Archiv für die Kategorie ‘Kinderarmut’

Wenn Menschen finanziell kurz gehalten werden und nur noch ein Einkommen unter der Armutsgrenze zur Verfügung haben, führt das dazu, dass sich ihre sozialen Beziehungen verschlechtern. Das haben wir zwar alles schon lange gewusst (entweder selbst erfahren oder beobachtet oder beides), aber erstmals belegt das nun wissenschaftlich eine für Deutschland repräsentative Studie auf Basis der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am DIW Berlin. Demnach treffen sich in Armut geratene Menschen seltener als zuvor mit Bekannten, Kollegen und Kolleginnen oder Menschen in ihrer Nachbarschaft. Außerdem verändert sich ihr Freundeskreis. Dort finden sich immer weniger Menschen mit einem festen Job. Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift „European Sociological Review“ veröffentlicht. 

armut-reichtumAls armutsgefährdet (so ein Blödsinn, die sind nicht gefährdet, sondern arm. Das ist nur der offizielle Sprech, den ich hier verwende, um die Fakten darzulegen) gilt hierzulande, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat. Um herauszufinden, wie sich Armut auf die sozialen Beziehungen auswirkt, analysierten die Hamburger SoziologInnen Petra Böhnke und Sebastian Link die Angaben von mehr als 50.000 Menschen, die zwischen 1992 und 2013 im Rahmen der Langzeitstudie SOEP in West- und Ostdeutschland immer wieder befragt wurden. Diese hatten unter anderem Fragen zu ihrem Einkommen und zur Häufigkeit ihrer sozialen Kontakte beantwortet.

 Die Analyse der SOEP-Daten zeigt: In Armut geratene Menschen treffen sich weniger als zuvor mit anderen Menschen. Sie machen auch seltener Besuche oder empfangen Gäste. „Darüber hinaus ändert sich ihr Freundeskreis“, sagt Petra Böhnke. Zwar zählten in Armut geratene Menschen genauso viele Menschen zu ihrem Freundeskreis wie zuvor. Aber nach drei Jahren in Armut gehörten dazu beispielsweise weniger Menschen mit einem festen Arbeitsplatz. „Dadurch verringern sich die Möglichkeiten, wieder einen Weg aus der Armut heraus zu finden. Zum Beispiel, weil informelle Informationen zu Jobangeboten fehlen“, gibt Böhnke zu bedenken.

Außerdem gibt es keine realistische Möglichkeit aus der Armut heraus zu finden, wenn man nicht bereit ist, auf dem Markt seine Arbeitskraft als Ware zum gerade gebotenen Preiszu verkaufen“, hebt HP Fischer kapitalismuskritisch hervor.

EINSCHUB

So wird der beständige Verkauf der Arbeitskraft zur einzigen Lebenserhaltungsquelle der Arbeitenden. Verkaufen sie diese nicht, verarmen sie.
Wenn Marx aber sagt, dass mam seine Arbeitskraft nur für eine bestimmte Zeit verkaufen darf und nicht ein für alle Mal, da man sich sonst selbst verkaufe und in einen Sklaven verwandle, hier aber durch drohende Armut quasi zu einem Einfürallemal-Verkauf gezwungen wird, hat man nur die Wahl zwischen frei und arm und versklavt und nicht ganz so arm.

 Die Beziehungen, die arme Menschen zu ihrer Familie pflegen, sind stabiler: Die SOEP-Daten zeigen, dass sich die Betroffenen im Durchschnitt genauso häufig mit Familienmitgliedern treffen wie zuvor. „Diese Beziehungen bilden ein starkes soziales Netz, das auch dafür sorgt, dass arme Menschen in der Regel nicht völlig sozial isoliert sind“, sagt Sebastian Link, Co-Autor der Studie. Nichtsdestoweniger sei aus anderen Studien bekannt, dass sich arme Menschen sozial ausgegrenzt fühlten. Das sei ein Hinweis darauf, dass die Häufigkeit der Zusammentreffen nichts über die Qualität der Beziehungen in der Familie aussage. Zwar könnten Familien Notlagen auffangen, aber das würde auch zu Konflikten führen.

