Die essbare Stadt

Veröffentlicht: 16. April 2014 in Armut, Garten, Köln, Klimawandel, Kommunalwahl 2014, Politik, Soziales, Stadtentwicklung, Umwelt

dieser Artikel wurde geschrieben und erscheint auch in der „Köln Links“ KL

 

Angeblich war die Stadt ja mal der Ort, wo die Einwohner glücklich waren endlich keine Feldarbeit mehr leisten zu müssen. Allerdings zogen mit den Menschen auch Pflanzen und Tiere in die Stadt. Nach dem Alpenveilchen im Schlafzimmer und dem Weihnachtsstern im Wohnzimmer verwandelten sich immer mehr Balkone in wahre Blütenmeere. Kräutertöpfe zogen in die Küchen; Tomate, Paprika, Gurke und Kartoffeln auf Terrassen und Balkons. Hier und da findet man sogar einen Zwergobstbaum.

Mittlerweile stehen Kübel, Kisten, Kästen und Hochbeete auch auf Brachflächen und vor dem Schauspiel, wo sie von den vielfältigsten Initiativen gepflegt werden. Das nennt man neudeutsch „urban gardening“, also städtischer Gartenbau. Der muss sich nicht auf Kübelgärten beschränken, sondern ist eigentlich die meist kleinräumige gärtnerische Nutzung städtischer Flächen innerhalb von Siedlungsgebieten.

Urbaner Gartenbau erlebt in den letzten Jahren aus verschiedensten Gründen wachsendes Interesse. Diese Sonderform des Gärtnerns gewinnt aufgrund des städtischen Bevölkerungswachstums und gleichzeitiger Verringerung landwirtschaftlicher Anbauflächen mittlerweile auch für die Armutsbekämpfung an Bedeutung.

Urban gardening ist also längst mehr als bloß eine Sommerlaune der Wohlstandsjugend. In den urbanen Hochbeeten gedeiht neben dem Gemüse auch ein kultureller Wandel. Hier ist der Mensch kein User, sondern Mensch. Er buddelt selbst, erntet selbst, spürt dieses Selbst, wenn ihn die Brennnesseln stechen oder abends das Kreuz zwickt.

DIE LINKE möchte in der Stadt lieber Schilder sehen auf denen steht: „Pflücken erlaubt“ statt „Betreten verboten“. Es ist ihr Ziel, das öffentliche Grün zur „essbaren Stadt“ zu machen. Nach dem Willen der LINKEN sieht Köln in Zukunft so aus: Die Stadt lässt durch das bestehende Netzwerk urbanes Grün in Köln überall, wo es möglich und sinnvoll ist, Gemüse, Obst und Kräuter anbauen oder pflanzt dieses selbst. Ob Erdbeeren, Salat oder Zwiebeln: Jeder darf sich bedienen!

So werden öffentlichen Parks, Beete, Brachen und Grünanlagen zum Garten für die Menschen. Die öffentlichen Nutzpflanzen zeigen, wie man sich gesund ernährt und steigern die Wertschätzung für regionale Lebensmittel. Ob jäten oder ernten: Jeder darf und soll mitmachen. Neben Kohl und Salat gedeiht auch das soziale Vertrauen.

Der Sinn des öffentlichen Raums verschiebt sich wieder hin zu seiner Bestimmung. Die Stadt gehört uns! Da das so ist, gibt es um die öffentlichen Obst- und Gemüsebeete keine Zäune. Es gehört zum Risiko und Reiz der essbaren Stadt, dass sie sich nicht abschirmt wie ein Kleingarten. Sie gehört uns allen und niemandem. Wir Bewohner sind die Besitzer.

Wir werden uns in den Beeten bei der Pflege und bei der Ernte treffen. Wir werden wieder eine Gemeinschaft und fördern gleichzeitig Natur und Umwelt. Ein schöner Nebeneffekt: Wir entlasten unsere Kasse.

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