Archiv für Köln

Klimaszenarien für Köln

Am 29. August schrieb ich meinem Bericht über den Umweltausschuss vom 27.08.09: „Das war er also mein vielleicht letzter Ausschuss.“  Inzwischen ist viel passiert. So hat der Rat der Stadt Köln beschlossen, den Ausschuss zu teilen. In einen Ausschuss Umwelt und Grün  (zugleich Betriebsausschuss AWB) und einen Gesundheitsausschuss.
Der Arbeitskreis Gesundheit und Umwelt hat dafür gevotet, dass Uschi Röhrig in den Gesundheitsausschuss gehen soll und ich in den Ausschuss Umwelt und Grün. Die Fraktion und der Mittwochskreis haben dies bestätigt und am 29.10.09 hat mich der Rat als so genanntes „Mitglied mit beratender Stimme nach § 58 Absatz 1 Satz 7 bis12 Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen“ benannt. Das freut mich sehr und ich hoffe, regelmäßiger als in den letzten Wochen hier zu berichten. Mir zur Seite stehen wird als so genannter „Sachkundiger Einwohner“ Dieter Koberg.

Jetzt aber zur Sitzung:

Die nächste Sitzung des Ausschuss für Umwelt und Grün wird am 03.12.09 Stadthaus Deutz, 16. Etage, Riegel F, Raum 43 stattfinden. Dank des neuen Internetsystems der Stadt Köln kann man die Tagesordnung und viele Vorlagen hier ansehen: 3. Dezember 2009, 15:30 Uhr 

Mein besonderes Augenmerk fiel auf folgende Tagesordnungspunkte:

6.6 Ausweisung von Hundefreilaufflächen

9.3  Sozialtarife für Strom- und Gasbezug

9.5 Klimawandel

ups …. Klimawandel? Klimawandel,hmmmm …. da war doch was???? Ach ja ich hatte ja mal vor Urzeiten (30. April 2009)  eine mündliche Anfrage bezüglich des Klimawandels und der Anpassung daran gestellt. (näheres im Artikel In Köln wird’s heiß) Zwischenzeitlich hatte ich über die diversen Antwortversuche der Verwaltung berichtet. Auf deren Verlinkung ich hier verzichte, die man, aber alle findet, wenn man ins Thema „Umweltausschuss“ wechselt. Zurück zum Thema. Nachdem ich schon im August erfreut über eine anscheinend abschließende Beantwortung war, bin ich jetzt beinahe entzückt. Aber lest selbst:

Klimawandel

Projekt zum Klimawandel und zu möglichen Anpassungsstrategien

Der Klimawandel ist in Köln bereits angekommen, seine Folgen sind schon heute spürbar. Nach Auffassung renommierter Wissenschaftler ist der Klimawandel nicht mehr völlig zu stoppen, sondern nur noch zu mildern und zu begrenzen.
Daher sind neben den bereits laufenden Klimaschutzmaßnahmen (Klimaschutzkonzept der Stadt Köln) zusätzlich auch Maßnahmen zur Anpassung an den unvermeidlichen Kli-mawandel nötig.
Die dem Umweltamt zur Verfügungen stehenden Regionalszenarien aus den Globalmo-dellen zeigen, dass lang anhaltende Hitzeperioden, wie sie im Jahre 2003 aufgetreten sind, mit Tropennächten und schwülen Tagen, in der Zukunft in Köln deutlich zunehmen werden.
Gleichzeitig nimmt die Anzahl der Frost- und Eistage ab.
Die genannten, belastenden Witterungsperioden in den Sommermonaten, werden gerade für Risikogruppen in der Bevölkerung zu vermehrten gesundheitlichen Problemen führen.
Auch das Niederschlagsregime wird sich in der Zukunft verändern. Die Winter werden ins-gesamt feuchter und die Sommer trockener. Gleichzeit werden die sommerlichen Nieder-schläge vermehrt umwetterartig innerhalb von kurzer Zeit fallen und so größere Sach-schäden verursachen.
Insgesamt wird sich in Köln das Phänomen der urbanen Wärmeinsel aufgrund der Klima-veränderung noch verstärken.
Anhand dieser Globalszenarien lässt sich das Stadtgebiet nicht differenziert darstellen und die Verstärkung des Wärmeinseleffektes in Köln nicht exakt ableiten. Um die Vorausset-zungen für die Erarbeitung kleinräumiger, auf Köln bezogene Darstellungen der Auswir-kungen des Klimawandels zu entwickeln und um die Anpassungsstrategien auf belastba-res Zahlenmaterial zu stellen, hat die Stadt Köln, zusammen mit dem Deutschen Wetter-dienst (DWD) und dem LANUV ein Modellprojekt zur zukünftigen Klimaentwicklung in Köln begonnen.
Damit nimmt die Stadt Köln eine Vorreiterrolle in Sachen Klimawandel und Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen ein.
Im Zuge des Projektes sollen auf Grundlage von meteorologischen Messdaten1 im Stadt-gebiet, von Basisdaten des Umweltamtes und Modellrechnungen2 mit dem Stadtklimamo-dell MUKLIMO_3 des DWD´s die zukünftigen Klimaänderungen hoch aufgelöst für die ein-zelnen Stadtquartiere prognostiziert werden.
Aus den Ergebnissen werden Planungsempfehlungen für die zukünftige, klimaangepasste Stadtentwicklung formuliert, und weiterhin Strategien zur Bewältigung der unvermeidbaren Folgen entwickelt.
Dabei stehen die Wärmeentwicklung im Sommer, mit Hitzetagen und Tropennächten e-benso im Vordergrund, wie die Zunahme von Starkregenereignissen.
Das Projekt startete mit einer gemeinsamen Vertragsunterzeichnung am 26.10.09 und hat eine Laufzeit von ca. zwei Jahren.
Eine Vielzahl von Maßnahmen wird zu ergreifen sein, um eine klimagerechte Stadt Köln insgesamt für die Zukunft zu entwickeln und zu rüsten. 

