Archiv für die Kategorie ‘Für Sie gelesen’

Flüssige erneuerbare Kraft- und Brennstoffe sind für eine weitgehend treibhausgasneutrale Energieversorgung unverzichtbar. Perspektivisch könnten sie zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten und so zu einer zusätzlichen Option für mehr Klimaschutz werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Prognos-Studie.

Verbraucher und wichtige Wirtschaftsbereiche werden auch künftig flüssige Energieträger benötigen“, erklärt Jens Hobohm, Leiter Energiewirtschaft und Studienleiter bei der Prognos AG. Solche Kraft- und Brennstoffe stellen derzeit in Deutschland rund 98 Prozent der Antriebsenergie im Verkehrssektor und etwa 22 Prozent der Heizenergie bereit. Zudem deckt die chemische Industrie hierzulande drei Viertel ihres organischen Rohstoffbedarfs mit Mineralöl. Will Deutschland das klimapolitische Ziel einer 80- bis 95-prozentigen Reduktion der Treibhausgase erreichen, sei es daher entscheidend, flüssige Energieträger wie Kerosin, Benzin oder Diesel zunehmend treibhausgasreduziert herzustellen, so Hobohm. 

Dies ist möglich, indem erneuerbarer Strom mit Hilfe von Elektrolyse-Wasserstoff und Kohlenstoff in einen flüssigen Energieträger (Power-to-Liquid, PtL) umgewandelt wird. Der Kohlenstoff kann zum Beispiel aus der Luft oder aus Biomasse gewonnen werden (Power-and-Biomass-to-Liquid, PBtL). Das ist das Ergebnis der Studie „Status und Perspektiven flüssiger Energieträger in der Energiewende“, in der zwei Szenarien mit 80 beziehungsweise 95 Prozent Treibhausgasreduktion in Deutschland gegenüber 1990 analysiert werden.

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Bedarf in Deutschland von bis zu 2.500 Petajoule im Jahr 2050

Die Studie zeigt für die einzelnen Verbrauchsbereiche auf, wie mit Hilfe von E-Fuels – also fast treibhausgasneutralen, synthetischen Kraft- und Brennstoffen – die Klimaziele erreicht werden können. Das Resultat: „Im Jahr 2050 benötigt allein der internationale Luft- und Schiffsverkehr Deutschlands ca. 550 Petajoule Energie. Wird PtL als Lösungsstrategie in allen Sektoren eingesetzt, werden bis zu 2000 Petajoule gebraucht. Weitere rund 500 Petajoule könnten Rohstoff für die Chemie sein. Zusammen entspricht das rund 60 Millionen Tonnen klassischer Raffinerieprodukte“, erläutert Hobohm.

Aus heutiger Sicht kann PtL im Jahr 2050 zu Kosten zwischen 70 Cent je Liter bei optimalen Standortbedingungen und rund 1,30 Euro je Liter erzeugt werden. Damit wäre PtL für Verbraucher je nach Anwendung gegenüber rein strombasierten Lösungen auch preislich wettbewerbsfähig. „Voraussetzung hierfür ist ein groß-industrieller Einstieg in die PtL-Technologie, damit die in der Studie angenommenen Lerneffekte erzielt und Kosten gesenkt werden können. Natürlich sollte PtL zudem so effizient wie möglich eingesetzt werden.“ 

Die Vorteile von E-Fuels liegen auf der Hand: Sie sind technisch in allen Verbrauchssektoren einsetzbar. Pipelines, Tanklager, Heizöltanks, Tankstellen sowie die bestehende Fahrzeugflotte können weiter genutzt werden. Denn E-Fuels können genauso verarbeitet, gespeichert, transportiert und verwendet werden wie heutige flüssige Energieträger. Das wäre insbesondere für Verbraucher vorteilhaft. 

