Kohlestrom, Veganer und die These vom „ertappt fühlen“

Veröffentlicht: 3. Februar 2016 in Energiewende, Gedanken, Gesundheit, Köln, Klimaschutz, Politik, Umwelt

Neulich las ich, dass viele Nichtveganer eventuell so barsch auf vegane Lebensweise oder Veganer selbst reagierten, da sie sich ertappt fühlten. Sie führten dann oft aus,

  • dass Veganer noch umweltfeindlicher seien, wegen z.B. des Soja-Monokulturen oder
  • dass Pflanzen ja auch Gefühle hätten oder
  • sie machten sich lustig, dass Veganer den Tieren das Futter wegäßen oder aber
  • sie gingen in den Sichselbstberuhigungmodus über und erklärten, dass sie ja auch nur ganz, ganz wenig Fleisch konsumierten und wenn dann natürlich nur vom BIO-Metzger.
  • Das härtese aber ist, wenn sie ihr Verhalten damit entschuldigen, dass sie dem Veganer vorwerfen, wobei der sich nicht umwelt- oder tierfreundlich verhält, vielleicht weil er ein Auto hat oder raucht oder Toilettenpapier benutzt.

Ich habe das zwar alles schon mehrfach in – sagen wir mal – „Gesprächen“ zwischen Nichtveganern und Veganern erlebt und gehört, war aber bezüglich der obigen Schlussfolgerung über das „ertappt fühlen“ doch ein wenig skeptisch.

Das hier wird kein Plädoyer für oder gegen den Verzehr oder die Nutzung tierischer Produkte, aber es wird eine Geschichte, die mich meine Skepsis ein wenig relativieren lässt.

Einleitung:
Greenpeace veröffentlichte im Jahr 2013 eine Stutot-aus-dem-schlotdie mit dem Titel „Tod aus dem Schlot„. Eigentlich handelt es sich bei der Greenpeace-Publikation auch eher um einen Bericht. Dieser aber beruht auf einer Studie des Instituts für Energiewirtschaft und rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart. (Titel:“Assessment of Health Impacts of Coal Fired Power Stations in Germany by Applying EcoSenseWeb“). Sie untersucht die gesundheitlichen Auswirkungen der größten Braun- und Steinkohlewerke, die zur jener Zeit in Deutschland Strom produzierten. Kohlekraftwerke gehören sowohl in Deutschland als auch in Europa zu den schlimmsten Quellen von giftigen Luftschadstoffen. Diese dringen tief in die Lungen ein und werden vom Blutkreislauf aufgenommen. Solche Schadtstoffemissionen gefährden die Gesundheit des Menschen in hohem Maße. Die Studie berechnet durch eine Modellierung der Schadstoffverbreitung die Auswirkung und Folgen auf die menschliche Gesundheit.
Das erschreckendste Ergebnis der Studie ist, dass die Emissionen (Stand 2010) deutscher Kohlekraftwerke jedes Jahr zum vorzeitigen Tod von ungefähr 3.100 Menschen führen. Zwischen 2010 und 2012 nahm die Stromerzeugung aus Stein- und Braunkohle in Deutschland um fünf Prozent zu. Die gestiegene Kohleverbrennung dürfte seitdem zu einer Zunahme von ungefähr 155 jährlichen Todesfällen geführt haben. Kurz gesagt sind Kohlekraftwerke lautlose Killer und man kann sagen, dass jeder Gewinn der mit ihnen gemacht wird, mit Gesundheitsschädigung und vorzeitigem Tod bezahlt wird.

Mach die Studie bekannt
Da die Studie bereits 3 Jahre veröffentlicht ist und die Betreiber von Kohlekraftwerken anscheinend keine juristische Handhabe besitzen, dass Greenpeace sie zurück ziehen muss, scheint sie einen gewissen Wahrheitsgehalt nicht zu entbehren. Also berichte Deinen Freunden, Bekannten und Kollegen davon. Viele werden Dir scheinbar gar nicht zuhören, denn ihr Strom kommt aus der berühmten Steckdose und sie wollen sich damit nicht beschäftigen. Beschäftigten sie sich doch damit – und das menschliche Hirn kann das in Sekundenbruchteilen – müssen sie sich fragen, wie der Strom produziert wird, den sie konsumieren. Ist die angesprochene Person kein Kunde eines echten Ökostrom-Anbieters, müsste ihr klar werden, dass sie mit ihrem Kohlestromverbrauch prinzipiell Mitschuld an den Auswirkungen und Folgen auf die menschliche Gesundheit hat, dass sie eventuell sogar Mitschuld trägt am vorzeitigen Tod anderer Menschen oder gar schlimmer noch, vielleicht an dem der eigenen Freunde oder Familie.

Die Reaktionen
Einige wenige, werden Dich sicher fragen, wo man Strom herbekommt, der nicht tötet. Bei den anderen muss man mit barschen Reaktionen rechnen. Entweder bekommt man vorgeworfen,

  • dass man viel umweltfeindlicher sei, da z.B. durch Windräder so viele Vögel stürben, oder
  • dass für die Produktion der Solarzellen ja viel zu viel Energie verschwendet würde, oder
  • sie machen sich lustig in dem sie behaupten, dass Solarzellen die Sonne verbrauchten und Windräder an der Klimaerwärmung schuld sind, weil die den Wind stoppten (wobei ich das sogar schon als ernst gemeinte Argumente hörte) oder aber
  • sie gehen in den Sichselbstberuhigungmodus über und erklären, dass sie ja nur ganz, ganz wenig Strom verbrauchten und schon überalle LEDs hätten.
  • Das härtese aber ist, wenn sie ihr Verhalten damit entschuldigen, dass sie Dir vorwerfen, wobei Du Dich nicht umwelt- oder tierfreundlich verhält, vielleicht weil Du ein Auto hast oder rauchst oder Toilettenpapier benutzt.

Warum ich das schreibe
Nun ich habe heute in einem  – sagen wir mal – „Gespräch“ den Vorwurf erhoben, dass der Gewinn, den das kommunale Unternehmen Rheinenergie direkt oder indirekt in den städtischen Haushalt einbringt teilweise wohl mit Menschenleben bezahlt würde.
Antwort: „Blödsinn, als Du jahrelang im Flur geraucht hast, hast Du mein Leben sicher auch verkürzt und ich hab nichts gesagt.“

Das brachte mich zum Nachdenken, ob die These bezüglich barscher Reaktion auf Grund des „ertappt fühlens“ nicht doch ein Körnchen Wahrheit beinhalten könnte.

Kompletter Greenpeace Gesundheitsreport “Tot aus dem Schlot” download (PDF) hier.

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