Inhalt vor Fassade

Veröffentlicht: 14. Januar 2013 in Armut, DIE LINKE, Köln, NRW, Politik, Soziales, Stadtbezirk Kalk, Stadtentwicklung

Dieser Haushalt ist nicht klug.

Er richtet sich gegen die Menschen in dieser Stadt.
trudeVielleicht haben Sie auch schon mal jemanden in der Kneipe, auf einer Feier oder in der Disko kennen gelernt, der am anderen Tag ungeschminkt plötzlich ganz anders aussah. Beim Verkauf von Gebrauchtwagen, werden diese fein herausgeputzt, gewaschen und poliert, um den tatsächlichen, verheerenden Zustand zu verbergen.
Auch die bunt bedruckten Plakate an den Bauzäunen der U-Bahnbaustellen erfüllen diesen Zweck. Das scheint allgemein so üblich zu sein und deshalb sieht es meistens auch vor einem Bahnhof besser aus, als dahinter. Köln war in seiner Fassadengestaltung schon immer sehr aktiv, aber wenn man es sich erlauben kann. Mit dem jetzt vorgelegten Haushaltsentwurf geht die Stadt Köln aber einen entscheidenden Schritt weiter. Die Kölner Fassadendarstellung in Form von beispielsweise einer völlig unnötigen Freitreppe am Deutzer Rheinufer (Rheinboulevard), der teuren Generalsanierung des Floragebäudes, dem Ausbau der archäologischen Zone mit jüdischem Museum oder die sehr kostenintensive so genannte Domumfeldverschönerung wird von der Stadt und von der Mehrheit der Ratsparteien als Tabu betrachtet. Als heilige Kuh, der man nicht ans Fell geht. Gleichzeitig aber und das ist das hinterhältige, soll im Bereich Bildung, Jugend, Soziales und Senioren und Infrastruktur (Erhalt von Straßen und Radwegen) massiv gekürzt werden.
Die Stadt putzt sich heraus für Touristen und Investoren und vernachlässigt dabei das wichtigste, ihr Herz und ihre Seele, nämlich die vielen Menschen die hier leben.
Köln besteht nicht nur aus einem oberflächlich aufgehübschtem und beeindruckenden Zentrum, das bis Deutz rüber schwappt, sondern auch aus weit über 350.000 Einwohner_innen auf der rechten Rheinseite. Diesen wird im Gegenzug nicht nur ein Flughafen mit Nachtflügen, sondern demnächst auch eine Rettungshubschrauberbetriebsstation zu gemutet. Zur Verschönerung des Breslauer Platzes am Hauptbahnhof wird der Fernlinienbusbahnhof ins Rechtsrheinische verlegt.
Aber wir brauchen hier auch weder Museen und Freitreppen noch andere Prestigeobjekte, sondern vernünftige und bezahlbare Wohnungen in einem guten Umfeld, ausreichende KiTa-Plätze, Gesamtschulen und ein Netzwerk gut funktionierender sozialer Einrichtungen vom Seniorentreff bis zum Jugendzentrum. Wer an den Menschen und insbesondere an den Kindern und Jugendlichen spart, spart an seiner Zukunft.foeoess
Wirkungsorientiert und nachhaltig soll der Kölner Haushalt angeblich sein. Die Sozialraumkoordinatoren in allen 11 Sozialräumen leisten, wie wissenschaftlich geprüft, eine hervorragende Arbeit und erzielen positive Wirkungen in ihren Veedeln und darüber hinaus. Als Dank sollen sie in Zukunft weggekürzt werden. Das passt doch nicht zusammen.
Wahrscheinlich arbeiten sie zu gut und vernetzten die sozialen Akteure auch über ihre eigentliche Aufgabe hinaus im Protest gegen weitere Kürzungen, die folgen werden.
Wir wehren uns nicht nur gegen alle Kürzungen, sondern kämpfen für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse. Wir lassen uns nicht kaputt sparen, nur damit sich Köln nach außen als Weltstadt präsentieren kann.
Mehrfach in der Geschichte, haben sich die Kölnerinnen und Kölner gegen die Obrigkeit erhoben, sowohl gegen Kaiser und Kardinäle als auch gegen den eigenen Stadtrat. Nicht irgendwelche Fassaden oder Häuser und Museen, sondern wie Menschen, wir sind Köln

______________________________________________________

Was ist ein Potemkinsches Dorf?
Als Potemkinsches Dorf wird etwas bezeichnet, das fein herausgeputzt wird, um den tatsächlichen, verheerenden Zustand zu verbergen. Oberflächlich wirkt es ausgearbeitet und beeindruckend, es fehlt ihm aber an Substanz.
Einer modernen Sage zufolge ließ Gouverneur Alex Potjomkin 1787 vor dem Besuch der russischen Zarin Katharina II.im neu eroberten Krimgebiet entlang der Wegstrecke Dörfer aus bemalten Kulissen zum Schein errichten, um das wahre Gesicht der Gegend zu verbergen.
Gleichfalls wird der Begriff verwendet, um die Vorgehensweise der ehemaligen DDR bei Staatsbesuchen zu beschreiben. Innenstädte oder einzelne Straßenzüge wurden herausgeputzt, um einen positiven, aber in Wirklichkeit falschen Eindruck zu vermitteln.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s