Darüber hinaus ist eine sehr weitgehende Treibhausgasreduktion (95 Prozent) nur mit E-Fuels möglich. Auch im internationalen Rahmen ergeben sich laut Studie günstige Effekte für Klimaschutz und Handel. „Die Produktion von PtL würde vor allem in besonders sonnen- und windreichen Ländern erfolgen und dort positive volkswirtschaftliche Perspektiven eröffnen“, so Hobohm. Die Importe wirken zudem ausgleichend auf die deutsche Handelsbilanz.

Roadmap für die Markteinführung

Quelle: Pressemitteilung des Instituts für Wärme und Oeltechnik

Die Auftraggeber der Studie „Status und Perspektiven flüssiger Energieträger in der Energiewende“ sind: Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO), MEW Mittelständische Energiewirtschaft Deutschland, Mineralölwirtschaftsverband (MWV) sowie UNITI Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen.

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Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta)

Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) bei der Kopulation

Eine weit verbreitete Fehleinschätzung ist es, dass am derzeit festgestellten drastischen Insektenrückgang auch die Klimaerwärmung mit schuld sein könnte. Es ist schon lange bekannt und nachgewiesen, dass diese eher zu einer Vermehrung der Insektenanzahl führte. Wärmeliebende Insekten sind in mediterraneren Klimaten, und natürlich den Tropen, schon immer zahlreicher als in mehr nördlichen Breiten.  

Es ist oft nicht einfach, die direkten Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Artenzusammensetzung einer bestimmten Insektengruppe (zum Beispiel der Wildbienen) in einem Lebensraum zu erforschen – denn das Klima wirkt sich nicht nur mit Temperatur sondern auch über den damit verbundenen Wasserhaushalt auf den Lebensraum direkt aus, vor allem auf die Nahrungspflanzen der Insekten, die zum Beispiel mit Dürre zu kämpfen haben. Botanische Gärten stellen daher so etwas wie künstliche, „optimierte“ aber langzeitig stabile Lebensräume für blütenbesuchende Insekten dar, denn dort blühen jedes Jahr die gleichen Pflanzenarten, auch bei längerer Trockenheit, da künstlich bewässert wird. Lediglich die Temperatur ändert sich auch für die Pflanzen und Insekten dort mit der Klimaerwärmung. Der Artenreichtum des Botanischen Gartens München – an heimischen Wildpflanzen wie auch Zier- und Nutzpflanzen – seine geschützte Lage und die Nichtanwendung von chemischem Pflanzenschutz sind seit der Eröffnung des Gartens 1914 unverändert geblieben. Eine erste Inventarisierung der Wildbienenfauna des Botanischen Garten München fand in den Jahren 1997-1999 statt – nun wurden fast 20 Jahre später die dort vorkommenden Wildbienenarten erneut dokumentiert. Doktorandin Michaela Hofmann von der LMU München hat zusammen mit Dr. Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) von 2015 bis 2017 jeweils von Frühjahr bis Herbst auf regelmäßigen Kontrollgängen durch den Botanischen Garten alle gefundenen Bienen dokumentiert – bei größeren Arten war das teilweise schon anhand von guten Makrofotos möglich, bei vielen kleinen und schwierig zu bestimmenden Wildbienenarten war eine genaue Bestimmung nur durch DNA-Abgleich mit dem Barcoding-Projekt Fauna Bavarica der Zoologischen Staatssammlung (SNSB-ZSM) möglich. Nun wurden die Ergebnisse dieser Wildbienen-Erfassung zusammen mit der LMU-Wissenschaftlerin und Leiterin des Botanischen Gartens, Prof. Susanne Renner in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Oecologia veröffentlicht.

