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Kein Sex ist auch eine Lösung

Veröffentlicht: 12. Oktober 2017 in Für Sie gelesen, Forschung, Gesundheit, Sex

MilbeSexuelle Fortpflanzung sorgt unter anderem dafür, dass sich schädliche Mutationen nicht so stark ansammeln. Bei manchen Tierarten, wie zum Beispiel einigen Hornmilbenarten, ging Sex jedoch im Laufe der Evolution verloren und die asexuelle Fortpflanzung durch Klone setzte sich durch. Bisher war es wissenschaftlicher Konsens, dass der Wechsel zu einer schrittweisen Ansammlung schädlicher Mutationen führt und das Aussterben der Art nach sich zieht. Nun haben Forscher der Universitäten Göttingen und Lausanne herausgefunden, dass es bei Hornmilben anders ist. Wenn sie sehr lange asexuell sind, können sie schädliche Mutationen besser loswerden als ihre Verwandten, die sich sexuell fortpflanzen.

Nun haben Forscherinnen und Forscher der Universitäten Göttingen und Lausanne herausgefunden, dass es bei Hornmilben (Oribatiden), einer im Boden häufigen Tiergruppe, anders ist. Hornmilbengruppen, die sehr lange asexuell sind, können schädliche Mutationen besser wieder loswerden als ihre Verwandten, die sich sexuell fortpflanzen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature Communications erschienen.

„Bisher wurden nur Tierarten untersucht, bei denen der Verlust von Sex relativ kurz zurückliegt“, erklärt Erstautor Alexander Brandt, von der Arbeitsgruppe Tierökologie am Johann-Friedrich-Blumenbach Institut für Zoologie und Anthropologie der Universität Göttingen. Um die Konsequenzen, die ein Verlust von Sex auf lange Sicht mit sich bringt zu untersuchen, haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen das Erbgut verschiedener sexueller und uralt-asexueller Hornmilben sequenziert und analysiert. Dabei sind sie zu dem überraschenden Ergebnis gekommen, dass uralt-asexuelle Hornmilben die schädlichen Mutationen besser loswerden können.

Oribatiden eignen sich für diese Fragestellung besonders gut, da Sex innerhalb dieser Tiergruppe mehrmals unabhängig voneinander verloren gegangen ist und dies jeweils mehrere Millionen Jahre zurückliegt“, so Dr. Jens Bast, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Lausanne und Seniorautor der Studie. „Dass asexuelle Hornmilben schädliche Mutationen besser abwenden bedeutet, dass Oribatiden eine Besonderheit aufweisen müssen, die ihnen das Überleben mit asexueller Reproduktion über evolutionär lange Zeiträume ermöglicht“, ergänzt Brandt.

 Über die Natur dieser Besonderheit können die Forscher und Forscherinnen bisher nur spekulieren: Möglicherweise spielen die Populationsgrößen der Hornmilben eine wichtige Rolle. Die Anzahl der Tiere in einer Population hat, genau wie die Mischung von Erbgut, einen starken Einfluss darauf, wie effektiv natürliche Selektion der Ansammlung schädlicher Mutationen entgegenwirkt. Die Tatsache, dass Populationen asexueller Hornmilbenarten im Durchschnitt deutlich größer sind als die sexueller Arten legt nahe, dass die effektive natürliche Selektion tatsächlich durch ihre besonders großen Populationen bedingt wird. Somit war zumindest für einige Hornmilbenarten das Überleben ohne sexuelle Fortpflanzung über Jahrmillionen hin möglich.

 Originalveröffentlichung: Brandt et al., Effective purifying selection in ancient asexual oribatid mites, Nature Communications 2017
 doi: 10.1038/s41467-017-01002-8

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Erneut wurden die braunen Autobahnschilder kreativ verschönert, die an der A4 auf das Rheinische Braunkohlerevier hinweisen. Bereits Mitte Februar hatten Unbekannte die Schilder mit orangefarbenen Plakaten beklebt, die den Schriftzug „Klimakiller Nr.1“ trugen. Nachdem die alten Plakate schnell entfernt worden waren, tauchten sie jetzt wieder auf – diesmal größer und mit einem neuen Detail.

