AZ: Sparkasse reagiert auf Legalisierungsvorschlag mit Wassersperre

Veröffentlicht: 14. Oktober 2010 in Bezirksvertretung, Für Sie gelesen, Kalk, Köln, Politik, Stadtbezirk Kalk, Stadtentwicklung

Trotz eines sechsmonatigen Duldungsstatus wandten sich die Besetzer_innen
des Autonomen Zentrums in der Wiersbergstraße 44, Köln-Kalk, am 19.
September mit einem Legalisierungsvorschlag an die Eigentümerin des
Gebäudes. Eine Antwort folgt drei Wochen später: die Stadtsparkasse
Köln-Bonn kappt die Wasserzufuhr zum besetzten Haus.

Bereits im August wurde dem Autonomen Zentrum die Stromversorgung
abgestellt. Beides geschah ohne Vorankündigung, was schwere Folgen hätte
nach sich ziehen können. Lutz, ein Besetzer, ist aufgebracht: „Als damals
die Lichter ausgingen war es nach 21 Uhr und es haben sich viele Menschen
im Haus aufgehalten. Es hätte sonst was passieren können! Und nun stellen
die das Wasser einfach so ab, wo sie ganz genau wissen wie viele Menschen
hier auf trinkbares Wasser und funktionierende Sanitäranlagen angewiesen
sind. Das ist verantwortungslos!“ Fallbezogene Gerichtsurteile früherer
Hausbesetzungen untersagen aus hygienischen Aspekten ausdrücklich das
Abstellen von Wasser. Insbesondere müssen die Besetzter_innen der
Wiersbergstraße auch über die Auflagen von Brandschutzmaßnahmen hinaus
weitere Vorkehrungen treffen.

In Ihrem Legalisierungsanschreiben an die Sparkasse berufen sich die
Besetzer_innen auf die Gutachten des Architekten Bodo Marciniak und des
Bauaufsichtamtes der Stadt Köln, in denen beide eine Eignung des Gebäudes
zur Nutzung als Veranstaltungsort bestätigen. Des Weiteren erklärten sie
sich bereit, im Rahmen eines legalen Mietverhältnisses alle
Renovierungsarbeiten am Haus und die Nebenkosten zu übernehmen. Sie sind
bereit, einen Verein zu gründen, der der Eigentümerin als Rechtspartner
dienen soll. Dazu Peter aus dem Autonomen Zentrum: „Unser
Legalisierungsvorschlag bietet allen Parteien Vorteile. Wir könnten das
Haus zu realistischen Konditionen legal nutzen – und die Sparkasse würde
Kosten sparen, weil wir es in Stand halten und alle Nebenkosten
übernehmen. Der derzeit von der Sparkasse beschäftigte und sowieso
überflüssige Sicherheitsdienst würde auch wegfallen.“

Die Sparkasse hat sich einem direkten Dialog mit den Hausbesetzern
verschlossen. Zwei Tage nach Versand des Schreibens wurde jedoch bekannt,
dass die Stadt Köln die Sparkassen-Tochterfirma Savor Immobilien, die
Eigentümerin der Wiersbergstraße 44 ist, kaufen will. Dazu Besetzer Peter:
„Letztendlich freuen wir uns, dass wir ab dem nächsten Jahr direkt mit der
Stadt Köln über die Legalisierung des Autonomen Zentrums verhandeln
können. Wir sehen die Stadt in der Pflicht, die Etablierung des Autonomen
Zentrums als wichtigen Ort für Politik, Kunst und Kultur anzuerkennen. Die
in unserem Schreiben an die Sparkasse genannten Eckpunkte für eine
Legalisierung gelten natürlich auch für die neue Eigentümerin.“ Die
Wassersperre sieht er eher als Herausforderung und eine Bestätigung: „Der
unproduktive Dialogverlauf der letzten Monate zeigt mir, dass mein Einsatz
für die Schaffung von Freiräumen notwendig ist. Das Anliegen hunderter
Mitbewohner von Köln, speziell im rechtsrheinischen Bereich, wird nicht
gehört. Ja, sogar angegriffen. Aber eben dieses Verhalten gibt uns die
Ausdauer weiter zu machen. Wir haben eine Lösung für die Stromversorgung
gefunden, also werden wir uns von diesem Problem auch nicht einschüchtern
lassen!“

Die Besetzer_innen der Wiersbergstraße werden in den nächsten Monaten ein
abgezieltes Legalisierungskonzept fertigen, dass der Stadt direkt nach dem
Kauf des Gebäudes vorgelegt werden kann.

Währenddessen feiert das Autonome Zentrum am Samstag, den 16.Oktober, sein
halbjähriges Bestehen. Zu diesem Anlass gibt es ab 18:00 Uhr ein
Veranstaltungsprogramm mit Theater, Kino, Konzerten und einer
Infoveranstaltung. Jede Woche finden weiterhin zwischen 5 und 15
Veranstaltungen im Autonomen Zentrum statt.

Pressemitteilung: Autonomes Zentrum Köln
Wiersbergstrasse 44. | Haltestelle Kalk Kapelle
unsersquat@riseup.net | unsersquat.blogsport.eu

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