Archiv für Politik

Termin: 02.11.09 – „Was nützen soziale Projekte?“

Gerade in Zeiten knapper Kassen sind vor dem Start sozialer Projekte auch immer Fragen der Finanzierung zu klären. Dabei werden zwangsläufig Fragen nach den Kosten und dem Nutzen gestellt. Eine Kosten-Nutzen-Analyse erscheint daher für die Sozialarbeit eine zwingende strategische Notwendigkeit. Allerdings müssen hierbei Chancen und Gefahren sorgfältig und unvoreingenommen abgewogen werden.

Die Aussicht auf eine Akzeptanz von angestrebten sozialen Dienstleistungen darf nicht dazu führen, bei der Bewertung der Erfolgsaussichten einseitige und sachfremde Kriterien anzulegen. So ist beispielsweise entscheidend, aus wessen Perspektive eine Analyse durchgeführt wird und welche Folgen über welchen Zeitraum gemessen und wie bewertet werden.

Diese Fragen beleuchtet Prof. Dr. Werner Schönig am Montag, 2. November 2009, um 19 Uhr im Rathaus Spanischer Bau, Ratssaal in seinem Vortrag „Was nützen soziale Projekte? – Bewertungskonzepte aus ökonomischer Sicht“.

Der Volkswirt von der Katholischen Hochschule NRW stellt dabei zwei Studien vor, eine Studie zur Beschäftigungsförderung und eine Studie zu Mutter-Kind-Kuren. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe „Wissenschaft im Rathaus“ statt. Zu Beginn wird Sozialdezernentin Marlis Bredehorst in Vertretung von Oberbürgermeister Jürgen Roters ein Grußwort an die Gäste richten und in das Thema einführen.

Schönig hat sich bereits im Studium auf Sozialwesen spezialisiert und beschäftigt sich in seinen Forschungen mit sozialen Diensten und Armut, kommunalen Handlungskonzepten sowie sozialökonomischen Fragestellungen. Der Wissenschaftler nimmt neben seiner Lehrtätigkeit auch Gutachter- und Beratungsaufgaben wahr. Aktuell ist er Beiratsmitglied im DFG-Projekt „Das Menschenrecht auf Bildung“ und im Beirat, der die Leitlinien für ein soziales Köln erstellt.
Mit welchen Themen sich der Volkswirt in zehn Jahren beschäftigen wird und was ihn an seiner Arbeit fasziniert, erfährt man 
hier.

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Jedes zweite Wirbeltier gefährdet

Berlin (ots) – Anlässlich der heutigen Veröffentlichung der Roten Liste der gefährdeten Wirbeltierarten durch das Bundesamt für Naturschutz hat der NABU die neue Bundesregierung zu entschlossenem Handeln gegen das Artensterben aufgefordert. „Die Roten Listen sind der wichtigste Indikator für den Zustand der Arten in Deutschland. Fast die Hälfte unserer Wirbeltierarten sind in ihrer Existenz bedroht und bedürfen daher unmittelbarer Hilfe„, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Die Roten Listen beschreiben die Gefährdungssituation der Tier-, Pflanzen- und Pilzarten in unserem Land. Sie werden alle zehn Jahre unter Federführung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) zusammen mit zahlreichen ehrenamtlichen Expertinnen und Experten erarbeitet. Auch viele Ehrenamtliche im NABU haben als Experten die Roten Listen durch zahlreiche Daten unterstützt.

Die kurzfristigen Trends der Roten Liste zeigen, dass effektiver Natur- und Artenschutz dort erfolgreich ist, wo er unmittelbar wirken kann. Seehund, Wolf und Fischotter wären ohne konsequenten rechtlichen Schutz vor Verfolgung und ohne den Einsatz des Artenschutzes heute ausgestorben. Der Schutz von Arten muss daher verstärkt und finanziell solide ausgestattet werden, damit aus den Einzelfällen ein Trend und der weiter drohende Artenverlust verhindert wird„, betonte NABU-Artenschutzexperte Magnus Herrmann.