Zusätzlich zum Klimakiller-Schriftzug prangt in der Mitte des Schaufelrads des abgebildeten Baggers nun ein Totenkopf……

weiter auf der Quelle: Klimapiraten schlagen wieder zu

Die auch als Arzneipflanze bekannte Kapuzinerkresse enthält Senfölverbindungen, die sich beim Verzehr durch einen scharfen Geschmack bemerkbar machen. Wie eine gemeinsame Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) und des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) nun annehmen lässt, wirkt Senföl aus Kapuzinerkresse antidiabetisch und aktiviert Enzyme des Entgiftungsstoffwechsels.    

Senfölglycoside

Allgemeine Strukturformel der Senfölglycoside (Glucosinolate)

In der Natur kommen Senföle vor allem chemisch gebunden als sogenannte „Senfölglycoside“(Glucosinolate) in Kreuzblütlern vor. Zu diesen Pflanzen gehören beispielsweise Senf, Brokkoli, Pak Choi, Radieschen, Meerrettich, Garten- und Kapuzinerkresse. Aus der Naturheilkunde ist seit langem bekannt, dass Senfölverbindungen aus Meerrettich und der essbaren Großen Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) antibakterielle Eigenschaften besitzen. Seit kurzem gibt es aber auch wissenschaftliche Hinweise auf antidiabetische Effekte dieser bioaktiven Pflanzeninhaltsstoffe. So zeigen zum Beispiel neuere klinische Studien, dass senfölhaltige Extrakte aus Brokkoli-Sprossen nicht nur die Cholesterin- und Entzündungsmarker-Werte von Patienten mit Typ-2-Diabetes günstig beeinflussen, sondern auch deren Zuckerstoffwechsel. Ebenso hatten in anderen Studien Meerrettich-Extrakte positive Effekte auf die Wirkung des Botenstoffs Insulin. Doch welche zellulären und molekularen Mechanismen liegen dieser antidiabetischen Wirkung zugrunde? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, untersuchten die Forscher die Stoffwechseleffekte von Senföl aus Kapuzinerkresse mit Hilfe von Testsystemen, die auf in Kultur gehaltenen menschlichen Zellen basieren.kapuziner

Die Wissenschaftler*innen gaben unterschiedliche Konzentrationen einer aus Kapuzinerkresse isolierten Senfölverbindung (aromatisches Benzylglucosinolat) in das Nährmedium der Testzellen und fügten gleichzeitig das pflanzliche Enzym Myrosinase [Die Myrosinase ist ein Enzym pflanzlicher Herkunft, das Senfölglycoside in Traubenzucker und Senföle spaltet. Siehe Wikipedia: Myrosinase] hinzu, das die Verbindung in das Senföl Benzylisothiocyanat überführt. Wie die Forscher beobachteten, modulierte das im Zellkulturmedium freigesetzte Senföl dosisabhängig die intrazellulären Signalwege des Botenstoffs Insulin. Ebenso verringerte es in den untersuchten menschlichen Leberzellen die Produktion von Enzymen, die für die Zuckerneubildung notwendig sind. „Hieraus schließen wir, dass Senföl auch in der Leber die Zuckersynthese vermindert. Dies ist ein sehr wichtiges Ergebnis, da hinsichtlich einer Diabeteserkrankung eine überschießende, körpereigene Zuckerproduktion zu erhöhten Blutzuckerspiegeln führen kann. Unsere Resultate könnten zudem die positiven Ergebnisse der klinischen Studien erklären, welche die Wirkung von Brokkoli- oder Meerrettich-Extrakt auf den menschlichen Zuckerstoffwechsel untersuchten“, sagt Erstautorin Guzmàn-Pérez. „Ein weiteres interessantes Ergebnis ist, dass das Senföl auch Schutzmechanismen gegen oxidativen Stress aktiviert, indem es die Produktion von Enzymen des zellulären Entgiftungsstoffwechsels stimuliert“, so die Wissenschaftlerin weiter. „Sicher ist es noch zu früh, um zu sagen, inwieweit der Verzehr von Kapuzinerkresse dazu beitragen kann, den Zuckerstoffwechsel von Menschen mit Typ-2-Diabetes zu verbessern oder der Erkrankung vorzubeugen“, sagt Studienleiter und Diabetologe Andreas Pfeiffer. „Dennoch tragen unsere Ergebnisse schon heute dazu bei, die molekularen Mechanismen besser zu verstehen, die den potentiell antidiabetogenen Effekten von Senfölen zu Grunde liegen“, meint Christiane Bumke-Vogt, die federführend an der Studie beteiligt war. „Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um neue Ernährungsstrategien und eventuell auch Diabetesmedikamente zu entwickeln“, ergänzt Ernährungsmediziner Pfeiffer. „Zukünftig wollen wir unsere gemeinsamen Untersuchungen vertiefen, indem wir ausreichende Mengen der Senfölverbindungen aus Kapuzinerkresse isolieren und deren Wirkung weiter in Ernährungsstudien untersuchen“, sagt Monika Schreiner, die sich mit ihrer Forschung auf sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe spezialisiert hat.

