Archiv für die Kategorie ‘Gedanken’

 Alle Jahre wieder….

…kommen „urplötzlich“ die Gebührenerhöhungen am Jahresende auf uns zu und

Alle Jahre wieder…

….starren die beteiligten Akteure (auch Gebührenzahler*innen) darauf und wissen nicht, was sie dazu sagen und wie sich verhalten sollen.

Daher führt man

Alle Jahre wieder….

….die gleiche Diskussion und kommt je nach Zusammensetzung der Diskussionsrunden zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Alle Jahre wieder…

….führe ich bei den Abfallgebühren folgende Argumente auf:

Circa die Hälfte der eingetriebenen Pflichtgebühren werden NICHT für die Kernaufgaben ausgegeben!

Zitat aus der PM der Stadt Köln vom 08.12.17:“Ein Großteil der Abfallgebühren (47 Prozent in 2018) finanziert abfallwirtschaftlich und umweltpolitisch gewollte Zusatzleistungen, die nicht die eigentliche Hausmüllentsorgung betreffen.“

abfallgebühren_2018_-_tortendiagramm_dezernat_umweltDen größten Posten hierbei macht die Biotonne und Grünschnitt mit fast 20 Prozent der Gesamtkosten aus. Die Tonne, die völlig unsozial ist und Geld von Arm (Hochhausmieter) nach Reich (Eigenheimbesitzer) transferiert. Das heißt von jedem Euro Abfallgebühren (von dem ja wegen der MWST nur 84 Cent bei der AWB ankommen) werden 16 Cent in die Biotonne gesteckt. Während in die Hausmüllsammlung knapp 19 Cent fließen.

Ich nehme die Biotonne jetzt vor allem deshalb als Beispiel, weil wie uns damit beschäftigt haben und weil sie von der Stadt als Begründung für die Gebührenerhöhung genannt wird.

Zitat aus der PM der Stadt Köln vom 08.12.17:“ Zudem trägt die Entleerungsentwicklung der Biotonnen mit einem Zuwachs von 4 Prozent zur Kostensteigerung bei.“

Bei all diesen „gewollten Zusatzleistungen“ muss man sich natürlich darüber klar werden,

  • ob sie so weiter finanziert und subventioniert werden sollen,
  • ob es dafür eine Extragebühr geben soll oder
  • ob sie aus dem städtischen Haushalt zu finanzieren sind.

Übrigens, nur weil wir gewohnt sind, dass es Müllgebühren überhaupt gibt, sind sie kein Naturgesetz.

Noch bis 2002 warfen die Leute in Irland ihren Müll in schwarzen Plastiksäcken an die Straße, wo er irgendwann vom County Council kostenlos abgeholt wurde.

Auch muss die Abfallentsorgung ja nicht zwingend von einem Privatunternehmen (egal wie dessen Eigentumsverhältnisse sind) durchgeführt werden. Es gab auch eine Zeit vor der Privatisierung der AWB.

Das ist jetzt nur ein kleiner Ausschnitt für eine umfangreichere Diskussion über die Nebenleistungen.
abfallgebühren_2018_-_tortendiagramm_hp
Noch nicht angesprochen habe ich jetzt, dass rund ein Drittel der Gebühren in die überdimensionierte Müllverbrennungsanlage fließen. Da muss man sich natürlich auch fragen, ob man die mit den Gebühren finanzieren möchte.

Und gar nicht eingegangen bin ich auf die Straßenreinigungsgebühren, deren Erhöhung ja auch ansteht.

Lösungsmöglichkeit???

Man kann ja übereinkommen, dass man Gebührenerhöhungen zustimmt beziehungsweise hinnimmt, wenn diese die Tarifsteigerung widerspiegeln.

Nehme ich mir die Abfallgebühren her, so lese ich, dass die angeblich „moderate Gebührenerhöhung“ leicht unter der Tarifsteigerung im öffentlichen Dienst liegt und nach dieser Hilfskrücke okay wäre.

ABER in der Begründung heißt es: „Die AWB-Entgelte für Logistik in 2018 steigen um 1,63% aufgrund der vertraglich fixierten Orientierung der AWB-Entgelte an der Kostenentwicklung. Diese Entgeltsteigerung resultiert im Wesentlichen aus der tarifvertraglichen Lohnsteigerung vom 30.06.2016 zum 30.06.2017 sowie aus der Materialpreisentwicklung.“

Das heißt eben in der Folge auch, dass die restlichen 0,6 Prozentpunkte Erhöhung eben NICHT mit der Tariferhöhung zu begründen sind.

Ihr merkt, dass das ganze Thema ist viel zu kompliziert ist, um es innerhalb von 7 Tagen abzuhandeln.

Daher mein Aufruf an alle, sich im nächsten Jahr intensiv mit allen Gebühren, Beiträgen, Eintritten und so weiter zu beschäftigen und sie zu beurteilen, denn ich weiß heute schon, dass es im nächsten Jahr wieder einen städtischen Haushaltsentwurf geben wird und dass es um Abwasser-, Straßenreinigungs-, Abfall- und Friedhofsgebühren gehen wird.

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Wenn Menschen finanziell kurz gehalten werden und nur noch ein Einkommen unter der Armutsgrenze zur Verfügung haben, führt das dazu, dass sich ihre sozialen Beziehungen verschlechtern. Das haben wir zwar alles schon lange gewusst (entweder selbst erfahren oder beobachtet oder beides), aber erstmals belegt das nun wissenschaftlich eine für Deutschland repräsentative Studie auf Basis der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am DIW Berlin. Demnach treffen sich in Armut geratene Menschen seltener als zuvor mit Bekannten, Kollegen und Kolleginnen oder Menschen in ihrer Nachbarschaft. Außerdem verändert sich ihr Freundeskreis. Dort finden sich immer weniger Menschen mit einem festen Job. Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift „European Sociological Review“ veröffentlicht. 

armut-reichtumAls armutsgefährdet (so ein Blödsinn, die sind nicht gefährdet, sondern arm. Das ist nur der offizielle Sprech, den ich hier verwende, um die Fakten darzulegen) gilt hierzulande, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat. Um herauszufinden, wie sich Armut auf die sozialen Beziehungen auswirkt, analysierten die Hamburger SoziologInnen Petra Böhnke und Sebastian Link die Angaben von mehr als 50.000 Menschen, die zwischen 1992 und 2013 im Rahmen der Langzeitstudie SOEP in West- und Ostdeutschland immer wieder befragt wurden. Diese hatten unter anderem Fragen zu ihrem Einkommen und zur Häufigkeit ihrer sozialen Kontakte beantwortet.