Um den Artenverlust zu stoppen, müssen vor allem die Gefährdungsursachen stärker bekämpft werden wie zum Beispiel die Vernichtung wertvoller Lebensräume durch den Umbruch von Grünland zu Äckern. Auch die mangelhafte Betreuung und Pflege bestehender Schutzgebiete trägt bis heute dazu bei, dass vermutlich das Ziel der EU-Staats- und Regierungschefs, das  Artensterben bis 2010 zu stoppen, zudem sich auch die Bundeskanzlerin verpflichtet hat, nicht erreicht wird.

Trotz strengen gesetzlichen Schutzes werden Arten wie Feldhamster, Kampfläufer und Kiebitz verschwinden, wenn der Naturschutz nicht konsequent verstärkt wird. Landnutzer und Eigentümer müssen bei dieser Aufgabe eingebunden und unterstützt werden, insbesondere die Landwirtschaft muss sich zu ihrer besonderen Verantwortung für die in der Kulturlandschaft lebenden Pflanzen und Tiere bekennen. Zudem müssen besonders artenreiche Lebensräume wie die Flussauen gesichert werden. Hier liegt noch Potential, wie auch der jetzt veröffentlichteZustandsbericht der deutschen Auen vor Augen führt.

Union und FDP müssen jetzt handeln und die Chance nutzen, den Tod  auf Raten selbst ehemals häufiger Arten zu verhindern. Wer die Bewahrung der Schöpfung und den Erhalt der Biologischen Vielfalt ernst nimmt, muss jetzt aktiv werden. Wir brauchen ein finanziell gut ausgestattetes Bundesprogramm Biologische Vielfalt, das Arten und Lebensräume erhält und damit die Biodiversitätskrise bewältigen kann„, so NABU-Bundesgeschäftsführer Miller.

Die Zeit läuft ab. Noch 451 Tage haben die europäischen Staaten, um das von ihnen gesetzte Ziel zu erreichen, das Artensterben in Europa bis zum Jahr 2010 zu stoppen.

Die NABU-Artenschutzuhr mit Countdown

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Keine weitere Privatisierung von Gesundheitsrisiken

Berlin (ots) – Zu den gesundheitspolitischen Diskussionen im  Rahmen der Koalitionsverhandlungen erklärt SoVD-Präsident Adolf  Bauer:

Der SoVD lehnt jede Ausweitung von Zusatzbeiträgen ab. Durch Zusatzbeiträge wird das Kostenrisiko einseitig auf die Versicherten  abgewälzt. Arbeitgeber werden aus ihrer Mitverantwortung entlassen. Gegenwärtig ist die Möglichkeit der Erhebung eines Zusatzbeitrags immerhin noch auf ein Prozent des Einkommens begrenzt. Alle Pläne, diesen Mindestschutz vor Überforderung abzuschaffen, sind ein weiterer Schritt in die falsche Richtung.

Der SoVD fordert, dass der Gesundheitsfonds alle Ausgaben deckt. Die Beitragsparität ist ein Grundprinzip der Gesetzlichen Krankenversicherung. Der SoVD drängt deshalb auf eine Rückkehr zur paritätischen Finanzierung, in der sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge jeweils zur Hälfte teilen. Sonder- und Zusatzbeiträge müssen wieder abgeschafft werden.

Der SoVD kritisiert die Vorschläge, Wahltarife in der gesetzlichen Krankenversicherung auszubauen. Wahltarife führen zu einer nicht hinnehmbaren Privatisierung von Gesundheitsrisiken. Durch Wahltarife werden Versicherte von Leistungen ausgegrenzt.

Der SoVD fordert: Die gesetzliche Krankenversicherung muss alle notwendigen medizinischen Leistungen für ihre Versicherten übernehmen. Die Solidarität in der gesetzlichen Krankenversicherung sollte gestärkt und nicht weiter abgebaut werden.