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Bericht zur letzten BV-Sitzung 12.11.09

Die 2. Sitzung der Bezirksvertretung am 12.11.09 dauerte ziemlich genau eine Stunde.

Das lag auch daran dass mehrere TOPs vertagt wurden.

7.1.1   Car-sharing

7.1.2   Schaffung von Parkmöglichkeiten im Bereich Wiehler- und Wahlscheider Straße

7.1.3   Verbesserung der Hinweisbeschilderung

8.1.1   Bewohnerparken

 dafür kam der folgende Punkt neu dazu

7.1.7   Finanzielle Sicherung der Gründung der Immobilien Standortgemeinschaft Kalk in Köln-Kalk

der auch als erster beraten wurde.

Da die Sitzung mit etwa 20 Minuten Verspätung begann (Foto-Session) konnte ich mich mit Alfred und Marianne kurz über den Punkt beraten. Wir entschlossen uns den Antrag zu unterstützen. Insgesamt wurde der Antrag einstimmig beschlossen.

Übrigens wurden alle Entscheidungen einstimmig beschlossen! Laut dem SPD-Mitglied Wolfgang Schneider, das erste Mal seit 15 Jahren.

Das lag aber wohl an der Vertagung der obigen vier strittigen Punkte. Dadurch gab es einfach nix wo man Fundamental–Opposition spielen konnte. Aus dem noch übrig gebliebenen strittigsten Antrag, wurde dann noch ein Prüfantrag gebastelt. Es handelt sich um:

7.1.6   Hinweisschilder für das Kinder- und Jugendhaus im Stadtteil Neubrück

in diesem Punkt machte ich zur Verwunderung vieler und entgegen der Geschäftsordnung die Verwaltung darauf aufmerksam, dass die Stadtteilbeschilderung in Neubrück unvollständig ist. Der Bürgeramtsleiter versicherte mir hinter her, dass sie den Punkt trotzdem aufgenommen hätten und verfolgen wollten. Vielleicht kann ich ja dann bald ein Foto von mir vor dem Schild machen und der Wochenspiegel druckt es ;-)

 

Gut, dass das Bewohnerparken und RoterPunkt vertagt wurden, denn ich hab erst am Tag der Sitzung herausgefunden, dass die 30 Euro Jahresgebühr auf Grund einer bundesweiten Gebührenordnung (Gebührenordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr (GebOSt)) erhoben werden. Dort heißt es allerdings unter der Ziffer 265: „Ausstellen eines Parkausweises für Anwohner 10,20 bis 30,70 pro Jahr“ Also für lau geht nicht. 

unsere Anfrage

9.2.8   Zustand des Spielplatzes in der Merheimer Heide war natürlich noch nicht beantwortet.  

bei

10.2.1 [...] Weitere Entwicklung des Geländes der ehemaligen Werksanlagen KHD Humboldt-Wedag in Kalk-Süd

fragte ich wunschgemäß nach, was denn unter „qualitätsvollen Wohnungsneubauvorhaben“ zu verstehen sei. Der Bürgeramtsleiter teilte sehr vorsichtig und bedacht mit, dass damit etwas mehr sein soll als im sozialen Wohnungsbau. Das heißt also es ist KEIN sozialer Wohnungsbau!

