Archiv für die Kategorie ‘Umwelt’

Erneut wurden die braunen Autobahnschilder kreativ verschönert, die an der A4 auf das Rheinische Braunkohlerevier hinweisen. Bereits Mitte Februar hatten Unbekannte die Schilder mit orangefarbenen Plakaten beklebt, die den Schriftzug „Klimakiller Nr.1“ trugen. Nachdem die alten Plakate schnell entfernt worden waren, tauchten sie jetzt wieder auf – diesmal größer und mit einem neuen Detail.

Zusätzlich zum Klimakiller-Schriftzug prangt in der Mitte des Schaufelrads des abgebildeten Baggers nun ein Totenkopf……

weiter auf der Quelle: Klimapiraten schlagen wieder zu

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Nur strikter Subventionsabbau setzt ausreichend Geld für attraktiven ÖPNV frei

logoSchlechte Luft, Lärm, Staus, zu wenig Grün – viele Menschen in Städten plagen diese Probleme. In einer neuen Publikation skizziert das Umweltbundesamt (UBA), wie eine Stadt der Zukunft aussehen kann, die lärmarm und grün ist und in der die Menschen umweltfreundlich unterwegs sind. Kernelement dieser „Stadt für Morgen“ ist ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr. Ergänzt wird dieser um Fuß- und Radverkehr sowie elektrisch angetriebene, automatisiert fahrende Carsharing-Autos. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: „Saubere Luft, Ruhe und mehr Grün in der Stadt – das geht nur mit mehr Bussen und Bahnen und mit weniger Autos. Der öffentliche Personennahverkehr ist das Rückgrat der Stadtmobilität. Er muss aber gestärkt werden und vor allem ausreichend finanziert sein. Wenn wir umweltschädliche Subventionen endlich abbauen und die Gelder in den ÖPNV umschichten, gelingt das auch.“ Möglich wäre das: Die umweltschädlichen Subventionen des Verkehrssektors belaufen sich derzeit auf mehr als 28 Milliarden Euro pro Jahr. Für einen leistungsstarken ÖPNV wä-ren pro Jahr nur rund elf Milliarden Euro nötig (Angabe des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen, VDV).

Die Analyse des UBA zeigt außerdem: Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern benötigen nicht mehr als 150 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner, um eine uneingeschränkte Mobilität anzubieten. Diese wären als Carsharing-Fahrzeuge unterwegs und könnten jederzeit von den Einwohner*innen genutzt werden. Bei weniger als 150 Pkw brauchen die Fahrzeuge auch nahezu keine öffentlichen Stellplätze mehr. Straßen und Parkplätze würden nach und nach zu Grün- und Aufenthaltsflächen oder zu Bauland, um innerstädtisch Wohnraum zu schaffen. Zudem bekäme der Radverkehr mehr Raum und es entstünde mehr Platz für den Ausbau des ÖPNV. In deutschen Großstädten mit über 100.000 Einwohnern gibt es derzeit im Schnitt etwa 450 Pkw pro 1.000 Einwohner.

Damit die Menschen in der Stadt für Morgen genauso mobil sind wie heute, müssen die Alternativen zum eigenen Pkw deutlich attraktiver werden. Dies belegt auch ein weiteres gerade abgeschlossenes Forschungsprojekt des UBA: Demnach funktioniert Carsharing besonders gut, wenn es mit ÖPNV und Leihfahrrädern verknüpft ist. Carsharing kann jedoch nur maximal 15 Prozent der Verkehrsleistung in größeren Städten einsparen. Krautzberger: „Carsharing kann den ÖPNV ergänzen, aber nicht ersetzen. Wenn wir umweltfreundlich mobil sein wollen, geht das nur mit einem stark verbesserten ÖPNV. Unser Ziel sollte sein, ohne eigenes Auto in der Stadt genauso mobil zu bleiben. Es wird aber auch immer Autos in Großstädten geben, man kann eben nicht alles mit dem ÖPNV transportieren.“

Die UBA-Vorschläge für eine „Stadt für Morgen“ werden am 30./31. März auf dem UBA Forum mobil & nachhaltig in Berlin diskutiert.

Links:

Quelle: Pressemitteilung Nr. 12/2017 des Umweltbundesamtes vom 30.03.2017

umwelschaedliche_subventionen_titel_0Presseinfo Nr. 1 des Umweltbundesamtes vom 5. Januar 2017 im Wortlaut (Hervorhebungen von mir):
Bürgerinnen und Bürger kostet das jedes Jahr fast 57 Milliarden Euro – Krautzberger: „Blinder Fleck beim Klimaschutz

Die umweltschädlichen Subventionen in Deutschland sind weiterhin viel zu hoch und liegen 2012 bei nunmehr 57 Milliarden Euro. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Umweltbundesamts (UBA). Über 90 Prozent dieser Subventionen belasten das Klima – und konterkarieren so die deutsche Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens.

Allein drei Milliarden Euro kostet es die Bürgerinnen und Bürger, weil der Staat das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft bei der Strom- und Energiesteuer entlastet. Unternehmen, aber auch Verbraucherinnen und Verbraucher, haben so weniger Anreiz, Energie zu sparen.

Wir leisten uns beim Subventionsabbau seit Jahren riesige blinde Flecken. Es ist paradox: Deutschland verpflichtet sich auf internationaler Ebene zu mehr Klimaschutz. Gleichzeitig honorieren wir im eigenen Land klimaschädliches Verhalten mit Steuergeldern. Es ist daher konsequent, dass die Bundesregierung den Abbau klimaschädlicher Subventionen im Klimaschutzplan 2050 endlich auf die Agenda gesetzt hat. Jetzt müssen den Worten aber auch Taten folgen“, so UBAPräsidentin Maria Krautzberger.

