Alle Reden vom Hafen, nur der Rhein zieht sich zurück

Veröffentlicht: 12. Mai 2011 in Köln, Klimaschutz, NRW, Politik, Stadtentwicklung, Tierschutz, Umwelt

Morgen ist Redaktionsschluss zur Einreichung von Beiträgen zur städtischen „Informationsschrift zur Einwohnerbefragung <<Ausbau des Godorfer Hafens>>“.

Ausbaubefürworter und Ausbaugegner können dort ihre Positionen zur Information vor der Einwohnerbefragung darstellen. Vater Rhein aber scheint sich dafür gar nicht zu interessieren. Er zieht sich immer weiter zurück und unterschreitet einen Rekordpegel nach dem anderen.

Heute Morgen zeigte der elektronische Pegel der Internetseite der Kölner Hochwasserschutzzentrale einen Stand von 1,24m an. Im erläuternden Text hieß es, dass dies nicht ganz korrekt sei und der Wasserstand am Morgen 1,28m gewesen sei. Laut „Wasser- und Schifffahrtsamt Köln“ muss sich diese Zahl auf 5:15 Uhr am Morgen beziehen und für 6:15 Uhr wird ein Kölner Pegel von 1,26m. Für das Wochenende werden Pegelstände von 1,20m und darunter erwartet.

In der bürgerlichen Presse heißt es unter anderem: „Für die Binnenschifffahrt ist dies noch kein Problem...“ um dann im gleichen Satz fortzufahren mit: „...sie fährt mit reduzierter Ladung…“. Warum es kein Problem ist mit weniger Fracht die gleiche Strecke zu fahren und damit den annähernd gleichen Verbrauch an Diesel zu haben wird klar, wenn man vom „Kleinwasserzuschlag“ weiß. Diesen erhebt der Reeder vom Verlader, sobald der Kölner Pegel unter 1,95m fällt. Der Verlader wird sich die gestiegenen Transportkosten sicher beim Kunden zurück holen.

Neben den Kosten aber ist zu beachten, dass zum Transport der gleichen Gütermenge bei Niedrigwasser mehr Schiffe fahren, be- und entladen werden müssen. Auch die Kölner Autofabrik Ford verschifft derzeit weniger Autos, als auf ein Schiff passen. Überall im Logistikbereich wird erwogen wegen des Niedrigwassers im Rhein auf LKW und Güterzüge umzustellen.

Diese Erwägungen gepaart mit dem Wissen um die Klimaveränderungen und den Erwartungen gehäufter Extremwasserstände (es kann auch schnell zu Hochwassern kommen), lassen die Diskussion über einen Ausbau des Godorfer Hafens eigentlich lächerlich erscheinen.

Warum sie dennoch geführt wird ist Politik. Niemand wird mir erzählen wollen, dass die Mitglieder von CDU und SPD diese Zusammenhänge nicht auch sehen. Weil es aber manchmal schwer ist, Irrtümer einzugestehen, werden die falschen Entscheidungen aus Zeiten der Herren Rüther, Heugel, Bietmann und Müller nicht revidiert. Man argumentiert halt mit Zahlen, Daten und Fakten, die vielleicht ein bisschen verstaubt sind und mit den drastischen Veränderungen der Welt in den letzten 20 Jahren nicht mehr mithalten können, aber man hat sie nunmal im Regal stehen. (Das Bipolare Hafenkonzept steht dort seit 1988)

Was Vater Rhein nun wieder an die Ufer Kölns locken könnte, wäre sicher ein ehrlicher Umgang aller Beteiligten mit den aktuellen Daten und Fakten, aber das regionale Logistikkonzept wird laut Oberbürgermeister erst 2012 vorliegen. Eine Abstimmung vorher, wäre wie der Beschluss einen Ehering zu kaufen, wenn man noch nicht mal ne Freundin hat.

Pegelonline

Kölner Pegel

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