Archiv für die Kategorie ‘Denkmalschutz’

Im heutigen (25.08.2015) Ausschuss Kunst und Kultur legte die Verwaltung eine Mitteilung zu den Hallen Kalk vor, die am 27.08.2015 auch die Bezirksvertretung Kalk erhalten wird. Darin werden konstruktive Möglichkeiten für ein weiteres Verfahren dargelegt.

Außenkran an den ehemaligen KHD-Hallen in Köln-Kalk

Außenkran an den ehemaligen KHD-Hallen in Köln-Kalk

Im April hatte die Fraktion DIE LINKE. in der Bezirksvertretung Kalk einen Aenderungsantrag zu einem SPD-Antrag eingebracht. Damit wurde dort folgender Punkt 0 eingefügt und beschlossen:

Die Verwaltung möge prüfen, mit welchen Maßnahmen, die sich im Bereich des Zumutbaren befinden der Erhalt der Hallen zu sichern ist. Hierbei heißt eine angebliche Nichtfinanzierbarkeit nach geltender Rechtsprechung ja nicht automatisch, dass einem die Erhaltung eines Denkmals nicht zugemutet werden darf.

Der Ausschuss für Kunst und Kultur hatte daraufhin in seiner Sitzung vom 28.04.2015 ein Moratorium des be-
absichtigten Abrissantrages für die Hallen Kalk beschlossen. Die Verwaltung wurde beauftragt, Alter-
nativen zum Abriss zu prüfen. Der Abrissantrag wurde daher nicht gestellt. (Machbarkeitsstudie für Kalker Hallen)

Dem politischen Willen und Auftrag folgend, wurde die Verwaltung insofern tätig, dass man die Stadtentwicklungsgesellschaft der Stadtwerke Köln GmbH und der Stadt Köln „moderne stadt“ – Gesellschaft zur Förderung des Städtebaus und der Gemeindeentwicklung mbH beauftragte, erste konzeptionell Überlegungen entsprechend der Vorgaben aus den Sitzungen zu entwickeln.

Die Ergebnisse liegen nun vor und können im Einzelnen in der oben erwähnten Mitteilung nachgelesen werden. Die Kölnische Rundschau fast es in einem kurzen Artikel recht gut zusammen:

„Bei der ersten Variante soll betrachtet werden, wie unter Einbeziehung der Entwicklungen im Kultur- und Eventbereich sowie der veränderten Lebens- und Arbeitswelt die Nutzung der Hallen einen Beitrag zu einer neuen Standortqualität leisten können. Diese Variante ist aus Sicht der Verwaltung sehr aufwendig, weil mehrere Fachleute einbezogen und koordiniert werden müssten. Die Kosten und die Wirtschaftlichkeit der Nutzung seien darüber hinaus nicht abzusehen.

Die zweite Variante ist eine bautechnische Machbarkeitsstudie, für die aber ein konkretes Raum- und Funktionsprogramm Voraussetzung wäre, das es noch nicht gibt.

In einer dritten Variante müsste die Stadt die denkmalgeschützten Hallen verkaufen, damit ein privater Investor ein tragfähiges Konzept entwickeln kann. Bei diesem Verfahren sind Projektentwickler, Investoren, Kulturmanager und auch Privatleute angesprochen. Die Verwaltung will die Varianten prüfen und Vorschläge machen.“

heißt es dort.

Nicht nachvollziehbar ist allerdings, dass es angeblich kein Raum- und Funktionsprogramm gibt. Immerhin will das Schauspiel die Halle Kalk zumindest während des Interims weiter bespielen und für die anderen beiden Hallen gibt es einen gültigen Vertrag mit der Stiftung Ludwig, worauf die Verwaltung selbst ausdrücklich verweist!

Zitat: Die Einhaltung des Vertrages mit der Stiftung Ludwig steht für die Stadt Köln an oberster Stelle.

Daraus kann eigentlich nur gefolgert werden, dass die Kalker Hallen ihre angedachten Funktionen behalten beziehungsweis wieder erhalten sollen. Das wäre auch ein schönes Geschenk zum 20. Todestag von Stifter Peter Ludwig im kommenden Jahr.