Die Ergebnisse sind überraschend deutlich: wurden 1997-1999 noch 79 Wildbienenarten im Botanischen Garten nachgewiesen, konnten 20 Jahre später 106 Arten gefunden werden. Im gesamten Stadtgebiet München sind seit 1990 192 Bienenarten von Insektenkundlern gefunden worden, das heißt nur 55% aller Münchner Bienenarten kommen auch im Botanischen Garten mit seinem reichhaltigen Angebot an Nahrung und Nistplätzen vor. Eine Untersuchung der Temperaturpräferenzen der neu gefundenen und der nicht mehr gefundenen Arten ergab: von den 1997-1999 nachgewiesenen 79 Arten wurden 62 von 2015 bis 2017 wiedergefunden (einige davon sind heute sehr viel häufiger), aber 15 wärmeliebende Wildbienenarten wurden erstmals gefunden. Drei Wildbienenarten, die eher kühlere Lebensräume (wie Wälder) bevorzugen, wurden nicht wiedergefunden. Zwischen 1997 und 2017 hat sich die durchschnittliche Temperatur während der Vegetationszeit in München um 0.5 °C erhöht, während die Winter immer kürzer wurden. Unter den zwischen 2015 und 2017 neu im Botanischen Garten ‚angekommenen‘ Bienen sind entsprechend mehrere Arten, die bis vor ca. 20 Jahren nur von den Wärmeinseln Deutschlands bekannt waren. Dazu gehört zum Beispiel die große und auffällige Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea), die Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae), die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) und die Natternkopf-Mauerbiene (Hoplitis adunca). Keinerlei Zusammenhang konnte dagegen gefunden werden zwischen Verschwinden oder Neufund und dem Rote-Liste-Status oder den Nahrungspräferenzen der Arten (ob sie z.B. auf bestimmte Blüten spezialisiert sind oder nicht) – lediglich die Wärmepräferenzen der Bienenarten waren signifikant für ihr Vorkommen.

Mehr zu den Wildbienen des Botanischen Gartens München erfahren sie auch unter http://www.botmuc.de/de/bienen/. Dort finden Sie auch Informationen zum Wildbienen-Markierungsprojekt (mehr dazu auch unter http://www.snsb.mwn.de/index.php/de/aktuelles/507-muenchen-sucht-nummerierte-wil…), das auch im Frühjahr 2018 im Botanischen Garten München wieder durchgeführt wird.

Originalveröffentlichung:
M. M. Hofmann, A. Fleischmann, S. S. Renner (2018) Changes in the bee fauna of a German botanical garden between 1997and 2017, attributable to climate warming, not other parameters. Oecologia, online article: https://doi.org/10.1007/s00442-018-4110-x

 Alle Jahre wieder….

…kommen „urplötzlich“ die Gebührenerhöhungen am Jahresende auf uns zu und

Alle Jahre wieder…

….starren die beteiligten Akteure (auch Gebührenzahler*innen) darauf und wissen nicht, was sie dazu sagen und wie sich verhalten sollen.

Daher führt man

Alle Jahre wieder….

….die gleiche Diskussion und kommt je nach Zusammensetzung der Diskussionsrunden zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Alle Jahre wieder…

….führe ich bei den Abfallgebühren folgende Argumente auf:

Circa die Hälfte der eingetriebenen Pflichtgebühren werden NICHT für die Kernaufgaben ausgegeben!

Zitat aus der PM der Stadt Köln vom 08.12.17:“Ein Großteil der Abfallgebühren (47 Prozent in 2018) finanziert abfallwirtschaftlich und umweltpolitisch gewollte Zusatzleistungen, die nicht die eigentliche Hausmüllentsorgung betreffen.“

abfallgebühren_2018_-_tortendiagramm_dezernat_umweltDen größten Posten hierbei macht die Biotonne und Grünschnitt mit fast 20 Prozent der Gesamtkosten aus. Die Tonne, die völlig unsozial ist und Geld von Arm (Hochhausmieter) nach Reich (Eigenheimbesitzer) transferiert. Das heißt von jedem Euro Abfallgebühren (von dem ja wegen der MWST nur 84 Cent bei der AWB ankommen) werden 16 Cent in die Biotonne gesteckt. Während in die Hausmüllsammlung knapp 19 Cent fließen.

Ich nehme die Biotonne jetzt vor allem deshalb als Beispiel, weil wie uns damit beschäftigt haben und weil sie von der Stadt als Begründung für die Gebührenerhöhung genannt wird.