Der größte Teil der umweltschädlichen Subventionen entfällt mit 28,6 Milliarden Euro auf den Verkehrssektor. Auf Platz zwei folgt die Energiebereitstellung und -nutzung mit 20,3 Milliarden Euro.logo
Subventionen im Verkehrs- und Energiebereich sind aus Klimasicht besonders problematisch: Der Verkehrssektor emittiert rund 18 Prozent aller Treibhausgase. Auf den Energiesektor entfallen mehr als ein Drittel.

Vor allem im Energiesektor gibt es noch große Potentiale für einen Subventionsabbau – etwa bei der allgemeinen Strom- und Energiesteuerermäßigung für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft. Die begünstigten Unternehmen zahlen trotz einer Reform 2011 lediglich 75 Prozent der regulären Energie- und Stromsteuern. Zusätzlich können Unternehmen des produzierenden Gewerbes unter bestimmten Voraussetzungen einen Spitzenausgleich beanspruchen. Für Strom bedeutet dies, dass sie für eine zusätzlich verbrauchte Kilowattstunde nicht mehr rund 2 Cent, sondern nur noch 0,15 Cent Stromsteuer zahlen müssen.

Durch beide Ermäßigungen entgehen dem Staat allein über drei Milliarden Euro pro Jahr – gleichzeitig werden nötige Anreize zum Energiesparen nicht gesetzt.

Der Gesetzgeber sollte die steuerlichen Begünstigungen reduzieren und auf energieintensive Unternehmen beschränken, die dem internationalen Wettbewerb stark ausgesetzt sind. Heute profitiert beispielsweise auch die Braunkohle von steuerlichen Begünstigungen, obwohl sie nicht im internationalen Wettbewerb bestehen muss“, so Krautzberger.

Problematisch sei auch die Energiesteuerbefreiung für bestimmte energieintensive thermische Prozesse und Verfahren in der Metall- und Mineralindustrie: „Dieses Geld fehlt an anderen Stellen – auch beim Klimaschutz. Das Geld sollte der Staat besser nutzen, um die Entwicklung innovativer Klimaschutztechnologien zu fördern.“

Auch die Landwirtschaft trägt wesentlich zum Klimawandel bei.
In Deutschland ist sie beispielsweise Hauptverursacher der Methan- und Lachgasemissionen. Das UBA hat daher die Mehrwertsteuerbegünstigungen für tierische Produkte erstmals in seinem Bericht als umweltschädliche Subvention beziffert. Sie belaufen sich auf 5,2 Milliarden Euro. Tierische Produkte wie Fleisch und Milch profitieren von nur sieben Prozent Mehrwertsteuer, obwohl sie deutlich klimaschädlicher sind als Getreide, Obst oder Gemüse. Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch verursacht zwischen sieben und 28 Kilo Treibhausgasemissionen – Obst oder Gemüse dagegen liegen bei weniger als einem Kilo.

Tierische Nahrungsmittel sollten künftig mit den regulären 19 Prozent besteuert werden. Im Gegenzug könnte der Staat die entstehenden Steuereinnahmen in Milliardenhöhe verwenden, um den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von derzeit sieben Prozent noch weiter zu senken. So könnte man zum Beispiel Obst und Gemüse oder öffentliche Verkehrsmittel billiger machen. Beides schont das Klima und kommt den Bürgerinnen und Bürgern unmittelbar zugute“, so Krautzberger.

Links:
Die Studie als Download

Eine repräsentative Allensbach-Umfrage im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung zeigt die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit
 
logo-deutsche-wildtier-stiftung_mje4mte2n1oDie neueste Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung verdeutlicht eine zunehmende Diskrepanz zwischen grünem Zeitgeist und Natur. So wird beispielsweise die „Das ist IN – das ist OUT“-Liste bei der Befragung von 1407 Bundesbürgern auf der IN-Seite deutlich von Bio-Produkten (92%) angeführt, während Markwirtschaft (61%) und Leistungsbereitschaft (60%) die hinteren Plätze einnehmen.

Die Bürger finden Bio in Umfragen super“, sagt Michael Miersch, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung, „doch der Anteil der Bio-Produkte am Lebensmittel-Gesamtumsatz beträgt nur 4,4 Prozent. Schon daran zeigt sich, dass Wunsch und Wirklichkeit nicht immer zusammenpassen.“ Wobei Herr Miersch natürlich vergisst, dass etliche Menschen zwar Bio super finden, es sich aber einfach nicht leisten können.

Das Thema Umweltschutz liegt mit 84 % deutlich vor Begriffen wie Flirten oder Sicherheit. „Doch das heißt im Umkehrschluss nicht, dass die Befragten über ein größeres Wissen über Wildtiere und -pflanzen verfügen oder gar häufiger Zeit in der Natur verbringen“, erläutert Miersch.
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 Auf die Frage „Wo sollte man sich auskennen?“, rangieren Rechtschreibung (81%), Gesundheitsvorsorge (52%) und der Umgang mit Computern (46%) weit vor Kenntnisse der Natur (25%). „Ein Linden- oder Eichenblatt zu erkennen, fällt heute vielen Menschen schwer“, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung.

Und das hat sich sicher nicht verschlechtert, weil wir die D-Mark abgeschafft haben. Was die D-Mark damit zu tun hat? Na, vergessen? Auf der Rückseite des 5-Mark-Scheins war Eichenlaub abgebildet:5_dm_serie3_rueckseite

Der Aufenthalt in der Natur ist eher selten und laut Umfrageergebnis hauptsächlich älteren Menschen vorbehalten. Wandern ist vor allem eine Freizeitbeschäftigung der Generation der 60- bis 69-jährigen (66%), während bei den 14- bis 19-jährigen nur 35 % wandern. Wobei natürlich auch nicht berücksichtigt wird, dass die heute 60-69-jährigen mehrheitlich mit ihrer Rente auskommen und keinem Job nachkommen müssen, der sie am Wandern hindern könnte. Jüngere hetzen durch Zweit- und Drittjobs, um sich über Wasser zu halten. Da bleibt einfach keine Zeit, sich den Wald anzusehen. 