 In ihrer Studie konnten die AutorInnen erstmals belegen, dass die eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten ein wichtiger Grund dafür sind, dass sich die sozialen Beziehungen von armen Menschen zu deren Nachteil verändern. Darüber hinaus sei Armut oft mit Lebensumständen verbunden, die das soziale Gefüge aus FreundInnen und Bekannten ebenfalls belasten – etwa ein schlechter Gesundheitszustand.

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Sicher kennt Ihr das Experiment mit dem Frosch und dem heißen Wasser.
froschWirft man eine solche Amphibie experimentehalber in heißes Wasser, so wird der Frosch dieser unangenehmen Umgebung sofort zu entfliehen versuchen und mit einem Satz heraushüpfen. Setzt man das sensible Tier hingegen in ein mit Wasser gefülltes Gefäß und erhöht die Temperatur nur ganz allmählich in kleinen Schritten, so wird es die geringfügigen Veränderungen ertragen, sich jeweils an die Erwärmung gewöhnen und schließlich so lange verharren, bis es am Ende zu spät ist. Ein plötzlicher, starker Reiz löst als Kontrast der Umgebungsbedingungen bei Lebewesen, so lernt man daraus, eine starke aversive Reaktion wie Vermeidung durch Flucht oder Aggression aus; wird der Reiz dagegen nur Schritt für Schritt verstärkt, treten Anpassungs- und Gewöhnungseffekte ein, die sich auf längere Sicht ungünstig auswirken. So ähnlich, ist zu befürchten, verhält es sich mit der obrigkeitshalber zugemuteten Ausbeutung durch den Kapitalismus.

Insbesondere nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus in den Staaten des europäischen Ostblocks, wurde im vereinten Deutschland der so genannte Rheinische Kapitalismus, also die angeblich soziale Marktwirtschaft reformiert und immer radikaler in Richtung der kapitalistischen Marktwirtschaft geschleift, welche die Regierungen Ronald Reagans und Margaret Thatchers bereits eingeführt hatten.

Doch das geschah und geschieht nicht indem man die Menschen ins kochende Wasser der Ausbeutung wirft, sondern indem man mit einzelnen so genannten Reformen die Temperatur immer weiter erhöht. In 2003 hatte rotgrün mit der Einführung von Hartz IV (Viertes Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt vom 24. Dezember 2003 ab ab 01.01.2005 eingeführt) beinahe das Wasser zu schnell zu heiß gestellt und die Frösche, pardon die Menschen in Deutschland gingen in Massen auf die Straßen. Nicht zuletzt durch gewerkschaftlich organisierte Großdemonstrationen gelang es jedoch Dampf aus dem Kessel zu lassen und den Sprung zu verhindern.

Neben den Leistungen der Arbeitslosenversicherung wurden auch die Leistungen der Krankenversicherung (Einführung der Praxisgebühr und der Zuzahlungen für Medikamente und Hilfsmittel, Krankenhausaufenthalt, Rehabilitation, Heilmittel und anderes in 2004) mit jeder einzelnen so genannten Gesundheitsreform verschlechtert und mittlerweile deren paritätische Finanzierung aufgehoben. Auch das Rentenniveau sinkt bereits seit Jahren kontiuierlich und wird aufgrund verschiedener Reformen, insbesondere im Jahr 2001 (Altersvermögensergänzungsgesetz) und im Jahr 2004 (RV-Nachhaltigkeitsgesetz), wird das Leistungsniveau der Gesetzlichen Rentenversicherung bis 2030 um rund 20 Prozent sinken. Die durchgängige Prekarisierung der Arbeitswelt durch die Erleichterung für Minijobs, Leih- und Zeitarbeit  unter anderem durch die Gesetze I-III für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt sollten nicht vergessen werden. Schließlich ist es genau die Ware Arbeitskraft, die durch all diese Sozialraubmaßnahmen verbilligt werden soll.