Zusatzinfos:

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ursachen und Folgen des metabolischen Syndroms, einer Kombination aus Adipositas (Fettsucht), Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, die Rolle der Ernährung für ein gesundes Altern sowie die biologischen Grundlagen von Nahrungsauswahl und Ernährungsverhalten.
Mehr Informationen unter http://www.dzd-ev.de.

Das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) erarbeitet die wissenschaftlichen Grundlagen für eine ökologisch sinnvolle und zugleich effektive Erzeugung von Gartenbaukulturen. Das IGZ forscht an der Entwicklung neuer Genotypen, an gesundheitlich relevanten Pflanzeninhaltsstoffen bis hin zu ressourcenschonenden Kultivierungsverfahren. Mehr Informationen zur Abteilung Pflanzenqualität unter http://www.igzev.de/schwerpunkt_type/3-1-ertrags-und-qualitaetsphysiologie-unter-umweltstress/.

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 88 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.100 Personen, darunter 9.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,6 Milliarden Euro. Mehr Informationen unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de.

Quelle:
Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Es ist  noch nicht lange her, dass ich mich erneut als Fan der „essbaren Stadt“ geoutet habe. (siehe: Konzept Essbare Stadt ist auf dem Weg)

In der verschobenen  Beschlussvorlage DS 0514/2016 mit dem Betreff: Konzept Essbare Stadt Köln heißt es unter anderem:

„Der Ansatz der Stadt Andernach kann in Köln nicht umgesetzt werden, da die notwendigen Ressourcen zur Anlage und der intensiven Pflege von Nutzgärten sowie der Verunreinigung durch Hundekot und Müll in öffentlichen Grünanlagen nicht realisierbar sind.
Um der Thematik dennoch gerecht zu werden sollen vielmehr die sehr unterschiedlichen und vielfältigen Initiativen und Ansätze für Urban Gardening (siehe im Folgenden) gefördert und soweit möglich aktiv durch die Stadtverwaltung unterstützt werden.“

Ob ein Beet mit Kohlrabi oder Rotkohl wirklich so viel pflegeintensiver ist, als eines mit Geranien oder Begonien, will ich an dieser Stelle gar nicht diskutieren, sondern den letzten Halbsatz:
„…soweit möglich aktiv durch die Stadtverwaltung unterstützt werden.“
Diese Möglichkeiten scheinen mir äußerst begrenzt zu sein.
Wie ich darauf komme? Nun die Vorlage hat ein gewisser Herr Höing unterzeichnet.

  • Herr Höing ist der Beigeordnete für Stadtentwicklung.
  • Zur Stadtentwicklung gehört der öffentliche Raum.
  • Zum öffentlichen Raum gehören die Kölner Plätze.
  • Zu den Kölner Plätzen gehört der Kurt-Hackenberg-Platz.
  • Der Kurt-Hackenberg-Platz soll nach Beendigung der U-Bahnbaustelle umgestaltet werden.

