„Bitte nicht auf Melaten“

Veröffentlicht: 24. Dezember 2008 in Umweltausschuss

So deutlich kommentierte Thomas van Nies vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) die illegal begonnene Grabfläche der Genossenschaft der Friedhofsgärtner. Zwar steht in der neuen Friedhofssatzung, dass die Stadt Köln „im Rahmen von Kooperationen mit fachlich qualifizierten Partnern“ so genannte „besonders gestaltete Grabfelder“ anbietet. Dass man sich aber unter „besonders gestaltet“ eine Baumarktausstellung vorstellen muss, die zudem den Denkmalschutz missachtet, kann nicht sein. Wir hatten hier schon berichtet.
Im Umweltausschuss und im Ausschuss AVR versuchte DIE LINKE. mit Anfragen und Anträgen mehrfach, die Teilprivatisierung der Kölner Friedhöfe zu stoppen.
Dass sich nun der RVDL, aber auch schon länger die Bestatter, der Katholikenausschuss, die Obdachlosenverbände, die Steinmetze und der Personalrat der Stadt äußerst kritisch zu den Plänen der Stadt äußern, gibt uns Recht. Wer sein Eigentum anderen überlässt, der darf sich eben nicht wundern.
Die bisherigen Befürworter der so genannten Kooperationen stecken in der Zwickmühle. Einerseits dämmert ihnen durch unser permanentes Nachfragen langsam, welche Geister sie da riefen. Andererseits sprach Josef F. Terfrüchte, der Geschäftsführer der Friedhofsgärtnergenossenschaft, ja offiziell von Signalen aus der Politik, die ihn zum illegalen Baubeginn bewogen hätten. Die Lösung ist beinah typisch kölsch. Die Friedhofssatzung wird mit dem umstrittenen § 27 verabschiedet, aber mit der Einschränkung, dass die Politiker jetzt erstmal den Kooperationsvertrag für Melaten prüfen wollen. Für ein Jahr soll es keine weiteren Kooperationsverträge geben. Mit anderen Worten: Es bleibt erst mal wie es ist, doch der bisher illegale „Garten der Lichter“ soll möglichst legalisiert werden.
Allerdings könnte hier der Denkmalschutz dem doch wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Zwar behauptet die Stadt, dass es sich hier um ein nicht schützenswertes Gräberfeld gehandelt habe, unterschlägt
hierbei jedoch, dass der gesamte Melaten-Friedhof in seiner Anlage denkmalgeschützt ist. Das neuerrichtete Gräberfeld jedoch läuft der gesamten Wegestruktur zuwider.
Gartendenkmalpflegerische Kontinuität und Qualität seien missachtet worden und das Arbeiten völlig ohne Sichtachsen konterkariere alle historischen Vorlagen, lässt der RVDL verlauten. Damit könnten sich Terfrüchte und Co. natürlich auch selbst ins Abseits gestellt haben.
Das Thema wird uns also auch im nächsten Jahr noch beschäftigen, wenn wir erfahren, ob dieser modernistische Gestaltungsversuch nun der Anfang oder schon das Ende der geplanten Teilprivatisierung der städtischen Friedhöfe ist.

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