Zu jeder einzelnen dieser Reformen ließen sich ganze Aufsätze wenn nicht Bücher schreiben und eigentlich hätten wir alle längst aus dem Topf springen müssen. Sind wir aber nicht. Man hat uns medial nämlich erklärt, dass unser Sozialsystem für uns eine Bedrohung sei. Wenn ein Sozialstaat den Preis der Arbeitskraft um einen Sozialaufschlag verteuert und mit einem Wirtschaftsraum konkurriert, der einen solchen Schutz und damit auch einen derartigen Sozialaufschlag nicht kennt, wirkt der Sozialstaat nicht mehr beschützend, sondern bedrohlich! Einer der Gründe für die Preisdifferenz zwischen den neuen und den alten Mitgliedern des Weltarbeitsmarkts ist der Sozialstaat, dessen Früchte die einen genossen, derweil die anderen ihn nur vom Hörensagen kennen. Die Mitglieder des Sozialstaates laufen Gefahr, ihrer beruflichen Existenz beraubt zu werden. Das wird ihnen so sehr verdeutlicht, dass sie plötzlich merken, das das was gestern noch eine Errungenschaft westlicher Zivilisation war, nun wie ein Klotz an ihrem Bein wirkt.

Anstatt aber für bessere Arbeitsbedingungen und einen Sozialstaat auch beim Konkurrenten zu kämpfen, lässt man sich lieber die hart erkämpften Sozialleistungen streichen. Ganz nach dem Motto: „Chef zieh mir die Stunde nen Euro ab, aber schmeiß mich nicht raus.“ Nach genau diesem Prinzip verlaufen ja auch die Gespräche zur angeblichen Rettung von Autofabriken oder Kaufhäusern.

Die Gegner des Sozialstaats begrüßen die weltweite Arbeiterinflation freudigerregt. Sie ist erwiesenermaßen die wirkungsvollste Methode, den Sozialstaat zu schleifen. Noch immer besitzen rund 75 Prozent der Weltbevölkerung keine Arbeitslosenversicherung, was ihnen zum Nachteil, ihren Produkten aber zum Vorteil gereicht. Das Risiko von Krankheit, Armut und Alter tragen sie selbst und eben nicht die Produkte, die sie herstellen. Im Westen ist es teiweise noch umgekehrt.

Die Arbeitsnachfrage wechselt nun von einem Staat zum anderen und natürlich bevorzugt sie solche Staaten, die ihr möglichst geringe soziale Zusatzkosten zumuten. Also demnächst statt Rumänien eben Griechenland und dann vielleicht die Niederlande und so weiter.

Viele hielten die Soziale Marktwirtschaft für das Endstadium der Geschichte und müssen sich nun einen kolossalen Irrtum eingestehen. Der Kapitalismus hat mit Hilfe eines globalen Arbeits- und Finanzmarkts seine Reichweite gesteigert. Der Markt hat an Kraft, Geschwindigkeit und scheinbar auch an Unvermeidbarkeit gewonnen. Der soziale Triumph von gestern ist verblasst. Der Kapitalismus erhält seine Ursprünglichkeit zurück. Mit der Unterwerfung der demokratisch gewählten, linken griechischen Regierung unter das Diktat des Kapitals blitzt die hässliche Fratze des Dorian Gray auf, welche uns sofort als das gütig, freundliche Kümmerlächeln unserer Staats-Mutti verkauft wird.
Es wird langsam Zeit aus dem Topf zu springen!

  • Fordern wir hier unsere Sozialleistungen zurück und weitere dazu.
  • Erkämpfen wir uns hier eine auskömmliche Entlohnung für die Arbeit.
  • Setzen wir hier ein bedingungsloses Grundeinkommen durch.
  • Verlangen wir zurück und dazu, was uns zusteht und wir helfen allen abhängig Beschäftigten in der ganzen Welt.

Im festgefahrenen Tarifstreit um eine verdiente Eingruppierung für Erzieher*innen und Sozialarbeiter*innen haben Arbeitgeber und Gewerkschaften erstmals wieder Gesprächsbereitschaft gezeigt. Der genaue Termin steht aber noch nicht fest.

Ver.di-Chef Frank Bsirske teilte mit, seine Gewerkschaft habe die Spitze der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) für Montag nach Berlin eingeladen.

Die Arbeitgeberseite erklärte hingegen, die beteiligten Gewerkschaften für kommenden Dienstag nach Frankfurt eingeladen zu haben.

