Jean Löring Sportpark?

Veröffentlicht: 5. Mai 2009 in Höhenberg, Köln, Stadtbezirk Kalk

Die Kölner CDU beantragt auf der heutigen Ratssitzung unter anderem die Bezirkssportanlage Süd in „Jean Löring Sportpark“ umzubenennen. Sie verweist darauf, dass Löring langjähriger Präsident und Mäzen des SC Fortuna Köln war. Sie vergisst dabei zu nicht zu erwähnen, dass Löring eigentlich „Hans“ hieß und sich selbst gerne „Jean“ nannte. Was sie vergisst ist aber, dass die Kölner Löring gerne einfach nur „De Schäng“ nannten. Okay „Schäng-Sportpark“ hört sich schon ein wenig seltsam an, vor allem auch da der Kölner natürlich manchmal gerne „schänge deit“ :-).

Neben der Umbenennung, die was für das Herz der Südstadt-Fans sein soll, hat sich die CDU wohl auch gedacht, dass man ihren langjährigen Ratsherrn Klaus Ulonska ruhig ein wenig beim Wiederaufbau der Fortuna unterstützen könne. Ulonska, der zwanzig Jahre für die CDU im Stadtrat saß ist Präsident beim SC Fortuna.

Vier Jahre floss kein Geld ins Südstadion, da kommt das Superwahljahr gerade recht, glaubt man anscheinend bei der gebeutelten Kölner CDU und beantragt sowohl die Modernisierung als auch den Ausbau des Südstadions. Schöne Idee, nur dass die Kölner Sportstätten GmbH für 2009 schon längst Gelder für das Südstadion eingeplant hat. Einer Pressemitteilung vom 22.04. ist zu entnehmen:

„Des Weiteren ist für 2009 eine Investition in das Südstadion geplant. So wird neben der Sanierung der WC- und elektronischen Anlagen auch das Flutlicht repariert, um die Bestimmungen der höheren Fußball-Ligen zu erfüllen.“

In diesem Punkt also dürfte der Antrag als erledigt gelten. Kommen wir also zurück zum „Schäng“:
Jean Löring war bekannt als Elektriker, Mäzen und Patriach beziehungsweise Präsident des SC Fortuna Köln. Geschichten und Anekdoten ranken sich um ihn, seine Person und sein Handeln im Profifußball. Für Aufsehen sorgte Löring, als er den ehemaligen Nationalkeeper und Kölner Fußballidol Harald „Toni“ Schumacher am 15. Dezember 1999 in der Halbzeitpause des Spiels gegen den SV Waldhof Mannheim beim Stand von 0:2 (Endstand 1:5) als Trainer entließ. In diesem Zusammenhang soll Löring zu einem Journalisten auf die Frage nach der plötzlichen Entlassung Schumachers geantwortet haben: „Ich als Verein musste reagieren“. Irgendwie, mit viel persönlichem Engagement und viel privatem Geld schaffte es Löring, die kleine Fortuna 26 Jahre in der zweiten Bundesliga zu halten. In der ewigen Tabelle der 2. Liga steht Fortuna auf Platz 1 von 119 Mannschaften. Fortunas Jugendabteilung mit 500 Spielern, 25 Mannschaften und 90 Trainern sowie Betreuern stellt eine der größten Jugend-Fußballabteilungen in ganz Deutschland dar. Auch das ist nicht zuletzt ein Verdienst vum „Schäng“.

Was kaum Erwähnung findet ist Lörings aktive Zeit. Schließlich spielte der junge Hans Löring auch selbst mal aktiv Fußball (1958-1960) und zwar bei der Viktoria im rechtsrheinischen Köln, einem der ältesten Fußballvereine der Stadt. Ebenfalls 1958 stieg als Trainer Hennes Weisweiler ein, der im Gegensatz zu Löring bis 1964 bei der Viktoria blieb, nach Mönchengladbach wechselte und die Borussia zu einer der erfolgreichsten Mannschaften Europas formte.
Zu dieser Zeit blieb die Viktoria in Regionalliga West und Verbandsliga Mittelrhein stecken. Als Weißweiler 1978 mit dem 1.FC Köln dessen letzte Meisterschaft holte, konnte auch die Viktoria jubeln. Sie stieg in die zweite Liga Nord auf, wo sie bis zur Einführung der eingleisigen zweiten Liga blieb.

Einen Schwerpunkt legt die Viktoria traditionsgemäß auf die Jugendarbeit; 2004, im Jahr ihres 100jährigen Bestehens, trainierten 20 Mannschaften mit insgesamt 400 Kindern und Jugendlichen beim SCB Viktoria Köln.
Die CDU und mit ihr die gesamte Kölner Lokalpolitik sollte daran denken, schließlich spielt die Viktoria auch heute nur eine Klasse unter der Fortuna, hat eine ebenso erfolgreiche Geschichte und schillernde Personen in ihren Reihen gehabt.
Das Flughafen-Stadion hat mit 3000 mehr überdachte Sitzplätze als das Südstadion (2000) und der Sportpark Höhenberg zu dem es gehört, diente schon diversen Nationalmannschaften als Trainingsgelände. Zum Beispiel im Verlauf des Confederations-Cup 2005 und der Fußballweltmeisterschaft 2006: Da haben die Teams von Afrikameister Tunesien, Asienmeister Japan und dem späteren Vizeweltmeister Frankreich ihre Übungseinheiten im Sportpark Höhenberg absolviert.

Aber zum Wahlkampf sollte die Sportförderung wirklich nicht verkommen.

Viktoria:
SCB Viktoria Köln auf Wikipedia
Homepage des
SCB Viktoria Köln
Jugend des SCB Viktoria Köln
Freunde und Förderer der Jugendabteilung des SCB Viktoria Köln

Fortuna:
Offizielle Homepage der Fußballabteilung
Homepage der Damenabteilung
Homepage der Handballabteilung
Homepage „DeinFußballClub“

Stadt:
Stadt Köln
Rat der Stadt Köln

Kölner Sportstätten GmbH

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Kommentare
  1. kaviagratsel sagt:

    Sehr guter Beitrag. Wurde gerne noch weitere Informationen daruber erhalten.
    Besten Dank und gruss

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