Die RheinEnergie – ein kommunales Vorzeigeunternehmen oder Wie man den umweltbewussten Verbraucher täuscht und belügt

Veröffentlicht: 15. September 2011 in Atomdiskussion, Für Sie gelesen, Gesundheit, Köln, Klimaschutz, Politik, Satirisches/Lustiges, Umwelt, Umweltausschuss

Seit Fukushima ist Ökostrom auch für die Rheinenergie ein bevorzugtes Thema. Zwar hatte sie den auch schon vorher im Angebot – aber jetzt wird dieses Angebot plötzlich groß beworben. Und der Erfolg tritt tatsächlich ein! Der umweltbewußte Verbraucher respektive Verbraucherin kauft dieses Angebot in dem Bewusstsein, hiermit den Ausstieg aus der Atomenergie zu verwirklichen. Auch der Rat der Stadt Köln beschließt, dass die städtischen Einrichtungen mit diesem Stromangebot versorgt werden sollen.

Ein quasi städtisches Energieunternehmen als Vorreiter in der Umweltpolitik! Das ist doch prima, denkt sich Schmitzens Jupp und lehnt sich zufrieden in seinem Sessel zurück.

Doch kann dies wirklich sein? Ein Unternehmen, das zu  20% dem Atomkonzern RWE gehört, ein Unternehmen, das noch im Winter 2010 ein Großkohlekraftwerk gekauft hat. Ein Unternehmen, das sich bisher nun wirklich nicht als Vorreiter in Sachen ökologischen Umbau der Energiewirtschaft  Meriten verdient hat. Schauen wir also doch etwas genauer hin:

Dezember 2010. Die RheinEnergie AG macht Schlagzeilen. Entgegen dem landläufigen Trend zur Investition in Kraftwerke zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien übernimmt sie knapp die Hälfte eines Kraftwerks in Rostock. Damit steigert der Konzern seinen Eigenerzeugungsanteil und zahlt dafür einen dreistelligen Millionenbetrag. Der Kölner Stadtanzeiger meldet am 15.12,2010 „(RheinEnergie) … investiert massiv in die Stromerzeugung aus Steinkohle. Das Unternehmen kauft 49,6 Prozent eines Kraftwerks in Rostock von den beiden Konzernen RWE und Vattenfall. Der Anteil entspricht einer Erzeugungskapazität von rund 250 Megawatt. Neben Strom erzeugt das Kraftwerk auch Fernwärme und erreicht dadurch einen hohen Wirkungsgrad – 60 Prozent des Energiegehalts der verfeuerten Kohle können genutzt werden.“ …“ Mit dem Zukauf steigert das Unternehmen den Anteil der Eigenerzeugung am verkauften Strom auf rund 50 Prozent. Damit sichere Rhein-Energie günstige Preis für die Zukunft ab, erklärte Vorstandschef Dieter Steinkamp.

Rhein-Energie setzte bislang bei der Stromerzeugung vor allem auf Gaskraftwerke. Zuletzt hatte das Unternehmen stark in erneuerbare Energien investiert. Ob dies künftig in ähnlichem Umfang möglich ist, ließ das Unternehmen offen.“

Wir halten fest: Hiermit steigert die RheinEnergie die Verschmutzung der Atmosphäre mit klimaschädlichen CO2 und schreibt diesen Zustand auf Jahrzehnte fest!

Dann folgt der GAU in Japan.

Nun ist eine andere Strategie angesagt, jetzt gilt es, den Verkauf von sog. Ökostrom zu favoritisieren. Denn die Verbraucher sind nun für dieses Thema sensibilisiert. Doch was tun, wenn man (fast) keinen Ökostrom produziert? Nun, die Lösung ist relativ einfach, der Verbraucher darf nur nicht allzu deutlich merken, dass er eigentlich geleimt wird. Glücklicherweise gibt es ja Norwegen. Ein Land, das schon seit Jahrzehnten Energie mit Hilfe von Wasserkraftwerken produziert. Und es gibt die gute alte RECS-Regelung. Die kennen Sie, verehrter Leser, verehrte Leserin noch nicht? Das sollten  Sie aber unbedingt tun. Ein Freund erklärte mir das vor kurzem mit folgendem Beispiel:

„Die Ökoeier aus Honolulu“

In Honululu laufen die Hühner schon immer frei herum. Sie ernähren sich aus dem, was in der Landschaft wächst, legen ihre Eier und die Bevölkerung isst dieselben. Ein glücklicher Zustand. Nebeneffekt: Bioeier zum Nulltarif.