 Die Analyse der SOEP-Daten zeigt: In Armut geratene Menschen treffen sich weniger als zuvor mit anderen Menschen. Sie machen auch seltener Besuche oder empfangen Gäste. „Darüber hinaus ändert sich ihr Freundeskreis“, sagt Petra Böhnke. Zwar zählten in Armut geratene Menschen genauso viele Menschen zu ihrem Freundeskreis wie zuvor. Aber nach drei Jahren in Armut gehörten dazu beispielsweise weniger Menschen mit einem festen Arbeitsplatz. „Dadurch verringern sich die Möglichkeiten, wieder einen Weg aus der Armut heraus zu finden. Zum Beispiel, weil informelle Informationen zu Jobangeboten fehlen“, gibt Böhnke zu bedenken.

Außerdem gibt es keine realistische Möglichkeit aus der Armut heraus zu finden, wenn man nicht bereit ist, auf dem Markt seine Arbeitskraft als Ware zum gerade gebotenen Preiszu verkaufen“, hebt HP Fischer kapitalismuskritisch hervor.

EINSCHUB

So wird der beständige Verkauf der Arbeitskraft zur einzigen Lebenserhaltungsquelle der Arbeitenden. Verkaufen sie diese nicht, verarmen sie.
Wenn Marx aber sagt, dass mam seine Arbeitskraft nur für eine bestimmte Zeit verkaufen darf und nicht ein für alle Mal, da man sich sonst selbst verkaufe und in einen Sklaven verwandle, hier aber durch drohende Armut quasi zu einem Einfürallemal-Verkauf gezwungen wird, hat man nur die Wahl zwischen frei und arm und versklavt und nicht ganz so arm.

 Die Beziehungen, die arme Menschen zu ihrer Familie pflegen, sind stabiler: Die SOEP-Daten zeigen, dass sich die Betroffenen im Durchschnitt genauso häufig mit Familienmitgliedern treffen wie zuvor. „Diese Beziehungen bilden ein starkes soziales Netz, das auch dafür sorgt, dass arme Menschen in der Regel nicht völlig sozial isoliert sind“, sagt Sebastian Link, Co-Autor der Studie. Nichtsdestoweniger sei aus anderen Studien bekannt, dass sich arme Menschen sozial ausgegrenzt fühlten. Das sei ein Hinweis darauf, dass die Häufigkeit der Zusammentreffen nichts über die Qualität der Beziehungen in der Familie aussage. Zwar könnten Familien Notlagen auffangen, aber das würde auch zu Konflikten führen.

 In ihrer Studie konnten die AutorInnen erstmals belegen, dass die eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten ein wichtiger Grund dafür sind, dass sich die sozialen Beziehungen von armen Menschen zu deren Nachteil verändern. Darüber hinaus sei Armut oft mit Lebensumständen verbunden, die das soziale Gefüge aus FreundInnen und Bekannten ebenfalls belasten – etwa ein schlechter Gesundheitszustand.

Laut eines Artikels des Kölner Stadtanzeigers räumte der Kölner Polizeipräsident Mathies (Nein, nicht Matjes) ein, dass die Bezeichnung „Nafri“ für Nordafrikaner oder nordafrikanische Intensivtäter besser nicht nach außen hätte verwendet werden sollen. Eine Häufung an Straftaten von Personen aus dem nordafrikanischen Raum lasse sich aber nicht bestreiten, und dafür müsse dann polizeiintern auch ein Begriff gefunden werden.

Und an dieser Stelle sollte man mal kurz aufhorchen. Welche „polizeiinternen Begriffe“ gibt es denn da noch, die besser nicht nach außen verwendet werden?

titanic

Das Satiremagazin TITANIC nahm sich dieser Frage mit relativ viel Humor an und den versuche ich auch zu behalten.

Ich würde aber wirklich zu gerne wissen, ob man „intern“ die Italiener als „Spaghetti“ oder Roma als „Ziggi“ die Linken als „die RAFs“ und Rechtsradikale als „Freunde“ oder „Guten“ bezeichnet. Zeugt es doch von der inneren Verfasstheit der Polizei. Die Nutzung solcher Begriffe sagt nämlich eine ganze Menge aus über die Bedingungen sprachlicher Sozialisation des Einzelnen (vom Wachtmeisteranwärter bis zum Polizeipräsidenten) bis hin zu Gruppen-Mentalitäten bei der Polizei.

Nur weil EIN Kölner Polizeipräsident ein Arschloch ist, kommt man doch nicht auf die Idee, alle ehemaligen, derzeitigen und zukünftigen Kölner Polizeipräsidenten unter dem (natürlich nur internen) Begriff „Arschi“ zu vereinen.

So wie nicht jeder bei der CSU ein „Horsti“ oder gar „Vollhorsti“ und nicht jeder CDUler ein „Spahni“ ist. Und das obwohl sich in beiden Gruppen auffällig viele „Horstis“ und „Spahnis“ befinden, darf man es eben nicht auf die ganze Gruppe verallgemeinern. Ich bin fest davon überzeugt, dass es anständige Menschen unter diesem schwarzen Anteil der Bevölkerung gibt.

Wie würde sich die Polizei denn fühlen, wenn ich sie beispielsweise pauschal als „Bullen“ bezeichnete? Eben!

Ich will kurz erläutern, warum ich das aber eben nicht tue:

Im 18. Jahrhundert wurden die Vorgänger der modernen Polizisten Landpuller oder Bohler genannt. Diese Wörter entlehnen ihren Stamm aus dem niederländischen bol, das „Kopf“ oder „kluger Mensch“ bedeutet. Daraus entwickelte sich das Wort Bulle, gemeint ist also eigentlich ein intelligenter Mensch.

Aber wieder zurück.
Die Diskussion zeigt, vor allem wie tief in unserer Gesellschaft das Denken in Schubladen, Vorurteilen und Rassen vorhanden ist.

