Koop-Gräber jetzt auch auf Mülheimer Friedhof

Veröffentlicht: 3. Dezember 2010 in Bezirksvertretung, Höhenberg, Köln, Politik, Stadtbezirk Kalk, Stadtentwicklung, Umwelt, Umweltausschuss

Wer mein BLOG aufmerksam verfolgt, der kennt das Thema schon. Vorsichtshalber hab ich unten noch mal in chronoligischer Reihenfolge meine bisherigen Beiträge zum Thema aufgelistet.

Als das Thema im letzten Umweltausschuss behandelt wurde, war ich gerade auf der Toilette, doch Herr Muck von der Friedhofsverwaltung (das ist übrigens der, der im Sommer wegen des Fisch- und Entensterbens schon mal in den Schlagzeilen war) beruhigte mich, dass er persönlich in die BV nach Kalk käme, um sich dort mit mir auseinander zu setzen … äh … um die Bezirksvertreter von dem Projekt zu überzeugen … äh … um das Projekt vorzustellen.

Tatsächlich hielt Herr Muck am 02.12.2010 den Anwesenden einen anschaulichen Werbevortrag für das

Eingang des Mülheimer Friedhofes in Köln-Höhenberg, Frankfurter Str.

Eingang des Mülheimer Friedhofes in Köln-Höhenberg, Frankfurter Str.

Projekt der Friedhofsgärtnergenossenschaft, welches jetzt auch in Höhenberg auf dem Mülheimer Friedhof umgesetzt werden soll. Das Schaulaufen hatte begonnen. Da Herr Muck und ich ja nun schon häufiger aufeinander getroffen waren, wussten wir beide, was uns erwarten wird und tauschten unsere Positionen nun für die Kalker Öffentlichkeit aus. Nun habe ich mir seine Ausführungen nicht notiert und kann sie deshalb hier auch nicht wieder geben, aber die entsprechenden städtischen Dokumente, sowie meine Stellungnahme kann ich hier darstellen.

Mein Beitrag in der BV, wie ich ihn ungefähr gehalten habe:

„Nichts gedeiht ohne Pflege“ – dieser Ausspruch des berühmten preußischen Gartenkünstlers und Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné* ist mehr als 140 Jahre nach dessen Tod aktueller denn je.

Nun ist allgemein bekannt, dass die Pflegestandards in Kölner Grünanlagen und auch auf den Friedhöfen in den letzten Jahren immer weiter nach unten geschraubt wurden.

Mit dem ersten KoopGrabfeld auf Melaten ist die Stadt einen neuen Weg gegangen, nämlich dass sie Teile der städtischen Friedhöfe in die Pflegeobhut privater Unternehmen gegeben hat und dafür auch bezahlt.

Diese Maßnahme wurde unter anderem damit begründet, dass auch in der Bestattungskultur mehr Individualität gewünscht sei. Nach der ersten Umsetzung beruft sich nun die Verwaltung auf einen positiven Erfahrungsbericht und reicht in mehreren Bezirksvertretungen neue Vorlagen ein.

Zu diesem Erfahrungsbericht komme ich später noch.
Jedenfalls ist festzustellen, dass die Vorlagen der Friedhofsgärtner nicht wirklich originell sind. Überall werden fast identische Konzepte vorgelegt. Friedhöfe aber haben nicht nur einen kulturellen und ökologischen Wert. Sie fördern auch die regionale Identität. Wenn ich aber nun in allen Stadtbezirken auf allen Friedhöfen Auengärten, Rosengärten und Pfad der Erinnerung vorfinde, schwindet damit die regionale Identität und führt zu Uniformität.

Auch die KoopGräber selbst lassen den Kunden nur wenig Freiraum zur individuellen Gestaltung, entweder ist gar keine Bepflanzung oder Grabstein mehr vorgesehen oder es wird streng vorgegeben, was aufgestellt werden darf.

Wie versprochen eine Bemerkung zum angeblich positiven Erfahrungsbericht:
Bei lediglich 51 belegten Grabflächen auf dem Koopfeld auf Melaten, lassen sich objektiv keine Rückschlüsse ziehen, ob dies überhaupt zumundest zum Teil dazu beigetragen hat, dass in Köln die Bestattungszahlen angestiegen sind.

Aber mal ganz davon abgesehen, bin ich der festen Überzeugung, dass es die Stadt Köln gar nicht nötig hätte thematische Grabfelder von Privatfirmen anlegen und pflegen zu lassen. Schauen Sie mal der Meister im Rheinpark der Herr Böckmann war früher auch Leiter des botanischen Gartens und der Flora, im botanischen Garten hat Herr Rösner die erste Palmenallee Deutschlands angelegt, wollen Sie mir weiß machen, dass solche qualifizierten städtischen Gärtner nicht in der Lage wären die Kölner Friedhöfe auf zu peppen, wenn man sie denn ließe.

Stattdessen baut die Stadt kontinuierlich Stellen im Grünbereich ab. Da ist im Endeffekt eine Vergabe an Privatfirmen nur die Konsequenz, aber abzulehnen.

Das Personalproblem wurde in der Tat vom kleinen Muck anerkannt und auch als Problem benannt, was ihm aus dem Publikum den ungeahndeten Zwischenruf einbrachte: „Dann müsst Ihr Leute einstellen.“

Für alle die noch den Vorlagenkram lesen wollen, hier die städtischen Seiten, um die Dokumente zu laden:

Gestaltungsplanung Kooperationsgrabfeld auf dem Friedhof Mülheim

Erfahrungsbericht zum ersten Kooperationsgrabfeld auf dem Friedhof Melaten, der den Bezirksvertretern im Übrigen vorenthalten wurde.

Bisherige Threads:

Keine Privatisierung der Friedhöfe
Veröffentlicht am 30. September 2008

„Bitte nicht auf Melaten“
Veröffentlicht am 24. Dezember 2008

Friedhöfe auch in die Bezirksvertretungen
Veröffentlicht am 10. Februar 2009

Alle für einen
Veröffentlicht am 26. März 2009

*Peter Joseph Lenné – Wikipedia

Advertisements
Kommentare
  1. HP Fischer sagt:

    hier noch ein Link zu einem Artikel im Kölner Stadtanzeiger, der Redaktionelle Werbung für Koopfelder macht.
    http://www.ksta.de/html/artikel/1288741390882.shtml

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s