Muss man sich jetzt freuen, dass wenigstens Einigkeit darüber herrscht wieder miteinander zu reden oder muss man sich ärgern, dass man sich nicht mal auf einen gleichzeitigen – was ich im Übrigen effektiver halte, als unterschiedliche Termine – Tag und Ort einigen kann?

ver.di - Soziale Berufe aufwerten

Heute veröffentlichte „Der Paritätische“ seinen „Bericht zur regionalen Armutsentwicklung in Deutschland 2014“ und stellte der Bundesrepublik Deutschland beziehungsweise der Regierung damit erneut ein Armutszeugnis aus.

Köln hat keinen Grund stolz zu sein, auch wenn es bereits in der Einleitung erwähnt wird. Dort heißt es nämlich:

Als neue Problemregion könnte sich neben dem Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen auch der Großraum Köln/Düsseldorf entpuppen, in dem mehr als fünf Millionen Menschen leben, und in dem die Armut seit 2006 um 31 Prozent auf mittlerweile deutlich überdurchschnittliche 16,8 Prozent zugenommen hat.

Im ausführlichen Text zum Großraum Köln/Düsseldorf steht schon nicht viel schlimmeres will man meinen, wenn ähnlich formuliert wird:

Die beiden Raumordnungsregionen Region Köln und Region Düsseldorf liegen zwar durchaus noch auf unterschiedlichem Niveau, doch haben sie gemeinsam, dass sie bereits seit Jahren deutlich überproportionale Armutsquoten haben. Sie liegen derzeit bei 17,5 und 16,3 Prozent. In beiden Regionen ist seit 2006 ein ebenso bemerkenswerter wie kräftiger Anstieg der Armut zu beobachten, der in seiner Dynamik dem des Ruhrgebiets entspricht. So ist die Armutsquote für diesen Großraum zwischen 2006 und 2013 von 12,8 auf 16,8 Prozent gestiegen, ein Zuwachs um 31 Prozent, und damit noch stärker als im Ruhrgebiet. Auch wenn die Armutsquote von 16,8 Prozent noch im bundesdeutschen Mittelfeld liegt, muss der Großraum Köln/Düsseldorf damit armutspolitisch insgesamt als eine sehr problematische Region betrachtet werden.arm

Wenn man sich die präsentierten Zahlen mal genauer anschaut, dann wird es für die Stadt Köln schon wesentlich bitterer. Denn dort steht die Stadt (und eben nicht die so genannte Raumordnungsregion) mit sage und schreibe 21,5% Armen in der Statistik und damit noch vor Berlin!!!

Im Jahr der Oberbürgermeisterwahl erwarte ich von allen Kandidat*innen konkrete Ansagen, was dagegen unternommen werden wird.

Für die bundesdeutsche Ebene hat „Der Paritätische“ einige Lösungsvorschläge parat, die nicht ganz falsch sind und von denen ich hier mal drei darstelle:

  1. Anhebung des Mindestlohns

(Wenn im Jahre 2013 die relative Armutsgrenze für ein Ehepaar mit zwei Kindern bei 1.873 Euro lag, hätte somit – selbst unter Berücksichtigung des Kindergeldes – ein Alleinverdiener einen Stundenlohn von etwa 11,50 Euro haben müssen, um diese Schwelle zu überwinden.)

  1. Anhebung der Regelsätze

Eine Armutsquote bei Erwerbslosen von 59 Prozent heißt nichts anderes, als dass Erwerbslose in Deutschland im Regelfall nicht vor Armut geschützt sind. Und auch stark überproportionale Armutsquoten bei Alleinerziehenden und kinderreichen Familien weisen darauf hin, dass das soziale Sicherungssystem bei diesen Personengruppen offensichtlich eklatante Lücken aufweist.

Zur Armutsvermeidung sind daher Maßnahmen im Sicherungssystem für arbeitslose Menschen aber auch im Familienlastenausgleich dringend geboten.

Notwendig ist eine deutliche Erhöhung der Regelsätze im SGB II und SGB XII. Die Anpassung dieser Sätze zum 1. Januar 2015 auf 399 Euro ist nicht ausreichend, um Armut wirklich zu vermeiden. Nach Berechnungen des Paritätischen müsste der Regelsatz nach jetziger (zweifelhafter) Systematik mindestens 485 Euro betragen, um Armut zu verhindern und zumindest das soziokulturelle Existenzminimum in Deutschland abzudecken

  1. Mindestarbeitslosengeld

Immer mehr Personen in Deutschland haben zwar über Jahre in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt, müssen aufgrund ihres geringen Verdienstes im Falle der Arbeitslosigkeit aber dennoch mit SGB II-Leistungen aufstocken, was gleich in mehrerer Hinsicht problematisch ist. Angezeigt ist daher ein Mindestarbeitslosengeld I einzuführen, das in der Höhe dafür sorgt, dass bei Bezug des Arbeitslosengeldes I nach einer Vollerwerbstätigkeit im Regelfall die Abhängigkeit von aufstockenden Leistungen nach dem SGB II vermieden wird. 