(Obwohl bei mir mit vielen anderen und auch in der Genetik, der Biologie und den Gesellschaftswissenschaften Einigkeit darüber besteht, dass eine Einteilung von Menschen in „Rassen“ nicht möglich ist, ist dieser Begriff im Alltagsdenken verbreitet und hat kürzlich mit der Formulierung, niemand dürfe „aus Gründen seiner Rasse“ diskriminiert werden, noch Eingang in den Gesetzentwurf zur Umsetzung europäischer Antidiskriminierungsrichtlinien gefunden. So steht er nicht zuletzt im Grundgesetz (Artikel 3 Abs. 3) und sogar im Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) §1, das so etwas ja verhindern sollte. Die deutsche Sektion des Global Afrikan Congress hat zu Recht gefordert, stattdessen die Formulierung „aus rassistischen Gründen“ bzw. „nach rassistischen Kriterien“ zu wählen.)

Alles was irgendwie sortiert werden muss, wird sortiert.

  • Hartz-IV-Empfänger sind die ehemaligen Asis und vormaligen Arbeitsscheuen und
  • Kanaken nehmen uns die Arbeitsplätze weg und wenn sie das nicht tun, schröpfen sie den Sozialstaat.
  • Flüchtlinge sind Terroristen und
  • Polizisten sind Dein Freund und Helfer.
  • Grüne und LINKE sind Gutmenschen,
  • Blondinen sind doof und leicht zu haben,
  • wenn Frauen „Nein“ sagen, meinen sie „Ja“;
  • Asiaten sind Fidschis bis auf
  • Chinesen, denn das sind ja „Schlitzaugen und Schlitzohren“ (G. Oettinger) und
  • „Zigeuner“ klauen.

Bis vor kurzem wurden viel weniger Vorurteile öffentlich geäußert. Untersucht man jedoch das Verhalten oder unwillkürliche Reaktionen, so zeigt sich, dass viele für überwunden gehaltene Vorurteile weiter bestehen und den Trägern entweder unbewusst sind, oder nur in vertrauter Runde geäußert werden. Wir sollten uns weniger die Frage stellen, was Vorurteile sind oder wie sie entstehen, sondern eher welche wir (jede*r einzelne) haben, warum wir sie haben und wie wir den richtigen Umgang damit finden.

Auch daher wüsste ich gerne, was die Polizei für „interne Begriffe“ benutzt.

Ich hab das zwar schon mehrfach und an verschiedensten Stellen erklärt, aber auch 13 Jahre nach dem Beschluss des vierten Gesetzes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt haben das noch nicht alle gecheckt. Weder Befürworter noch Gegner von Hartz IV scheinen das wirklich raffen zu wollen.

Wie man sich nach dem ersten Abschnitt schon denken kann, gibt es insgesamt vier Gesetze mit den Titeln:

  • Erstes Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt
    (vom 23. Dezember 2002)
  • Zweites Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt
    (vom 23. Dezember 2002)
  • Drittes Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt
    (vom 23. Dezember 2003)
  • Viertes Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt
    (vom 24. Dezember 2003)

Diese Gesetze waren die teilweise und schlechte Umsetzung von Vorschlägen, welche die „Kommission für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ erarbeitet hatte. Der Vorsitzende der Kommission war damals Peter Hartz (SPD und IG Metall, Mitglied des Vorstandes der Volkswagen AG). Die nur teilweise und schlechte Umsetzung des Konzeptes veranlasste Peter Hartz später zu massiver Kritik zum Beispiel daran, dass der Regelsatz viel zu niedrig sei.

Und wie das nun Mal so ist, war der offizielle Name der Kommission den Journalisten zu lang und so haben sie ihn auf „Hartz-Kommission“ verkürzt. Der Name des Vorsitzenden war eben angenehm knapp. Auch das später vorgestellte Konzept wurde deshalb nach dem ehemaligen Träger des Bundesverdienstkreuzes (gab er 2007 nach seiner rechtskräftigen Verurteilung wegen Untreue zurück) benannt.

Schließlich präsentierte Hartz 13 Maßnahmen, die er »Innovationsmodule« nannte. Sie trugen Namen wie Quick-Vermittlung, Bridge-System, Ich-AG und Personal-Service- Agentur. Es verwundert nicht, dass die Politik den Hartz-Sprech zu verstehen vorgab und nicht mit Unverständnis auf diese Baukastenkonzepte reagierte, die nach PowerPoint-Folien klingen und nicht nach dem wahren Leben. Aber wie wir wissen, haben die entstandenen Gesetze auch nicht viel mit dem wahren Leben zu tun, außer es zu verschlechtern.

Da die Gesetze so furchtbar lange Namen tragen, wurden auch sie kurz „Hartz-Gesetze“ genannt und später noch kürzer Hartz I – IV.

Im Vierten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt ist schließlich auch die Zusammenführung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe (Hilfe zum Lebensunterhalt) für Erwerbsfähige zum „Arbeitslosengeld II“ (ALG II) zum Teil auf ein Niveau unterhalb der bisherigen Sozialhilfe geregelt.

Bezieher*innen eben dieser Leistung nach dem zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) sind also Bezieherinnen des „Arbeitslosengeld II“ oder kürzer „ALG II-Bezieher*innen„.

Wir sehen, dass Hartz IV zwar die inoffizielle Kurzbezeichnung für ein Gesetz aber keine Leistung ist, die man beziehen oder empfangen kann. Auch der Begriff des „Empfängers“ hat einen völlig anderen Touch, als der des „Beziehers„. Der Begriff des Hartz-IV-Empfängers wurde als Synonym für Sozialschmarotzer, Asozialer oder Arbeitsscheuer und ähnliches insbesondere von der Boulevardpresse verwendet. Mittlerweile ist dieser (meines Erachtens immer noch abwertende) Begriff in den allgemeinen Sprachgebrauch der nicht direkt Betroffenen (bzw. jener, die sich als Nichtbetroffene fühlen) so eingegangen, dass ALG II-Bezieher*innen sich bereits selbst als „Hartz-IV-Empfänger“ diffamieren. Aber auch das hat Methode, wie uns diverse Beispiele aus der Geschichte zeigen. Wer also als Hartz-IV-Kritiker den Begriff „Hartz-IV-Empfänger“ verwendet, ist dieser Methode nicht nur ohne nachzudenken auf den Leim gegangen, sondern stützt sie auch noch.