Zur Umgestaltung kommt im Juni eine Beschlussvorlage (DS 0183/2016) in die Gremien (Bezirksvertretung 1 (Innenstadt) 02.06.2016; Verkehrsausschuss 14.06.2016; Stadtentwicklungsausschuss 23.06.2016; Finanzausschuss
27.06.2016; Rat 28.06.2016). Zur Platzgestaltung heißt es darin:

Das zentrale Element des Entwurfs ist der etwa 500 m² große Bischofsgarten aus wassergebundener Wegedecke, der sich aus der Tradition Kölner Stadtgärten, wie dem ursprünglichen Ebertplatz, dem De-Noel-Platz oder dem Rathenauplatz ableitet. Stadtbäume verdichten sich entlang der Straße und verbinden die beiden Platzhälften optisch miteinander. Baumgruppen aus Sophora japonica lassen den Bereich der wassergebundenen Wegedecke zu einem Stadtgarten werden. Die Stadtbäume werden bis zu neun Meter hoch, tragen fiederartige Blätter, die im Herbst gelb leuchten. Die Präsenz des Straßenraums wird reduziert und gezielte Blicke auf den Ostchor des Kölner Doms werden freigegeben.

Nun muss man wissen, dass „Sophora japonica“ oder auch „japanischer Schnurbaum“ zum einen mit 9 Meter Höhe nicht ausgewachsen ist. Er entwickelt sich zu einem Baum 2. Ordnung, was heißt, dass man mit einer Endhöhe von 15 bis 20 Metern durchaus rechnen muss. Das ist dann zwar doppelt so hoch, wie angegeben, aber welchen Stadtplaner interessieren die Bäume noch, wenn sie einmal stehen.

Der Schnurbaum aber wird uns auch ansonsten beschäftigen und zwar wegen seiner Früchte und seiner Giftigkeit. Die Früchte des Schnurbaums können durchaus mit den Früchten der Stangenbohne verwechselt werden, wie die unten stehenden Fotos zeigen.
Stangenbohne-----Mechelse-Tros--Phaseolus-vulgaris

Früchte der Stangenbohne (Phaseolus vulgaris), die gekocht essbar sind.

Schnurbaumfrucht

Früchte des Japanischen Schnurbaums (Styphnolobium japonicum), die stark giftig sind

Da muss man sich doch an den Kopf fassen und fragen: „Was soll das?“

Nicht, dass die Früchte des Schnurbaums das einzige giftige sind, alle Pflanzenteile zählen als stark giftig! In einer Stadt, die gerade erste Schritte in Richtung „essbar“ macht, wo also die Menschen so gut wie keine Erfahrung damit haben, was sie denn nun ernten und verwerten können, da pflanzt man doch keine Giftbäume.

Wenn es die Stadt bei dieser Neupflanzung schon nicht auf die Reihe bekommen sollte, aus der langen Liste der Nutzbäume einen hübschen und für den Kurt-Hackenberg-Platz geeigneten Baum auszusuchen, dann doch bitte einen Zierbaum, der die Menschen nicht vergiftet.

Irgendwie werde ich aber den Eindruck nicht los, dass die Verantwortlichen das Konzept einer essbaren Stadt nicht nur nicht verstanden haben, sondern auch nicht wollen. Das müssen wir im Auge behalten.

Fast jeder von uns hat eine Krankenakte.
Ich jedenfalls habe eine bei meinem Hausarzt und wenn ich beim Facharzt war, dann mache ich mir auch Kopien von den Berichten. Sollten diese in verschlossenen Umschlägen sein, reiße ich die einfach auf. Aber hat man auch das Recht sich seine Patientenunterlagen anzusehen oder Kopien anzufordern, wenn man zum Beispiel den Arzt wechseln will oder es sogar zu einem Rechtsstreit kommt?
Manchmal wird um die Krankenakte ja ein Geheimnis gemacht als wäre sie vom Bundesnachrichtendienst, dabei geht es um nichts weniger als die eigene Gesundheit.
Claudia Röttger, die Chefredakteurin des Apothekenmagazins „Senioren Ratgeber“ erklärt, was überhaupt in so einer Krankenakte drin stehen muss:
Jeder Arzt ist verpflichtet, jegliche Informationen über Krankheit und Behandlung eines Patienten zu dokumentieren. Dazu gehören Diagnosen, Aufklärungsgespräche, Therapieempfehlungen, auch Arztbriefe, Laborbefunde und die Röntgenbilder. Grundsätzlich muss die Behandlungsakte immer auf dem aktuellen Stand sein.
Auf die Frage, ob ich denn jetzt selbst ein Recht auf Akteneinsicht hätte, erwidert Frau Röttger:
Jeder Patient hat das Recht, seine Krankenakte im Original unverzüglich einzusehen und hat Anspruch auf Kopien oder elektronische Datenträger, die er allerdings selber bezahlen muss. Die persönlichen Kommentare des Arztes werden in der Regel nicht herausgegeben.“
Na bitte!
Gibt es Probleme mit der Herausgabe der eigenen Krankenakte kann man sich zum Beispiel an die Bundesärztekammer oder eine unabhängige Patientenberatungsstelle wenden.