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Keine Kompromisse bei den Tabuzonen Kündigungsschutz und Mindestlohn

Berlin (ots) – Zu den Auseinandersetzungen zwischen FDP und Union im Vorfeld der Koalitionsverhandlungen erklärt SoVD-Präsident Adolf Bauer:

Unter der neuen Koalition darf es keine Einschränkung des Kündigungsschutzes geben. Eine Lockerung des Kündigungsschutzgesetzes und eine Einschränkung bei der Förderung der Kurzarbeit führen zu einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Auch bei weiteren Tabuzonen muss die Union zu ihren Versprechen stehen: Dem Vorhaben der Liberalen, die gesetzlichen Krankenkassen zu privatisieren, darf nicht nachgegeben werden. An den Regelungen, welche die Große Koalition im Bereich der Branchen-Mindestlöhne geschaffen hat, darf nicht gerüttelt werden. Die Rentengarantie muss bestehen bleiben. Der Dialog mit  Gewerkschaften und Verbänden sollte konstruktiv fortgeführt werden.

Die neue Regierung ist aufgerufen, die sozialen Sicherungssysteme zu erhalten und zu stärken. Die Folgen wachsender Arbeitslosigkeit und sinkender Reallöhne dürfen nicht auf dem Rücken sozial benachteiligter und älterer Menschen ausgetragen werden. Die Belastungen der Wirtschaftskrise sind nicht denjenigen aufzubürden, die sie nicht zu verantworten haben.

Es darf unter Schwarz-Gelb keine Sanierung des Bundeshaushaltes auf Kosten finanziell schwacher Bevölkerungsschichten geben. Ein Schutzschirm für die Menschen ist gerade in Zeiten der Krise unverzichtbar.

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Schorlemmer: „Nach der Westerwelle folgt bald die Osterwelle“

Hartz-IV-SPD vom Wähler in den Orkus* geschickt

* Im Deutschen wird „Orkus“ etwa im Sinn von Abgrund, Totenreich oder Unterwelt gebraucht. Wird z. B. davon gesprochen, dass etwas in den Orkus geht, ist gemeint, dass es dem Verfall anheim gestellt ist. Eine bekanntere Redewendung in diesem Zusammenhang ist der Orkus des Vergessens, der synonym zum Begriff der Vergessenheit gebraucht wird. [Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Orcus]

Leipzig (ots) – Der Wittenberger Theologe und Sozialdemokrat Friedrich Schorlemmer hat die Wahlniederlage der SPD als Katastrophe bezeichnet. „Die Menschen haben die Hartz-IV-SPD in den Orkus geschickt. Das ist ein langanhaltender Imageschaden für eine Partei,die zurecht den Anspruch vertritt, Anwalt der Schwachen zu sein„, sagte Schorlemmer der „Leipziger Volkszeitung“ (Donnerstag-Ausgabe).
Die SPD-Minister hätten zwar gute Arbeit geleistet, gerade in der sehr kritischen Phase im letzten Jahr. Diese Arbeit sei aber überhaupt nicht gewürdigt worden, überwogen hätten die Langzeitwirkungen der Agenda 2010.

  Scharfe Kritik äußerte Schorlemmer am Umgang der SPD mit der Agenda-Politik. „Wenn ich mich an die Arroganz und die Schnodderigkeit des Superministers Clement erinnere, wie der einen Sozialabbau ungeahnten Ausmaßes als Reform darstellte, dann frage ich mich, war das ein U-Boot oder noch ein Sozialdemokrat? Das war eine herzlose Vorstellung, die der Wähler nicht vergessen hat.“ 

Zudem beklagt Schorlemmer die fehlende Ehrlichkeit. „Eine Friedenspartei kann doch nicht so hasenfüßig sein, dass sich kein SPD-Minister beim Thema Afghanistan traut zu sagen: Wir sind im Krieg. Ein Sozialdemokrat muss immer an Rosa Luxemburg denken, die gesagt hat: Die erste revolutionäre Tat ist zu sagen was ist und zwar mit den richtigen Worten.