„Naturbildung ist für die junge Generation weniger wichtig als für die ältere.“ schreibt die Studie.

Natur wird von Menschen zwar durchweg als etwas Gutes, Positives empfunden, aber ein krabbelnder Käfer oder eine Wespe auf dem Pflaumenkuchen zeigen sehr schnell die andere Alltagsrealität auf. „Die meisten Menschen hocken im Alltag geschützt vor Wind und Wetter bei Kunstlicht aus der Energiesparlampe in beheizten Räumen vor dem Computer und kultivieren einen träumerischen Natur-Mythos, der meist realitätsfern ist“, sagt Michael Miersch. „Experten sprechen gar von Natur-Entfremdung.“ Schwindendes Wissen, die Dominanz von Technik und Ausflüge in Cyberwelten befeuern diesen Trend – auch wenn Projekte wie „urban farming“ und Dachbegrünungen in den Städten Mode sind.

Auffallende Unterschiede gibt es nicht nur hinsichtlich des Alters der Befragten, sondern auch zwischen Männern und Frauen. Während Frauen dem Tierschutz bei „wichtigen Bauvorhaben“ mit 48 % den Vorrang gaben, wollen nur 36 % der Männer, dass ein Bauprojekt wegen einer bestimmten Tierart gestoppt wird.

Und wenn man in einem Wohngebiet etwa vorschlägt, dass Apfelbäume gepflanzt werden, dann kommt es zur großen Wespenangst, ebenso wie es zum kollektiven Aufschrei kommt, wenn man für die Begrenzung von Spielplätzen Haselnussbüsche vorschlägt. (Allergie!!!)

Wir entfremden uns schon so weit, dass wir Angst haben. Denn Angst hat man meistens vor etwas Unbekanntem. Sorgen wir für mehr Natur in der Stadt, damit wir diese Angst verlieren oder gar nicht erst aufbauen.

Quelle: Pressemitteilung der Deutsche Wildtier Siftung

ein Plädoyer für den Kleingarten

Auch wenn der langjährige Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion,Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen Herbert Wehner (Porträt) Herbert Wehner den Begriff „geistiger Kleingärtner“ als Schimpfwort einführte, so zeigt das lediglich bei ihm und allen, die diesen Begriff abwertend benutzen, wie wenig sie über die Gartenfreund*in, die Kleingärtner*in oder die Schrebergärtner*in wissen. Auch der Begriff „Laubenpieper“ ist eher abwertend, da er suggeriert, dass sich Hobbygärtner in ihren Gartenhäuschen (Lauben) gerne einen zwitschern (trinken/piepen).

Wahrscheinlich ist der Geisteszustand einer Kleingärtner*in oftmals höher anzusiedeln, als der einer Großgärtner*in, die innerhalb des kapitalistischen Systems arbeitet und in täglicher Konkurrenz den höchsten Profit auf Kosten von Umwelt und Mensch erzielen muss/will. Dagegen ist es für fast alle Kleingärtner*innen selbstverständlich, die Grundregeln des naturnahen Gärtnerns selbst zu praktizieren. So nutzen 97 % Regenwasser zum Bewässern und 96 % kompostieren. Besonders ausgeprägt ist das Bewusstsein für naturnahes Gärtnern bei jüngeren Kleingärtner*innen, die ihren Garten seit höchstens zehn Jahren bewirtschaften. Mehr als jede Zweite dieser Neu-Kleingärtner*innen (54 %) betreibt biologischen Anbau von Obst und Gemüse, fast zwei Drittel (61 %) verzichten auf Kunstdünger, mehr als vier Fünftel (82 %) lehnen chemische Schädlingsbekämpfung ab.

Gießen der PflanzenVon diesem kleingärtnerischen Geist, kann sich so mancher eine Scheibe abschneiden. Natur- und Umweltschutz spielen bei Kleingärtner*innen eben eine wichtige Rolle. Befragt nach der Bedeutung, die ihr Kleingarten für sie persönlich hat, steht dieser Aspekt ganz oben – noch vor der Gesundheitsvorsorge und der Freude an der Gartenarbeit.

Damit leisten Kleingärtner*innen einen großen Beitrag zum Umweltschutz. Sei es in den Bereichen Diversity, Wasser- und Bodenschutz oder zur Verbesserung des Stadtklimas. So bieten Kleingärten der Allgemeinheit eine bessere Lebensqualität in den Städten durch Lärmverringerung, Staubbindung, Durchgrünung, Auflockerung der Bebauung, Biotop- und Artenschutz, Lebensraumvernetzung und klimatische Auswirkungen. Kleingärtner*innen hüten städtische Grünbereiche (rund 5 Millionen Quadratmeter in Köln), deren Pflege die Kommunen nicht mehr finanzieren wollen/können und bezahlen hierfür auch noch eine Pacht.

Willkommen im KleingartenDie soziale Rolle von Kleingärten in der Stadtgemeinschaft kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Mag manch einer denken: „ich hab lieber nen Park, da kann ich mit nem Einweggrill und nem Kasten Bier hingehen und andere machen den Dreck weg“ so freuen sich andere, dass sie ihre Familie, Freunde oder die Nachbarn in deren Kleingärten besuchen dürfen. Fast jeder kennt jemanden mit einem Kleingarten. Selbst schuld, wenn man das nicht ausnutzt, sondern lieber alleine auf einer Parkbank im eintönigen Stadtgrün sitzt. Im Kleingarten sind Senior*innen, Kinder, Migrant*innen, Jugendliche, Behinderte, Berufstätige, Alleinerziehende, Erwerbslose, Rentner*innen, kurz alle Menschen willkommen und treffen sich dort auch, denn ein guter Kleingartenverein achtet auf die Durchmischung seiner Mitgliedschaft.