Es wurde ein Fachgespräch zu dem Thema angekündigt. Darauf bin ich gespannt.

 

Aproppos Fachgespräche. Es haben bisher 3 Fachgespräche und 2 Ortsbesichtigungen stattgefunden. Für den16. (Rettungsdienst) und 30.11. (Baggerloch Neubrück) sind weitere terminiert.

Die nächste reguläre Sitzung ist für den 10.12. vorgesehen. Das heißt, dass Anfragen bis zum 03.12. 12:00 zu stellen sind – Anträge bis zum 26.11. !!!

Beide Termine liegen VOR dem nächsten AK-Treffen am 07.12.09 (Steprathstr. 11 – „linker raum kalk“)

 

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Termin: 02.11.09 – „Was nützen soziale Projekte?“

Gerade in Zeiten knapper Kassen sind vor dem Start sozialer Projekte auch immer Fragen der Finanzierung zu klären. Dabei werden zwangsläufig Fragen nach den Kosten und dem Nutzen gestellt. Eine Kosten-Nutzen-Analyse erscheint daher für die Sozialarbeit eine zwingende strategische Notwendigkeit. Allerdings müssen hierbei Chancen und Gefahren sorgfältig und unvoreingenommen abgewogen werden.

Die Aussicht auf eine Akzeptanz von angestrebten sozialen Dienstleistungen darf nicht dazu führen, bei der Bewertung der Erfolgsaussichten einseitige und sachfremde Kriterien anzulegen. So ist beispielsweise entscheidend, aus wessen Perspektive eine Analyse durchgeführt wird und welche Folgen über welchen Zeitraum gemessen und wie bewertet werden.

Diese Fragen beleuchtet Prof. Dr. Werner Schönig am Montag, 2. November 2009, um 19 Uhr im Rathaus Spanischer Bau, Ratssaal in seinem Vortrag „Was nützen soziale Projekte? – Bewertungskonzepte aus ökonomischer Sicht“.

Der Volkswirt von der Katholischen Hochschule NRW stellt dabei zwei Studien vor, eine Studie zur Beschäftigungsförderung und eine Studie zu Mutter-Kind-Kuren. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe „Wissenschaft im Rathaus“ statt. Zu Beginn wird Sozialdezernentin Marlis Bredehorst in Vertretung von Oberbürgermeister Jürgen Roters ein Grußwort an die Gäste richten und in das Thema einführen.

Schönig hat sich bereits im Studium auf Sozialwesen spezialisiert und beschäftigt sich in seinen Forschungen mit sozialen Diensten und Armut, kommunalen Handlungskonzepten sowie sozialökonomischen Fragestellungen. Der Wissenschaftler nimmt neben seiner Lehrtätigkeit auch Gutachter- und Beratungsaufgaben wahr. Aktuell ist er Beiratsmitglied im DFG-Projekt „Das Menschenrecht auf Bildung“ und im Beirat, der die Leitlinien für ein soziales Köln erstellt.
Mit welchen Themen sich der Volkswirt in zehn Jahren beschäftigen wird und was ihn an seiner Arbeit fasziniert, erfährt man 
hier.

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Geh- und Radweg in Köln-Merheim saniert

Lästige Wurzelanhebungen und Längsrisse auf dem gemeinsamen Geh- und Radweg entlang der Broichstraße in Köln-Merheim gehören nun der Vergangenheit an. Das Amt für Straßen und Verkehrstechnik hat auf einer Länge von rund 850 Metern den Weg zwischen dem Übergang an der Stadtbahnlinie 1 und der Ostmerheimer Straße komplett saniert. Fußgänger und Radfahrer können die Broichstraße nun wieder ohne Beeinträchtigungen nutzen.
Die Kosten für das Bauvorhaben belaufen sich auf rund 40.000 Euro.