Zitat aus der PM der Stadt Köln vom 08.12.17:“ Zudem trägt die Entleerungsentwicklung der Biotonnen mit einem Zuwachs von 4 Prozent zur Kostensteigerung bei.“

Bei all diesen „gewollten Zusatzleistungen“ muss man sich natürlich darüber klar werden,

  • ob sie so weiter finanziert und subventioniert werden sollen,
  • ob es dafür eine Extragebühr geben soll oder
  • ob sie aus dem städtischen Haushalt zu finanzieren sind.

Übrigens, nur weil wir gewohnt sind, dass es Müllgebühren überhaupt gibt, sind sie kein Naturgesetz.

Noch bis 2002 warfen die Leute in Irland ihren Müll in schwarzen Plastiksäcken an die Straße, wo er irgendwann vom County Council kostenlos abgeholt wurde.

Auch muss die Abfallentsorgung ja nicht zwingend von einem Privatunternehmen (egal wie dessen Eigentumsverhältnisse sind) durchgeführt werden. Es gab auch eine Zeit vor der Privatisierung der AWB.

Das ist jetzt nur ein kleiner Ausschnitt für eine umfangreichere Diskussion über die Nebenleistungen.
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Noch nicht angesprochen habe ich jetzt, dass rund ein Drittel der Gebühren in die überdimensionierte Müllverbrennungsanlage fließen. Da muss man sich natürlich auch fragen, ob man die mit den Gebühren finanzieren möchte.

Und gar nicht eingegangen bin ich auf die Straßenreinigungsgebühren, deren Erhöhung ja auch ansteht.

Lösungsmöglichkeit???

Man kann ja übereinkommen, dass man Gebührenerhöhungen zustimmt beziehungsweise hinnimmt, wenn diese die Tarifsteigerung widerspiegeln.

Nehme ich mir die Abfallgebühren her, so lese ich, dass die angeblich „moderate Gebührenerhöhung“ leicht unter der Tarifsteigerung im öffentlichen Dienst liegt und nach dieser Hilfskrücke okay wäre.

ABER in der Begründung heißt es: „Die AWB-Entgelte für Logistik in 2018 steigen um 1,63% aufgrund der vertraglich fixierten Orientierung der AWB-Entgelte an der Kostenentwicklung. Diese Entgeltsteigerung resultiert im Wesentlichen aus der tarifvertraglichen Lohnsteigerung vom 30.06.2016 zum 30.06.2017 sowie aus der Materialpreisentwicklung.“

Das heißt eben in der Folge auch, dass die restlichen 0,6 Prozentpunkte Erhöhung eben NICHT mit der Tariferhöhung zu begründen sind.

Ihr merkt, dass das ganze Thema ist viel zu kompliziert ist, um es innerhalb von 7 Tagen abzuhandeln.

Daher mein Aufruf an alle, sich im nächsten Jahr intensiv mit allen Gebühren, Beiträgen, Eintritten und so weiter zu beschäftigen und sie zu beurteilen, denn ich weiß heute schon, dass es im nächsten Jahr wieder einen städtischen Haushaltsentwurf geben wird und dass es um Abwasser-, Straßenreinigungs-, Abfall- und Friedhofsgebühren gehen wird.

optical-illusion-157303_960_720Am 08. Dezember 2017 veröffentlichte die Stadt Köln eine Pressemitteilung mit dem Titel „Abfallgebühren und Straßenreinigungsgebühren steigen moderat“ als Zwischenüberschrift heißt es „Erhöhung der Abfallgebühren seit 2000 unter dem Verbraucherpreisindex„.

Bevor ich auf die eigentliche Problematik der Müllgebühren und ihrer Erhöhung eingehe, muss ich mich um diese manipulative PM kümmern.

Als Wortbedeutung für „moderat“ fand ich im Internet „in Maßen, gemäßigt“. Warum also eine Gebührenerhöhung, die rund 0,5 Prozentpunkte über der Erhöhung des Regelsatzes für Empfänger von SGB II – Leistungen liegt, als „moderat“ bezeichnet wird, lässt nur eine Antwort zu – der Autor hat weitaus mehr Geld in der Tasche und setzt das bei den Kolleg*innen der Presse auch voraus.