Eine repräsentative Allensbach-Umfrage im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung zeigt die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit
 
logo-deutsche-wildtier-stiftung_mje4mte2n1oDie neueste Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung verdeutlicht eine zunehmende Diskrepanz zwischen grünem Zeitgeist und Natur. So wird beispielsweise die „Das ist IN – das ist OUT“-Liste bei der Befragung von 1407 Bundesbürgern auf der IN-Seite deutlich von Bio-Produkten (92%) angeführt, während Markwirtschaft (61%) und Leistungsbereitschaft (60%) die hinteren Plätze einnehmen.

Die Bürger finden Bio in Umfragen super“, sagt Michael Miersch, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung, „doch der Anteil der Bio-Produkte am Lebensmittel-Gesamtumsatz beträgt nur 4,4 Prozent. Schon daran zeigt sich, dass Wunsch und Wirklichkeit nicht immer zusammenpassen.“ Wobei Herr Miersch natürlich vergisst, dass etliche Menschen zwar Bio super finden, es sich aber einfach nicht leisten können.

Das Thema Umweltschutz liegt mit 84 % deutlich vor Begriffen wie Flirten oder Sicherheit. „Doch das heißt im Umkehrschluss nicht, dass die Befragten über ein größeres Wissen über Wildtiere und -pflanzen verfügen oder gar häufiger Zeit in der Natur verbringen“, erläutert Miersch.
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 Auf die Frage „Wo sollte man sich auskennen?“, rangieren Rechtschreibung (81%), Gesundheitsvorsorge (52%) und der Umgang mit Computern (46%) weit vor Kenntnisse der Natur (25%). „Ein Linden- oder Eichenblatt zu erkennen, fällt heute vielen Menschen schwer“, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung.

Und das hat sich sicher nicht verschlechtert, weil wir die D-Mark abgeschafft haben. Was die D-Mark damit zu tun hat? Na, vergessen? Auf der Rückseite des 5-Mark-Scheins war Eichenlaub abgebildet:5_dm_serie3_rueckseite

Der Aufenthalt in der Natur ist eher selten und laut Umfrageergebnis hauptsächlich älteren Menschen vorbehalten. Wandern ist vor allem eine Freizeitbeschäftigung der Generation der 60- bis 69-jährigen (66%), während bei den 14- bis 19-jährigen nur 35 % wandern. Wobei natürlich auch nicht berücksichtigt wird, dass die heute 60-69-jährigen mehrheitlich mit ihrer Rente auskommen und keinem Job nachkommen müssen, der sie am Wandern hindern könnte. Jüngere hetzen durch Zweit- und Drittjobs, um sich über Wasser zu halten. Da bleibt einfach keine Zeit, sich den Wald anzusehen. 

„Naturbildung ist für die junge Generation weniger wichtig als für die ältere.“ schreibt die Studie.

Natur wird von Menschen zwar durchweg als etwas Gutes, Positives empfunden, aber ein krabbelnder Käfer oder eine Wespe auf dem Pflaumenkuchen zeigen sehr schnell die andere Alltagsrealität auf. „Die meisten Menschen hocken im Alltag geschützt vor Wind und Wetter bei Kunstlicht aus der Energiesparlampe in beheizten Räumen vor dem Computer und kultivieren einen träumerischen Natur-Mythos, der meist realitätsfern ist“, sagt Michael Miersch. „Experten sprechen gar von Natur-Entfremdung.“ Schwindendes Wissen, die Dominanz von Technik und Ausflüge in Cyberwelten befeuern diesen Trend – auch wenn Projekte wie „urban farming“ und Dachbegrünungen in den Städten Mode sind.

Auffallende Unterschiede gibt es nicht nur hinsichtlich des Alters der Befragten, sondern auch zwischen Männern und Frauen. Während Frauen dem Tierschutz bei „wichtigen Bauvorhaben“ mit 48 % den Vorrang gaben, wollen nur 36 % der Männer, dass ein Bauprojekt wegen einer bestimmten Tierart gestoppt wird.

Und wenn man in einem Wohngebiet etwa vorschlägt, dass Apfelbäume gepflanzt werden, dann kommt es zur großen Wespenangst, ebenso wie es zum kollektiven Aufschrei kommt, wenn man für die Begrenzung von Spielplätzen Haselnussbüsche vorschlägt. (Allergie!!!)

Wir entfremden uns schon so weit, dass wir Angst haben. Denn Angst hat man meistens vor etwas Unbekanntem. Sorgen wir für mehr Natur in der Stadt, damit wir diese Angst verlieren oder gar nicht erst aufbauen.

Quelle: Pressemitteilung der Deutsche Wildtier Siftung

  • Ein Ziel ist ein definierter und angestrebter Zustand innerhalb einer Ereignisfolge.
  • Ein Baukörper fasst das gesamte Volumen eines Bauwerkes zusammen, das sich innerhalb einer fest definierten Fläche (z. B. Grundstück) befindet.
  • Mit Dauerhaftigkeit im engeren Sinne wird im Bauwesen die Widerstandsfähigkeit von Baustoffen und Bauteilen gegenüber äußeren Einflüssen wie Durchfeuchtung, Wechselfeuchte, Hitze und Kälte, Temperaturwechsel und Frost, Sonneneinstrahlung (UV-Licht), chemischem Angriff (saurer Regen, Tausalz, Salpeter), sowie Schädlings- und Pilzbefall bei organischen Materialien bezeichnet.
    Im weiteren Sinne kann auch die Widerstandsfähigkeit von Bauwerken gegenüber mechanischen Einflüssen wie statischen und dynamischen Lasten (Windlast, Erdbeben, Schwingungen, Lawinen, Flutwellen) sowie gegen ungewöhnlichere Ereignisse wie Blitzeinschlag oder elektromagnetische Strahlung gemeint sein.
  • Die Standsicherheit ist die Anforderung an bauliche Anlagen, nicht einzustürzen.
  • Restriktion oder restriktiv (von lateinisch restringere „einschränken“) steht im Allgemeinen für Verringerung der Handlungs- oder Wahlmöglichkeiten.

Was heißt also der folgende Satz:
Ziel ist es daher, diesen Baukörper in einen dauerhaft standsicheren restriktionsfrei zu nutzenden Standort zu überführen.