Ort in google-maps

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Termin: 11.10.09 – Mythos Baum

Besonders schöne Exemplare heimischer Baumarten zeigt Dr. Walter Werner vom Führungsservice des Botanischen Gartens den Teilnehmern seines Rundgangs durch das Freiland der Flora am Sonntag, 11. Oktober 2009, um 11 Uhr.

Neben ihren botanischen Eigenschaften und Nutzungen erläutert der Experte auch die mythologische Bedeutung von einigen Arten, wie der Dorf-Linde oder der Gerichts-Eiche. Die alten Überlieferungen hängen eng mit Eigenschaften der Gehölze wie Dauerhaftigkeit, Wuchsform und Giftigkeit der Triebe oder Früchte zusammen. Werner präsentiert bei seiner Führung auch den Baum des Jahres 2009, den Berg-Ahorn.

Treffpunkt ist vor dem Eingang der Schaugewächshäuser. Die Teilnahme an dem Rundgang kostet vier Euro für Erwachsene und zwei Euro für Kinder, Schüler, Studenten und wie ich auf telefonische Nachfrage erfahren habe auch für KölnPass-Inhaber.

Die Führung lässt sich gut verbinden mit einem kostenlosen Besuch der beiden aktuellen
Ausstellungen im Botanischen Garten zur Evolution: „Schritte durch die Zeit“ (bis 1. November 2009, täglich 8 bis 18 Uhr) und „Darwins Garten – Evolution entdecken“ (verlängert bis 22. November 2009, täglich 10 bis 16 Uhr).

Der Botanische Garten, Alter Stammheimer Weg, Köln-Riehl, ist erreichbar mit der Stadtbahnlinie 18, der Buslinie 140 (Haltestelle Zoo/Flora) und der Stadtbahnlinie 16 (Haltestelle Kinderkrankenhaus).

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Riskante Geschäfte mit öffentlichem Eigentum

Viele deutsche Kommunen haben seit den 1990er Jahren Teile ihrer Infrastruktur an US-amerikanische Investoren verleast, um ihre klammen Finanzen aufzubessern. In der gegenwärtigen Krise wird das von Anfang an problematische Geschäftsmodell des Cross Border Leasing indes zur finanziellen Bedrohung für die Kommunen. Eine aktuelle Deutschlandkarte des Leibniz-Instituts für Länderkunde zeigt, wo und in welchem Umfang solche hoch riskanten Verträge abgeschlossen wurden.

Mehr als 50 deutsche Kommunen und Zweckverbände haben seit 1995 öffentliches Eigentum in so genannte Cross  Border  Leasing-Verträge mit US-amerikanischen Investoren eingebracht. Während das hoch spekuklative Geschäftsmodell kurzfristige finanzielle Vorteile versprach, wird es heute in einem Atemzug mit faulen Hypothekenkrediten genannt. Wo in Deutschland Müllverbrennungsanlagen, Einrichtungen der Wasserver- und -entsorgung, Verkehrsinfrastruktur oder Kranken­häuser verleast worden sind, zeigt die jetzt in Nationalatlas aktuell erschienene Karte des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) zum Thema Cross Border Leasing (CBL).

Danach steht Nordrhein-Westfalen mit insgesamt rund der Hälfte des deutschlandweiten Transaktionsvolumens an der Spitze, gefolgt von Sachsen und Baden-Württemberg. In Bayern und Niedersachsen sind dagegen nur wenige und in Schleswig-Holstein, Brandenburg und dem Saarland gar keine Vertragsabschlüsse zu verzeichnen. Die Städte mit den größten Beteiligungen an CBL sind Düsseldorf, Leipzig, Berlin und Stuttgart.

Wie die IfL-Wissenschaftler Judith Miggelbrink und Dirk Hänsgen im Begleittext zur Karte schreiben, könnten sich die über eine Laufzeit von bis zu einhundert Jahren geschlossenen CBL-Verträge für die beteiligten deutschen Kommunen und Zweckverbände in eine „Büchse der Pandora“ verwandeln. Als Gründe nennen sie zwei vertragliche Verpflichtungen, die Kommunen und Zweckverbände eingegangen sind: zum einen bei sinkender Bonität der Darlehensbanken und treuhänderischen Banken diese auszutauschen, und zum anderen ihre in die Verträge eingebrachten Infrastrukturobjekte gegen Wertminderung zu versichern.  „Beides wird in der gegenwärtigen Bankenkrise nicht nur immer schwieriger, sondern vor allem auch immer teuerer„, so die Autoren des neuen Beitrags in Nationalatlas aktuell.