Ja sogar wie das alles zu finanzieren ist schreibt „Der Paritätische“:

Zur Bekämpfung der Armut in Deutschland ist somit eine vertikale und horizontale Umverteilung von Vermögen und Einkommen notwendig. Angesichts der Schuldenbremse ist der Weg der Kreditfinanzierung weitestgehend versperrt. Eine Politik der Armutsbekämpfung wird daher auf Steuererhöhungen nicht verzichten können.

Es geht um die solidarische Finanzierung von Sozialleistungen und Leistungen der Daseinsvorsorge durch die stärkere Heranziehung großer Vermögen und hoher Einkommen.

Die einschlägigen Daten dazu sind bekannt

2014-Armutsbericht-DPWV

Nachdem was ich jetzt die letzten Tage alles hören, lesen und sehen musste, bleibt mir nichts übrig, als mal eben was über Kinder in Containern zu schreiben.

Um eins vorweg zu schicken – ich bin gegen die Vertafelung der Gesellschaft und wenn sich die Betreiberin einer Kindertafel hinstellt und mit einem Fotobeweis, den sie selbst erstellt hat nun eine Kindertafel in jedem Veedel fordert, dann könnte ich – mit Verlaub gesagt – kotzen.

Angeblich zeigt das Foto das vorliegt und mehrfach in Zeitungen abgedruckt und im Fernsehen gezeigt wurde, Kinder die in Müllcontainern nach Essbarem suchen. Erstaunlich daran ist, dass es die Container einer Flüchtlingsunterkunft sein sollen, in der sie selbst untergebracht sind.

Daraus kann man auch schließen, dass Flüchtlinge zu viel Leistungen erhalten, da sie augenscheinlich Lebensmittel und Kleidung wegschmeißen, die durchaus noch brauchbar sind.

Man kann auch daraus schließen, dass gerade diese Kinder gerade nichts zu essen haben und im Müll danach suchen.

Aber was die Kinder wirklich suchten, weiß niemand und alle sind auf die Fotografin angewiesen, die behauptet mit den Kindern gesprochen zu haben. Ihre Äußerungen im WDR lassen den Schluss zu, dass sie mit den Kindern schon seit Wochen umgeht und ich frage mich warum sie erst jetzt damit rausrückt, dass da was nicht stimmt.

Die Stadt Köln behauptet, dass die betroffene Familie Sozialleistungen „in Höhe von Hartz IV“ erhielte. Dabei frage ich mich allerdings auf welcher gesetzlichen Grundlage das geschieht.

Im Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) sind seit 1993 die Höhe und Form von Leistungen geregelt, die materiell hilfebedürftige Asylbewerber, Geduldete sowie Ausländer, die vollziehbar zur Ausreise verpflichtet sind, in der Bundesrepublik Deutschland beanspruchen können.

Diese Sätze liegen so weit unter den Regelsätzen des SGB II (Hartz IV), dass das Bundesverfassungsgericht bereits am 18. Juli 2012 entschied, dass sowohl die Barbeträge nach § 3 Abs. 1 AsylbLG als auch die Grundleistungsbeträge nach § 3 Abs. 2 AsylbLG evident zu niedrig sind und gegen das Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums verstoßen, weil sie seit 1993 nicht verändert wurden und weder nachvollziehbar berechnet noch realitätsgerecht seien.

Das Gericht forderte den Gesetzgeber auf, „unverzüglich“ eine verfassungskonforme gesetzliche Neuregelung zu schaffen. Dem ist der Gesetzgeber bislang meines Wissens noch nicht nachgekommen.