Quellenangabe: "obs/Wort & Bild Verlag - Senioren Ratgeber"

Die Stadt der Zukunft muss viele Herausforderungen bewältigen. Stadtnatur ist dabei ein entscheidender Baustein zur Lösung komplexer Probleme. Der dritte Bericht des Projekts „Naturkapital Deutschland – TEEB-DE“ widmet sich diesem Thema. Unter dem Titel „Ökosystemleistungen in der Stadt – Gesundheit schützen und Lebensqualität erhöhen“ machen die Autorinnen und Autoren die Bandbreite städtischer Ökosystemleistungen sichtbar und veranschaulichen ihre gesellschaftliche Bedeutung. Zudem stellen sie Ansätze vor, wie solche Werte stärker in der Stadtentwicklung berücksichtigt werden können.

oekosystem-stadtStädtische Parks und Gärten fördern den sozialen Zusammenhalt„, betont der Leiter des 3. TEEB-DE-Berichts, Prof. Dr. Ingo Kowarik von der Technischen Universität Berlin,Sie führen Jung und Alt zusammen, ebenso unterschiedliche Kulturen. Sie sind Orte des Austausches in der Nachbarschaft und fördern die Identifikation mit dem eigenen Viertel. Besonders für Kinder und Jugendliche bieten sie oft die einzige Möglichkeit für Sport und Spiel. Durch Naturräume werden zudem Naturerfahrungen und -erlebnisse im direkten Wohnumfeld möglich. Sie tragen zur Sensibilisierung der Menschen für die Natur bei. Die vielfältige Natur in der Stadt hat damit eine immense Bedeutung für die Gesundheit und Lebensqualität in Städten.

Und sie spart Geld!„, ergänzt Prof. Dr. Bernd Hansjürgens, Chefökonom vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Der Leiter der deutschen TEEB-Studie führt fort:Natur in der Stadt hat eine große wirtschaftliche Relevanz. Vor allem können Gesundheitskosten eingespart werden. Allein in Berlin sind etwa vier bis fünf Prozent aller Sterbefälle eines Jahres direkt auf Hitze zurückzuführen. Stadtnatur verbessert das Stadtklima und reduziert somit auch hitzebedingte Erkrankungs- und Sterberaten.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Reduzierung von Stress. Allein die drei für das Gesundheitswesen teuersten Erkrankungen, für die Stress als Mitursache gilt, – Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates und psychische Erkrankungen – verursachen in Deutschland jährlich mehr als 100 Mrd. Euro Krankheitskosten. Auch durch Lärmminderung kann Stadtnatur zur Kostenreduzierung beitragen. In Deutschland lag in den Studien zum Umweltbewusstsein die Zahl derer, die sich durch Straßenverkehrslärm mindestens mittelmäßig gestört fühlten in den vergangenen Jahren konstant über 25 Prozent. Durch die Lärmminderung von bis zu drei dB durch entsiegelte Flächen im Straßenraum oder begrünte Fassaden können gesellschaftliche Kosten erheblich gesenkt werden. Diese liegen pro dB Lärmpegelanstieg zwischen zehn Euro (unter 70dB) und 16 Euro (über 70dB) pro betroffener Person und Jahr.

Die Reduktion von Feinstaub oder der Hochwasserschutz sind weitere Beispiele für die positiven Leistungen von Stadtnatur. Der Bericht macht diese und andere wesentliche Leistungen von Stadtnatur sichtbar und zeigt darüber hinaus deren gesellschaftliche Bedeutung auf. Die dabei zugrunde liegende ökonomische Betrachtungsweise bietet Verantwortlichen aus verschiedenen Bereichen der Stadt eine Basis, um sich auf gemeinsame Ziele zu verständigen und entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Die ökonomische Betrachtungsweise zeigt insbesondere die Synergieeffekte auf, die durch Kooperationen in verschiedenen Handlungsfeldern entstehen können. Infrastruktur, Klimaanpassung, Gesundheit, Bildung, Integration, soziale Förderung sowie wirtschaftliche Entwicklung profitieren von der Erhaltung und Stärkung urbaner Ökosystemleistungen und der Biodiversität in der Stadt.

