Winterdienst im Sonnenschein

Veröffentlicht: 4. Mai 2011 in Forschung, Politik, Umwelt, Umweltausschuss

Während andere leicht bekleidet durch Kölns Straßen schlenderten und Eis schleckten, dachten wir bereits an das Eis auf Kölns Fuß- und Radwegen und Straßen im nächsten Winter. 

Am 3. Mai führten die AWB Köln GmbH & Co. KG in Zusammenarbeit mit der INFA GmbH eine richtungweisende Tagung unter Einbeziehung der verschiedenen Fachkompetenzen im Ratssaal des Kölner Rathauses mit dem Titel Fach-Symposium „Winterdienst“ durch.

Basierend auf den Erfahrungen aus den letzten beiden Winterdienstperioden wurden zur Organisation und Durchführung des kommunalen Winterdienstes Vorträge gehalten.

Dabei stellten die Veranstalter die für sie zentralen Fragen in den Mittelpunkt, welche Leistungen rechtlich verpflichtend, maximal leistbar sowie den Bürgern ggf. zusätzlich als Dienstleistung zur Verfügung zu stellen sind. Daneben ist auch die Art und Weise der Dienstleistungserbringung (Organisation, Ressourcen, Technik, Streustoffeinsatz etc.) von entscheidender Bedeutung. Die Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Gisela Stahlhofen wies in einer der so genannten Fragerunden auf die großen Einschränkungen für Fußgänger hin. Auch wenn der antwortende Referent Dr. Manfred Wichmann (Hauptreferent beim Städte- und Gemeindebund NRW) zunächst etwas spöttelnd meinte, dass sie im Winter halt auf ihre „Pradaschühchen“ verzichten müsse, stellte er unmissverständlich klar, dass Fußgänger eben rechtlich die höchste Priorität genießen.

Die Aussage der KVB im letzten Winter, man habe sich zwischen Räumung der Bahnsteige und Fahrtüchtigkeit von Gleisen, Schienen und Fahrzeugen entscheiden müssen, erhielt hierdurch ebenfalls einen noch negativeren Beigeschmack. Denn es gibt rechtlichen keinen Entscheidungsspielraum, wenn die Fußgänger geschützt werden sollen. Zwar standen drei KVB-Vertreter auf der Liste der angemeldeten Teilnehmer, aber zumindest zu Wort gemeldet hat sich keiner.

Stahlhofens kleiner Einwurf führte jedenfalls dazu, dass alle nachfolgenden Referenten, das Thema „Fußgänger im Winter“ zumindest soweit erwähnten, dass sie sich dafür entschuldigten, dass sie dazu keine Ausführungen machen würden.
Im Großen und Ganzen lief die Veranstaltung darauf hinaus, dass die Salzindustrie die für sie kostenintensive Lagerung von Salzen gerne zu Lasten ihrer Kunden aufgeben möchte. So wird ja auch bereits über nationale Notreserven und ähnliches diskutiert und auch die Kölner AWB kündigten an, zusätzliche Salzlager zu errichten und die Lagermenge ungefähr zu verdreifachen.

Darüber hinaus waren sich viele Verantwortlich einig, dass in den Städten mehr geräumt und gestreut würde, als dies rechtlich überhaupt notwendig ist. Durch ein besseres Informationssystem könne man den Bürgern auch mitteilen, wo geräumt und gestreut würde und wo nicht.

Bei Gesprächen am Rande erfuhren die LINKEN Teilnehmer Gisela Stahlhofen und HP Fischer dann auch, dass die Mitarbeiter der AWB zwar durchweg Kurse erhielten, die der Bedienung der Maschinen dienten, es aber keine Praxisübungen auf Schnee gäbe. So könne es in Köln durchaus vorkommen, dass man ein paar Jahre bei der AWB ist, aber noch nie einen Schneeeinsatz hatte.

Dipl.-Geogr./Hydrologe Stefan Gartiser von der Hydrotox GmbH machte einen Aufschlag zum Thema „Ökologischer Einsatz beim Streustoffeinsatz“, der mit vielen Unbekannten besetzt war, aber unter dem Strich zu dem Ergebnis kommen sollte, dass der Einsatz von Salz zwar ökologisch bedenklich aber besser sei, als der Einsatz anderer zum Beispiel abstumpfender Stoffe. Im letzten Umweltausschuss, wollten Dieter Koberg und HP Fischer denn auch wissen, wo das im Tauwasser gelöste Salz denn bliebe, wenn es in die Kanalisation gelange. Klare Antwort: im Wasser.

Durch die Aussagen des Diplom-Meteorologe Alexander Lehmann von der Meteomedia GmbH (ja die Kachelmann-Firma) wurden auch die Ausreden der AWB aus dem letzen Winter als solche entlarvt. So teilte er mit, dass man die Temperaturen der nächsten drei Tage durchaus auf ein Grad genau vorhersagen könne. Bei den Niederschlägen gäbe es größere Ungenauigkeiten. Die AWB hatten im vergangenen Winter argumentiert, man habe in der entscheidenden Nacht auf die Vorhersage für Regen vertraut. Der Vorsitzende des Fachausschusses Winterdienst des VKS (Verband kommunale Abfallwirtschaft und Stadtreinigung) im  VKU (VKU=Verband kommunaler Unternehmen) Dr.-Ing. Horst Hanke, brachte es später mit folgendem Satz auch noch mal ziemlich auf den Punkt: „Es reicht nicht aus abends die Wetterkarte in der Tagesschau zu gucken, um zu entscheiden, ob man am nächsten Morgen den Winterdienst einsetzen muss.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s