Hubschrauberflughafen im Wohngebiet

Veröffentlicht: 1. Dezember 2011 in Gesundheit, Kalk, Köln, Politik, Stadtbezirk Kalk, Stadtentwicklung, Umweltausschuss
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Er ist wieder in den Medien und in den Gremien der Stadt Köln – der Kalkberg in Köln-Buchforst, als Standort der zu bauenden Rettungshubschrauberbetriebsstation, oder wie die Menschen vor Ort sagen: Der Kleinflughafen im Wohngebiet.

Wer sich mal anschauen möchte was den Mitgliedern von Rat, Ausschüssen und Bezirksvertretungen zur Beschlussfassung vorgelegt wird und welche Anlagen dazu gelegt werden, der folge diesem Link und erhält derzeit rund 15 PDF-Dateien mit Informationen.

Das ist aus verschiedenen Gründen notwendig. Zum einen enthält die Beschlussvorlage 14 (in Worten: vierzehn) Einzelbeschlüsse, die alle begründet werden wollen und zum anderen hat es den Anschein, als ob sich die Stadt, aus welchen Gründen auch immer, längst auf den Kalkberg festgelegt hat und sich nun händeringend bemüht, diese Entscheidung im Nachhinein zu legitimieren.

Schon im Ratsbeschluss von 2005 hieß es bei der Planung für den Kalkberg müsse die Verwaltung alles tun, um die Beeinträchtigungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten. Aber eben: „für den Kalkberg“. Seitdem hat die Stadt viel unternommen, dass die Betriebstation nirgendwo anders hin kann.

  • Rund um die alte Betriebsstation in Merheim erlaubte man einem Bauträger die Errichtung von Ein- und Mehrfamilienhäusern, so dass die europäische Flugsicherheitsrichtlinie nicht mehr eingehalten werden konnte.
  • Die Idee, die Hubschrauberstation auf einem Neubau der Merheimer Kliniken zu errichten, wurde so lange ignoriert, bis es auch hier entsprechnde Gesetze gab, die dies verhindern.
  • Ein mögliches Areal auf der linken Rheinseite wurde nicht gepflegt und  sich selbst überlassen. Das ehemalige Esso-Gelände an der Neusser Landstraße, der so genannte Industriepark Nord, wurde im Jahre 1996 für 10,5 Millionen Euro von Esso erworben und nicht weiter gepflegt oder in Zustand gebracht. Jetzt ist es mit Grün überwuchert und ein Biotop mit Gutachtersiegel…

siehe auch: http://www.ksta.de/html/artikel/1309183844584.shtml

Es ließen sich weitere Beispiele anfügen, bis in die Gegenwart, wo als Alternative das Heeresamt genannt wird. Dieses hat einen eigenen Hubschrauberplatz und soll von der Bundeswehr aufgegeben werden. Doch die Stadt Köln fand rasch Gründe, warum sich hierum nicht bemühen müsse und so wird auch dieser Standort nicht ergebnisoffen geprüft.

Erstaunlich ist bei der Bewertungsmatrix der 23 geprüften Standorte auch, dass für Lindenthal, Nippes und Ossendorf die Lärmbelastung ein K.O.-Kriterium darstellt, für den dichtbesiedelten Stadtteil Buchforst, der von 3 Eisenbahnlinien und einer Stadtautobahn umringt ist, jedoch nicht. Wahrscheinlich sind Buchforster lärmresitenter als Lindenthaler.

Es gibt wohl noch einige Ungereimtheiten und augenscheinlich hat Stadtdirektor Guido Kahlen auf der öffentlichen Veranstaltung am 28.11.  auch auf viele Fragen der Buchforster Bevölkerung keine befriedigende Antwort gehabt. Mitten in diesen Wald von Fragezeichen nun durch die politischen Gremien per Beschluss 14 Ausrufezeichen setzen zu lassen, ist entweder unverschämt oder der letzte Ausweg, bevor noch irgend was ans Tageslicht kommt.