Der frühere DDR-Bürgerrechtler vermisst zudem einen Gesellschaftsentwurf, für den die SPD streiten soll. „Eine SPD ohne sozialpolitische Vision macht sich überflüssig. Die SPD ist immer eine Partei gewesen, die zwischen Vision und Pragmatismus zu unterscheiden wusste. Aber dafür muss man erst mal wieder eine Vision haben!“ Drei Dinge müssten klar sein in der Gesellschaft: „Du sollst dich voll einsetzen mit deiner Kraft, es lohnt sich auch, aber die das nicht können, die fangen wir auf. Die starken Schultern müssen auch stark schultern können.“

Zum vermutlich neuen SPD-Parteichef Sigmar Gabriel  sagte Schorlemmer: „Ich finde es ein bisschen hurtig, wie er sich jetzt ins Spiel bringt. Ich würde Sigmar Gabriel bitten: Sag erst, was du willst und nicht erst, ich will.“

  Der Wittenberger Theologe rechnet nicht mit einer erneut 16-jährigen Oppositionszeit der SPD. Die Die SPD muss aber jetzt genauer bei Willy Brandt nachlesen. „Brandts Merksatz lautet: Für Sozialdemokraten ist es wichtig, nicht um der Macht willen aufzuhören, Sozialdemokrat zu sein.“ Schwarz-Gelb werde schnell an Grenzen stoßen, wenn sie den Staat weiter verschlanken wollen. „Der Staat wird gerade wichtig als Bändigungsinstrument einer Freiheit, die zur Maßlosigkeit wird. Die absurde Steuersenkungsrhetorik Westerwelles wird sich verbrauchen. Ich bin überzeugt: Nach der Westerwelle folgt bald die Osterwelle.“

  Der SPD empfiehlt Schorlemmer „ein Ende der Dämonisierung der Linkspartei“ und eine Öffnung für rot-rote Bündnisse. „In jeder Partei vernünftige Leute gibt, mit denen man reden kann. Man darf die Linke nicht generell tabuisieren. Wir müssen den offenen Streit mit ihr wagen, und zwar vor allem dort, wo die Linke populisitisch wird.“
Dabei dürfe sich die SPD aber nicht auf einen „irrealen sozialpolitischen Wettbewerb“ mit den Linken einlassen. „Sie muss vielmehr den Sozialutopismus der Linken klar benennen. Und sie muss die Lernfähigkeit der Linken ins Kalkül ziehen.

  Eine Fusion von Linke und SPD will Schorlemmer nicht ausschließen:
Auf Dauer können die sozialdemokratische und sozialistische Linke nicht nebeneinander existieren, ohne dass es einen gnadenlosen Existenzkampf gibt. Das ist zwar Zukunftsmusik, aber man darf es nicht von vornherein ausschließen oder die Parallele zur Zwangsvereinigung 1946 ziehen. Denn dann dämonisiert man schon wieder die Linke. Die hat heute aber weder Mielkes Stasi-Mannen noch sowjetische Panzer.“

Originaltext: Leipziger Volkszeitung

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Armut macht wahllos

Interview mit Armin Schäfer, der am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung die Folgen sinkender Wahlbeteiligung auf die Demokratie erforscht hat

Armin Schäfer ist Politikwissenschaftler und arbeitet seit 2001 am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Er untersucht den Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und politischer Teilhabe in Deutschland und international vergleichend. Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung

Armin Schäfer ist Politikwissenschaftler und arbeitet seit 2001 am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Er untersucht den Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und politischer Teilhabe in Deutschland und international vergleichend. Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung

Die Landtagswahlen in Sachsen oder Thüringen, aber auch die Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen haben es wieder einmal deutlich gezeigt: Wie in vielen anderen etablierten Demokratien sinkt auch in Deutschland die Wahlbeteiligung. „Noch nie haben so wenige Bürger ihr Recht zu wählen genutzt wie heute„, sagt der Politikwissenschaftler Armin Schäfer. Am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln hat er die Folgen dieses Trends untersucht und sieht Gefahr im Verzug für die politische Gleichheit: „Wir müssen aufpassen, dass nicht Teile der Bevölkerung von der politischen Teilhabe abgekoppelt werden.“

Bei den Wahlen in diesem Jahr stagniert oder sinkt die Wahlbeteiligung mit wenigen Ausnahmen. Zeichnet sich ein Szenario für die Bundeswahl ab?

