Die „Stadt für Morgen“: Deutlich mehr Geld für Busse und Bahnen nötig

Veröffentlicht: 30. März 2017 in Für Sie gelesen, Forschung, Köln, Klimaschutz, Klimawandel, Politik, Stadtbezirk Kalk, Stadtentwicklung, Umwelt

Nur strikter Subventionsabbau setzt ausreichend Geld für attraktiven ÖPNV frei

logoSchlechte Luft, Lärm, Staus, zu wenig Grün – viele Menschen in Städten plagen diese Probleme. In einer neuen Publikation skizziert das Umweltbundesamt (UBA), wie eine Stadt der Zukunft aussehen kann, die lärmarm und grün ist und in der die Menschen umweltfreundlich unterwegs sind. Kernelement dieser „Stadt für Morgen“ ist ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr. Ergänzt wird dieser um Fuß- und Radverkehr sowie elektrisch angetriebene, automatisiert fahrende Carsharing-Autos. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: „Saubere Luft, Ruhe und mehr Grün in der Stadt – das geht nur mit mehr Bussen und Bahnen und mit weniger Autos. Der öffentliche Personennahverkehr ist das Rückgrat der Stadtmobilität. Er muss aber gestärkt werden und vor allem ausreichend finanziert sein. Wenn wir umweltschädliche Subventionen endlich abbauen und die Gelder in den ÖPNV umschichten, gelingt das auch.“ Möglich wäre das: Die umweltschädlichen Subventionen des Verkehrssektors belaufen sich derzeit auf mehr als 28 Milliarden Euro pro Jahr. Für einen leistungsstarken ÖPNV wä-ren pro Jahr nur rund elf Milliarden Euro nötig (Angabe des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen, VDV).

Die Analyse des UBA zeigt außerdem: Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern benötigen nicht mehr als 150 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner, um eine uneingeschränkte Mobilität anzubieten. Diese wären als Carsharing-Fahrzeuge unterwegs und könnten jederzeit von den Einwohner*innen genutzt werden. Bei weniger als 150 Pkw brauchen die Fahrzeuge auch nahezu keine öffentlichen Stellplätze mehr. Straßen und Parkplätze würden nach und nach zu Grün- und Aufenthaltsflächen oder zu Bauland, um innerstädtisch Wohnraum zu schaffen. Zudem bekäme der Radverkehr mehr Raum und es entstünde mehr Platz für den Ausbau des ÖPNV. In deutschen Großstädten mit über 100.000 Einwohnern gibt es derzeit im Schnitt etwa 450 Pkw pro 1.000 Einwohner.

Damit die Menschen in der Stadt für Morgen genauso mobil sind wie heute, müssen die Alternativen zum eigenen Pkw deutlich attraktiver werden. Dies belegt auch ein weiteres gerade abgeschlossenes Forschungsprojekt des UBA: Demnach funktioniert Carsharing besonders gut, wenn es mit ÖPNV und Leihfahrrädern verknüpft ist. Carsharing kann jedoch nur maximal 15 Prozent der Verkehrsleistung in größeren Städten einsparen. Krautzberger: „Carsharing kann den ÖPNV ergänzen, aber nicht ersetzen. Wenn wir umweltfreundlich mobil sein wollen, geht das nur mit einem stark verbesserten ÖPNV. Unser Ziel sollte sein, ohne eigenes Auto in der Stadt genauso mobil zu bleiben. Es wird aber auch immer Autos in Großstädten geben, man kann eben nicht alles mit dem ÖPNV transportieren.“

Die UBA-Vorschläge für eine „Stadt für Morgen“ werden am 30./31. März auf dem UBA Forum mobil & nachhaltig in Berlin diskutiert.

Links:

Quelle: Pressemitteilung Nr. 12/2017 des Umweltbundesamtes vom 30.03.2017

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Kommentare
  1. haeppi sagt:

    Es gibt auch eine Theorie, dass ab der 6. Etage die Flächeneinsparung nicht mehr so groß ist. Das müsste man mal mit Stadtplanern genau durchrechnen.
    Mir ist es am Don wichtiger, die direkte Domumgebung von Bebauung frei zu halten, als überall diese Höhenbegrenzung.
    Da ich in einem 15 Etagenhaus mit 111 Wohneinheiten lebe, weiß ich, dass Hochhäuser funktionieren können. Da braucht Köln wieder mehr Mut.

  2. Und wie stehst Du dann der Höhenbegrenzung von Hochhäusern im Kölner Stadtkern gegenüber? Ist es vertretbar, eine ökologisch unsinnige Politik zu machen, nur damit der Blick auf den Dom überall ungetrübt bleibt?

  3. haeppi sagt:

    dichtere Bebauung, darf aber nicht auf Kosten von Frischluftschneisen auch durch die Baugebiete führen. Ansonsten ist es natürlich richtig, so wenig Fläche wie möglich zu versiegeln.
    Zur Verbesserung der Lebens- und Umweltqualität muss man aber auch auf breiter Front, die Natur zurück in die Stadt holen. Hierzu hat Singapur einige hochinteressante Ansätze von der Grünbrücke zwischen Hochhausdächern bis zu Vertikalgärten. Da dürfen wir ruhig mal abgucken.

  4. Was hältst Du zusätzlich von dichterer Bebauung als ökonomischen und ökologischen Vorteil?

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