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Armut macht wahllos

Interview mit Armin Schäfer, der am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung die Folgen sinkender Wahlbeteiligung auf die Demokratie erforscht hat

Armin Schäfer ist Politikwissenschaftler und arbeitet seit 2001 am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Er untersucht den Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und politischer Teilhabe in Deutschland und international vergleichend. Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung

Armin Schäfer ist Politikwissenschaftler und arbeitet seit 2001 am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Er untersucht den Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und politischer Teilhabe in Deutschland und international vergleichend. Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung

Die Landtagswahlen in Sachsen oder Thüringen, aber auch die Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen haben es wieder einmal deutlich gezeigt: Wie in vielen anderen etablierten Demokratien sinkt auch in Deutschland die Wahlbeteiligung. „Noch nie haben so wenige Bürger ihr Recht zu wählen genutzt wie heute„, sagt der Politikwissenschaftler Armin Schäfer. Am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln hat er die Folgen dieses Trends untersucht und sieht Gefahr im Verzug für die politische Gleichheit: „Wir müssen aufpassen, dass nicht Teile der Bevölkerung von der politischen Teilhabe abgekoppelt werden.“

Bei den Wahlen in diesem Jahr stagniert oder sinkt die Wahlbeteiligung mit wenigen Ausnahmen. Zeichnet sich ein Szenario für die Bundeswahl ab?

Schäfer: Falls der Trend der vergangenen Jahre anhält, müssen wir auch bei der Bundestagswahl mit einer niedrigeren Wahlbeteiligung rechnen.
Bei Kommunal-, Landtags- und Europawahlen sinkt die Wahlbeteiligung seit drei Jahrzehnten. Ein Teil dieser Entwicklung stellt eine Normalisierung gegenüber der ungewöhnlich hohen Beteiligung von um die 80 Prozent in den siebziger Jahren dar. Doch inzwischen liegen wir unter dem Niveau der fünfziger und sechziger Jahre. Bei Landtagswahlen gaben seit dem Jahr 2000 im Durchschnitt nur noch 60 Prozent der Wahlberechtigten die Stimme ab, bei Kommunalwahlen lediglich 54 Prozent. Eine Wahlbeteiligung von unter 50 Prozent ist längst keine Seltenheit mehr. Bundestagswahlen sind bislang weniger stark von diesem Rückgang betroffen, auch wenn die Wahlbeteiligung 2005 fast 13 Prozentpunkte unter der Rekordbeteiligung von 1972  [Anmerkung: Das war die "Willy-Wahl"] lag.

Liegt Deutschland im internationalen Trend?

Schäfer: Ja, in fast allen entwickelten Demokratien sinkt die Wahlbeteiligung bei Parlamentswahlen – allerdings in unterschiedlichem Tempo und von unterschiedlichem Niveau ausgehend. Während beispielsweise in Belgien, einem Land mit Wahlpflicht, die Beteiligung weiterhin über 90 Prozent liegt, ist sie in der Schweiz niedriger als 50 Prozent. Deutschland liegt bei Bundestagswahlen weiterhin im oberen Drittel. Bei anderen Wahlen nimmt der Anteil der Nichtwähler jedoch ständig zu.

Ihren Aufsatz über die Folgen sinkender Wahlbeteiligung auf die Demokratie haben Sie mit der Frage: „Alles halb so schlimm?“ überschrieben – ist das rhetorisch gemeint?

Schäfer: Die rhetorische Frage soll auf die Kurzatmigkeit im Umgang von Medien und Politik mit dem Thema Wahlbeteiligung hinweisen. Fällt die Wahlbeteiligung einmal besonders niedrig aus, wird für ein bis zwei Tage darüber diskutiert, dann verschwindet das Thema von der Tagesordnung. Eine abnehmende Wahlbeteiligung wäre weniger bedenklich, wenn dieser Rückgang durch alle Bevölkerungsschichten ginge. Das ist aber nicht der Fall. Politikwissenschaftliche Studien zeigen einen engen Zusammenhang beispielsweise zwischen Bildung und Einkommen einerseits und der Wahlwahrscheinlichkeit andererseits. Bei einer hohen Wahlbeteiligung fallen diese Faktoren weniger ins Gewicht. Doch eine niedrige ist immer eine sozial ungleiche Wahlbeteiligung. Wir müssen aufpassen, dass nicht Teile der Bevölkerung von der politischen Teilhabe abgekoppelt werden.