Schäfer: Falls der Trend der vergangenen Jahre anhält, müssen wir auch bei der Bundestagswahl mit einer niedrigeren Wahlbeteiligung rechnen.
Bei Kommunal-, Landtags- und Europawahlen sinkt die Wahlbeteiligung seit drei Jahrzehnten. Ein Teil dieser Entwicklung stellt eine Normalisierung gegenüber der ungewöhnlich hohen Beteiligung von um die 80 Prozent in den siebziger Jahren dar. Doch inzwischen liegen wir unter dem Niveau der fünfziger und sechziger Jahre. Bei Landtagswahlen gaben seit dem Jahr 2000 im Durchschnitt nur noch 60 Prozent der Wahlberechtigten die Stimme ab, bei Kommunalwahlen lediglich 54 Prozent. Eine Wahlbeteiligung von unter 50 Prozent ist längst keine Seltenheit mehr. Bundestagswahlen sind bislang weniger stark von diesem Rückgang betroffen, auch wenn die Wahlbeteiligung 2005 fast 13 Prozentpunkte unter der Rekordbeteiligung von 1972  [Anmerkung: Das war die "Willy-Wahl"] lag.

Liegt Deutschland im internationalen Trend?

Schäfer: Ja, in fast allen entwickelten Demokratien sinkt die Wahlbeteiligung bei Parlamentswahlen – allerdings in unterschiedlichem Tempo und von unterschiedlichem Niveau ausgehend. Während beispielsweise in Belgien, einem Land mit Wahlpflicht, die Beteiligung weiterhin über 90 Prozent liegt, ist sie in der Schweiz niedriger als 50 Prozent. Deutschland liegt bei Bundestagswahlen weiterhin im oberen Drittel. Bei anderen Wahlen nimmt der Anteil der Nichtwähler jedoch ständig zu.

Ihren Aufsatz über die Folgen sinkender Wahlbeteiligung auf die Demokratie haben Sie mit der Frage: „Alles halb so schlimm?“ überschrieben – ist das rhetorisch gemeint?

Schäfer: Die rhetorische Frage soll auf die Kurzatmigkeit im Umgang von Medien und Politik mit dem Thema Wahlbeteiligung hinweisen. Fällt die Wahlbeteiligung einmal besonders niedrig aus, wird für ein bis zwei Tage darüber diskutiert, dann verschwindet das Thema von der Tagesordnung. Eine abnehmende Wahlbeteiligung wäre weniger bedenklich, wenn dieser Rückgang durch alle Bevölkerungsschichten ginge. Das ist aber nicht der Fall. Politikwissenschaftliche Studien zeigen einen engen Zusammenhang beispielsweise zwischen Bildung und Einkommen einerseits und der Wahlwahrscheinlichkeit andererseits. Bei einer hohen Wahlbeteiligung fallen diese Faktoren weniger ins Gewicht. Doch eine niedrige ist immer eine sozial ungleiche Wahlbeteiligung. Wir müssen aufpassen, dass nicht Teile der Bevölkerung von der politischen Teilhabe abgekoppelt werden.

Besteht denn diese Gefahr?

Demokratische Beteiligungsformen und Repräsentationsindex: Angegeben ist der nach Bildungsabschluss aufgeschlüsselte Prozentsatz der Personen, die von sich sagen, dass sie bereits an Bürgenentscheiden oder anderen Partizipationsformen teilgenommen haben. Der Repräsentationsindex bildet ab, wie sich die Häufigkeit dieser Aktivitäten beider Gruppen zueinander verhält.

Demokratische Beteiligungsformen und Repräsentationsindex: Angegeben ist der nach Bildungsabschluss aufgeschlüsselte Prozentsatz der Personen, die von sich sagen, dass sie bereits an Bürgenentscheiden oder anderen Partizipationsformen teilgenommen haben. Der Repräsentationsindex bildet ab, wie sich die Häufigkeit dieser Aktivitäten beider Gruppen zueinander verhält.