Bitte liebe Leser*in, nenne mich nicht kleinkariert, wenn ich auf 0,5 Prozentpunkten herumreite, denn die PM feiert sich für weitaus weniger ab. Wenn die Zwischenüberschrift das Unterschreiten des Verbraucherpreisindex hochjubelt, dann reden wir über lediglich 0,02 Prozentpunkte. Dass die Straßenreinigungsgebühren 0,03 Prozentpunkte stärker als der Verbraucherpreisindex stiegen, wird übrigens mit dem Wort „nur“ davor sofort relativiert.

Im Übrigen ist dem Autoren ein beliebter Fehler unterlaufen, da er Prozent und Prozentpunkte mit einander verwechselt. Tatsächlich lag die Erhöhung bei den Straßenreinigungsgebühren nämlich um 2 Prozent (entspricht den 0,03 Prozentpunkten) über dem Verbraucherpreisindex. Nachhilfe gibt es hier.

Die Pressemitteilung der Stadt Köln findet man hier.

Zu den Gebühren selbst, schreibe ich noch einen weiteren Beitrag, wenn ich mich etwas weniger aufrege.

Fortsetzung folgt hier

 

Frühlingstamariske (Tamarix parviflora)

Frühlingstamariske (Tamarix parviflora)

Angesichts des erschreckenden Rückgangs der Insekten in Deutschland, mahnt der Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V., Bäume als einen Hauptträger der biologischen Vielfalt stärker in den Fokus zu nehmen: Baumpflanzungen in sehr großem Umfang seien notwendig.

Das alarmierende Insektensterben sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass insbesondere in der industriellen Agrarlandschaft Bäume zu Mangelware würden, erklärt der Hauptgeschäftsführer des BdB, Markus Guhl: „Feldraine und Gehölzstreifen in Form von Hecken verschwinden zunehmend. Grund sind meistens die immer größer werdenden Landmaschinen, die am besten auf ‚hindernisfreien‘ großen Feldern eingesetzt werden.

Zu allem Überfluss gehe es nun auch vielen Alleen an den Kragen, so Guhl weiter: „Die Straßenverkehrsverwaltungen sehen Bäume ausschließlich als Hindernisse, die bei Unfällen Autofahrer gefährden. Mit dieser Begründung werden ganze Alleen abgeholzt. Das Resultat ist, dass auch die letzten biologischen Brücken, das heißt Baumreihen, aus unseren Landschaften verschwinden. Deswegen muss sich niemand über das Insektensterben wundern.

Guhl schlägt ein massives Anpflanzprogramm an Landstraßen, aber auch an Feldern vor: „Bäume bieten vielfältigen Insekten Lebensraum. Und dort, wo Bäume stehen, können auch unter ihren Kronen Blühstreifen existieren, die dann keinem Pflug zum Opfer fallen.“

Aber auch in den Städten sieht Guhl Handlungsbedarf. „Wir dürfen uns nichts vormachen. In den letzten Jahren sind durch die innerstädtische Verdichtung immer mehr Naturflächen verloren gegangen. Das muss jetzt dazu führen, dass wenigstens die vielen fehlenden Bäume an Straßen und Parks zügig ersetzt werden. Aus Sicht der biologischen Vielfalt sind dabei möglichst große Bäume die erste Wahl„, so der BdB-Hauptgeschäftsführer.

Der BdB fordert daher, die Schaffung eines Förderprogramms für Städte, Länder und Kommunen, so dass zügig Gelder für die Anpflanzung und die Pflege neuer Bäume vorhanden sind. „Das Insektensterben muss schnellstmöglich gestoppt werden. Das sollte der öffentlichen Hand einige Millionen Euro wert sein. Denn die Folgen eines weitergehenden Insektensterbens werden wesentlich gravierender für unsere Umwelt sein. Umweltschutz gibt es nicht zum Nulltarif. Das gehört auch zur Wahrheit„, fasst Guhl die Situation zusammen.Lgog

Quelle: Pressemitteilung des Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V.