Besteht denn diese Gefahr?

Demokratische Beteiligungsformen und Repräsentationsindex: Angegeben ist der nach Bildungsabschluss aufgeschlüsselte Prozentsatz der Personen, die von sich sagen, dass sie bereits an Bürgenentscheiden oder anderen Partizipationsformen teilgenommen haben. Der Repräsentationsindex bildet ab, wie sich die Häufigkeit dieser Aktivitäten beider Gruppen zueinander verhält.

Demokratische Beteiligungsformen und Repräsentationsindex: Angegeben ist der nach Bildungsabschluss aufgeschlüsselte Prozentsatz der Personen, die von sich sagen, dass sie bereits an Bürgenentscheiden oder anderen Partizipationsformen teilgenommen haben. Der Repräsentationsindex bildet ab, wie sich die Häufigkeit dieser Aktivitäten beider Gruppen zueinander verhält.

Schäfer: Meine Forschung legt dies nahe. Ich habe mir zum Beispiel die Wahlbeteiligung in deutschen Großstädten angeschaut. Hinter den Durchschnittszahlen verbergen sich große Unterschiede. In armen Stadtteilen liegt die Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen bis zu 40 Prozentpunkte unter der in wohlhabenden Stadtteilen. Dort, wo sich soziale Probleme konzentrieren, sinkt die Bereitschaft zum politischen Engagement. Die Höhe der Wahlbeteiligung lässt sich demnach durchaus aus der sozialen Lage eines Viertels ableiten: Je ärmer ein Stadtteil, desto weniger Menschen wählen. Dieser Zusammenhang zeigt sich bei allen Wahlarten und in so unterschiedlichen Städten wie Dresden, Hamburg, Hannover, Köln oder Stuttgart. Zukünftig möchte ich untersuchen, ob die Partizipationsbereitschaft auch von solchen Menschen sinkt, die zwar selbst nicht von Armut oder Arbeitslosigkeit betroffen sind, aber in einem von diesen Problemen geprägten Stadtviertel wohnen.

Was bedeutet die unterschiedliche Wahlbeteiligung für die Demokratie?

Schäfer: Extreme Unterschiede in der Wahlteilnahme gefährden das Prinzip politischer Gleichheit, das den Kern der Demokratie ausmacht. Das hat drei Konsequenzen. Erstens wird die Kommunikation zwischen Wählern und Gewählten verzerrt, wenn sozial Schwache den Wahlurnen fernbleiben. Ihre Interessen drohen vernachlässigt zu werden, wenn sie für den Ausgang einer Wahl zunehmend irrelevant sind. Zweitens beeinflusst die Wahlbeteiligung die Wahlergebnisse. Bei der Kommunalwahl wählten in Köln beispielsweise sehr viel mehr Menschen in Stadtteilen mit niedriger Arbeitslosenquote und hohem Durchschnittseinkommen. Dort schnitten CDU, FDP, aber auch die Grünen besonders gut ab. Sie profitieren von der ungleichen Wahlbeteiligung, während die SPD dort gute Ergebnisse erzielt hat, wo die Wahlbeteiligung niedrig ist. Schließlich schwindet die Legitimationskraft von Wahlen, wenn nur eine Minderheit wählt – was bei Europa- und Kommunalwahlen bereits der Fall ist -, die noch dazu nicht repräsentativ für die Wahlberechtigten insgesamt ist.

Es gibt die These, dass eine niedrige Wahlbeteiligung Ausdruck der Zufriedenheit der Wähler ist. Stimmt das?

Schäfer: Nein, diese These lässt sich nicht halten. Je zufriedener jemand mit der Funktionsweise der Demokratie ist, desto höher ist die Wahlwahrscheinlichkeit. Unzufriedenheit, wie auch Einkommens- und Bildungsarmut mobilisieren nicht, sondern führen häufig zu Resignation. Auch wenn es weiteren Forschungsbedarf gibt, entsteht doch der Eindruck, dass im unteren Drittel der Gesellschaft der Glaube abhanden gekommen ist, Politik könne die eigene Lage verbessern.

