Gesamtgesellschaftliche Berechnung der Strompreise

Veröffentlicht: 12. April 2011 in Atomdiskussion, Gesundheit, Politik, Umwelt

Die Menschen nutzen radioaktive Stoffe in vielfältiger Weise zum Beispiel zur Gewinnung von Strom, in der Medizin und der Industrie. Dabei fallen radioaktive Abfälle an, die wegen der mit ihnen verbundenen Gefahren sicher endgelagert werden müssen. In Deutschland ist der Staat für die Endlagerung verantwortlich. Als geeignete Lösung für die Endlagerung aller Arten radioaktiver Abfälle wird in Deutschland die Einlagerung in tiefe Bergwerke und deren nachfolgender dauerhafter Verschluss angesehen.

Radioaktive Reststoffe und Abfälle fallen in Deutschland hauptsächlich an

  • im Zusammenhang mit der Stromerzeugung durch Kernkraftwerke,
  • bei Forschungs- und Entwicklungsarbeiten,
  • in Medizin und Industrie sowie
  • bei Stilllegung und Abbau kerntechnischer Einrichtungen.

Die Menge an Abfällen aus der Medizin ist dabei zu vernachlässigen, sie beträgt weniger als 0,5 Volumen-%.

Es ist zu berücksichtigen, dass die bei der Wiederaufarbeitung von abgebrannten Brennelementen aus deutschen Kernkraftwerken in Frankreich und England anfallenden Abfälle vertragsgemäß nach Deutschland zurückgeliefert werden. Hinzu kommen die abgebrannten Brennelemente, die ohne Wiederaufarbeitung als hochradioaktiver Abfall direkt endgelagert werden.

(Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz)

Die Radiotoxizität nimmt (zum Unterschied von der Toxizität vieler chemischer Abfälle, die zeitlich konstant bleibt) entsprechend der Halbwertszeiten ab.

Wenn die Radiotoxizität das entsprechende rechnerische Niveau eines Uranerzlagers vor dem Abbau durch den Menschen erreicht, wird eine mögliche Gefährdung von manchen Personen akzeptiert. Ein fehlendes Risiko liegt dann jedoch immer noch nicht vor.

Bei der Endlagerung nach einer so genannten Wiederaufarbeitung, bei der im Wesentlichen nur Spaltprodukte endgelagert werden, wird dieser Zustand nach etwa 1000 Jahren erreicht.

Allerdings müssen auch die langlebigen Radionuklide irgendwann endgelagert werden. Bei der direkten Endlagerung von langlebigen Stoffen wie Uran und Plutonium, dauert das mehr als 1000 Mal länger (> 1 Million Jahre).

Bei einigen der endzulagernden Radionuklide (z.B. J-129, Np-237) beträgt der Gefährdungszeitraum sogar viele Millionen Jahre.

Es ist anzumerken, dass bei der so genannten Wiederaufarbeitung zwischen 0,1% und 1% der langlebigen Nuklide im Abfallprodukt verbleiben. Eine Endlagerung über die oben genannten 1000 Jahre ist somit auch dort zwingend erforderlich.

(Quelle: wikipedia)

In Anlehnung an Anforderungen des AkEnd (2002) sowie der Sicherheitskriterien (Baltes et al. 2002) wurde von einem notwendigen Isolationszeitraum, d.h. der Zeitraum für den die Schadstoffe im einschlusswirksamen Gebirgsbereich des Endlagers zurückgehalten werden müssen, in der Größenordnung von 1 Mio. Jahre ausgegangen.“

(Quelle: Synthesebericht des Bundesamtes für Strahlenschutz, Salzgitter, 4. November 2005, S. 39.)

Kurz zusammengefasst heißt das, dass wir für mindestens 1.000.000 Jahre Endlagern müssen und der Staat, also die Allgemeinheit dafür verantwortlich ist, also zahlen muss. Das lässt bei mir eine kleine Rechnung entstehen:

In Ostdeutschland und in einigen westlichen Bundesländern gilt soll nach derzeitigem Stand von 1. Juni 2011 an ein Mindestlohn von 6,53 Euro pro Stunde.

Es ist unzweifelhaft, dass an einem Endlager mindestens eine Wachmannstelle an 24 Stunden zu besetzen ist. (siehe auch: Endlagerüberwachung)

24 Stunden multipliziert mit 6,53 Euro/Stunde ergeben 156,72 Euro/Tag.

156,72 Euro/Tag multipliziert mit 365 Tagen ergeben 57.202,80 Euro/Jahr.

Bei 1000 Jahren Endlager für Spaltprodukte summiert sich das auf über 57 Millionen Euro. (57.202.800 Euro/1000Jahre).

Da aber von mindestens 1 Million Jahre Isolationszeitraum ausgegangen wird ergeben sich Kosten von über 57 Milliarden Euro. (57.202.800.000 Euro/1Mio.Jahre)

Siebenundfünfzig Milliarden Euro für EINEN Wachmann! Und das ohne Tarifsteigerung.

Natürlich wissen alle, dass man nicht mit einem Wachmann auskommt, dass das Gelände besonders vorbereitet und nachbereitet werden muss und so weiter. Ich will hier nur deutlich machen, dass enorme Kosten entstehen, die sich im Strompreis nicht wiederfinden, wohl aber in Steuern, Gebühren und Abgaben

Bei der Verstromung fossiler Brennstoffe (Kohle, Öl, Gas) werden die Folgekosten für die Anpassung an den Klimawandel auch nicht in den Strompreis eingerechnet. Lediglich bei den erneuerbaren Energien findet man ehrliche Strompreise, da Herstellung, Montage und Verschrottung der Anlagen vom Erzeuger mit in die unternehmerische Kalkulation fließen. Insofern ist es ein Märchen, dass Ökostrom teurer ist als Atom- oder Kohlestrom.

Wer augenscheinlich billigen Strom kauf zahlt mit seinen Steuern und Gebühren kräftig oben drauf.

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