Schulcontainer und Hundeklo statt selbstverwaltetes Kulturzentrum

Veröffentlicht: 13. März 2013 in DIE LINKE, Köln, Politik, Soziales, Stadtbezirk Kalk, Stadtentwicklung
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In mehreren Online-Artikeln gestern und einer Pressemitteilung heute Morgen erfuhren Politik und Bevölkerung, dass die Stadt Köln entgegen aller bestehender Beschlüsse, Beschlussvorlagen und Pläne nun das Gelände des autonomen Zentrums in Kalk als vorübergehende Schulerweiterungsfläche nutzen will.

AZ LogoDass die Stadt Köln bereits in ihrer Pressemitteilung behauptet, dass sie an der Stelle Pavillons für acht bis zwölf Schulkassen aufstellen wird, ist weder politisch diskutiert worden noch baurechtlich ohne weiteres möglich. Zwar gibt es für das entsprechende Gelände keinen Bebauungsplan aber es gilt §34 BauGB, nach welchem erst ein Bauantrag genehmigt werden muss. JA auch für angeblich vorübergehend aufgestellte Pavillons.

Die vorgesehene Überplanung des Grundstücks sieht zwar an Stelle des Autonomen Zentrums ein als Grünanlage bezeichnetes Hundeklo vor, aber dies bedeutet rein rechtlich eben KEIN Abrissbeschluss.

Am Umgang mit dem Selbstverwalteten (Autonomen) Zentrum lässt sich exemplarisch die Politik der Stadtspitze und der ihr zugehörigen Parteien ablesen.

Da hat man einen Ort in der Stadt

  •  in dem sich junge Menschen ehrenamtlich engagieren (das Autonome Zentrum war letztes Jahr für den Kölner Ehrenamtspreis vorgeschlagen worden),
  • der kulturelle Vielfalt, Bürgernähe und Offenheit bietet,
  • zu dessen monatlich zwischen 50 und 100 Veranstaltungen die Menschen aus der gesamten Region kommen,
  • der die Stadt Köln keinen Cent kostet und damit den Haushalt entlastet, statt belastet,
  •  …

und dann will man ohne jede Konzeption das ganze einfach platt machen.

Das erinnert doch fatal an die wissenschaftlich ausgezeichneten und mit bundesweiten Preisen versehenen Sozialraumkoordinatoren, die ebenfalls der Streichung ihrer Stellen entgegen sehen. (s.a. Inhalt vor Fassade)

Langsam erweckt die Stadt den Eindruck, dass sie das kaputt macht was funktioniert und das was sie neu macht, funktioniert nicht. Egal ob es sich um Löcher am Neumarkt, in der Severinstraße oder vor dem Rathaus oder angeblich im städtischen Haushalt handelt, keiner weiß wie es weiter geht.

Wer in Köln noch einen Plan und eine Strategie verfolgt scheint einzig Frau Dr. Agnes Klein, die Beigeordnete für Bildung, Jugend und Sport zu sein. Die bei der Streichung der Sozialraumkoordinatoren versucht für ihren Bereich zu retten, was zu retten ist und eine Aufgabenübertragung auf die zu ihrem Dezernat gehörenden Bezirksjugendpfleger vorschlägt. Im Bereich der Jugendpolitik scheint sie wie der Oberbürgermeister kein gesteigertes Interesse zu haben, aber sie hat einen Plan und eine Strategie für die Schullandschaft in Köln.

Auch daher soll es in Kalk zur Zerschlagung einer jugend- und kulturpolitisch wertvollen Institution zu Gunsten der Optimierung des bildungsprivilegorientierten Gymnasialangebots über den Bedarf hinaus kommen.

Die jetzt als Grund für Räumung und Abriss des Autonomen Zentrums genannte Erweiterung des städtischen Gymnasiums Kantstraße ist Teil der Kleinschen Schulentwicklungsstrategie.

Schon bislang konnte jedem in Köln an einem Gymnasium angemeldeten Kind ein Platz an einem Kölner Gymnasium geboten werden – allerdings nicht immer am gewünschten Standort. Bekanntlich werden dagegen jährlich zwischen 600 und 700 Kinder an den Kölner Gesamtschulen abgewiesen. In diesem Jahr sind es wieder 645!

Statt also das Autonome Zentrum abzureißen und die Begründung vorzuschieben, dass man das Gelände für den (nicht benötigten) Erweiterungsbau des Gymnasiums braucht, sollte sich Schuldezernentin Klein für eine benötigte Gesamtschule in Kalk einsetzen. Auch die im Bebauungsplanentwurf vorgesehene Grünfläche braucht an dieser Stelle wirklich niemand so sehr, wie die Kalker das Autonome Zentrum brauchen.

Wenn jetzt behauptet wird, das AZ müsse abgerissen werden, um Platz für eine Schulerweiterung zu schaffen, ist das der offensichtliche Versuch, einen Interessenkonflikt zu konstruieren. „Stadt und Politik versuchen schon wieder, sich vor der längst fälligen politischen Auseinandersetzung zu drücken“, so Martin Warneck aus dem AZ. „Das ist nicht mehr als der hilflose Versuch, nach der gescheiterten Grünstreifen-Argumentation einen neuen Sachzwang gegen das Autonome Zentrum zu schaffen.

Wie schreibt Helmut Frangenberg in seinem Kommentar unter anderem so richtig:

Es ist in Köln viel von so genannten Zwischennutzungen von ehemaligen Industriebrachen und –hallen die Rede. Den vielen Worten sind bislang wenige Taten gefolgt.“

auch heißt es da:

Auch wenn es mancher Kalker aus seinem sehr persönlichen Blickwinkel nicht nachvollziehen kann oder will: Sein Stadtteil hat vom Autonomen Zentrum profitiert. Kalk gilt als nächstes Ziel der kreativen „Pioniere“, wie Soziologen die Vorboten der Aufwertung eines Stadtquartiers nennen. Der Stadtteil entwickelt sich vom Opfer des industriellen Niedergangs zum aufstrebenden urbanen Viertel.“

Aber das entwickelt sich nicht wegen der städtischen Politik sondern trotz der städtischen Politik.

Es gibt nicht nur den Kampf zur Sicherung von bereits bestehenden Einrichtungen sondern auch den Kampf  für Auf- und Ausbau von mehr Jugendeinrichtungen und autonomen Jugendzentren.  Und auch wenn Frangenberg sich einen Standort irgendwo in Köln vorstellen kann – Das Autonome Zentrum gehört nach Kalk und muss hier bleiben!

 

Kommentar Frangenberg

Autonomes Zentrum

Pressemitteilung der Stadt Köln

Meine Artikel zum AZ

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