Auslaufmodell Braunkohle

Veröffentlicht: 27. März 2012 in DIE LINKE, Für Sie gelesen, Gesundheit, Köln, Klimaschutz, NRW, Politik, Stadtentwicklung, Umwelt

Im Artikel „Keine neuen Klimakiller“ ging es um ein Braunkohleprojekt, dass genehmigt und verwirklicht werden soll. Vielleicht sollten sich alle Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft mal den folgenden Beitrag aus dem marktkritischen Kampfblatt der sozialistischen Szene „Handelsblatt“ durchlesen – gründlich!

Beliebt ist sie nicht, und doch ist sie spitze. 2011 überholte sie alle anderen Konkurrenten und liegt inzwischen mit einem Viertel an der gesamten Stromproduktion vorn. Die Rede ist von der Braunkohle. Ihren Aufstieg hat sie ausgerechnet der Energiewende zu verdanken. Doch diese Spitzenstellung wird nicht von Dauer sein. Nach den Plänen der Bundesregierung soll der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen bis 2020 auf mindestens 35 Prozent klettern. Legt man die bisherigen Wachstumsraten der Erneuerbaren zugrunde, wird diese Marke sogar deutlich früher erreicht. Vor allem den Energieträger Braunkohle wird dies unter Druck setzen.

Aus betriebswirtschaftlichen, vor allem aber aus technischen Gründen lassen sich Braunkohlekraftwerke nur sinnvoll betreiben, wenn sie möglichst rund um die Uhr laufen und die sogenannte Grundlast liefern. Doch im Zeitalter der Erneuerbaren wird aus diesem vermeintlichen Vorteil ein Nachteil – schnell herunterfahren lassen sich Braunkohleblöcke eben nicht. Genau dies ist im zukünftigen Energiemix aber gefragt, um schwankende Erträge aus Wind und Sonne auszugleichen.

Aus der gegenüber Gas und selbst Steinkohle geringeren Flexibilität und den bei Braunkohle besonders hohen Investitionskosten folgt: Einen Neubau oder Ersatz bestehender Braunkohlekraftwerke wird es in Deutschland kaum geben. Das ist ein Segen, denn die Folgen des Braunkohleeinsatzes sind erheblich:

  • schwerste Eingriffe in den Grundwasserhaushalt,
  • die Verwüstung ganzer Landschaften,
  • pro Kilowattstunde ein extrem hoher CO2-Ausstoß.
  • Hinzu kommt der immense Ausstoß an Schadstoffen wie Schwermetallen trotz modernster Luftreinhaltungstechniken.

Würde man die damit verbundenen, bisher sozialisierten Krankheitskosten auf die Verursacher umlegen, so kämen auf die Kraftwerksbetreiber Milliardenkosten zu.

Für Eon, RWE und Vattenfall bedeutet das: Sie werden Ernst machen müssen mit der Energiewende. Denn die Energiewende bedeutet nämlich nicht nur den Ausstieg aus der Atomkraft, sondern auch den schrittweisen Ausstieg aus klima- und gesundheitsschädlichen Energieträgern wie Kohle.

Hierfür bleibt noch etwas Zeit. Richtig ernst wird es mit dem Thema „Ausstieg aus der Braunkohle“ erst ab Mitte des kommenden Jahrzehnts, wenn einige der größten Dreckschleudern das Ende ihrer Betriebszeit erreichen.

Die Energiekonzerne stehen ebenso wie die zuständigen Landesregierungen vor der Wahl: Entweder sie nutzen die Zeit, den Wandel weg von der Braunkohle durch rechtzeitige Investitionen zu meistern. Oder sie betreiben weiter Propaganda, wie harmlos und alternativlos die Braunkohle doch sei, und wiederholen die strukturpolitischen Fehler des Ruhrgebiets -Festhalten an der Kohle bis zum bitteren Ende.

Beim Thema Atomkraft haben sich die Unternehmen allzu lange gegen jeden Wandel gesperrt – um dann nach Fukushima zu klagen, der Atomausstieg 2.0 sei unangekündigt und überstürzt erfolgt. Beim Thema Braunkohle sollten Eon, RWE und Vattenfall diesen Fehler nicht wiederholen. Die nächsten 15 bis 20 Jahre sollten sie nutzen, sich Schritt für Schritt auf eine Zeit ohne Braunkohle vorzubereiten. 2025 oder 2030 wird es dafür zu spät sein.

Mona Bricke ist Referentin für Energiepolitik bei der Klima-Allianz Deutschland.
Jürgen Maler ist Geschäftsführer des Forums Umwelt und Entwicklung.
Sie erreichen sie unter: gastautor@handelsblatt.com

Quelle: Handelsblatt vom 27.03.2012

 

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