Geschichten erzählen für den Klimaschutz

Veröffentlicht: 8. Januar 2014 in Forschung, Klimaschutz, Politik, Umwelt
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Energie sparen, Emissionen reduzieren, das Klima schonen –  umweltrelevantes Handeln wird uns häufig in  Nachrichtensendungen oder Zeitungsberichten ans Herz gelegt. Doch was,  wenn der Appell zum Sprit sparenden Autofahren Teil einer erfundenen  Geschichte ist?

Medienpsychologen der Universität Koblenz-Landau haben den Einfluss fiktionaler Darstellungen auf das umweltfreundliche Verhalten von Leserinnen und Lesern untersucht.

Um den Einfluss einer Kurzgeschichte auf ökologische Verhaltensweisen zu  beleuchten, haben Prof. Dr. Markus Appel und seine Kollegin Martina Mara  vom Institut für Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik der Universität Koblenz-Landau eine dreiseitige Unterhaltungsgeschichte mit Informationen zu Sprit sparendem Autofahren versehen. Nach der Lektüre wurden die Leserinnen und Leser gefragt, wie sehr sie die effizienzsteigernden Maßnahmen, die im Text geschildert wurden, in Zukunft selbst anwenden werden. Gefragt wurden die Studienteilnehmer beispielsweise, ob sie künftig mehr auf eine ökonomische Fahrweise achten oder mit möglichst niedriger Drehzahl fahren werden. „Zahlreiche medienpsychologische Studien der vergangenen Jahre deuten bereits darauf hin, dass fiktionale Erzählungen die Einstellungen und Überzeugungen der Rezipienten beeinflussen“, erklärt Appel. Und zwar selbst dann, wenn die Leser bestens darüber Bescheid wüssten, dass es sich um eine erfundene Geschichte handele. „Bislang gab es aber keine stichhaltige Forschung zu Fiktionen im Hinblick auf Umweltverhalten, obwohl solche Wirkungen beispielsweise im Kontext des Films ‚Avatar’ breit diskutiert wurden“, so der Studienautor.

Appel und Mara, die bis vor kurzem an der Johannes Kepler Universität Linz tätig waren, konnten in ihrer experimentellen Studie zeigen, dass die mit Umwelt-Informationen versehene Geschichte zu einer signifikant verstärkten Absicht führte, sich umweltfreundlicher zu verhalten. Als sie die Autofahrer drei Wochen später zu ihrem tatsächlichen Fahrverhalten befragten, zeigten sich allerdings weniger klare Effekte. Ein weiteres Ergebnis: Der Einfluss umweltrelevanter Inhalte ist stärker, wenn eine vertrauenswürdige Figur sie in der Geschichte vermittelt. Demnach kann ein Story-Charakter, der als unglaubwürdiger Fiesling Tipps zu Sprit sparendem Fahren gibt, im Mittel geringere Auswirkungen auf die ökologischen Absichten der Rezipienten erzielen.

Trotzdem: „Überzeugungsänderungen durch Spielfilme, Romane und Co. resultieren meist nicht aus genauen Überlegungen. Sie passieren ohne dass wir intensiv über eingebundene Argumente nachdenken“, so Appel. Er verweist auf die Möglichkeit, durch die Verbreitung ökologisch relevanter Botschaften in Spielfilmen, Serien und Romanen das Verhalten der Menschen zum Wohle der Umwelt zu verändern.

Er gibt aber auch zu bedenken, dass das Einschmuggeln nichtfiktionaler  Informationen in Unterhaltungsangebote viele ethische Fragen aufwerfe.

Die Studie ist im „Journal of Communication“ erschienen.

Appel, M. & Mara, M. (2013). The persuasive influence of a fictional  character’s trustworthiness. Journal of Communication, 63, 912-932. Die  Studie ist unter folgendem Link abrufbar:

<http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jcom.12053/abstract>

 

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