Charakter, alte Freunde, Kölsch und Enttäuschung

Veröffentlicht: 25. Mai 2016 in Lyrik, Persönliches

Ich sag ja immer, Du hörst nie auf, einen Menschen kennenzulernen„, sagt mir mein Freund Anton, als wir heute noch ein Bier trinken. Damit hat er zwar anscheinend recht, aber ich bin einfach zutiefst enttäuscht. Ich weiß, dass eine Enttäuschung das Gefühl bezeichnet, einem sei eine Hoffnung zerstört oder auch unerwartet ein Kummer bereitet worden oder wie es aus der Wortherkunft heißt, dass einer Erwartung nicht entsprochen wird. Tja und dann weist mich mein Freund Anton auf einen Aphorismus hin, der dem US-amerikanischen Erzähler und Satiriker  Samuel Langhorne Clemens (besser bekannt als Mark Twain) zugeschrieben wird:
 „Man ist nicht enttäuscht von dem, was ein anderer tut (oder nicht tut), sondern nur über die eigene Erwartung an den anderen.“

Willst Du mir damit sagen, dass ich auf mich sauer sein soll und nicht auf Cornelius?
Nö, sauer solltest Du schon noch auf dieses Arschloch sein, aber nicht enttäuscht von ihm. Er ist halt so ein Charakterschwein und kann nicht anders. Aber Deine Enttäuschung ist das Resultat einer Täuschung darüber, dass Du glaubtest, dass er ein feiner Kerl ist.
Mit Deinen Scheißspitzfindigkeiten hilfst Du mir auch nicht weiter.
Du magst denken, dass es nichts Positives an der Situation gibt, aber das ist nicht der Fall.
Ach!?! Was soll denn bitte positiv daran sein, dass der Arsch mich vor versammelter Mannschaft bloszustellen versucht?
Na, zum einen, dass Du jetzt weißt, was er für ’nen Charakter hat.angry-man-274175_960_720

Ich bestelle noch zwei Kölsch und die hübsche Bedienung lächelt mir zu, als wenn sie wüsste, dass ich jetzt menschliche Zuneigung gut gebrauchen kann. Im Moment glaube ich nämlich, dass grundsätzlich alle Menschen scheiße sind und die paar die ich wirklich mag und liebe eine Ausnahme darstellen.

Wobei„, fährt mein Freund Anton fort, „ist das nicht derselbe, der vor Jahren schon mal seine Meinung spontan geändert hat, nachdem er bei „Duweißtschonwem“ abhängig beschäftigt wurde?

Ich blicke erstaunt auf, denn das ist schon fast 10 Jahre her.
Dass Anton sich daran noch erinnert.
Dass ich daran erinnert werden muss.
Jetzt ärgere ich mich wirklich über mich selbst, da bringt die Bedienung, die ein bisschen aussieht wie Adele unser Kölsch. Also sie sieht wirklich nur ein bisschen aus, wie Adele, in schlank und blond und… eigentlich sieht sie Adele gar nicht ähnlich. (aber vielleicht gibt die Erwähnung des Namens ein besseres Suchergebnis auf google)

Ich denke, ich gehe jetzt nach Hause und schreibe alles, was mich bewegt und schmerzt ungeschönt und graderaus auf einen Zettel oder besser, ich hacke es in meinen Computer. Alles raus und zwar in den saftigsten Worten und laut dabei fluchend. Ich werde meine Gefühle nicht runterschlucken oder relativieren. Ich werde nicht ansatzweise versuchen, das Gute im anderen oder nach dessen Beweggründen zu suchen, sondern werde alles rauswettern.

Prost Anton.
Prost mein Freund.

Ich wurde verletzt und das muss verarbeitet werden. Meditation oder Gutmenschendenken hilft mir hier nicht weiter. Keinesfalls werde ich meine Gefühle verteufeln, auch wenn sie mir möglicherweise krass vorkommen. Menschen haben solche Gefühle nicht ohne Grund. Sie sind zu unserem Schutz und ein klares Warnsignal. Ich werde….

Heinz? – Das gibt es doch nicht!

Nein das gibt es wirklich nicht, denn wie auf Bestellung taucht nach Ewigkeiten mal wieder mein alter Freund Remark aus den guten alten Zeitungstagen auf und reißt mich aus meinen – mal wieder – trübsinnigen Gedanken.
Ich stelle ihm Anton vor und wir drei bleiben noch für ein paar Bierchen. Falls ich heute noch nach Hause komme, schreibe ich bestimmt nichts mehr, aber morgen, mach ich Dich fertig Du Sau.

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