Noch vor wenigen Wochen stand der Abriss der ehemaligen KHD-Hallen in Köln-Kalk fest.  Mittlerweile stehen die nicht anfallenden Abrisskosten als Einsparung im verabschiedeten Haushaltsentwurf. Was ist geschehen? Sind die Hallen jetzt gerettet?6_PJ1506_HalleKalk

Die zweite Frage lässt sich mit einem „vorübergehend“ beantworten. Die Antwort auf die erste Frage ist kurz: „viel!“
Im April fragte ich noch: „Wieviel Schutz bietet der Denkmalschutz?“ und mittlerweile steht die Einrichtung einer „dezernatsübergreifende Projektgruppe zum Erhalt der Kalker Hallen“ bevor. Doch das kommt nicht von ungefähr, denn auch Dezernenten, die eine Anweisung zum Abriss gaben, können offen für Argumente und Engagement sein – gerade, wenn sich Politik und Gesellschaft einig sind.
Seit Anfang an stellen DIE LINKE im Kulturausschuss und seinen Unterausschüssen und DIE LINKE in der BV Kalk in enger Absprache miteinander bohrende Anfragen und Anträge zum Erhalt der Hallen. Auch bei den anderen Fraktionen ist die Einsicht (bei der Kalker CDU mittlerweile) vorhanden, dass die Hallen zu erhalten und zu nutzen seien. Engagierte Bürger schließen sich zu einer Bürgerinitiative zusammen und veranstalten Spaziergänge und Workshops, in denen sie Nutzungs- und Umsetzungsideen sammeln und diskutieren. Vereine wie das „Haus der Architektur Köln“ oder der „Rheinische Industriekultur e.V.“ organisieren Referate zu Erhaltungs- und Nachnutzungsmöglichkeiten.

Das alles führt dazu, dass sich die Beigeordneten Frau Laugwitz-Aulbach (Kunst und Kultur), Frau Berg (Wirtschaft und Liegenschaften) und Herrn Höing (Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Verkehr) unter Beteiligung des Stadtkonservators Dr. Werner zu einer Diskussion treffen und gemeinsam zu dem Ergebnis kommen, dass sie eine Machbarkeitsstudie beauftragen und eine dezernatsübergreifende Projektgruppe bilden.

Wir warten ohne Ungeduld auf die Ergebnisse.

Eigentümer*innen von denkmalgeschützten Gebäuden kennen das, sie dürfen oftmals nicht so um- oder anbauen oder sanieren, wie sie das gerne würden oder sogar müssten. Das Amt für Denkmalschutz schaut sich die Maßnahmen kritisch an und erteilt nur dann die Genehmigung, wenn es das aus denkmalschützerischer Sicht auch verantworten kann. In Kalk gibt es hierfür einige Beispiele wie den Kaufhof oder das Klarissenkloster, wo die privaten Bauherren vom Stadtkonservator nicht die erhofften Genehmigungen erhielten. Der Denkmalschutz setzt dem in Deutschland in Art. 14 GG garantierten Eigentumsrecht nun mal zu Recht Schranken.DIGITAL CAMERA

Wie aber ist es, wenn kein Privater sondern die Stadt Köln Eigentümerin eines denkmalgeschützten Gebäudes ist? Das lässt sich leider aktuell ebenfalls in Kalk an den ehemaligen KHD-Hallen 76 und 77 in der Neuerburgstraße erleben.
Für Erhalt und Pflege eines Denkmals ist dessen Eigentümer verantwortlich. Wichtig ist der immer wieder auftauchende Zusatz „solange sich die Maßnahmen im Bereich des Zumutbaren befinden“. Kann der Eigentümer die Erhaltungsmaßnahmen nicht finanzieren, bedeutet das nicht automatisch, dass ihm die Erhaltung des Denkmals nicht zugemutet werden darf.

Tatsächlich aber hat die Stadt Köln seit sie die Hallen von einer Sparkassentochter kaufen musste, so gut wie nichts in die Pflege und den Erhalt dieser Industriedenkmale investiert. Somit hat die Stadt Köln wohl gegen das Denkmalschutzgesetz verstoßen und müsste sich eigentlich dafür selbst anzeigen. – Das darf aber auch jemand anderes. Jetzt einfach festzustellen, dass die ehemaligen Industriehallen das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben, blieb auch nicht unwidersprochen. Neben engagierten Kalker*innen setzen sich auch Prof. Dr.-Ing. Walter Buschmann (Vorsitzender des Vereins Rheinische
Industriekultur, außerplanmäßiger Professor an der RWTH Aachen und Autor zahlreicher Fachpublikationen), Barbara Schock-Werner (ehemalige Dombaumeisterin) und Ulrich Krings (ehemaliger Stadtkonservator) massiv für den Erhalt der Hallen ein.

DIGITAL CAMERAKalks LINKE Bezirksvertreter sehen die Sache ähnlich, insbesondere da diese Hallen auch als Ausgleich für den quasi Komplettabriss aller Denkmale (außer dem Wasserturmpimmel) auf dem Gelände der CFK ausgewiesen wurden. Mittlerweile liegt ein Antrag der SPD für die Bezirksvertretung vor, der lediglich den Erhalt der noch nicht vom Abriss bedrohten Halle 75 fordert und von der Notwendigkeit des Abrisses der übrigen Hallen spricht.

 

Mit LINKS wird die Verwaltung den gewünschten Abriss jedenfalls nicht umsetzen.

Anfrage der LINKEN Ratsfraktion: hier

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