Egal, ob der Kleingarten der teilweisen Selbstversorgung, der Erholung oder einfach der Geselligkeit dient. Er ist in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzen.

Umso tragischer, dass mancher die Existenz so manchen Kleingartens absichtlich und unnötig gefährden möchte, indem er rücksichtslos Autobahnabfahrten oder Einfamilienhäuser auf Flächen mit kleingärtnerischer Nutzung planen lässt. Die Stadt braucht definitiv mehr Kleingärten und nicht weniger. Derzeit kommen in Köln auf 100 Einwohner noch 1,2 Kleingärten. Schon damit liegt Köln weit hinter Hamburg, Berlin oder Frankfurt – von Bremen oder Hannover ganz zu schweigen. (das ist natürlich nur ein statistischer Durchschnittswert. So hat der Stadtteil Neubrück zwar ca.8800 Einwohner*innen, aber von den statistischen 105 Kleingärten gibt es keinen einzigen) Mit steigender Bevölkerungszahl bei stagnierender Anzahl ausgewiesener Kleingärten oder sogar deren Abbau wird diese Quote immer schlechter. Dem muss entschieden entgegen getreten werden. Auch aus diesem Grund ist es sonst irgendwann nicht nur nicht mehr schön, sondern auch immer weniger möglich in der Stadt zu leben.

Am heutigen Donnerstag (23.06.2016) muss sich der Kölner Stadtentwicklungsausschuss mit einem SPD-Antrag auseinandersetzen. Dieser trägt (entweder in Täuschungsabsicht oder aus Unwissenheit) den fehlerhaften Titel „Neubrück weiterentwickeln!“. Allein die Überschrift des Antrages hält nicht, was sie verspricht. Es wird viel mehr nach dem Motto verfahren „Kapott? – Eh neu.“ (das heißt soviel, dass man nichts reparieren möchte, sondern direkt neu kaufen, bauen, besorgen)

Der Stadtteil Neubrück selbst aber verdient es durchaus weiterentwickelt zu werden, statt ihm einen separierten Anbau zu verpassen. Mit einer so genannten „Weiterentwicklung“ in Form einer Flächenausdehnung durch ein angeklebtes neues Viertel ist vor Ort niemandem geholfen.

In seiner Rede zur Grundsteinlegung am 26. August 1965 bezeichnete Altbundeskanzler Adenauer das Großbauprojekt Neubrück als „die fortschrittlichste Siedlung in ganz Deutschland, vielleicht sogar der ganzen Welt“.

Tatsächlich ist diese Siedlung in den letzten 50 Jahren immer mehr ins Hintertreffen geraten. Dass im vorliegenden Antrag der Verweis auf die Beantwortung einer Anfrage im Ausschuss Soziales und Senioren und im Bauausschuss Nr. 1668/2016 gemacht wird, dass auf einem Teil der Fläche von GAG und Verwaltung beabsichtigt sei, dort eine Flüchtlingsunterkunft in Holzbauweise zu errichten, kann nur dazu dienen, Verhinderungsinstinkte zu bedienen, nach dem Motto:
Wenn da eh schon gebaut wird, dann doch nicht für Flüchtlinge, sondern für uns.“

Neubrueck-grundsätzliche_Fakten

Seiten aus Neubrueck-grundsaetzliche_Fakten

 

Das folgende Statement ist in mehrere Teilgebiete gegliedert.
Begonnen wird mit dem Bereich „Klimawandel“, weil er hier von besonderer Bedeutung ist und uns zukünftig bei allen neuen Projekten begleiten wird. Somit eignet sich die Fläche neben Neubrück trefflich dazu einige Grundsätze zu diskutieren, zu erfahren und Standpunkt dazu zu bilden.
Die übrigen Themen sind wegen ihrer geringeren Grundsätzlichkeit auch kürzer behandelt. Insgesamt empfiehlt es sich Zusatzliteratur zu studieren, wie beispielsweise das Handbuch Stadtklima, Abschlussbericht / LANUV-Fachbericht 50: Klimawandelgerechte Metropole Köln, Einzelhandelskonzept und einiges mehr.

1. Exkurs Klimawandel
2. Einzelhandel
3. Büro- und Gewerbeflächen
4. Integration des neuen Quartiers
5. ÖPNV
6. Soziale Durchmischung
7. Schulen und Kindertageseinrichtungen
8. Grundsätzliches
9. Alternative

‚Exkurs Klimawandel‘

Hitzeinseln

Größere Städte sind durch extreme Klima-Ereignisse erheblich betroffen. An Sommertagen ist es u.U. bis zu 10 Grad heißer als in der Umgebung. Starkniederschläge richten insbesondere in Stadtteilen mit vielen versiegelten Flächen hohe Schäden an.

Der Wärmeinsel-Effekt verstärkt sich im Sommer zusehends. Wer morgens vom Land in die Stadt fährt, stellt fest, dass sich die Temperatur schon im Umfeld der Stadt erhöht. In den äußeren Stadtbezirken kann es schon mal drei bis vier Grad wärmer sein und bis in die City können es sogar fünf oder sechs Grad werden. Dieser Effekt steigert sich im Laufe des Tages und selbst nachts kühlt sich die Stadt nur wenig ab.