Schäfer: Meine Forschung legt dies nahe. Ich habe mir zum Beispiel die Wahlbeteiligung in deutschen Großstädten angeschaut. Hinter den Durchschnittszahlen verbergen sich große Unterschiede. In armen Stadtteilen liegt die Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen bis zu 40 Prozentpunkte unter der in wohlhabenden Stadtteilen. Dort, wo sich soziale Probleme konzentrieren, sinkt die Bereitschaft zum politischen Engagement. Die Höhe der Wahlbeteiligung lässt sich demnach durchaus aus der sozialen Lage eines Viertels ableiten: Je ärmer ein Stadtteil, desto weniger Menschen wählen. Dieser Zusammenhang zeigt sich bei allen Wahlarten und in so unterschiedlichen Städten wie Dresden, Hamburg, Hannover, Köln oder Stuttgart. Zukünftig möchte ich untersuchen, ob die Partizipationsbereitschaft auch von solchen Menschen sinkt, die zwar selbst nicht von Armut oder Arbeitslosigkeit betroffen sind, aber in einem von diesen Problemen geprägten Stadtviertel wohnen.

Was bedeutet die unterschiedliche Wahlbeteiligung für die Demokratie?

Schäfer: Extreme Unterschiede in der Wahlteilnahme gefährden das Prinzip politischer Gleichheit, das den Kern der Demokratie ausmacht. Das hat drei Konsequenzen. Erstens wird die Kommunikation zwischen Wählern und Gewählten verzerrt, wenn sozial Schwache den Wahlurnen fernbleiben. Ihre Interessen drohen vernachlässigt zu werden, wenn sie für den Ausgang einer Wahl zunehmend irrelevant sind. Zweitens beeinflusst die Wahlbeteiligung die Wahlergebnisse. Bei der Kommunalwahl wählten in Köln beispielsweise sehr viel mehr Menschen in Stadtteilen mit niedriger Arbeitslosenquote und hohem Durchschnittseinkommen. Dort schnitten CDU, FDP, aber auch die Grünen besonders gut ab. Sie profitieren von der ungleichen Wahlbeteiligung, während die SPD dort gute Ergebnisse erzielt hat, wo die Wahlbeteiligung niedrig ist. Schließlich schwindet die Legitimationskraft von Wahlen, wenn nur eine Minderheit wählt – was bei Europa- und Kommunalwahlen bereits der Fall ist -, die noch dazu nicht repräsentativ für die Wahlberechtigten insgesamt ist.

Es gibt die These, dass eine niedrige Wahlbeteiligung Ausdruck der Zufriedenheit der Wähler ist. Stimmt das?

Schäfer: Nein, diese These lässt sich nicht halten. Je zufriedener jemand mit der Funktionsweise der Demokratie ist, desto höher ist die Wahlwahrscheinlichkeit. Unzufriedenheit, wie auch Einkommens- und Bildungsarmut mobilisieren nicht, sondern führen häufig zu Resignation. Auch wenn es weiteren Forschungsbedarf gibt, entsteht doch der Eindruck, dass im unteren Drittel der Gesellschaft der Glaube abhanden gekommen ist, Politik könne die eigene Lage verbessern.

Der internationale Vergleich zeigt zudem, dass Menschen in Ländern mit geringer sozialer Ungleichheit zufriedener mit der Demokratie sind und Parlamenten und Politikern stärker vertrauen. Ein Beispiel dafür ist unser nördlicher Nachbar Dänemark. Dort beurteilen die Bürger die Politik viel positiver als dies in Deutschland der Fall ist.

Es wird ja häufig argumentiert, dass sich in der allgemeinen Tendenz der Stimmenthaltung bei Wahlen weniger eine Krise als ein Wandel der Demokratie ausdrückt – ist das so?