Der dritte TEEB DE-Bericht, an dem mehr als 130 Personen aus Wissenschaft, Politik,Verwaltung und Gesellschaft als Autoren und Gutachter beteiligt waren, zeigt unterschiedlichsten Akteuren der Stadt, wie die Berücksichtigung von Ökosystemleistungen in der Landschafts- und Stadtplanung sowie in Stadt- und Freiraumentwicklungskonzepten die Zusammenarbeit innerhalb oder zwischen Kommunen stärken kann. Neben Politik und Verwaltung spricht der Bericht auch die Wirtschaft an, die ökonomische Vorteile durch eine Förderung von Stadtnatur auf ihren Flächen erreichen kann. Auch dies trägt zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung bei.

Unter Ökosystemleistungen: Was die Natur uns gibt, habe ich ja bereits Grundsätzliches zum  „Naturkapital Deutschland – TEEB DE“ und der kapitalistischen Bewertung der Umwelt erläutert. Ich sehe es immer noch kritisch, denn Geld kann man bekanntlich nicht essen und nicht atmen.

Publikation:
Naturkapital Deutschland – TEEB DE (2016): Ökosystemleistungen in der Stadt – Gesundheit schützen und Lebensqualität erhöhen. Hrsg. von Ingo Kowarik, Robert Bartz und Miriam Brenck. Technische Universität Berlin, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ. Berlin, Leipzig.

Hier können Sie die Langfassung des Berichts als PDF herunterladen. 

 

 

Das Wohlergehen der Menschen hängt von gut funktionierenden Ökosystemen ab. Sie liefern Sauerstoff zum Atmen, sauberes Wasser, Nahrungsmittel, Grundstoffe für Medikamente, Industrierohstoffe und sind Speicher für Klimagase, Vorbilder für technische Lösungen und vieles mehr. Dazu kommen eine Reihe kultureller Leistungen, die die Lebensqualität maßgeblich erhöhen:

Wir erfreuen uns an einem Waldspaziergang, der Schönheit der Natur und den Möglichkeiten der Erholung, die uns die Natur bietet.

Doch der Verlust der biologischen Vielfalt, die Endlichkeit von Naturressourcen und die Schädigung von Ökosystemen zeigen sich immer häufiger. Der Wegfall von Ökosystemleistungen ist nicht oder oft nur schwer und meist zu hohen Kosten auszugleichen, die sich vor allem volkswirtschaftlich niederschlagen und von der Allgemeinheit zu tragen sind. In vielen internationalen Beispielen konnte gezeigt werden: Der Schutz und die nachhaltige Nutzung von Natur und biologischer Vielfalt lohnen sich – auch ökonomisch gesehen.

Vielleicht muss man im Kapitalismus der Umwelt einen ökonomischen Wert zuweisen, obwohl ihr Wert an sich unbezahlbar ist. Allerdings müsste dieser naturgemäß, da unendlich immer höher sein, als ein scheinbar zu erzielender Gewinn.

Allerdings wird der Umweltwert allzu häufig in privaten und öffentlichen Entscheidungen nicht berücksichtigt. Dies geschieht oft unbeabsichtigt, weil den Entscheidungsträgern diese von der Natur gratis bereitgestellten Leistungen nicht bewusst sind.

Auch wenn ich  Pflanzen und Tiere mit Preisschildern zu versehen ablehne, halte ich „Naturkapital Deutschland – TEEB DE“ für eine sinnvolle Ergänzung der ethischen und ökologischen Begründungen. Es führt die internationale TEEB-Initiative auf nationaler Ebene fort. Die Hauptaufgabe ist die Erarbeitung von vier thematischen Berichten, die ökonomische Argumente für die Erhaltung des so genannten „Naturkapitals“ liefern.