Übersetzung:
Der angestrebte Zustand innerhalb der Ereignisfolge ist es das Gesamtbauwerk in einen widerstandsfähig gegen äußere Einflüssen, einsturzsicheren Standort ohne Einschränkung der Handlungsmöglichkeiten zu überführen.

Auch nicht viel besser.

Wenn man jetzt aber weiß, dass dieser Satz zu Beginn des Sanierungsgutachten (hier als PDF) für den Kalkberg steht, dann wird ziemlich klar, was der Satz tatsächlich heißt:
Der Kalkberg soll so saniert werden, dass man darauf ALLES bauen kann.

Kalkberg-hotel

Kalkberg mit Kommerz-Hotel Montage HP Fischer

Ohne Restriktion (Einschränkung) kann dann dort später sowohl eine Parkbank alsauch ein Hubschrauberlandeplatz oder ein Hotel errichtet werden. Nun ehrlich gesagt, bin ich weder Ingenieur für irgendwas, noch komme ich vom Bau. Ich bin lediglich Gärtner. Ich kenne mich besser mit Komposthaufen als mit Giftmüllbergen aus, aber wenn ich auf den Komposthaufen in meinem Garten nacheinander (nach Alter sortiert) meine vier Enkelchen stelle, dann kann ich feststellen, dass je schwerer das Kind ist, der Haufen umso mehr zusammensackt und Komposterde nach außen drückt. Wenn ich mich selbst drauf stelle ist der Effekt am stärksten.
Wenn ich den Komposthaufen nun restriktionsfrei begehbar machen will, muss ich die Methode anwenden, die Zusammensacken und Auseinanderbrechen selbst dann verhindert, wenn ich zusammen mit allen vier Enkelchen oben drauf stehe. Meine Erfahrung sagt mir, dass das die aufwendigste und damit teuerste Variante sein dürfte.

Zurück übertragen auf den Kalkberg heißt das für mich, dass eine Sanierung, die eben als Ziel einen dauerhaft standsicheren restriktionsfrei zu nutzenden Standort hat, die aufwendigste und damit die teuerste ist.
Ich werde den Verdacht nicht los, dass hier überdimensioniert und zu teuer saniert werden soll.
DAS saniert werden muss, nachdem man an dem Berg seit Jahren rumbuddelt, steht außer Frage, aber das WIE bleibt fraglich.

Wie üblich in den letzten elf Jahren ist bei der Entscheidung natürlich einmal mehr Eile geboten. Diesmal wird das unausweichliche Argument der „Gefahr im Verzug“ bemüht. Wenn dem so wäre, dürfte – nein müsste die Verwaltung längst handeln ohne sich hierfür durch den Rat oder seine Ausschüsse einen Beschluss zu holen. Wo kämen wir denn hin, wenn die Feuerwehr den Umweltausschuss einschalten müsste, wenn ein Baum umzustürzen droht?

Es ist auch nicht das erste Mal, dass eine Gefahr in Verzug ist. Doch jeder kennt von uns das Gleichnis, dass man nicht zu oft „Feuer“ rufen sollte, wenn es nicht brennt, denn dann glaubt einem irgendwann keiner mehr, auch wenn es wirklich brennen sollte.

Im Gegensatz zu einigen anderen, bin ich schon an dem Punkt an dem ich nicht mehr glaube, dass es brennt.

Am heutigen Donnerstag (23.06.2016) muss sich der Kölner Stadtentwicklungsausschuss mit einem SPD-Antrag auseinandersetzen. Dieser trägt (entweder in Täuschungsabsicht oder aus Unwissenheit) den fehlerhaften Titel „Neubrück weiterentwickeln!“. Allein die Überschrift des Antrages hält nicht, was sie verspricht. Es wird viel mehr nach dem Motto verfahren „Kapott? – Eh neu.“ (das heißt soviel, dass man nichts reparieren möchte, sondern direkt neu kaufen, bauen, besorgen)

Der Stadtteil Neubrück selbst aber verdient es durchaus weiterentwickelt zu werden, statt ihm einen separierten Anbau zu verpassen. Mit einer so genannten „Weiterentwicklung“ in Form einer Flächenausdehnung durch ein angeklebtes neues Viertel ist vor Ort niemandem geholfen.

In seiner Rede zur Grundsteinlegung am 26. August 1965 bezeichnete Altbundeskanzler Adenauer das Großbauprojekt Neubrück als „die fortschrittlichste Siedlung in ganz Deutschland, vielleicht sogar der ganzen Welt“.

Tatsächlich ist diese Siedlung in den letzten 50 Jahren immer mehr ins Hintertreffen geraten. Dass im vorliegenden Antrag der Verweis auf die Beantwortung einer Anfrage im Ausschuss Soziales und Senioren und im Bauausschuss Nr. 1668/2016 gemacht wird, dass auf einem Teil der Fläche von GAG und Verwaltung beabsichtigt sei, dort eine Flüchtlingsunterkunft in Holzbauweise zu errichten, kann nur dazu dienen, Verhinderungsinstinkte zu bedienen, nach dem Motto:
Wenn da eh schon gebaut wird, dann doch nicht für Flüchtlinge, sondern für uns.“

Neubrueck-grundsätzliche_Fakten

Seiten aus Neubrueck-grundsaetzliche_Fakten

 

Das folgende Statement ist in mehrere Teilgebiete gegliedert.
Begonnen wird mit dem Bereich „Klimawandel“, weil er hier von besonderer Bedeutung ist und uns zukünftig bei allen neuen Projekten begleiten wird. Somit eignet sich die Fläche neben Neubrück trefflich dazu einige Grundsätze zu diskutieren, zu erfahren und Standpunkt dazu zu bilden.
Die übrigen Themen sind wegen ihrer geringeren Grundsätzlichkeit auch kürzer behandelt. Insgesamt empfiehlt es sich Zusatzliteratur zu studieren, wie beispielsweise das Handbuch Stadtklima, Abschlussbericht / LANUV-Fachbericht 50: Klimawandelgerechte Metropole Köln, Einzelhandelskonzept und einiges mehr.