Schäfer: Diese These wird auf den ersten Blick durch den Bedeutungszuwachs so genannter „unkonventioneller“ Partizipationsformen gestützt. Darunter versteht die Politikwissenschaft Aktivitäten wie etwa die Mitarbeit in Bürgerinitiativen, Unterschriftensammlungen, den direkten Kontakt zu Mandatsträgern oder auch politisch motivierte Produktboykotte. Diese Formen des Engagements haben zugenommen. Da sie häufig mehr persönlichen Einsatz erfordern als das Wählen, wird darin ein Wandel zu einer lebhafteren Demokratie gesehen. Das ist zwar richtig, gilt aber häufig nur für Menschen mit überdurchschnittlichem Einkommen und hoher Bildung. Ich habe anhand von Umfragen untersucht, wie sich politische Aktivitäten über verschiedene Bevölkerungsgruppen verteilen. Dabei zeigt sich, dass die Möglichkeit zu wählen gleichmäßiger genutzt wird als unkonventionelle Beteiligungsformen (Abb. 2). Deshalb ist eine hohe Wahlbeteiligung so wichtig: Nur sie gewährleistet die annähernd gleiche Teilhabe sozialer Gruppen.
Politische Aktivitäten, die von relativ wenigen Menschen genutzt werden, sind dagegen immer zu Lasten sozial Schwacher verzerrt.

Demokratie nur noch für Gutsituierte – Würden Sie aus diesen Beobachtungen Aufgaben für Politik oder Gesellschaft ableiten – wenn ja, was würden Sie vorschlagen?

Schäfer: Als erstes wäre es notwendig, dass eine nachhaltige öffentliche Diskussion darüber in Gang kommt, wie man den Rückgang der Wahlbeteiligung stoppen kann. Zweitens sollte man aus meiner Sicht über eine Wahlpflicht nachdenken. Zahlreiche Studien zeigen, dass damit eine gleichmäßig hohe Wahlbeteiligung erreicht werden kann, selbst wenn die Sanktionen bei Nichtwahl gering sind. Am schwierigsten zu verwirklichen ist der dritte Punkt: Die soziale Ungleichheit, die in den letzten Jahre zugenommen hat, muss nicht zuletzt deshalb bekämpft werden, weil sie der Demokratie schadet.

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Mindestlohn-Kampagne mobilisiert mit „Schäm dich!“-Plakaten

Berlin (ots) – Der Mindestlohn ist eines der wahlentscheidenden Themen der Bundestagswahl 2009. Nicht ohne Grund: Seit gut zwei Jahren wirbt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Politik und Öffentlichkeit erfolgreich für den Mindestlohn. Mit einer Serie von Riesenpostern mobilisiert der DGB jetzt für den 27. September.

Die großflächigen Motive zeigen beispielhaft ein kleines Mädchen, dessen Vater stellvertretend für viele Eltern lediglich 4,81 Euro pro Stunde verdient. Der Ausruf „Schäm dich!“ richtet sich anlässlich der Bundestagswahl gezielt an die Verantwortlichen, die eine solch niedrige Bezahlung für legitim halten. Die Riesenposter werden an elf verschiedenen Standorten bis zur Bundestagswahl in Berlin zu sehen sein. Die Plakataktion bildet den diesjährigen Höhepunkt der seit zwei Jahren laufenden DGB-Kampagne für Mindestlöhne. Damit soll deutlich werden, dass beim Wahltermin am 27. September auch über die Zukunft des Mindestlohns in Deutschland abgestimmt wird.

http://www.mindestlohn.de/aktion/schaem-dich-poster/

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Erneut erwiesen: Familien in Not

Baierbrunn (ots) – Eltern sind bemüht ihren Kindern die bestmögliche Ausbildung und Erziehung zukommen zu lassen. Doch viele haben dazu kein Geld mehr. Daher müssen sie an gesunder Ernährung, Sport und Freizeitaktivitäten immer mehr sparen. Zu Lasten des Nachwuchses. Das belegen die Ergebnisse einer repräsentativen GfK-Umfrage im Auftrag von „BABY und Familie“.

So verneinte mehr als die Hälfte der befragten Eltern (51,5%) die Frage, ob sie es sich leisten könnten für die Zukunft ihrer Kinder Geld anzusparen. Nahezu ähnlich viele (44,8%) sagten, dass sie finanziell nicht in der Lage seien Bio-Lebensmittel oder Sportkurse zu finanzieren, obwohl sie es sich sehr wünschten. Nur gut vier von zehn der Befragten mit minderjährigen Kindern (43,6%) sind der Ansicht, dass ihre Kinder eine genauso gute oder bessere Zukunftsperspektive hätten als sie selbst früher hatten. Ebenso viele (39,8%) beklagen den Zustand, dass sie ihren Kindern nicht das bieten könnten, wozu andere Eltern in der Lage seien. Die Angst ist bei jedem dritten Elternteil (35,4%) so groß, dass er oder sie befürchtet mit der Familie in die Armut abzurutschen.