Für die Übergangszeit ordnete das BverfG an, dass Geldleistungen in Höhe der Regelsätze nach dem SGB XII zu erbringen sind. (Gekürzt um den Bedarf für Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände). Das SGB XII ist aber nicht das SGB II und damit eben auch nicht „Hartz IV“, blöd wenn das die zuständigen Beigeordneten der Stadt Köln noch immer nicht auseinander halten können. Auch blöd, wenn der Regelsatz gekürzt wird und damit schon mal garnicht mehr dem SGB II entsprecht.

Damit sind wir aber auch tief an der Wurzel des Problems. Menschen die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz oder den Sozialgesetzbüchern II oder XII erhalten, erhalten definitiv zu wenig Leistungen um davon menschenwürdig leben und nicht nur existieren zu können.

Was den Menschen und auch den Kindern nicht hilft, ist wenn sie sich in einer Kirche oder einer anderen vorgeblich gemeinnützigen privaten Almosenverteilstelle erniedrigen müssen. Kinder unter 6 Jahren gehören in eine Kindertagesstätte mit einem ausgewogenen und gesunden Mittagessen und schulpflichtige Kinder in eine Schule mit eben einem solchen und zwas kostenlos!

Leute die sich im Moment in Tafeln und Kindermittagstischen selbst verwirklichen und therapieren sind sicher als ehrenamtliche Helfer in den öffentlichen Kindertagesstätten und Schulen herzlich willkommen und müssen nicht fürchten, wieder einen unstrukturierten und sinnlosen Tagesablauf zu haben.

Für alle die zu viel Essen und Trinken haben (weil sie zum Beispiel ihren Joghurt nur im Sechser-Pack bekommen oder in Urlaub fahren und noch Kartoffel übrig haben oder so) und für alle die danach suchen, empfehle ich im Übrigen die Aktion „Foodsharing

Keine Vertafelung der Gesellschaft!- Armut bekämpfen statt Armut lindern!

Ob junge Menschen den sozialen Aufstieg – gemessen an Beruf und Einkommen – schaffen oder nicht, hängt in Deutschland, Schweden und den USA zu einem beträchtlichen Teil vom Vermögen der Eltern ab. Das ist das Ergebnis einer vergleichenden Langzeit-Studie.

Das elterliche Vermögen bildet ein privates Sicherheitsnetz für die Bildungsentscheidungen und -karrieren der Kinder“, erklärt der Soziologe Fabian Pfeffer von der US-amerikanischen Universität Michigan in Ann Arbor, der Hauptautor der Studie. „Das trifft auf Deutschland, Schweden und die USA zu. In den USA macht es das elterliche Vermögen darüber hinaus in vielen Fällen überhaupt erst möglich, jungen Menschen eine erfolgversprechende Ausbildung zu finanzieren.

Bisher waren sich die Bildungsforscher einig, dass vor allem die Bildung der Eltern, ihr beruflicher Status und ihr Einkommen den Bildungsweg und späteren beruflichen und wirtschaftlichen Erfolg der Kinder prägen. Fabian Pfeffer konnte jetzt erstmals anhand von Daten aus drei repräsentativen Langzeitstudien belegen, dass darüber hinaus auch das Vermögen der Eltern den Bildungserfolg und sozialen Aufstieg entscheidend erleichtert. Sozialer Aufstieg bedeutet, dass die Kinder einen höheren beruflichen und ökonomischen Status erreichen als ihre Eltern.

Die Untersuchung legt nahe, dass das Vermögen der Eltern hierzulande und in Schweden wie ein Sicherheitsnetz funktioniert, das dichter geknüpft ist als es mit laufenden Einkommen allein möglich wäre. „Das heißt nicht unbedingt, dass der Nachwuchs das Geld der Eltern tatsächlich für seine Karriere in Anspruch nimmt“, sagt Pfeffer. „Aber Familien haben mehr Wahlmöglichkeiten bei den Bildungs- und Berufsentscheidungen ihrer Kinder, wenn das familiäre Vermögen ihnen Rückhalt für den Notfall verspricht.“ So würden sich zum Beispiel Jugendliche aus vermögenden Elternhäusern auch deshalb eher zu einem Hochschulstudium entschließen als andere, weil sie die finanziellen Folgen eines möglichen Studienabbruchs nicht alleine tragen müssten.