Der internationale Vergleich zeigt zudem, dass Menschen in Ländern mit geringer sozialer Ungleichheit zufriedener mit der Demokratie sind und Parlamenten und Politikern stärker vertrauen. Ein Beispiel dafür ist unser nördlicher Nachbar Dänemark. Dort beurteilen die Bürger die Politik viel positiver als dies in Deutschland der Fall ist.

Es wird ja häufig argumentiert, dass sich in der allgemeinen Tendenz der Stimmenthaltung bei Wahlen weniger eine Krise als ein Wandel der Demokratie ausdrückt – ist das so?

Schäfer: Diese These wird auf den ersten Blick durch den Bedeutungszuwachs so genannter „unkonventioneller“ Partizipationsformen gestützt. Darunter versteht die Politikwissenschaft Aktivitäten wie etwa die Mitarbeit in Bürgerinitiativen, Unterschriftensammlungen, den direkten Kontakt zu Mandatsträgern oder auch politisch motivierte Produktboykotte. Diese Formen des Engagements haben zugenommen. Da sie häufig mehr persönlichen Einsatz erfordern als das Wählen, wird darin ein Wandel zu einer lebhafteren Demokratie gesehen. Das ist zwar richtig, gilt aber häufig nur für Menschen mit überdurchschnittlichem Einkommen und hoher Bildung. Ich habe anhand von Umfragen untersucht, wie sich politische Aktivitäten über verschiedene Bevölkerungsgruppen verteilen. Dabei zeigt sich, dass die Möglichkeit zu wählen gleichmäßiger genutzt wird als unkonventionelle Beteiligungsformen (Abb. 2). Deshalb ist eine hohe Wahlbeteiligung so wichtig: Nur sie gewährleistet die annähernd gleiche Teilhabe sozialer Gruppen.
Politische Aktivitäten, die von relativ wenigen Menschen genutzt werden, sind dagegen immer zu Lasten sozial Schwacher verzerrt.

Demokratie nur noch für Gutsituierte – Würden Sie aus diesen Beobachtungen Aufgaben für Politik oder Gesellschaft ableiten – wenn ja, was würden Sie vorschlagen?

Schäfer: Als erstes wäre es notwendig, dass eine nachhaltige öffentliche Diskussion darüber in Gang kommt, wie man den Rückgang der Wahlbeteiligung stoppen kann. Zweitens sollte man aus meiner Sicht über eine Wahlpflicht nachdenken. Zahlreiche Studien zeigen, dass damit eine gleichmäßig hohe Wahlbeteiligung erreicht werden kann, selbst wenn die Sanktionen bei Nichtwahl gering sind. Am schwierigsten zu verwirklichen ist der dritte Punkt: Die soziale Ungleichheit, die in den letzten Jahre zugenommen hat, muss nicht zuletzt deshalb bekämpft werden, weil sie der Demokratie schadet.

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Termin:24|09|09 – Bürgerhaushalt für das Jahr 2010

Auch an der Aufstellung des städtischen Haushalts für das Jahr 2010 können sich die Bürger beteiligen. Vom 17. November bis 20. Dezember 2009 haben sie die Möglichkeit, Vorschläge, Wünsche und Anregungen für die Verwendung städtischer Gelder einzureichen, dieses Mal zu den Themen Bildung/Schule und Umweltschutz. Im Zusammenhang mit dem Beschluss zum städtischen Etat entscheidet der Rat der Stadt Köln dann über die Vorschläge der Bürger. Wie eine Beteiligung am 2. Kölner Bürgerhaushalt konkret möglich ist, welche Termine
es zu beachten gilt und wie das weitere Verfahren aussieht, dies wird die Verwaltung den Bürgern in den kommenden Wochen im Rahmen der Sitzungen der Bezirksvertretungen oder in Sonderveranstaltungen in allen neun Kölner Stadtbezirken vorstellen. Der erste Termin im Stadtbezirk Mülheim hat bereits stattgefunden.

Der Termin für Kalk:

 

24. September 2009, 19.30 Uhr

 

Bürgeramt Kalk (Nebengebäude des Bezirksrathauses), Raum 901, Kalker Hauptstraße 247-273, Köln-Kalk

Mitarbeiter der Kämmerei werden an diesem Abend das Verfahren des Bürgerhaushalts erläutern und stehen anschließend für Fragen zur Verfügung.

