Franz, wie habt Ihr das gemacht?

Veröffentlicht: 29. Dezember 2014 in Persönliches, Politik
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in der Nacht vom 28. auf den 29. Dezember hatte ich den Traum einer Utopie. Die altbekannte Utopie der geldfreien Gesellschaft, wie sie wohl schon den Romantikern vorschwebte. Im Mittelpunkt meines Traumes beziehungsweise meiner Utopie stand mein verstorbener Schwiegervater Franz:

Franz war als ich kennen lernte als Landwirt bereits im Ruhestand. Auf einem Teil seines Landes stand ein Wald und ein Bekannter im Dorf machte dort regelmäßig Holz. Einen Teil des Holzes behielt er für sich und den Rest brachte er auf Franzens Hof. Franz der auch als Ruheständler die Hände nicht in den Schoß legte, begann mit einer Spaltmachine das Holz zu bearbeiten und in seinen Holzschuppen zu stapeln.

Irgendwann kam Reinhold vorbei mit einem Anhänger. Er holte sich so viel Holz, wie er glaubte für den Winter zu brauchen. Auch andere kamen sich Holz holen. Franz zählte nie nach oder kontrollierte und jeder nahm nur so viel er brauchte, damit für andere und Franz genug übrig blieb.

Im Frühjahr dann wollte Franz‘ Frau das Wohnzimmer renovieren. Reinhold der selbständige Maler und Lackierer kam vorbei und erledigte das. Nein, er schrieb keine Rechnung, das Holz war ihm Bezahlung genug, so wie dem Nachbarn, der die Schwiegermutter regelmäßig zum Einkaufen mit in die Stadt nahm und all den anderen, die im Laufe des Jahres das eine oder andere für Franz und seine Frau taten. Niemand stellte Rechnungen und niemand nahm Maß, ob die erbrachte Leistung und das Holz gleich viel „Wert“ waren.

So weit die Realität, die ich mir und anderen gerne vor Augen halte, wenn man mir entgegnet, dass eine geldfreie Gesellschaft unmöglich sei.

In meinem Traum besuchte ich Franz auf seinem Hof und es war ungeheuerlich. Als ich beim Dorfbäcker Brötchen und Streuselkuchen holte, musste ich nichts bezahlen. Der Bäckermeister meinte, dass er das Mehl, die Eier und die Butter auch nicht hätte zahlen müssen und den Ofen mit Holz vom Franz heizte. Ähnlich ging es mir im dörflichen Blumenladen, der zwar keine kenianischen Rosen anbot, aber die herrlichsten heimischen Sommerblumen. Die Blumenfrau (Verkäuferin kann ich hier ja nicht sagen) meinte, dass sie die Blumen beim Matthias auf dem dem ehemaligen Maisacker holen ginge und dafür auch nichts zahlen müsse.

Als ich auf Franz‘ Hof ankam, herrschte dort reges Treiben, da es eine Art Markt gab. Die Menschen boten selbstangebautes Gemüse und Obst an, das sie selbst zu viel hatten und niemand bezahlte etwas.

Franz kam in seiner Cordhose und seinem Flanelhemd auf mich zu und meinte:

Dafür hab ich erst sterben müssen, aber jetzt läuft’s“

Als ich fragte: „Franz, wie habt Ihr das gemacht?“ erwachte ich aus meinem Traum.

Die „Abschaffung“ des Geldes ist bis heute eine Lieblingsidee alternativer Entwürfe geblieben, eine Utopie, die in keinem radikalen antikapitalistischen Programm fehlen darf.

Aber ist sie in dieser Form auch realistisch?

Ich nehme diese Frage mal mit ins neue Jahr.

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