1. Exkurs Klimawandel
2. Einzelhandel
3. Büro- und Gewerbeflächen
4. Integration des neuen Quartiers
5. ÖPNV
6. Soziale Durchmischung
7. Schulen und Kindertageseinrichtungen
8. Grundsätzliches
9. Alternative

‚Exkurs Klimawandel‘

Hitzeinseln

Größere Städte sind durch extreme Klima-Ereignisse erheblich betroffen. An Sommertagen ist es u.U. bis zu 10 Grad heißer als in der Umgebung. Starkniederschläge richten insbesondere in Stadtteilen mit vielen versiegelten Flächen hohe Schäden an.

Der Wärmeinsel-Effekt verstärkt sich im Sommer zusehends. Wer morgens vom Land in die Stadt fährt, stellt fest, dass sich die Temperatur schon im Umfeld der Stadt erhöht. In den äußeren Stadtbezirken kann es schon mal drei bis vier Grad wärmer sein und bis in die City können es sogar fünf oder sechs Grad werden. Dieser Effekt steigert sich im Laufe des Tages und selbst nachts kühlt sich die Stadt nur wenig ab.

Die bebauten Flächen wirken wie ein Wärmespeicher. Tagsüber heizen sich die Stein- und Betonflächen der Gebäude, Plätze und Straßen stark auf, und nachts geben sie diese aufgestaute Wärme wieder an die Umgebung ab. Zusätzlich verhindert die Bebauung die Luftzirkulation und damit das Einströmen kühlerer Luft aus dem Umland. Stadtluft ist daher trockener und wärmer als Landluft. Die relative Luftfeuchtigkeit in der Stadt liegt im Sommer etwa acht Prozent unter der auf dem Land.

Die Landbewohner können hingegen die lauen Sommernächte nach einem heißen Sonnentag genießen.

Im Mikroklima über Wiesen und Äckern zirkuliert die Luft und bringt angenehme Abkühlung. Die wesentlich geringere Schadstoffbelastung auf dem Land führt darüber hinaus zu einer deutlich schwächeren Partikelkonzentration der Luft. Das wiederum sorgt dafür, dass die Wärme am Tag und in der Nacht besser abgestrahlt werden kann.

(aus der Broschüre: Stadtklimatologie und Grün / Hrsg. Stiftung DIE GRÜNE STADT / Redaktion u.a. Dr. Joachim Bauer Stadt Köln, Leiter des Arbeitskreises Stadtbäume der GALK)

Im Rahmen des Projektes „Klimawandelgerechte Metropole Köln“ ist es gut gelungen, die Ausmaße des städtischen Wärmeinseleffektes und die damit verbundenen zusätzlichen Belastungen für die menschliche Gesundheit festzuhalten. Die besondere Rolle der Freiflächen und die Bedeutung von Vegetation für die Stadtklimaverbesserung werden an Hand der Ergebnisse klar verdeutlicht. Neben den zunehmend diskutierten Möglichkeiten der Fassaden- und Dachbegrünung, ist es Aufgabe der Freiraumplanung für genügend grüne Freiräume in der Stadt zu sorgen.

Die größte Verminderung in der Lufttemperatur in Städten findet durch Erhöhung des Grünanteils statt. Gerade bei den oben beschriebenen Räumen sollte also das Grün in der Entwurfsplanung nicht vernachlässigt werden.

muklimo_planungskarte_2013

(c) Stadt Köln: Planungshinweiskarte für das Stadtgebiet Köln

Auf der Planungshinweiskarte für das Stadtgebiet Köln ist deutlich zu erkennen, wie sich im Rechtsrheinischen die Flächen der Klasse 1 (rot/ sehr hochbelastete Siedlungsflächen), wie an der Schnur gezogen von der Innenstadt nach Osten aufreihen. Bis zum östlichen Stadtrand sind kaum noch klimaaktive Freiflächen zu finden.

Frischluftschneisen

Vorgeschlagen wird, verstärkt auf die keilförmigen Grünzonen als Frischluftschneisen der Stadt vom Stadtrand in die Innenstadt, in den 1920er Jahren von Fritz Encke mit Konrad Adenauer geplant, zu achten und diese nicht zu bebauen.

Herr Streitberger erläutert in diesem Zusammenhang, dass der Gartenarchitekt Fritz Encke in der Verwaltung sehr geschätzt wird. Einer seiner Parks ist nach ihm benannt.“

(Zitat aus dem Masterplan Innenstadt)

Was für die Innenstadt gilt, muss auch Gültigkeit für das Rechtsrheinische haben.

Kaltluft- und Frischluftschneisen bei zukünftigen Planungen berücksichtigt werden. Dabei sollen bestehende erhalten bleiben bzw. neue angelegt werden. Sie sind in der Planungshinweiskarte dargestellt.

‚Exkurs Ende‘

 

Fazit Klima:

Um den Stadtteil Neubrück also tatsächlich weiter zu entwickeln, müsste man ihn erstmal an den kommenden Klimawandel anpassen.

Die vielen Flachdächer müssten begrünt werden, die Fassaden ebenfalls. Die vorhandenen Grünflächen bedürfen regelmäßiger Pflege und an vielen Stellen ist durchaus eine Entsiegelung möglich und nötig.

Mindestens ein Brunnen auf dem Marktplatz, aber auch viele weitere entlang der von Norden bis Süden durchlaufenden Fußgängerzone, können zu einer Verbesserung des Kleinklimas beitragen.

Einzelhandel

In Neubrück gab es einmal gleichzeitig

  • 2 Edeka
  • 1 Stüssgen
  • 1 Coop
  • 1 Aldi
  • plus weitere kleine Geschäfte

 

  • Edeka-Ladenlokal steht leer
  • Edeka-Ladenlokal ist die Kranich-Apotheke (dazu gibt es die Europa-Apotheke)
  • Stüssgen-Ladenlokal ist ein netto
  • Coop-Ladenlokal ist Rossmann
  • Aldi-Ladenlokal ist Tedi
  • plus weitere kleine Geschäfte

die Menschen haben vor Ort nur den Discounter netto sowie einmal pro Woche den Wochenmarkt. Die abgenommene Attraktivität der Einkaufspassage haben viele der ehemals dort ansässigen kleinen Fachgeschäfte zu spüren bekommen und so befinden sich zwischen Stadtsparkasse und netto jetzt 3 Bäckereien/Backshops, statt Schuh – und Modegeschäfte, Metzger oder Optiker.