Jedenfalls habe ich für die kommende Sitzung der Bezirksvertretung nochmal ein paar Fragen formuliert. Schließlich war die Reaktion auf die letzten Fragen immerhin die Einplanung einer Aussichtsplattform und, was viel wichtiger ist, die Durchführung der Probeflüge.

Da die Mühlen der Verwaltung auch auf Grund eines sehr seltsamen Online-Systems etwas langsam malen, hier meine Fragen schon mal vorab zum mitlesen:

In der Vorlage DS 4300/2011 legt die Verwaltung eine Beschlussvorlage bezüglich der Weiterplanung und des Baus einer Rettungshubschrauberbetriebsstation für Köln auf dem Buchforster Kalkberg vor. Es handelt sich hierbei um 10 zu beschließende Punkt, wobei Punkt 1 in 5 Unterpunkte untergliedert ist. Die befassten Ausschüsse, Bezirksvertretungen und der Rat sollen als insgesamt 14 Beschlüsse fassen, die noch nicht alle umfassend geklärt sind.

Zur Beschlussfindung bitte ich daher darum, die folgenden Fragen zu beantworten.

  1. Unter Punkt 1.1 heißt es, dass es auf Grund der Absage des FKB keine Alternative mehr gäbe. Heißt das, wenn es im Verlaufe der Errichtung zu unüberwindlichen Schwierigkeiten käme, die eine Errichtung der Hubschrauberbetriebsstation auf dem Kalkberg verunmöglichten, die Stadt Köln zukünftig ohne Rettungshubschrauber auskommen müsste, da man für diesen Fall nicht gewappnet ist?
  2. Wie kann es sein, dass die Bewertungsmatrix der 23 geprüften Standorte für die Standorte Lindenthal, Nippes und Ossendorf die Lärmbelastung als K.O.-Kriterium genannt wurde, aber für den Bereich Buchforst, der bereits als stark lärmbelastetes Gebiet gilt, nicht, und ist die Vorlage so zu interpretieren, dass die Maßnahmen „Flüsterasphalt auf der B55a“, „Umgestaltung der Waldecker Straße“ und „Attraktivierung der Bahnunterführungen“ nur dann durchgeführt werden, wenn ein Baubeschluss für die Hubschrauberbetriebsstation auf dem Kalkberg erfolgt?
  3. Im Rahmen der Diskussion um die Hubschrauberbetriebsstation ist oftmals von einer Zeitvorgabe zu hören und zu lesen, die bestimmt in welcher Frist ein Notarzt oder Rettungsteam beim Erkrankten eintreffen muss und dass dies für den Kölner Norden nicht einzuhalten sei, wenn die Station am Flughafen errichtet würde.
    1. Kann diese Zeitvorgabe im Kölner Norden nicht auch durch zusätzliche Rettungsstationen mit RTW und Notarzt eingehalten werden?
    2. Wie viele Menschen sind in Köln bisher verstorben, weil der am Kölner Flughafen stationierte Hubschrauber nicht rechtzeitig eingetroffen ist?
  4. Der Presse war zu entnehmen, dass beim Bau der Rettungshubschrauberbetriebsstation an der Gestemünderstraße rund 200 Bäume gefällt werden müssten.
    1. Wie alt ist dieser Baumbestand?
    2. Könnten hierfür auf dem Kalkberg und seiner Umgebung nicht Ersatzpflanzungen vorgenommen werden?
  5. Interpretiere ich die Stellungnahme des Rechnungsprüfungsamtes dahin gehend richtig, dass dieses auf Grund wirtschaftlicher Risiken von Kauf des Grundstückes Kalkberg und Bau einer Rettungshubschrauberbetriebsstation auf diesem abrät?

den derzeit aktuellest Artikel des Kölner Stadtanzeigers zum Thema findest Du hier.

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