Wenn Menschen finanziell kurz gehalten werden und nur noch ein Einkommen unter der Armutsgrenze zur Verfügung haben, führt das dazu, dass sich ihre sozialen Beziehungen verschlechtern. Das haben wir zwar alles schon lange gewusst (entweder selbst erfahren oder beobachtet oder beides), aber erstmals belegt das nun wissenschaftlich eine für Deutschland repräsentative Studie auf Basis der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am DIW Berlin. Demnach treffen sich in Armut geratene Menschen seltener als zuvor mit Bekannten, Kollegen und Kolleginnen oder Menschen in ihrer Nachbarschaft. Außerdem verändert sich ihr Freundeskreis. Dort finden sich immer weniger Menschen mit einem festen Job. Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift „European Sociological Review“ veröffentlicht. 

armut-reichtumAls armutsgefährdet (so ein Blödsinn, die sind nicht gefährdet, sondern arm. Das ist nur der offizielle Sprech, den ich hier verwende, um die Fakten darzulegen) gilt hierzulande, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat. Um herauszufinden, wie sich Armut auf die sozialen Beziehungen auswirkt, analysierten die Hamburger SoziologInnen Petra Böhnke und Sebastian Link die Angaben von mehr als 50.000 Menschen, die zwischen 1992 und 2013 im Rahmen der Langzeitstudie SOEP in West- und Ostdeutschland immer wieder befragt wurden. Diese hatten unter anderem Fragen zu ihrem Einkommen und zur Häufigkeit ihrer sozialen Kontakte beantwortet.

 Die Analyse der SOEP-Daten zeigt: In Armut geratene Menschen treffen sich weniger als zuvor mit anderen Menschen. Sie machen auch seltener Besuche oder empfangen Gäste. „Darüber hinaus ändert sich ihr Freundeskreis“, sagt Petra Böhnke. Zwar zählten in Armut geratene Menschen genauso viele Menschen zu ihrem Freundeskreis wie zuvor. Aber nach drei Jahren in Armut gehörten dazu beispielsweise weniger Menschen mit einem festen Arbeitsplatz. „Dadurch verringern sich die Möglichkeiten, wieder einen Weg aus der Armut heraus zu finden. Zum Beispiel, weil informelle Informationen zu Jobangeboten fehlen“, gibt Böhnke zu bedenken.

Außerdem gibt es keine realistische Möglichkeit aus der Armut heraus zu finden, wenn man nicht bereit ist, auf dem Markt seine Arbeitskraft als Ware zum gerade gebotenen Preiszu verkaufen“, hebt HP Fischer kapitalismuskritisch hervor.

EINSCHUB

So wird der beständige Verkauf der Arbeitskraft zur einzigen Lebenserhaltungsquelle der Arbeitenden. Verkaufen sie diese nicht, verarmen sie.
Wenn Marx aber sagt, dass mam seine Arbeitskraft nur für eine bestimmte Zeit verkaufen darf und nicht ein für alle Mal, da man sich sonst selbst verkaufe und in einen Sklaven verwandle, hier aber durch drohende Armut quasi zu einem Einfürallemal-Verkauf gezwungen wird, hat man nur die Wahl zwischen frei und arm und versklavt und nicht ganz so arm.

 Die Beziehungen, die arme Menschen zu ihrer Familie pflegen, sind stabiler: Die SOEP-Daten zeigen, dass sich die Betroffenen im Durchschnitt genauso häufig mit Familienmitgliedern treffen wie zuvor. „Diese Beziehungen bilden ein starkes soziales Netz, das auch dafür sorgt, dass arme Menschen in der Regel nicht völlig sozial isoliert sind“, sagt Sebastian Link, Co-Autor der Studie. Nichtsdestoweniger sei aus anderen Studien bekannt, dass sich arme Menschen sozial ausgegrenzt fühlten. Das sei ein Hinweis darauf, dass die Häufigkeit der Zusammentreffen nichts über die Qualität der Beziehungen in der Familie aussage. Zwar könnten Familien Notlagen auffangen, aber das würde auch zu Konflikten führen.

