umwelt und Tierwelt ist immens. Vor allem Vögel verenden qualvoll, wenn sie Teile der Tüten für Nahrung halten.

Weiter Informationen erhalten sie hier. 

Plastiktüten_Info-Flyer

Senden Sie ein klares Signal an die Politik! Unterzeichnen Sie die Petition gleich hier:www.kommtnichtindietuete.de

15. Oktober – Globale Revolution

Am 15. Oktober werden wir Bürgerinnen und Bürger der ganzen Welt auf die Strasse gehen, um unsere Empörung über den Verlust unserer Rechte zu zeigen – Rechte, die uns durch ein Bündnis zwischen grossen Unternehmen und der politischen Klasse entzogen werden. Wir von der Bewegung «Democracia Real Ya!» laden euch ein, an dieser friedlichen internationalen Protestaktion teilzunehmen, indem ihr euch unserem Aufruf anschliesst oder indem ihr eure eigenen Aufrufe für dieses Datum erlässt. Es ist der Augenblick gekommen, die Stimme zu erheben. Unsere Zukunft steht auf dem Spiel, und niemand kann der Kraft von Millionen von Menschen trotzen, wenn sie sich in gemeinsamer Absicht vereinen.

«Democracia Real Ya!» ist eine spanische Koordinationsplattform von unterschiedlichen Gruppen zur Mobilisierung von Bürgerinnen und Bürgern. Unter der Devise «Wir sind keine Marionetten in den Händen von Politikern und Banquiers» gingen wir am 15. Mai zu Tausenden auf die Strasse, um mehr demokratische Teilhabe zu fordern, uns gegen die Korruption des politischen Systems aufzulehnen und unseren Einspruch gegen die Kürzungen im Sozialbereich zu bekunden. Nach dem Erfolg dieser ersten Kundgebung entstanden unterschiedliche Bewegungen, und auf vielen Plätzen des ganzen Landes wurden Zeltlager aufgebaut, ganz ähnlich der ersten Besetzung des Tahrir-Platzes in Kairo. Dort wurden Volksversammlungen durchgeführt, wo die BürgerInnen ihre Ziele in einem horizontalen, alle Anwesenden einschliessenden Entscheidungsprozess entwickelten. Die Bewegung 15M strahlte bald über die Landesgrenzen hinaus und ermutigte in vielen Städten der Welt zu Aktionen, darunter am vergangenen 19. Juni zu einer koordinierten Massenkundgebung gegen den Euro-Pakt.

Unter dem Druck der Finanzherrschaft arbeiten unsere Regierenden zugunsten ein paar weniger, ohne sich um die sozialen, menschlichen und ökologischen Kosten zu kümmern, die dadurch entstehen können. Die herrschenden Klassen rauben uns das Rechts auf eine freie und gerechte Gesellschaft, indem sie Kriege mit wirtschaftlichen Zielen führen und ganze Völker ins Elend stürzen.

Deshalb laden wir euch ein, euch diesem gewaltlosen Kampf anzuschliessen, indem ihr die Botschaft verbreitet, dass wir gemeinsam diese unannehmbare Situation ändern können. Nehmen wir uns die Strasse am 15. Oktober! Es ist Zeit, dass sie uns zuhören. Gemeinsam werden wir unsere Stimmen erheben.

  • In Köln demonstriert die Attac-Gruppe gemeinsam mit Bündnispartnern. Treffpunkt: 11 Uhr, Chlodwigplatz

Quelle: www.attac.de

Morgen ist Redaktionsschluss zur Einreichung von Beiträgen zur städtischen „Informationsschrift zur Einwohnerbefragung <<Ausbau des Godorfer Hafens>>“.

Ausbaubefürworter und Ausbaugegner können dort ihre Positionen zur Information vor der Einwohnerbefragung darstellen. Vater Rhein aber scheint sich dafür gar nicht zu interessieren. Er zieht sich immer weiter zurück und unterschreitet einen Rekordpegel nach dem anderen.

Heute Morgen zeigte der elektronische Pegel der Internetseite der Kölner Hochwasserschutzzentrale einen Stand von 1,24m an. Im erläuternden Text hieß es, dass dies nicht ganz korrekt sei und der Wasserstand am Morgen 1,28m gewesen sei. Laut „Wasser- und Schifffahrtsamt Köln“ muss sich diese Zahl auf 5:15 Uhr am Morgen beziehen und für 6:15 Uhr wird ein Kölner Pegel von 1,26m. Für das Wochenende werden Pegelstände von 1,20m und darunter erwartet.

In der bürgerlichen Presse heißt es unter anderem: „Für die Binnenschifffahrt ist dies noch kein Problem...“ um dann im gleichen Satz fortzufahren mit: „...sie fährt mit reduzierter Ladung…“. Warum es kein Problem ist mit weniger Fracht die gleiche Strecke zu fahren und damit den annähernd gleichen Verbrauch an Diesel zu haben wird klar, wenn man vom „Kleinwasserzuschlag“ weiß. Diesen erhebt der Reeder vom Verlader, sobald der Kölner Pegel unter 1,95m fällt. Der Verlader wird sich die gestiegenen Transportkosten sicher beim Kunden zurück holen.

Neben den Kosten aber ist zu beachten, dass zum Transport der gleichen Gütermenge bei Niedrigwasser mehr Schiffe fahren, be- und entladen werden müssen. Auch die Kölner Autofabrik Ford verschifft derzeit weniger Autos, als auf ein Schiff passen. Überall im Logistikbereich wird erwogen wegen des Niedrigwassers im Rhein auf LKW und Güterzüge umzustellen.

Diese Erwägungen gepaart mit dem Wissen um die Klimaveränderungen und den Erwartungen gehäufter Extremwasserstände (es kann auch schnell zu Hochwassern kommen), lassen die Diskussion über einen Ausbau des Godorfer Hafens eigentlich lächerlich erscheinen.

Warum sie dennoch geführt wird ist Politik. Niemand wird mir erzählen wollen, dass die Mitglieder von CDU und SPD diese Zusammenhänge nicht auch sehen. Weil es aber manchmal schwer ist, Irrtümer einzugestehen, werden die falschen Entscheidungen aus Zeiten der Herren Rüther, Heugel, Bietmann und Müller nicht revidiert. Man argumentiert halt mit Zahlen, Daten und Fakten, die vielleicht ein bisschen verstaubt sind und mit den drastischen Veränderungen der Welt in den letzten 20 Jahren nicht mehr mithalten können, aber man hat sie nunmal im Regal stehen. (Das Bipolare Hafenkonzept steht dort seit 1988)

Was Vater Rhein nun wieder an die Ufer Kölns locken könnte, wäre sicher ein ehrlicher Umgang aller Beteiligten mit den aktuellen Daten und Fakten, aber das regionale Logistikkonzept wird laut Oberbürgermeister erst 2012 vorliegen. Eine Abstimmung vorher, wäre wie der Beschluss einen Ehering zu kaufen, wenn man noch nicht mal ne Freundin hat.

Pegelonline

Kölner Pegel