Die bebauten Flächen wirken wie ein Wärmespeicher. Tagsüber heizen sich die Stein- und Betonflächen der Gebäude, Plätze und Straßen stark auf, und nachts geben sie diese aufgestaute Wärme wieder an die Umgebung ab. Zusätzlich verhindert die Bebauung die Luftzirkulation und damit das Einströmen kühlerer Luft aus dem Umland. Stadtluft ist daher trockener und wärmer als Landluft. Die relative Luftfeuchtigkeit in der Stadt liegt im Sommer etwa acht Prozent unter der auf dem Land.

Die Landbewohner können hingegen die lauen Sommernächte nach einem heißen Sonnentag genießen.

Im Mikroklima über Wiesen und Äckern zirkuliert die Luft und bringt angenehme Abkühlung. Die wesentlich geringere Schadstoffbelastung auf dem Land führt darüber hinaus zu einer deutlich schwächeren Partikelkonzentration der Luft. Das wiederum sorgt dafür, dass die Wärme am Tag und in der Nacht besser abgestrahlt werden kann.

(aus der Broschüre: Stadtklimatologie und Grün / Hrsg. Stiftung DIE GRÜNE STADT / Redaktion u.a. Dr. Joachim Bauer Stadt Köln, Leiter des Arbeitskreises Stadtbäume der GALK)

Im Rahmen des Projektes „Klimawandelgerechte Metropole Köln“ ist es gut gelungen, die Ausmaße des städtischen Wärmeinseleffektes und die damit verbundenen zusätzlichen Belastungen für die menschliche Gesundheit festzuhalten. Die besondere Rolle der Freiflächen und die Bedeutung von Vegetation für die Stadtklimaverbesserung werden an Hand der Ergebnisse klar verdeutlicht. Neben den zunehmend diskutierten Möglichkeiten der Fassaden- und Dachbegrünung, ist es Aufgabe der Freiraumplanung für genügend grüne Freiräume in der Stadt zu sorgen.

Die größte Verminderung in der Lufttemperatur in Städten findet durch Erhöhung des Grünanteils statt. Gerade bei den oben beschriebenen Räumen sollte also das Grün in der Entwurfsplanung nicht vernachlässigt werden.

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(c) Stadt Köln: Planungshinweiskarte für das Stadtgebiet Köln

Auf der Planungshinweiskarte für das Stadtgebiet Köln ist deutlich zu erkennen, wie sich im Rechtsrheinischen die Flächen der Klasse 1 (rot/ sehr hochbelastete Siedlungsflächen), wie an der Schnur gezogen von der Innenstadt nach Osten aufreihen. Bis zum östlichen Stadtrand sind kaum noch klimaaktive Freiflächen zu finden.

Frischluftschneisen

Vorgeschlagen wird, verstärkt auf die keilförmigen Grünzonen als Frischluftschneisen der Stadt vom Stadtrand in die Innenstadt, in den 1920er Jahren von Fritz Encke mit Konrad Adenauer geplant, zu achten und diese nicht zu bebauen.

Herr Streitberger erläutert in diesem Zusammenhang, dass der Gartenarchitekt Fritz Encke in der Verwaltung sehr geschätzt wird. Einer seiner Parks ist nach ihm benannt.“

(Zitat aus dem Masterplan Innenstadt)

Was für die Innenstadt gilt, muss auch Gültigkeit für das Rechtsrheinische haben.

Kaltluft- und Frischluftschneisen bei zukünftigen Planungen berücksichtigt werden. Dabei sollen bestehende erhalten bleiben bzw. neue angelegt werden. Sie sind in der Planungshinweiskarte dargestellt.

‚Exkurs Ende‘

 

Fazit Klima:

Um den Stadtteil Neubrück also tatsächlich weiter zu entwickeln, müsste man ihn erstmal an den kommenden Klimawandel anpassen.

Die vielen Flachdächer müssten begrünt werden, die Fassaden ebenfalls. Die vorhandenen Grünflächen bedürfen regelmäßiger Pflege und an vielen Stellen ist durchaus eine Entsiegelung möglich und nötig.

Mindestens ein Brunnen auf dem Marktplatz, aber auch viele weitere entlang der von Norden bis Süden durchlaufenden Fußgängerzone, können zu einer Verbesserung des Kleinklimas beitragen.

Einzelhandel

In Neubrück gab es einmal gleichzeitig

  • 2 Edeka
  • 1 Stüssgen
  • 1 Coop
  • 1 Aldi
  • plus weitere kleine Geschäfte

 

  • Edeka-Ladenlokal steht leer
  • Edeka-Ladenlokal ist die Kranich-Apotheke (dazu gibt es die Europa-Apotheke)
  • Stüssgen-Ladenlokal ist ein netto
  • Coop-Ladenlokal ist Rossmann
  • Aldi-Ladenlokal ist Tedi
  • plus weitere kleine Geschäfte

die Menschen haben vor Ort nur den Discounter netto sowie einmal pro Woche den Wochenmarkt. Die abgenommene Attraktivität der Einkaufspassage haben viele der ehemals dort ansässigen kleinen Fachgeschäfte zu spüren bekommen und so befinden sich zwischen Stadtsparkasse und netto jetzt 3 Bäckereien/Backshops, statt Schuh – und Modegeschäfte, Metzger oder Optiker.

Im SPD-Antrag heißt es wörtlich: „Das Nahversorgungszentrum in Neubrück ist zu erhalten und zu stärken.“ Gleichzeitig sieht der Antrag im neuen Stadtviertel Nahversorgung vor und damit direkte Konkurrenz zum bestehenden Nahversorgungszentrum.

 Fazit Einzelhandel:

Es braucht kein neues Viertel mit weiteren neuen Ladenlokalen zur Nahversorgung, das leerstehende Edeka-Ladenlokal im Norden zeigt dies deutlich. Das ebenfalls im Norden einst bestehende Lotto/Totto-Geschäft mit Schreibwaren ist ebenfalls einem Versicherungsbüro gewichen. Lediglich der Friseursalon dort konnte sich halten.