 In ihrer Studie konnten die AutorInnen erstmals belegen, dass die eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten ein wichtiger Grund dafür sind, dass sich die sozialen Beziehungen von armen Menschen zu deren Nachteil verändern. Darüber hinaus sei Armut oft mit Lebensumständen verbunden, die das soziale Gefüge aus FreundInnen und Bekannten ebenfalls belasten – etwa ein schlechter Gesundheitszustand.

Kein Sex ist auch eine Lösung

Veröffentlicht: 12. Oktober 2017 in Für Sie gelesen, Forschung, Gesundheit, Sex

MilbeSexuelle Fortpflanzung sorgt unter anderem dafür, dass sich schädliche Mutationen nicht so stark ansammeln. Bei manchen Tierarten, wie zum Beispiel einigen Hornmilbenarten, ging Sex jedoch im Laufe der Evolution verloren und die asexuelle Fortpflanzung durch Klone setzte sich durch. Bisher war es wissenschaftlicher Konsens, dass der Wechsel zu einer schrittweisen Ansammlung schädlicher Mutationen führt und das Aussterben der Art nach sich zieht. Nun haben Forscher der Universitäten Göttingen und Lausanne herausgefunden, dass es bei Hornmilben anders ist. Wenn sie sehr lange asexuell sind, können sie schädliche Mutationen besser loswerden als ihre Verwandten, die sich sexuell fortpflanzen.

Nun haben Forscherinnen und Forscher der Universitäten Göttingen und Lausanne herausgefunden, dass es bei Hornmilben (Oribatiden), einer im Boden häufigen Tiergruppe, anders ist. Hornmilbengruppen, die sehr lange asexuell sind, können schädliche Mutationen besser wieder loswerden als ihre Verwandten, die sich sexuell fortpflanzen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature Communications erschienen.

„Bisher wurden nur Tierarten untersucht, bei denen der Verlust von Sex relativ kurz zurückliegt“, erklärt Erstautor Alexander Brandt, von der Arbeitsgruppe Tierökologie am Johann-Friedrich-Blumenbach Institut für Zoologie und Anthropologie der Universität Göttingen. Um die Konsequenzen, die ein Verlust von Sex auf lange Sicht mit sich bringt zu untersuchen, haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen das Erbgut verschiedener sexueller und uralt-asexueller Hornmilben sequenziert und analysiert. Dabei sind sie zu dem überraschenden Ergebnis gekommen, dass uralt-asexuelle Hornmilben die schädlichen Mutationen besser loswerden können.

Oribatiden eignen sich für diese Fragestellung besonders gut, da Sex innerhalb dieser Tiergruppe mehrmals unabhängig voneinander verloren gegangen ist und dies jeweils mehrere Millionen Jahre zurückliegt“, so Dr. Jens Bast, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Lausanne und Seniorautor der Studie. „Dass asexuelle Hornmilben schädliche Mutationen besser abwenden bedeutet, dass Oribatiden eine Besonderheit aufweisen müssen, die ihnen das Überleben mit asexueller Reproduktion über evolutionär lange Zeiträume ermöglicht“, ergänzt Brandt.

 Über die Natur dieser Besonderheit können die Forscher und Forscherinnen bisher nur spekulieren: Möglicherweise spielen die Populationsgrößen der Hornmilben eine wichtige Rolle. Die Anzahl der Tiere in einer Population hat, genau wie die Mischung von Erbgut, einen starken Einfluss darauf, wie effektiv natürliche Selektion der Ansammlung schädlicher Mutationen entgegenwirkt. Die Tatsache, dass Populationen asexueller Hornmilbenarten im Durchschnitt deutlich größer sind als die sexueller Arten legt nahe, dass die effektive natürliche Selektion tatsächlich durch ihre besonders großen Populationen bedingt wird. Somit war zumindest für einige Hornmilbenarten das Überleben ohne sexuelle Fortpflanzung über Jahrmillionen hin möglich.

 Originalveröffentlichung: Brandt et al., Effective purifying selection in ancient asexual oribatid mites, Nature Communications 2017
 doi: 10.1038/s41467-017-01002-8