Der Zeitgeist ist grün – die Natur bleibt fremd

Veröffentlicht: 4. Oktober 2016 in Bezirksvertretung, Für Sie gelesen, Garten, Gedanken, Köln, Klimawandel, Nicht kategorisiert, Politik, Stadtentwicklung, Umwelt

Eine repräsentative Allensbach-Umfrage im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung zeigt die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit
 
logo-deutsche-wildtier-stiftung_mje4mte2n1oDie neueste Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung verdeutlicht eine zunehmende Diskrepanz zwischen grünem Zeitgeist und Natur. So wird beispielsweise die „Das ist IN – das ist OUT“-Liste bei der Befragung von 1407 Bundesbürgern auf der IN-Seite deutlich von Bio-Produkten (92%) angeführt, während Markwirtschaft (61%) und Leistungsbereitschaft (60%) die hinteren Plätze einnehmen.

Die Bürger finden Bio in Umfragen super“, sagt Michael Miersch, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung, „doch der Anteil der Bio-Produkte am Lebensmittel-Gesamtumsatz beträgt nur 4,4 Prozent. Schon daran zeigt sich, dass Wunsch und Wirklichkeit nicht immer zusammenpassen.“ Wobei Herr Miersch natürlich vergisst, dass etliche Menschen zwar Bio super finden, es sich aber einfach nicht leisten können.

Das Thema Umweltschutz liegt mit 84 % deutlich vor Begriffen wie Flirten oder Sicherheit. „Doch das heißt im Umkehrschluss nicht, dass die Befragten über ein größeres Wissen über Wildtiere und -pflanzen verfügen oder gar häufiger Zeit in der Natur verbringen“, erläutert Miersch.
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 Auf die Frage „Wo sollte man sich auskennen?“, rangieren Rechtschreibung (81%), Gesundheitsvorsorge (52%) und der Umgang mit Computern (46%) weit vor Kenntnisse der Natur (25%). „Ein Linden- oder Eichenblatt zu erkennen, fällt heute vielen Menschen schwer“, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung.

Und das hat sich sicher nicht verschlechtert, weil wir die D-Mark abgeschafft haben. Was die D-Mark damit zu tun hat? Na, vergessen? Auf der Rückseite des 5-Mark-Scheins war Eichenlaub abgebildet:5_dm_serie3_rueckseite

Der Aufenthalt in der Natur ist eher selten und laut Umfrageergebnis hauptsächlich älteren Menschen vorbehalten. Wandern ist vor allem eine Freizeitbeschäftigung der Generation der 60- bis 69-jährigen (66%), während bei den 14- bis 19-jährigen nur 35 % wandern. Wobei natürlich auch nicht berücksichtigt wird, dass die heute 60-69-jährigen mehrheitlich mit ihrer Rente auskommen und keinem Job nachkommen müssen, der sie am Wandern hindern könnte. Jüngere hetzen durch Zweit- und Drittjobs, um sich über Wasser zu halten. Da bleibt einfach keine Zeit, sich den Wald anzusehen. 

„Naturbildung ist für die junge Generation weniger wichtig als für die ältere.“ schreibt die Studie.

Natur wird von Menschen zwar durchweg als etwas Gutes, Positives empfunden, aber ein krabbelnder Käfer oder eine Wespe auf dem Pflaumenkuchen zeigen sehr schnell die andere Alltagsrealität auf. „Die meisten Menschen hocken im Alltag geschützt vor Wind und Wetter bei Kunstlicht aus der Energiesparlampe in beheizten Räumen vor dem Computer und kultivieren einen träumerischen Natur-Mythos, der meist realitätsfern ist“, sagt Michael Miersch. „Experten sprechen gar von Natur-Entfremdung.“ Schwindendes Wissen, die Dominanz von Technik und Ausflüge in Cyberwelten befeuern diesen Trend – auch wenn Projekte wie „urban farming“ und Dachbegrünungen in den Städten Mode sind.

Auffallende Unterschiede gibt es nicht nur hinsichtlich des Alters der Befragten, sondern auch zwischen Männern und Frauen. Während Frauen dem Tierschutz bei „wichtigen Bauvorhaben“ mit 48 % den Vorrang gaben, wollen nur 36 % der Männer, dass ein Bauprojekt wegen einer bestimmten Tierart gestoppt wird.

Und wenn man in einem Wohngebiet etwa vorschlägt, dass Apfelbäume gepflanzt werden, dann kommt es zur großen Wespenangst, ebenso wie es zum kollektiven Aufschrei kommt, wenn man für die Begrenzung von Spielplätzen Haselnussbüsche vorschlägt. (Allergie!!!)

Wir entfremden uns schon so weit, dass wir Angst haben. Denn Angst hat man meistens vor etwas Unbekanntem. Sorgen wir für mehr Natur in der Stadt, damit wir diese Angst verlieren oder gar nicht erst aufbauen.

Quelle: Pressemitteilung der Deutsche Wildtier Siftung

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Kommentare
  1. haeppi sagt:

    Vielen Dank Einsiedler.
    Wer die Quelle nicht kennen sollte:
    Das Worldwatch Institute (WI) wurde 1974 von Lester R. Brown gegründet. Das Institut in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington ist eine unabhängige interdisziplinäre Forschungseinrichtung mit Konzentration auf Themen der Nachhaltigkeit sowie auf umwelt- und sozialverträgliche Technologien.
    http://www.worldwatch.org/

  2. haeppi sagt:

    Nun, das kann ich Ihnen nicht sagen, da ich weder Kampagnen- noch Marketingchef der „großen Umweltorganisationen“ bin.
    Ob die Massentierhaltung tatsächlich „für mehr als die hälfte aller globalen co2 emissionen verantwortlich“ kann ich weder bestätigen noch dementieren. Haben Sie hierzu eine Quelle?
    Ich denke, es kommt darauf an, was mit eingerechnet wird. Oft werden ja Folgen, wie Bodenumnutzung (Regenwald weg – Futtersoja hin) und Umwandlung des Methan in CO2 nicht eingerechnet.
    Dennoch mal zur Verdeutlichung:
    Pro Kilo Rindfleisch werden umgerechnet 13,3 kg CO2 freigesetzt.
    Zum Vergleich: Die gleiche Menge Mischbrot „produziert“ 0,75 kg CO2, Äpfel 0,5 kg CO2, und Tomaten 0,2 kg CO2.

  3. warum machen viele der grossen umweltorganisationen in ihren kampagnen nicht deutlicher, dass unsere zukunft und das überleben der menschheit nur vegan sein kann? warum ignorieren sie alle die umweltzerstörende fleisch- und milchindustrie in ihren kampagnen? was bringt ein weltklimagipfel?

    unsere massentierhaltung ist für mehr als die hälfte aller globalen co2 emissionen verantwortlich, somit ist unser fleischkonsum hauptverursacher des durch den menschen verursachten klimawandels. die industrielle tierhaltung schadet der erde mehr als jede andere industrie. erstaunlich, dass viele umweltschutzorganisationen diese tatsache in ihren kampagnen völlig ausser acht lassen.

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