Im SPD-Antrag heißt es wörtlich: „Das Nahversorgungszentrum in Neubrück ist zu erhalten und zu stärken.“ Gleichzeitig sieht der Antrag im neuen Stadtviertel Nahversorgung vor und damit direkte Konkurrenz zum bestehenden Nahversorgungszentrum.

 Fazit Einzelhandel:

Es braucht kein neues Viertel mit weiteren neuen Ladenlokalen zur Nahversorgung, das leerstehende Edeka-Ladenlokal im Norden zeigt dies deutlich. Das ebenfalls im Norden einst bestehende Lotto/Totto-Geschäft mit Schreibwaren ist ebenfalls einem Versicherungsbüro gewichen. Lediglich der Friseursalon dort konnte sich halten.

Es braucht eher kreative Ideen, wie das bestehende Nahversorgungszentrum in Neubrück gestärkt und revitalisiert werden könnte.

Büro- und Gewerbeflächen

Der SPD-Antrag sieht unter anderem die Ansiedlung von Gastronomie, Gewerbe- und Büroflächen auf der derzeitigen Freifläche vor. Ganz davon abgesehen, dass die Anzahl an Gaststätten in Neubrück kontinuierlich abnimmt, da die Nachfrage wegbricht (aus der letzten Gaststätte wurde das „Kurzentrum Neubrück“), ist es absolut nicht einsehbar, dass Frei- und Grünflächen an dieser Stelle für Büro- und Gewerbebauten geopfert werden sollen.

Integration des neuen Quartiers

Laut Antrag soll das neue Quartier von vornherein in den bestehenden Stadtteil Neubrück integriert werden. Es ist aber keine Lösung hierfür vorgeschlagen. Das neue Quartier wird durch den vielbefahrenen Neubrücker Ring vom eigentlichen Stadtteil Neubrück getrennt. Selbst die Kinder- und Jugendeinrichtungen auf der „falschen Seite“ hatten mit massiven Akzeptanzproblemen zu kämpfen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Neubrücker Ring von sehr vielen LKW befahren wird, die von der Autobahn zu den nahegelegenen Gewerbegebieten fahren. PKW und Busse der KVB halten sich nur im Ausnahmefall an die Geschwindigkeitsbeschränkungen. Damit bildet der Neubrücker Ring so etwas wie die Außengrenze des Stadtteils. Durch eine rund zehnprozentige Einwohnererhöhung dürfte das Verkehrsaufkommen noch einmal deutlich steigen.

Wenn dann auch noch dort attraktive Plätze mit Aufenthaltsqualität und mit öffentlichen Trinkwasserbrunnen sowie regelmäßig Dach- und Fassadenbegrünungen der Gebäude errichtet werden und den „zukünftigen Bewohnern“ (so steht es im Antrag!) Möglichkeiten für urban gardening und roof gardening gegeben werden, dann wird dies eher zur Teilung als zur Integration beitragen. Genau diese Maßnahmen sind es ja, die den bestehenden Stadtteil erstmal wieder aufwerten könnten. Auch die Art der geplanten Bebauung unterscheidet sich eklatant von der bisherigen Bebauung in Neubrück. Ein neues Vorzeigeviertel daneben zu platzieren zeugt von der Ignoranz bezüglich der Bedürfnisse der jetzigen Einwohner.

ÖPNV

Bereits seit der Gründung heißt es in Neubrück, dass es ans Straßenbahnnetz angeschlossen werden soll. Mittlerweile ist es so weit, dass man schon nicht mal mehr den genauen Trassenverlauf kennt, der durch den überflüssigen Autobahnzubringer auch noch gekreuzt würde. Im Gewerbegebiet südlich der Rösrather Str stand Fläche der Trasse als Gewerbegebiet zur Verfügung und wäre beinahe belegt worden. Das deutet nicht auf eine ernsthafte Planung für einen Gleisanschluss hin. Die Anbindung durch Busse (hauptsächlich durch Subunternehmen) funktioniert nur phasenweise ausreichend. Die Taktung und die Busgrößen sind nicht dem tatsächlichen Bedarf angepasst, von Pünktlichkeit und Fahrweise der Fremdfirmen ganz zu schweigen.

Ein neues Quartier mit dem die Einwohnerzahl Neubrücks um rund zehn Prozent stiege, ließe die derzeitige Anbindung kollabieren. Eine Erweiterung des Stadtteils ist also nur mit gleichzeitigem Anschluss an das Straßenbahnnetz der KVB sinnvoll und verantwortungsvoll.

Nach den bisherigen Planungen soll die KVB-Trasse allerdings in weiten Teilen parallel zum trennenden Neubrücker Ring verlaufen und führt somit zu einer weiteren Abtrennung des neuen Quartiers vom bestehenden. (siehe Integration des neuen Quartiers).

Soziale Durchmischung

Der SPD und der GAG schwebt vor, dass im Neubaugebiet bis zu siebzig Prozent (70%) freifinanzierter Wohnungsbau entstehen soll. Gleichzeitig haben knapp fünfzig Prozent (50%) der Kölnerinnen und Kölner ein Anrecht auf einen Wohnberechtigungsschein und damit auf eine geförderte Wohnung. Mit einer bedarfsgerechten Bebauung müsste die SPD auch nicht das Feigenblatt-Argument „Ebenso können Wohnungen für Flüchtlinge vorgesehen werden.“ extra aufführen. Wir brauchen bezahlbares Wohnen für alle. Das Wort „alle“ beinhaltet auch Geflüchtete.

So wie es früher in Neubrück die „Bundeswehr-Blocks“ und die „OBZ- Ofen beheizte Zone“ als eigene Quartiere gab, die sich erst über Jahrzehnte (teilweise) integrieren ließen, werden die besserverdienenden die sich die Wohnungen dort in Seenähe und „mit Sportplätzen und -hallen, Bolzplätzen“ (Zitat aus dem Antrag) erlauben können sicher über einen Großteil der Neubrücker die Nase rümpfen.

