Schorlemmer: „Nach der Westerwelle folgt bald die Osterwelle“

Veröffentlicht: 1. Oktober 2009 in DIE LINKE, Für Sie gelesen, Hartz IV

Hartz-IV-SPD vom Wähler in den Orkus* geschickt

* Im Deutschen wird „Orkus“ etwa im Sinn von Abgrund, Totenreich oder Unterwelt gebraucht. Wird z. B. davon gesprochen, dass etwas in den Orkus geht, ist gemeint, dass es dem Verfall anheim gestellt ist. Eine bekanntere Redewendung in diesem Zusammenhang ist der Orkus des Vergessens, der synonym zum Begriff der Vergessenheit gebraucht wird. [Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Orcus]

Leipzig (ots) – Der Wittenberger Theologe und Sozialdemokrat Friedrich Schorlemmer hat die Wahlniederlage der SPD als Katastrophe bezeichnet. „Die Menschen haben die Hartz-IV-SPD in den Orkus geschickt. Das ist ein langanhaltender Imageschaden für eine Partei,die zurecht den Anspruch vertritt, Anwalt der Schwachen zu sein„, sagte Schorlemmer der „Leipziger Volkszeitung“ (Donnerstag-Ausgabe).
Die SPD-Minister hätten zwar gute Arbeit geleistet, gerade in der sehr kritischen Phase im letzten Jahr. Diese Arbeit sei aber überhaupt nicht gewürdigt worden, überwogen hätten die Langzeitwirkungen der Agenda 2010.

  Scharfe Kritik äußerte Schorlemmer am Umgang der SPD mit der Agenda-Politik. „Wenn ich mich an die Arroganz und die Schnodderigkeit des Superministers Clement erinnere, wie der einen Sozialabbau ungeahnten Ausmaßes als Reform darstellte, dann frage ich mich, war das ein U-Boot oder noch ein Sozialdemokrat? Das war eine herzlose Vorstellung, die der Wähler nicht vergessen hat.“ 

Zudem beklagt Schorlemmer die fehlende Ehrlichkeit. „Eine Friedenspartei kann doch nicht so hasenfüßig sein, dass sich kein SPD-Minister beim Thema Afghanistan traut zu sagen: Wir sind im Krieg. Ein Sozialdemokrat muss immer an Rosa Luxemburg denken, die gesagt hat: Die erste revolutionäre Tat ist zu sagen was ist und zwar mit den richtigen Worten.

Der frühere DDR-Bürgerrechtler vermisst zudem einen Gesellschaftsentwurf, für den die SPD streiten soll. „Eine SPD ohne sozialpolitische Vision macht sich überflüssig. Die SPD ist immer eine Partei gewesen, die zwischen Vision und Pragmatismus zu unterscheiden wusste. Aber dafür muss man erst mal wieder eine Vision haben!“ Drei Dinge müssten klar sein in der Gesellschaft: „Du sollst dich voll einsetzen mit deiner Kraft, es lohnt sich auch, aber die das nicht können, die fangen wir auf. Die starken Schultern müssen auch stark schultern können.“

Zum vermutlich neuen SPD-Parteichef Sigmar Gabriel  sagte Schorlemmer: „Ich finde es ein bisschen hurtig, wie er sich jetzt ins Spiel bringt. Ich würde Sigmar Gabriel bitten: Sag erst, was du willst und nicht erst, ich will.“

  Der Wittenberger Theologe rechnet nicht mit einer erneut 16-jährigen Oppositionszeit der SPD. Die Die SPD muss aber jetzt genauer bei Willy Brandt nachlesen. „Brandts Merksatz lautet: Für Sozialdemokraten ist es wichtig, nicht um der Macht willen aufzuhören, Sozialdemokrat zu sein.“ Schwarz-Gelb werde schnell an Grenzen stoßen, wenn sie den Staat weiter verschlanken wollen. „Der Staat wird gerade wichtig als Bändigungsinstrument einer Freiheit, die zur Maßlosigkeit wird. Die absurde Steuersenkungsrhetorik Westerwelles wird sich verbrauchen. Ich bin überzeugt: Nach der Westerwelle folgt bald die Osterwelle.“

  Der SPD empfiehlt Schorlemmer „ein Ende der Dämonisierung der Linkspartei“ und eine Öffnung für rot-rote Bündnisse. „In jeder Partei vernünftige Leute gibt, mit denen man reden kann. Man darf die Linke nicht generell tabuisieren. Wir müssen den offenen Streit mit ihr wagen, und zwar vor allem dort, wo die Linke populisitisch wird.“
Dabei dürfe sich die SPD aber nicht auf einen „irrealen sozialpolitischen Wettbewerb“ mit den Linken einlassen. „Sie muss vielmehr den Sozialutopismus der Linken klar benennen. Und sie muss die Lernfähigkeit der Linken ins Kalkül ziehen.

  Eine Fusion von Linke und SPD will Schorlemmer nicht ausschließen:
Auf Dauer können die sozialdemokratische und sozialistische Linke nicht nebeneinander existieren, ohne dass es einen gnadenlosen Existenzkampf gibt. Das ist zwar Zukunftsmusik, aber man darf es nicht von vornherein ausschließen oder die Parallele zur Zwangsvereinigung 1946 ziehen. Denn dann dämonisiert man schon wieder die Linke. Die hat heute aber weder Mielkes Stasi-Mannen noch sowjetische Panzer.“

Originaltext: Leipziger Volkszeitung

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