Erst Karstadt-Quelle, jetzt Köln-Messe?

Veröffentlicht: 10. Juni 2010 in DIE LINKE, Für Sie gelesen, Köln, Politik

Reißen Middelhoff und Schickedanz die KölnMesse ins Unglück?

Was auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben scheint, könnte aber dennoch zusammen hängen. Dazu muss ein klein wenig ausgeholt werden.

Madeleine Schickedanz ist von Beruf Erbin. Als einzige Tochter von Grete und Gustav Schickedanz, musste sie sich in den fast 67 Jahren ihres bisherigen Lebens jedenfalls nie um ihr Einkommen sorgen. Auch wenn Schickedanz mal gegenüber einer Boulevardzeitung äußerte, dass sie kaum Geld habe und beim Discounter einkaufen müsse, scheint dies bei näherer Betrachtung ihrer Vermögensverhältnisse (dazu unten mehr) doch eher zum Einsammeln von Mitleid gedient zu haben. Von 1994 bis 2009 war Schickedanz Honorarkonsulin von Griechenland.

Thomas Middelhoff entstammt ebenfalls einer Unternehmerfamilie. Er hatte eine leitende Position in der väterlichen Middelhoff GmbH. Unter anderem war er beim Aufbau eines Produktionsbetriebs in Griechenland beteiligt. Später war Middelhoff bei der Bertelsmann AG beschäftigt und ließ diese mit AOL Europe das Joint Venture AOL Deutschland gründen, was nach 3 Jahren wieder beendet wurde. 2000 stieg Bertelsmann dann unter Middelhoffs Leitung in die damalige Tauschbörse Napster ein, die 2002 Konkurs anmelden musste. Aus dieser Zeit stammen Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen, die erst 2007 durch Zahlung von dreistelligen Millionensummen endgültig beigelegt wurden. Doch da war Middelhoff schon längst weg. Schließlich bestellte ihn 2004 die KarstadtQuelle AG zu ihrem Aufsichtsratvorsitzenden und auf Wunsch von Frau Schickedanz wurde er 2005 zum Vorstandschef. Wo das schließlich endete ist bei Quelle bekannt und bei Karstadt noch offen.

Nicht verschwiegen werden darf natürlich, dass Middelhoff auch die RTL Group aufbaute. Am 05. Juni sendete RTL zum ersten Mal aus den umgebauten Kölner Messehallen. Um RTL in Köln zu halten, hatte die Politik diesen Standort aus dem Hut gezaubert. Dafür mussten dann aber für die KölnMesse GmbH neue Hallen her. Das führte zum Geschäft mit dem Esch-Oppenheim-Fonds, der die Messehallen baute, diese der Stadt mit einer Laufzeit von 30 Jahren vermietet. Die Stadt untervermietet sie dann der KölnMesse GmbH. Dieses hochkomplizierte Dreiecksgeschäft belastet nicht nur den Kölner Stadthaushalt und damit die Bürger Kölns, sondern ist vom Europäischen Gerichtshof als unrechtmäßig beurteilt worden. Allerdings wird der Stadt Köln die Möglichkeit eingeräumt mit dem Esch-Oppenheim-Fonds nach zu verhandeln. Da die Verhandlungen aber anscheinend nicht zu einem Ergebnis führten, hat die EU eine letzte Frist gesetzt.

Am 09.06. brachte BILD-Köln unter der Überschrift „MESSE-WAHNSINN“ einen Artikel, dass die Verhandlungen geplatzt seien. In diesem Artikel wird der Chef der Kölner Linksfraktion mit den Worten zitiert:

Steuervorteile und Riesenprofite wollen die Damen und Herren des Oppenheim-Esch-Fonds nicht aufgeben. Jetzt wollen sie die Kölnmesse und damit die ganze Stadt ins Unglück reißen.

Am 10.06. schließlich forderte die Kölner Linksfraktion einige Investoren in den Esch-Oppenheim-Fonds namentlich auf, auf Profite und Steuervorteile zu verzichten. Zitat aus Pressemitteilung der LINKEN:

Die Fraktion DIE LINKE. fordert die Mitglieder des Fonds, unter ihnen Josef Esch, Madeleine Schickedanz, Baronin Corinna und Karin von Ullmann, Hubertus Benteler, die Familie Deichmann, Dr. Thomas Middelhoff, die Familie Graf von Krockow und die Familie von Oppenheim auf: „Verzichten sie auf ihren Steuervorteil und die Supergewinne, kehren sie auf den Boden der Tatsachen und der Demokratie zurück!“

 So und jetzt wird’s spannend. Erstens kann Frau Schickedanz als Anlegerin in diesem Fonds nicht ganz so mittellos sein, wie sie vorgibt und zweitens hat Middelhoff schon mal mit Oppenheim zu tun gehabt. Zwar wird in der Presse immer auf den Besitzer der Karstadt-Immobilien „Highstree“ verwiesen, aber Middelhoff hatte 5 Karstadt-Häuser an den Oppenheim-Esch-Fonds verkauft, der fortan an jedem dritten Werktag im Monat rund 3 Millionen Euro Miete kassierte. Die Staatsanwaltschaft Essen leitete nach einer Prüfung von Unterlagen am 12. Juni ein Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs der Untreue gegen Middelhoff ein. Der Grund war Middelhoffs persönliche Beteiligung am Oppenheim-Esch-Fonds! Das Verfahren dauert noch an und führt im Senat der Uni Münster für hörbare Unruhe. Der dortige Hochschulrat, dem auch Middelhoff angehört, hat nämlich kürzlich eine Finanzkomission gebildet, die die finanzielle Verwaltung der drittgrößten deutschen Hochschule überwachen soll. Tja und damit wurde Middelhoff betraut.

Middelhoff erklärte zu seinem Abschied bei Arcandor 2009:

 „Ich übergebe das Unternehmen am 1. März sicher nicht vollständig besenrein, aber geordnet und aufgeräumt“, und hinzugefügt: „Wir haben das Unternehmen gerettet.“

Anfang Juni 2009 musste Arcandor Insolvenz anmelden.

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