Schulen, Kindertageseinrichtungen

Natürlich brauchen neue Bewohner auch Schulen und Kindertagestätten. Allerdings soll hier mit dem Plan einer neuen Schule ein Versäumnis aus den Merheimer Gärten ausgeglichen werden. So hat man es bei der Entwicklung dort versäumt ausreichende Grundschulplätze zu schaffen. Die Kinder aus Merheim besuchen somit die beiden Grundschulen im Stadtteil Neubrück, was diese überlastet. Statt nun in Merheim vor Ort und nach dem Motto „kurze Beine, kurze Wege“ für Abhilfe zu schaffen, wird dort die letzte Baufläche noch für weiteren Wohnungsbau Verwendung finden. Die in Neubrück vorhandenen Kindertagesstätten warten teilweise schon seit Jahren auf Sanierung und Ausbau. Ebenso könnte die Kurt-Tucholsky-Schule in Neubrück durch Sanierung und Erweiterung auch zukünftige Aufgaben meistern, eventuell sogar als Gesamtschule.

Grundsätzliches

Stadtwachstum in der Fläche

Mehr Siedlungsfläche bedeutet auch weitere Wege, mehr Verkehr und damit auch einen höheren Kraftstoffbedarf.

Des Weiteren ist die Ausweitung der Siedlungs- und Verkehrsflächen ein großer Treiber für den anhaltend hohen Energieverbrauch. Denn zum einen weisen die eingesetzten Baumaterialien für neue Gebäude, Erschließungsstraßen und Leitungsinfrastrukturen beträchtliche Energierucksäcke auf und zum anderen müssen neue Gebäude und Infrastrukturen auch betrieben, d.h. beleuchtet, beheizt, gekühlt oder für andere Zwecke mit Energie versorgt werden.

Für das Jahr 2020 sieht die nationale Nachhaltigkeitsstrategie vor, die Flächenneuinanspruchnahme für Siedlungen und Verkehr in Deutschland auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren. Die EU-Kommission strebt in ihrer Roadmap zu einem ressourceneffizienten Europa für das Jahr 2050 an, dass in der Gesamtbilanz die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Europa nicht mehr wächst (no netto landtake). Bis zum Jahr 2020 sollen die Weichen gestellt werden, um dieses Ziel zu erreichen.

Das heißt, dass bereits erkannt ist, dass Stadtwachstum in der Fläche dem Klimaschutz entgegensteht. Aber auch der Anpassung auf den Klimawandel in der Stadt.

 

Weitere Entwicklung

Bei einer Entwicklung des GAG-eigenen Madaus-Geländes zu Wohnen, Gewerbe, Büro, Schule und ähnliches wird es keine gerichtsfesten Argumente gegen eine weitere Entwicklung auf Privatgrundstücken direkt am See geben. Ob dann dort Eigenheime oder Geschosswohnungen mit privatem Seezugang entstehen werden, bleibt abzuwarten.

Und nun?

VOR einer irgendwie gearteten Beschlussfassung gibt es eine ganze Reihe von Fragen, die auf ihre Beantwortung warten. Dazu sollten sich alle Beteiligten die nötige Zeit nehmen.

Das beginnt mit der Klärung der Wichtigkeit oder Unwichtigkeit dieser Freifläche als Kaltluftschneise und geht weiter über die Klärung, ob auf dem besagten Gelände sich nicht zwischenzeitlich geschützte Arten etabliert haben bis zur Klärung, ob die in der folgenden Alternative genannten Möglichkeiten realisierbar sind.

Alternative Gedanken

Köln hat eine Kleingartendichte (Kleingarten/100Einwohner) von 1,2.

Neubrück hat dagegen eine Kleingartendichte von 0.

Das heißt, dass die Neubrücker darauf angewiesen sind, Kleingärten in angrenzenden oder sogar weiter entfernten Anlagen zu pachten. Dies widersprich allerdings dem Sinn eines Kleingartens, denn eine wesentliche Aufgabe der Kleingärten ist es, einen Ausgleich zum verdichteten Geschosswohnungsbau, einen Ersatz für zu wenig Gartenland am Wohngebäude und mangelnde nahegelegene Grünanlagen zu schaffen. 82 Prozent der Kleingärtnerhaushalte sind Mieterhaushalte, die zumeist in mehrgeschossigen Wohnblocks leben. Die eigene Parzelle bietet wohnungsnahen Ausgleich für fehlendes Grün.

Bei erwarteten 7800 Einwohnern für 2025 müsste man in Neubrück eine Kleingartenanlage von rund 97 Gärten gründen, um auch hier die stadtweite Kleingartendichte zu erreichen.

Hierfür und für „Urban Gardening“ kann diese in Diskussion stehende Fläche unter anderem genutzt werden. Da Neubrück auch ansonsten über keine fußläufig erreichbare öffentliche Grünanlage verfügt, kann durch geschickte Gestaltung hier eine Naherholungszone mit Waldbestandteilen, Trimmstrecke, Waldspielplätzen, Blumenwiesen und ähnlichem entstehen, welche die Wohnqualität des Stadtteil Neubrücks erheblich verbessert.

Die benötigten Wohnflächen können stattdessen wirklich integrierend an den Stadtteil angebracht werden. Dafür ist der völlig unnötige und überdimensionierte Autobahnzubringer zurück zu bauen (dafür wird die Abfahrt Merheim wieder zur Auf- und Abfahrt, wie früher) und die freiwerdende Fläche entlang der Merheimer Gärten und Neubrück mit Geschosswohnungen zu bebauen.

Ebenso kann zwischen den drei Hochhäusern an der Hans-Schulten-Straße und der Flüchtlingsunterkunft am Pohlstadtsweg in geeigneter Entfernung zu den Sportplätzen ebenfalls Geschosswohnungsbau realisiert werden.

Hierdurch erfahren dann sowohl Neubrück als auch Brück ihren Abschluss und kommen sich darüber hinaus näher.

Das kleine „Birkenwäldchen“ zwischen den Hochhäusern an der Hans-Schulten-Straße und dem Rather Kirchweg kann hierbei zur Errichtung einer Kindertagesstätte dienen. Eine Stärkung des Einzelhandels kann nur intern geschehen. Hierzu könnte beispielsweise die Sparkasse KölnBonn ihre Filiale (die stets bei Schließungsdiskussionen genannt wird) in ein kleineres Ladenlokal verlagern und das freigezogene Ladenlokal baulich vergrößert werden, um dort einen Vollsortimenter wie Rewe-City anzusiedeln.

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ich bin kein Stadtplaner, aber auch nicht so blöd für wie man mich verkaufen möchte