Kölner Grünflächenamt wird systematisch geschwächt

Veröffentlicht: 8. November 2017 in Köln, Klimaschutz, Klimawandel, Nicht kategorisiert, Politik, Stadtbezirk Kalk, Stadtentwicklung, Umwelt, Umweltausschuss

Ach, wie war es ehedem mit Kölner Gärtnern hier noch schön:

Bis in die 1960er Jahre hat sich das damalige Garten- und Friedhofsamt primär mit der Beseitigung von Kriegsschäden und der Begrünung der Trümmerberge befasst. Die wiederhergestellten und ebenso die neu angelegten Grünflächen (wie beispielsweise am Kaiser-Wilhelm-Ring) zeigten einen sehr hohen Ausstattungs- und Pflegestand. Darüber hinaus war das Stadtbild noch bis Ende der 1980er Jahre durch eine Vielzahl aufwendig gestalteter und zu pflegender Blumenkübel geprägt. Blumenbeete waren in allen Stadtteilen vorhanden und wurden aufwendig gepflegt.

Seit Beginn der 1980er Jahre führten Einsparvorgaben dazu, dass zum Beispiel die städtische Baumschule und die Stadtgärtnerei West aufgelöst wurden. Die Aufgaben der Stadtgärtnerei Ost wurden erheblich reduziert. Von aufwendig gepflegten Blumenkübeln und Zierbeeten in den Stadtteilen ist kaum noch etwas zu finden.

So weit, so schlecht, doch seit den 1960er Jahren steigen die zu betreuenden Flächen durch Ausbau neuer (einfacher) Grünflächen und durch Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung kontinuierlich an. Aufgrund des für die kommenden Jahre prognostizierten Bevölkerungswachstums und der damit verbundenen Neuausweisung von Wohnbaugebieten ist davon auszugehen, dass die Anzahl von Grünflächen, Spielplätzen und Straßenbäumen auch weiterhin stetig zunehmen wird. Pro Jahr wird die Anlage neuer Grünflächen in einer Größenordnung von mindestens 15 ha erwartet. Dies bedeutet gleichzeitig, dass sich der Anteil aufwendig zu pflegender Flächen (auf niedrigem Pflege-Niveau) weiter erhöhen wird. Das kann dann auch dazu führen, dass Wiesen noch seltener gemäht werden, als bisher. Der Straßenbaumbestand steigt erfreulicherweise kontinuierlich an. Alleine in den letzten 10 Jahren hat die Anzahl der Straßenbäume von 76.000 Stück auf 81.000 Stück zugenommen. Allerdings fehlt bereits heute das Personal, um alle finanzierbaren (Geld liegt im Haushalt bereit) Bäume auch wirklich zu pflanzen und Baumlücken bleiben über Jahre bestehen.

Unter dem Strich ist zu erkennen, dass die Qualität der Grünflächen abgenommen hat, während ihre Größe und Anzahl weiter wächst. Oft werden zum Beispiel auch Anpflanzungen von Sträuchern und Bäumen gerodet und in einfach zu pflegende Grasflächen umgewandelt, die dann aber auch selten gepflegt werden. Dieses bisher von vielen alten Bewohner*innen Köln subjektiv empfundene Bild bestätigt die Stadt Köln in einer Antwort auf eine Anfrage der LINKEN. Selbst in nackten Zahlen lässt sich erkennen, dass die Stadt Köln ihr Grünflächenamt eher stiefmütterlich behandelt. So waren 1971 noch 1.130 Mitarbeiter*innen beim Amt für Landschaftspflege und Grünflächen beschäftigt, während in 2016 dort nur noch 846 Mitarbeiter*innen arbeiteten, Dreiviertel der Mitarbeiter*innen von 1971. Gleichzeitig stieg die Bevölkerungszahl in Köln um 25 Prozent (von 846.479 in 1971 auf 1.060.582 Ende 2015) an.

Wenn die Verwaltung in ihrer Antwort: „Betrachtet man jedoch nur die Anzahl der Arbeiter/innen im Bereich Grün, so ist hier eine drastische Abnahme in den letzten Jahrzehnten zu verzeichnen“, schreibt, dann wirft das unweigerlich die Frage auf, ob man  diese Entwicklung auch und gerade in Zeiten der Verdichtung und der Anpassung an den Klimawandel nicht genau umdrehen müsste.

Ebenso sieht es mit den Finanzmitteln aus, die zwar auf den ersten Blick erhöht wurden, aber unter dem Strich sogar sanken. Nach der städtischen Ergebnisrechnung sind zwar die tatsächlichen Aufwendungen für „Öffentliches Grün, Forst und Waldwirtschaft“ von 39,2 Mio. € (2008) auf 50,7 Mio. € (2016) gestiegen – dies entspricht in diesen Jahren einer optischen Steigerung von 29,3 % – ABER verglichen mit der Steigerung des gesamtstädtischen Haushaltes droht das Grünflächenamt abgehängt zu werden. Trotz der augenscheinlichen Steigerung fiel der Anteil am Gesamthaushalt kontinuierlich von 1,25 Prozent (2008) über 1,16 Prozent (2012) auf nur noch 1,1 Prozent (2016). Dieser Haushaltsanteil sagt viel darüber aus, wie notwendig oder wichtig einem ein Dezernat oder eine Abteilung in der Stadt sind. Dass man pro Kölner*in nicht mal 5 Euro zur Pflege der Grünflächen auszugeben bereit ist, kann und darf so nicht bleiben. Das Kölner Grünflächenamt braucht endlich wieder die Wertschätzung von seiten der Politik und der Verwaltung, die es verdient und das muss sich auch in der finanziellen und personellen Ausstattung wieder finden. Es muss möglich sein, dass wir in Köln nicht nur ein Abziehbild für Touristen darstellen, sondern auch lebenswerte und qualitativ gut begrünte Veedel haben. Das geht nur mit einem starken Grünflächenamt.

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Kommentare
  1. Carolin Ramrath de Quintero sagt:

    Sehr richtig! Da kann ich als Bezirksvertreterin der Grünen nur zustimmen! Wir sollten unbedingt gemeinsam darauf hinwirken, dass sich der Anteil für Grünpflege am gesamtstädtischen Haushalt wieder deutlich erhöht und auf eine „stadtklimaentlastende“ Art der Bepflanzung drängen, d.h. größere Büsche und Bäume sind einfachen Grasflächen vorzuziehen. Dort, wo es bereits Wiesen gibt, sollten dort Wildkräuter und Wildblumen gesät werden, um den Fortbestand der heimischen Insekten zu sichern. Es gibt viel zu tun – packen wir es an!

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