 

 

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Godorfer Hafen: Verwaltungsgericht Köln hebt Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung auf

Das Verwaltungsgericht Köln hat mit zwei heute bekannt gegebenen Urteilen den Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung Köln vom 30. August 2006 zum Ausbau des Godorfer Hafens aufgehoben und damit den Klagen von zwei Anwohnern aus Sürth stattgegeben. Zugleich hat es einem zusätzlich gestellten Antrag auf einen vorläufigen Stopp des Ausbaus entsprochen.

Die Anwohner hatten im November 2006 Klage erhoben und sowohl formale als auch inhaltliche Fehler des Planfeststellungsbeschlusses geltend gemacht. Vor allem hatten sie Versäumnisse beim Hochwasserschutz und beim Lärmschutz sowie die teilweise fehlende Zuständigkeit der Bezirksregierung Köln gerügt. Am 11. August 2009 hatte das Verwaltungsgericht in einer mehr als vierstündigen Sitzung alle von den Klägern angesprochenen Problembereiche ausführlich erörtert. Die auf der Grundlage dieser Verhandlung ergangenen Urteile wurde den Beteiligten heute schriftlich bekannt gegeben.

Nach Auffassung des Gerichts ist der Planfeststellungsbeschluss rechtswidrig, weil die beklagte Bezirksregierung Köln für einen wesentlichen Teil der notwendigen Genehmigungen nicht zuständig war. Im Rahmen des für die Errichtung des neuen Hafenbeckens erforderlichen wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahrens hatte die Bezirksregierung auch eisenbahnrechtliche, straßenrechtliche, immissionsschutzrechtliche und baurechtliche Erlaubnisse zur Herstellung aller Hafeneinrichtungen erteilt. Für die Erteilung der notwendigen baurechtlichen Erlaubnisse wäre jedoch die Stadt Köln zuständig gewesen.

Für die von der Bezirksregierung in diesem Zusammenhang in Anspruch genommene Konzentrationswirkung“ (einer einheitlichen Behördenzuständigkeit für alle einschlägigen Rechtsbereiche) sieht das Gericht keine ausreichende gesetzliche Grundlage. Die Kläger können sich nach Ansicht des Gerichts auch auf diesen formalen Mangel berufen, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Stadt Köln als verantwortliche Entscheidungsträgerin den Klägern gegenüber günstigere Entscheidungen getroffen hätte, indem etwa höhere Anforderungen an den Hochwasser- und/oder Lärmschutz gestellt worden wären. Das Gericht hat seine Entscheidung allein auf den formalen Mangel des Planfeststellungsbeschlusses gestützt. Ob der Planfeststellungsbeschluss auch inhaltlich rechtswidrig ist, ist damit nicht entschieden.

Mit einem zugleich bekannt gegebenen Beschluss hat das Gericht außerdem einem erst im Mai dieses Jahres in einem eigenständigen Eilverfahren von den Anwohnern gestellten Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz stattgegeben. Damit können die Arbeiten zum Ausbau des Godorfer Hafens vorerst nicht fortgeführt werden.

Gegen den Beschluss zum vorläufigen Stopp des Ausbaus können die Bezirksregierung und die zum Verfahren beigeladene Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) innerhalb von zwei Wochen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster einlegen. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung hat das Gericht zudem gegen die im Klageverfahren ergangenen Urteile die Berufung zugelassen, die innerhalb eines Monats ebenfalls beim Oberverwaltungsgericht Münster eingelegt werden kann.

Aktenzeichen: 14 K 4719/06, 14 K 4720/06, 14 L 764/09

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Neue Zusammensetzung BV 8 – Kalk

So wird sich die neue BV-Kalk zusammen setzen, wenn alle ihre Mandate annehmen:

CDU Schuiszill, Ernst Jürgen
CDU Topp-Burghardt, Daniela
CDU Müller, Stefan
CDU Kelz, Walter
CDU Gärtner-Plückthun, Eva-Maria
CDU Schade, Jörn
SPD Thiele, Markus
SPD Schmedemann, Kerstin
SPD Krems, Oliver
SPD Schneider, Wolfgang
SPD Klein, Markus
SPD Pagano, Marco
SPD Grahl, Jörg
GRÜNE Schmidt, Karin
GRÜNE Delawari, Timon
GRÜNE Erduran-Demirci, Ilkay
FDP Meurer-Eichberg, Eric
pro Köln Wiener, Markus
DIE LINKE Fischer, Heinz-Peter

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