Es braucht eher kreative Ideen, wie das bestehende Nahversorgungszentrum in Neubrück gestärkt und revitalisiert werden könnte.

Büro- und Gewerbeflächen

Der SPD-Antrag sieht unter anderem die Ansiedlung von Gastronomie, Gewerbe- und Büroflächen auf der derzeitigen Freifläche vor. Ganz davon abgesehen, dass die Anzahl an Gaststätten in Neubrück kontinuierlich abnimmt, da die Nachfrage wegbricht (aus der letzten Gaststätte wurde das „Kurzentrum Neubrück“), ist es absolut nicht einsehbar, dass Frei- und Grünflächen an dieser Stelle für Büro- und Gewerbebauten geopfert werden sollen.

Integration des neuen Quartiers

Laut Antrag soll das neue Quartier von vornherein in den bestehenden Stadtteil Neubrück integriert werden. Es ist aber keine Lösung hierfür vorgeschlagen. Das neue Quartier wird durch den vielbefahrenen Neubrücker Ring vom eigentlichen Stadtteil Neubrück getrennt. Selbst die Kinder- und Jugendeinrichtungen auf der „falschen Seite“ hatten mit massiven Akzeptanzproblemen zu kämpfen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Neubrücker Ring von sehr vielen LKW befahren wird, die von der Autobahn zu den nahegelegenen Gewerbegebieten fahren. PKW und Busse der KVB halten sich nur im Ausnahmefall an die Geschwindigkeitsbeschränkungen. Damit bildet der Neubrücker Ring so etwas wie die Außengrenze des Stadtteils. Durch eine rund zehnprozentige Einwohnererhöhung dürfte das Verkehrsaufkommen noch einmal deutlich steigen.

Wenn dann auch noch dort attraktive Plätze mit Aufenthaltsqualität und mit öffentlichen Trinkwasserbrunnen sowie regelmäßig Dach- und Fassadenbegrünungen der Gebäude errichtet werden und den „zukünftigen Bewohnern“ (so steht es im Antrag!) Möglichkeiten für urban gardening und roof gardening gegeben werden, dann wird dies eher zur Teilung als zur Integration beitragen. Genau diese Maßnahmen sind es ja, die den bestehenden Stadtteil erstmal wieder aufwerten könnten. Auch die Art der geplanten Bebauung unterscheidet sich eklatant von der bisherigen Bebauung in Neubrück. Ein neues Vorzeigeviertel daneben zu platzieren zeugt von der Ignoranz bezüglich der Bedürfnisse der jetzigen Einwohner.

ÖPNV

Bereits seit der Gründung heißt es in Neubrück, dass es ans Straßenbahnnetz angeschlossen werden soll. Mittlerweile ist es so weit, dass man schon nicht mal mehr den genauen Trassenverlauf kennt, der durch den überflüssigen Autobahnzubringer auch noch gekreuzt würde. Im Gewerbegebiet südlich der Rösrather Str stand Fläche der Trasse als Gewerbegebiet zur Verfügung und wäre beinahe belegt worden. Das deutet nicht auf eine ernsthafte Planung für einen Gleisanschluss hin. Die Anbindung durch Busse (hauptsächlich durch Subunternehmen) funktioniert nur phasenweise ausreichend. Die Taktung und die Busgrößen sind nicht dem tatsächlichen Bedarf angepasst, von Pünktlichkeit und Fahrweise der Fremdfirmen ganz zu schweigen.

Ein neues Quartier mit dem die Einwohnerzahl Neubrücks um rund zehn Prozent stiege, ließe die derzeitige Anbindung kollabieren. Eine Erweiterung des Stadtteils ist also nur mit gleichzeitigem Anschluss an das Straßenbahnnetz der KVB sinnvoll und verantwortungsvoll.

Nach den bisherigen Planungen soll die KVB-Trasse allerdings in weiten Teilen parallel zum trennenden Neubrücker Ring verlaufen und führt somit zu einer weiteren Abtrennung des neuen Quartiers vom bestehenden. (siehe Integration des neuen Quartiers).

Soziale Durchmischung

Der SPD und der GAG schwebt vor, dass im Neubaugebiet bis zu siebzig Prozent (70%) freifinanzierter Wohnungsbau entstehen soll. Gleichzeitig haben knapp fünfzig Prozent (50%) der Kölnerinnen und Kölner ein Anrecht auf einen Wohnberechtigungsschein und damit auf eine geförderte Wohnung. Mit einer bedarfsgerechten Bebauung müsste die SPD auch nicht das Feigenblatt-Argument „Ebenso können Wohnungen für Flüchtlinge vorgesehen werden.“ extra aufführen. Wir brauchen bezahlbares Wohnen für alle. Das Wort „alle“ beinhaltet auch Geflüchtete.

So wie es früher in Neubrück die „Bundeswehr-Blocks“ und die „OBZ- Ofen beheizte Zone“ als eigene Quartiere gab, die sich erst über Jahrzehnte (teilweise) integrieren ließen, werden die besserverdienenden die sich die Wohnungen dort in Seenähe und „mit Sportplätzen und -hallen, Bolzplätzen“ (Zitat aus dem Antrag) erlauben können sicher über einen Großteil der Neubrücker die Nase rümpfen.