Quelle: Eine repräsentative Umfrage des Apothekenmagazins „BABY und Familie“, durchgeführt von der GfK Marktforschung Nürnberg bei 2.159 Personen ab 14 Jahren, darunter 514 Frauen und Männer mit minderjährigen Kindern.

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Unding: Zwei-Klassen-Medizin ist rechtlich gedeckt

Baierbrunn (ots) – Auch wenn dies für Kassenpatienten ärgerlich ist: Als „freier Unternehmer“ darf ein niedergelassener Kassenarzt Privatpatienten bevorzugt behandeln, berichtet die „Apotheken Umschau“. Der Arzt kann dies als Eigenart seiner Praxisorganisation ansehen, für die es keine rechtlichen Vorgaben gibt. Die Freiheit endet jedoch bei einem Notfall oder wenn sich die Wartezeit für andere Patienten unangemessen verlängern würde. Auf keinen Fall, so das Gesundheitsmagazin, dürfen Ärzte Kassenpatienten ablehnen, weil sie sonst zu wenig Zeit für ihre Privatpatienten hätten.
„Kassenärzte“ tragen deshalb diesen Namen, weil sie sich verpflichtet haben, die Versorgung der Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen zu gewährleisten.

Originaltext:         Wort und Bild – Apotheken Umschau

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Sozialraubritter Roters

Laut EXPRESS vom 26.08. hat der rot-grüne OB-Kandidat in der Sendung „Kandidaten im Kreuzverhör“ bei center tv am Montagabend Kürzungen im Sozialbereich in einer Höhe von 190 Millionen Euro angekündigt.
Dies entspricht in etwa 30 Prozent des Haushaltsetats des Amtes für Soziales und Senioren. Als vor ein paar Tagen von einer 30-prozentigen Kürzung im Kulturetat die Rede war, brandete ein Sturm der Entrüstung in Köln auf, jetzt wird der nächste Testballon gestartet. Der neoliberale OB-Kandidat Sterck konnte seine Freude kaum verhehlen, dass Roters so wie er die Standards im Sozialbereich senken möchte.
Fast möchte man meinen Roters hat Angst, dass er OB werden könnte. Mit seinen Positionen zur grünen Verkehrspolitik verprellte er vorgestern die Wähler seines grünen Partners mit den Worten: „Da können die Grünen in ihr Programm schreiben was sie wollen.“ Als es um deren Forderung nach einer City-Maut ging. Ebenfalls auf Konfrontation steht er dort mit seiner Haltung zum Godorfer-Hafen und dem Tunnel an der Rheinuferstraße. Mit dem rechtsrheinischen verscherzt er es sich durch seinen Einsatz für eine Verlagerung der Fachhochschule nach Bayenthal und nun holt der die Keule gegen die Armen heraus.
Klar, wer Prestigeobjekte fördern will, der muss bei den Armen sparen. Das ist Roters neoliberale Sozialraubrittereinstellung.
Leistungsbezieher, die jetzt noch Roters zum OB wählen, haben es fast schon nicht besser verdient, was er mit ihnen vor hat. Seine Aussagen, dass Chorweiler neu strukturiert werden müsste, erscheinen nämlich jetzt auch in einem völlig neuen Bild und lassen befürchten, dass er dort auf die schnelle billige Unterkünfte für Leistungsbezieher errichten lassen will. Alle schön in einen Stadtteil zusammen gepfercht, da wird der Rest der Stadt ganz ansehnlich.

Früher nannte man so etwas dann Ghetto.

Quellen:
http://www.express.de/nachrichten/region/koeln/roters-will-im-sozialen-sparen_artikel_1251217050782.html
Center TV dort wird die Sendung wiederholt am Mittwoch, 26. August 2009, ab 8.00 und 9.45 Uhr und am Samstag, 29. August 2009, ab 20.00 und 21.45 Uhr.

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