In den USA ergibt sich der Zusammenhang zwischen Bildungschancen und Vermögen zusätzlich daraus, dass vermögende Familien in privilegierten Wohngebieten mit besser ausgestatteten Schulen leben und auch höhere Studiengebühren aufbringen können. In den USA kann nur jedes zehnte Kind, dessen Eltern zu den zehn Prozent der Bevölkerung mit den geringsten Vermögen zählen, einen Bachelor-Abschluss vorweisen. Dagegen haben mehr als die Hälfte aller Kinder, deren Eltern zu den zehn Prozent der Bevölkerung mit den höchsten Vermögen zählen, einen solchen Abschluss. „Nicht nur in den USA, auch in Deutschland und sogar in Schweden sind die Privatvermögen weit ungleicher verteilt als die Einkommen“, sagt Pfeffer. In allen drei Nationen besitzen zehn Prozent der Bevölkerung mehr als die Hälfte des gesamten Privatvermögens. „Um die Startchancen für Jugendliche aus allen Bildungsschichten anzugleichen, wäre sowohl eine verbesserte Politik der Vermögensbildung als auch eine höhere steuerliche Belastung der hohen Vermögen denkbar“, sagt Pfeffer.

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin

Langzeit-Studie in englisch

15. Oktober – Globale Revolution

Am 15. Oktober werden wir Bürgerinnen und Bürger der ganzen Welt auf die Strasse gehen, um unsere Empörung über den Verlust unserer Rechte zu zeigen – Rechte, die uns durch ein Bündnis zwischen grossen Unternehmen und der politischen Klasse entzogen werden. Wir von der Bewegung «Democracia Real Ya!» laden euch ein, an dieser friedlichen internationalen Protestaktion teilzunehmen, indem ihr euch unserem Aufruf anschliesst oder indem ihr eure eigenen Aufrufe für dieses Datum erlässt. Es ist der Augenblick gekommen, die Stimme zu erheben. Unsere Zukunft steht auf dem Spiel, und niemand kann der Kraft von Millionen von Menschen trotzen, wenn sie sich in gemeinsamer Absicht vereinen.

«Democracia Real Ya!» ist eine spanische Koordinationsplattform von unterschiedlichen Gruppen zur Mobilisierung von Bürgerinnen und Bürgern. Unter der Devise «Wir sind keine Marionetten in den Händen von Politikern und Banquiers» gingen wir am 15. Mai zu Tausenden auf die Strasse, um mehr demokratische Teilhabe zu fordern, uns gegen die Korruption des politischen Systems aufzulehnen und unseren Einspruch gegen die Kürzungen im Sozialbereich zu bekunden. Nach dem Erfolg dieser ersten Kundgebung entstanden unterschiedliche Bewegungen, und auf vielen Plätzen des ganzen Landes wurden Zeltlager aufgebaut, ganz ähnlich der ersten Besetzung des Tahrir-Platzes in Kairo. Dort wurden Volksversammlungen durchgeführt, wo die BürgerInnen ihre Ziele in einem horizontalen, alle Anwesenden einschliessenden Entscheidungsprozess entwickelten. Die Bewegung 15M strahlte bald über die Landesgrenzen hinaus und ermutigte in vielen Städten der Welt zu Aktionen, darunter am vergangenen 19. Juni zu einer koordinierten Massenkundgebung gegen den Euro-Pakt.

Unter dem Druck der Finanzherrschaft arbeiten unsere Regierenden zugunsten ein paar weniger, ohne sich um die sozialen, menschlichen und ökologischen Kosten zu kümmern, die dadurch entstehen können. Die herrschenden Klassen rauben uns das Rechts auf eine freie und gerechte Gesellschaft, indem sie Kriege mit wirtschaftlichen Zielen führen und ganze Völker ins Elend stürzen.

Deshalb laden wir euch ein, euch diesem gewaltlosen Kampf anzuschliessen, indem ihr die Botschaft verbreitet, dass wir gemeinsam diese unannehmbare Situation ändern können. Nehmen wir uns die Strasse am 15. Oktober! Es ist Zeit, dass sie uns zuhören. Gemeinsam werden wir unsere Stimmen erheben.

  • In Köln demonstriert die Attac-Gruppe gemeinsam mit Bündnispartnern. Treffpunkt: 11 Uhr, Chlodwigplatz

Quelle: www.attac.de