Schulen, Kindertageseinrichtungen

Natürlich brauchen neue Bewohner auch Schulen und Kindertagestätten. Allerdings soll hier mit dem Plan einer neuen Schule ein Versäumnis aus den Merheimer Gärten ausgeglichen werden. So hat man es bei der Entwicklung dort versäumt ausreichende Grundschulplätze zu schaffen. Die Kinder aus Merheim besuchen somit die beiden Grundschulen im Stadtteil Neubrück, was diese überlastet. Statt nun in Merheim vor Ort und nach dem Motto „kurze Beine, kurze Wege“ für Abhilfe zu schaffen, wird dort die letzte Baufläche noch für weiteren Wohnungsbau Verwendung finden. Die in Neubrück vorhandenen Kindertagesstätten warten teilweise schon seit Jahren auf Sanierung und Ausbau. Ebenso könnte die Kurt-Tucholsky-Schule in Neubrück durch Sanierung und Erweiterung auch zukünftige Aufgaben meistern, eventuell sogar als Gesamtschule.

Grundsätzliches

Stadtwachstum in der Fläche

Mehr Siedlungsfläche bedeutet auch weitere Wege, mehr Verkehr und damit auch einen höheren Kraftstoffbedarf.

Des Weiteren ist die Ausweitung der Siedlungs- und Verkehrsflächen ein großer Treiber für den anhaltend hohen Energieverbrauch. Denn zum einen weisen die eingesetzten Baumaterialien für neue Gebäude, Erschließungsstraßen und Leitungsinfrastrukturen beträchtliche Energierucksäcke auf und zum anderen müssen neue Gebäude und Infrastrukturen auch betrieben, d.h. beleuchtet, beheizt, gekühlt oder für andere Zwecke mit Energie versorgt werden.

Für das Jahr 2020 sieht die nationale Nachhaltigkeitsstrategie vor, die Flächenneuinanspruchnahme für Siedlungen und Verkehr in Deutschland auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren. Die EU-Kommission strebt in ihrer Roadmap zu einem ressourceneffizienten Europa für das Jahr 2050 an, dass in der Gesamtbilanz die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Europa nicht mehr wächst (no netto landtake). Bis zum Jahr 2020 sollen die Weichen gestellt werden, um dieses Ziel zu erreichen.

Das heißt, dass bereits erkannt ist, dass Stadtwachstum in der Fläche dem Klimaschutz entgegensteht. Aber auch der Anpassung auf den Klimawandel in der Stadt.

 

Weitere Entwicklung

Bei einer Entwicklung des GAG-eigenen Madaus-Geländes zu Wohnen, Gewerbe, Büro, Schule und ähnliches wird es keine gerichtsfesten Argumente gegen eine weitere Entwicklung auf Privatgrundstücken direkt am See geben. Ob dann dort Eigenheime oder Geschosswohnungen mit privatem Seezugang entstehen werden, bleibt abzuwarten.

Und nun?

VOR einer irgendwie gearteten Beschlussfassung gibt es eine ganze Reihe von Fragen, die auf ihre Beantwortung warten. Dazu sollten sich alle Beteiligten die nötige Zeit nehmen.

Das beginnt mit der Klärung der Wichtigkeit oder Unwichtigkeit dieser Freifläche als Kaltluftschneise und geht weiter über die Klärung, ob auf dem besagten Gelände sich nicht zwischenzeitlich geschützte Arten etabliert haben bis zur Klärung, ob die in der folgenden Alternative genannten Möglichkeiten realisierbar sind.

Alternative Gedanken

Köln hat eine Kleingartendichte (Kleingarten/100Einwohner) von 1,2.

Neubrück hat dagegen eine Kleingartendichte von 0.

Das heißt, dass die Neubrücker darauf angewiesen sind, Kleingärten in angrenzenden oder sogar weiter entfernten Anlagen zu pachten. Dies widersprich allerdings dem Sinn eines Kleingartens, denn eine wesentliche Aufgabe der Kleingärten ist es, einen Ausgleich zum verdichteten Geschosswohnungsbau, einen Ersatz für zu wenig Gartenland am Wohngebäude und mangelnde nahegelegene Grünanlagen zu schaffen. 82 Prozent der Kleingärtnerhaushalte sind Mieterhaushalte, die zumeist in mehrgeschossigen Wohnblocks leben. Die eigene Parzelle bietet wohnungsnahen Ausgleich für fehlendes Grün.

Bei erwarteten 7800 Einwohnern für 2025 müsste man in Neubrück eine Kleingartenanlage von rund 97 Gärten gründen, um auch hier die stadtweite Kleingartendichte zu erreichen.

Hierfür und für „Urban Gardening“ kann diese in Diskussion stehende Fläche unter anderem genutzt werden. Da Neubrück auch ansonsten über keine fußläufig erreichbare öffentliche Grünanlage verfügt, kann durch geschickte Gestaltung hier eine Naherholungszone mit Waldbestandteilen, Trimmstrecke, Waldspielplätzen, Blumenwiesen und ähnlichem entstehen, welche die Wohnqualität des Stadtteil Neubrücks erheblich verbessert.

Die benötigten Wohnflächen können stattdessen wirklich integrierend an den Stadtteil angebracht werden. Dafür ist der völlig unnötige und überdimensionierte Autobahnzubringer zurück zu bauen (dafür wird die Abfahrt Merheim wieder zur Auf- und Abfahrt, wie früher) und die freiwerdende Fläche entlang der Merheimer Gärten und Neubrück mit Geschosswohnungen zu bebauen.

Ebenso kann zwischen den drei Hochhäusern an der Hans-Schulten-Straße und der Flüchtlingsunterkunft am Pohlstadtsweg in geeigneter Entfernung zu den Sportplätzen ebenfalls Geschosswohnungsbau realisiert werden.

Hierdurch erfahren dann sowohl Neubrück als auch Brück ihren Abschluss und kommen sich darüber hinaus näher.