Dann macht ein niedersächsischer Manager einer Eierfabrik mit Legehennen dort Urlaub. Der hat ein Problem. Seine Eier will niemand mehr kaufen, weil es keine Bioeier sind. Er sieht die Situation auf Honolulu und kommt auf die glänzende Idee, von dort den Eierbestand nach Deutschland zu importieren. Aber da machen die Honoluaner nicht mit, dann sie lieben ihre Eier und wollen sie selbst essen. Und dann noch die ganzen Transportkosten! Aber, auch Honuluaner sind geschäftstüchtig. Einer kommt auf die Idee, ein Gütesiegel zu kreieren auf dem bestätigt wird, dass diese Eier „Bioeier“ sind und dieses Siegel unabhängig vom tatsächlichen Verkauf von real existierenden Eiern zu verkaufen. Und schon sind alle zufrieden: Die Honoluaner haben weiterhin ihre gewohnten Eier, der Siegelverkäufer das Geld und der deutsche Manager klebt das Siegel auf seine Legebatterieneier und schafft so die ersehnten Bioeier, ohne dass sich an der Produktion in Deutschland irgendetwas ändert. Alles klar?

Zugegeben, dieses Eier-Beispiel ist erfunden, aber genau so funktioniert es auf dem Strommarkt. Hier nennt sich das Siegel RECS (Renewable Energy Certificate System). Es wurde im Jahre 2002 eingeführt. Wikipedia schreibt hierzu:  Das RECS System zertifiziert keine Ökostrom-Produkte und ist kein Ökostrom-Label. Das RECS System selbst stellt, außer dass nur für erneuerbare Energien Zertifikate ausgestellt werden können, als Nachweissystem für die Produktion von erneuerbaren Energien im allgemeinen keine weiteren Anforderungen an die Erzeugungsanlagen; weder an das Anlagenalter, noch an ökologische Anforderungen.

Das heisst im Klartext: RheinEnergie „klebt“ dieses Siegel auf seinen Strom, ohne dafür auch nur 1 kwh Ökostrom zu kaufen geschweige denn zu produzieren.

Und dann lässt sich das Unternehmen noch das Siegel „ok-Power“ ausstellen. Welches nochmals diesen genannten Tatbestand bestätigt,aber in der Außenwirkung für den nicht kundigen Verbraucher sehr gut aussieht.

In Wirklichkeit setzt sich der sog. Ökostrom wie bisher auch schon wie folgt zusammen:

RHEINENERGIESTROM ENTHÄLT 15% ATOMSTROM

RHEINENERGIESTROM ENTHÄLT 62% KLIMASCHÄDLICHEN FOSSILSTROM.

Da fragt sich der Verbraucher / die Verbraucherin doch zu recht, warum man bei diesem Unternehmen seinen Strom beziehen soll? Und warum der Kölner Rat solche Machenschaften duldet. Zur Erinnerung: 80 Prozent der Anteile hält die GEW Köln, die als Holding-gesellschaft wiederum direkt und indirekt zu 100 Prozent im Besitz der Stadt Köln ist. In der Satzung der Rheinenergie ist festgelegt, dass sie sich immer mehrheitlich in kommunalem Besitz befinden muss.

Hier ist also  das Eingreifen des Rates gefragt.

Und der Kölner Stromkunde? Was macht unser eingangs schon erwähnter Schmitzens Jupp? Er rät nun allen: Stimmen Sie mit Ihren Füßen ab und wechseln Sie zu einem Ökostromlieferanten der unabhängig ist und ausschließlich in Erneuerbare Energien investiert . Wir empfehlen: „Greenpeace-Energy“, „Elektrizitätswerke Schönau“, „Naturstrom“ oder „Lichtblick“.

Weitere Infos unter: www.atomausstieg-selber-machen.de / . Der Wechsel geht kinderleicht und ist in vielen Fällen billiger, als sie denken!

Uli Klinger

 Buchhandlung Klinger: Bücher, Lesungen, Kabarett mehr

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s