Das kleine „Birkenwäldchen“ zwischen den Hochhäusern an der Hans-Schulten-Straße und dem Rather Kirchweg kann hierbei zur Errichtung einer Kindertagesstätte dienen. Eine Stärkung des Einzelhandels kann nur intern geschehen. Hierzu könnte beispielsweise die Sparkasse KölnBonn ihre Filiale (die stets bei Schließungsdiskussionen genannt wird) in ein kleineres Ladenlokal verlagern und das freigezogene Ladenlokal baulich vergrößert werden, um dort einen Vollsortimenter wie Rewe-City anzusiedeln.

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ich bin kein Stadtplaner, aber auch nicht so blöd für wie man mich verkaufen möchte

Es ist  noch nicht lange her, dass ich mich erneut als Fan der „essbaren Stadt“ geoutet habe. (siehe: Konzept Essbare Stadt ist auf dem Weg)

In der verschobenen  Beschlussvorlage DS 0514/2016 mit dem Betreff: Konzept Essbare Stadt Köln heißt es unter anderem:

„Der Ansatz der Stadt Andernach kann in Köln nicht umgesetzt werden, da die notwendigen Ressourcen zur Anlage und der intensiven Pflege von Nutzgärten sowie der Verunreinigung durch Hundekot und Müll in öffentlichen Grünanlagen nicht realisierbar sind.
Um der Thematik dennoch gerecht zu werden sollen vielmehr die sehr unterschiedlichen und vielfältigen Initiativen und Ansätze für Urban Gardening (siehe im Folgenden) gefördert und soweit möglich aktiv durch die Stadtverwaltung unterstützt werden.“

Ob ein Beet mit Kohlrabi oder Rotkohl wirklich so viel pflegeintensiver ist, als eines mit Geranien oder Begonien, will ich an dieser Stelle gar nicht diskutieren, sondern den letzten Halbsatz:
„…soweit möglich aktiv durch die Stadtverwaltung unterstützt werden.“
Diese Möglichkeiten scheinen mir äußerst begrenzt zu sein.
Wie ich darauf komme? Nun die Vorlage hat ein gewisser Herr Höing unterzeichnet.

  • Herr Höing ist der Beigeordnete für Stadtentwicklung.
  • Zur Stadtentwicklung gehört der öffentliche Raum.
  • Zum öffentlichen Raum gehören die Kölner Plätze.
  • Zu den Kölner Plätzen gehört der Kurt-Hackenberg-Platz.
  • Der Kurt-Hackenberg-Platz soll nach Beendigung der U-Bahnbaustelle umgestaltet werden.

Zur Umgestaltung kommt im Juni eine Beschlussvorlage (DS 0183/2016) in die Gremien (Bezirksvertretung 1 (Innenstadt) 02.06.2016; Verkehrsausschuss 14.06.2016; Stadtentwicklungsausschuss 23.06.2016; Finanzausschuss
27.06.2016; Rat 28.06.2016). Zur Platzgestaltung heißt es darin:

Das zentrale Element des Entwurfs ist der etwa 500 m² große Bischofsgarten aus wassergebundener Wegedecke, der sich aus der Tradition Kölner Stadtgärten, wie dem ursprünglichen Ebertplatz, dem De-Noel-Platz oder dem Rathenauplatz ableitet. Stadtbäume verdichten sich entlang der Straße und verbinden die beiden Platzhälften optisch miteinander. Baumgruppen aus Sophora japonica lassen den Bereich der wassergebundenen Wegedecke zu einem Stadtgarten werden. Die Stadtbäume werden bis zu neun Meter hoch, tragen fiederartige Blätter, die im Herbst gelb leuchten. Die Präsenz des Straßenraums wird reduziert und gezielte Blicke auf den Ostchor des Kölner Doms werden freigegeben.

Nun muss man wissen, dass „Sophora japonica“ oder auch „japanischer Schnurbaum“ zum einen mit 9 Meter Höhe nicht ausgewachsen ist. Er entwickelt sich zu einem Baum 2. Ordnung, was heißt, dass man mit einer Endhöhe von 15 bis 20 Metern durchaus rechnen muss. Das ist dann zwar doppelt so hoch, wie angegeben, aber welchen Stadtplaner interessieren die Bäume noch, wenn sie einmal stehen.

Der Schnurbaum aber wird uns auch ansonsten beschäftigen und zwar wegen seiner Früchte und seiner Giftigkeit. Die Früchte des Schnurbaums können durchaus mit den Früchten der Stangenbohne verwechselt werden, wie die unten stehenden Fotos zeigen.
Stangenbohne-----Mechelse-Tros--Phaseolus-vulgaris

Früchte der Stangenbohne (Phaseolus vulgaris), die gekocht essbar sind.

Schnurbaumfrucht

Früchte des Japanischen Schnurbaums (Styphnolobium japonicum), die stark giftig sind

Da muss man sich doch an den Kopf fassen und fragen: „Was soll das?“

Nicht, dass die Früchte des Schnurbaums das einzige giftige sind, alle Pflanzenteile zählen als stark giftig! In einer Stadt, die gerade erste Schritte in Richtung „essbar“ macht, wo also die Menschen so gut wie keine Erfahrung damit haben, was sie denn nun ernten und verwerten können, da pflanzt man doch keine Giftbäume.

Wenn es die Stadt bei dieser Neupflanzung schon nicht auf die Reihe bekommen sollte, aus der langen Liste der Nutzbäume einen hübschen und für den Kurt-Hackenberg-Platz geeigneten Baum auszusuchen, dann doch bitte einen Zierbaum, der die Menschen nicht vergiftet.

Irgendwie werde ich aber den Eindruck nicht los, dass die Verantwortlichen das Konzept einer essbaren Stadt nicht nur nicht verstanden haben, sondern auch nicht wollen. Das müssen wir im Auge behalten.